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Im Test! No More Heroes 1 & 2 für Nintendo Switch

TitelNo More Heroes 1 & 2
Japan28. Oktober 2020
Grasshopper Manufacture
Nordamerika28. Oktober 2020
Marvelous
Europa28. Oktober 2020
Marvelous
SystemNintendo Switch
Getestet fürNintendo Switch
EntwicklerGrasshopper Manufacture
GenresAction
Texte
Deutschland
VertonungNordamerikaJapan

Seit vielen Jahren wollte ich unbedingt mal „No More Heroes“ spielen. Auf Wii wollte ich es jedoch nicht spielen, da es hierzulande geschnitten war und die PS3-Fassung ist irgendwie nie in meinem Regal gelandet. Natürlich habe ich also bei einer Ankündigung von „No More Heroes 3“ für Nintendo Switch gehofft, dass die ersten beiden Ableger auch auf der aktuellen Nintendo-Konsole landen werden. Dies ist mittlerweile zur Freude vieler Fans geschehen und ich konnte die Titel endlich einmal genauer anschauen. Fangen wir mit dem ersten Ableger an.

No More Heroes

In „No More Heroes“ schlüpft ihr in die Rolle von Travis Touchdown. Dieser verdient sich mit Auftragsmorden seinen Lebensunterhalt, nimmt das Ganze aber nicht immer wirklich ernst und verbringt seine Zeit gern mit Anime und Wrestling. Nachdem die attraktive Sylvia versprochen hat, mit ihm… ein Date zu haben, wenn er auf dem ersten Platz der Auftragskiller-Rangliste landet, ist er jedoch Feuer und Flamme. Um sein Ziel zu erreichen, muss er nur alle Killer töten, die vor ihm in der Liste sind. Im Tutorial zu Beginn des Spiels tötet ihr Nr. 10 und landet somit selbst auf dem zehnten Platz.

Das Schöne an „No More Heroes“: Es nimmt sich selbst nicht ernst und versteckt dies auch nicht. Jede Zwischensequenz hat einen gewissen B-Movie-Flair, aber auf eine gute Art und Weise. Es mag allerdings nicht unbedingt jedermanns Sache sein, zumal Travis teilweise zwischen lüsternem Burschen und edlem Gentleman im Sekundentakt wechselt. Unser führender Auftragskiller selbst ist ein lustiger Bursche, welcher immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat.

Ein Hack ’n‘ Slash mit viel Slash

»In „No More Heroes“ bekämpft ihr die Feinde mit dem Beam-Katana von Travis, entweder mit hohen oder niedrigen Schwüngen, Schlägen oder Tritten.«

Sobald ihr das erste Mal auf Travis im Spiel trefft, also so ziemlich wenige Sekunden nach Start der Story, gibt es erst einmal ein kleines Tutorial. Dieses bringt euch die grundlegende Steuerung im Spiel bei. Hierbei habt ihr zwei Möglichkeiten: Spielt ihr normal mit den Tasten oder nutzt ihr die Bewegungssteuerung? Ich persönlich habe mich für die bewegungsfreie Variante entschieden und meistens meinen Pro-Controller oder den Handheld-Modus genutzt. Als ich dann mal versuchte, mit den Joy-Con und Bewegungssteuerung zu spielen, ging das total in die Hose.

In „No More Heroes“ bekämpft ihr die Feinde mit dem Beam-Katana von Travis, entweder mit hohen oder niedrigen Schwüngen, Schlägen oder Tritten. Letztere sind eher dazu da, um eine Kombo zu verlängern oder einen Feind zu betäuben, was das Durchführen eines starken Wrestling-Moves zulässt.

Habt ihr einem Feind genügend Schaden zugefügt, friert das Spielgeschehen nahezu komplett ein und ein Pfeil taucht über dem Feind auf. In diese Richtung muss nun der Joystick oder Joy-Con bewegt werden, um anschließend eine große Blutfontäne über den Bildschirm sprießen zu lassen. Dies war auf Wii übrigens zensiert und für mich damals der alberne Grund, es gar nicht erst zu spielen.

Ein Toilettengang = Einmal speichern

Bevor ihr den Rangkampf gegen einen der Killer antreten könnt, müsst ihr natürlich erst einmal zu ihm kommen. Auf dem Weg dahin findet ihr zahlreiche Schergen, die von euch niedergemäht werden müssen. Hierbei gibt sich „No More Heroes“ jedoch große Mühe, den Weg zum Boss abwechslungsreich zu gestalten: Es gibt ein Minispiel, in welchem ihr einen Ball mit einem Baseballschläger zurückschießen und damit die Feinde besiegen müsst. Oder ihr vergnügt euch mit einem Shoot-’em-up-Game, weil Travis sich die Zeit im Zug vertreiben muss. Manchmal spielt der Titel auch einfach mit der Perspektive, aus der ihr kämpft. In einer Stage befindet ihr euch die meiste Zeit in einem Bus, den ihr aber nur von der äußeren Seite betrachtet und somit eine Szene entsteht, welche an die legendäre Flur-Szene aus „Oldboy“ erinnert.

Somit sind die Level selbst spaßig und abwechslungsreich, da es immer irgendetwas gibt, was es für euch frisch hält. Die großen Highlights sind aber dann natürlich die abgedrehten Boss-Kämpfe gegen die Killer. Diese dauern teilweise eine ganze Weile, besonders deswegen, weil ihr vor allem in späteren Kämpfen kleine Fenster abpassen müsst, in denen ihr Schaden zufügen könnt. Vom folterlustigen Cheerleader über einen Actionhelden bis hin zu einer alten Frau mit riesiger Kanone: Die Killer sind wahnwitzig und abwechslungsreich. Es gibt den ein oder anderen One-Shot-Kill oder Kamera-Probleme bei manchen Kämpfen, was leider dann etwas nervig sein kann. Wirklich gestört hat mich aber beispielsweise Letzteres nur in einem Kampf, welcher in sehr engen Räumen stattfand und wodurch die Anvisierfunktion immer wieder deaktiviert wurde.

Eine Gebühr zum Töten?

»Das Schöne an „No More Heroes“: Es nimmt sich selbst nicht ernst und versteckt dies auch nicht. Jede Zwischensequenz hat einen gewissen B-Movie-Flair.«

Einer der größten Kritikpunkte, den ich in all den Jahren an „No More Heroes“ las, war das Sammeln von Geld. Um die Rangkämpfe antreten zu können, ist eine gewisse Gebühr fällig. Zwar erhaltet ihr durch das Besiegen eines Killers Geld, dieses reicht aber bei Weitem nicht aus, um den nächsten Kampf starten zu können. Außerdem könnt ihr mithilfe von Währung euer Schwert aufrüsten, Werte erhöhen, neue Klamotten kaufen oder Videos ausleihen, mit denen ihr neue Wrestling-Moves lernt.

Wie im echten Leben kommt ihr dann nur durch ehrliche Arbeit an Geld. Dies endet in der Form von Minispielen, welche ihr absolviert und für die jeweilige Arbeit finanziell entlohnt werdet. Sei es nun das Einsammeln von Skorpionen, das Entfernen von Graffiti oder Sammeln von Kokosnüssen: Das erfolgreiche Erledigen der Minijobs bringt euch Kohle. Erledigt ihr einen Job zum ersten Mal, schaltet ihr außerdem Auftragsmorde frei, welche ihr für einen entsprechenden Obolus erledigen könnt. Diese sind unterschiedlich, so müsst ihr eine gewisse Anzahl an Gegnern besiegen, einen bestimmten Feind schnell umlegen oder ohne einen Treffer zu kassieren alle Gegner ausschalten.

Das Grinden der Jobs ist nun nicht so schlimm, wie ich es erwartet hatte. Aber manchmal habe ich mich durchaus dabei ertappt, einfach den nächsten Rangkampf machen zu wollen, anstatt nun viermal denselben Auftragsmord zu absolvieren, um genug Kohle zu haben. Zwischendurch könnt ihr übrigens die Stadt frei erkunden und beispielsweise Mülltonnen aufschlagen, um darin Shirts oder Geld zu finden. Ihr seid entweder zu Fuß unterwegs oder mit Travis‘ Bike, welches ordentlich aufdrehen und an Geschwindigkeit zulegen kann.

Scheinbar doch noch ein paar Helden!

Man sieht „No More Heroes“ durchaus an, dass es ursprünglich für Wii erschien. Auf Nintendo Switch hat man immerhin ein gestochen scharfes Bild und größtenteils flüssige Abläufe. Nur während des Umherfahrens durch die Stadt oder beim Besiegen von vielen Feinden auf einen Schlag bricht der Titel mal kurz ein, aber auch nicht auf eine störende Weise. Die englische Sprachausgabe ist klasse, die Charaktere erhalten durch die Sprecher so viel mehr Leben und der Soundtrack beinhaltet einige echt klasse Stücke.

Zugegeben, der Grundaufbau von „No More Heroes“ mit dem Sammeln des Geldes, anschließendem Durchflitzen eines Levels, nur um den Boss zu besiegen, wirkt ein wenig altbacken und manchmal ein wenig langatmig. Ich persönlich fand den Titel dennoch mehr als unterhaltsam genug, um das Ganze zu absolvieren. Einfach aufgrund der gesamten Aufmachung, der Zwischensequenzen und der Kämpfe, auch wenn sich diese nicht mehr modern anfühlen.

No More Heroes 2: Travis‘ Desperate Struggle

In „No More Heroes 2“ übernehmt ihr erneut die Rolle von Travis, doch auch eine andere Person ist im Laufe des Abenteuers spielbar. Die Story setzt einige Jahr nach dem ersten Teil an. Travis war viele Jahre wie vom Erdboden verschluckt und ist deswegen nicht mehr auf Rang 1 der Killer-Rangliste. Außerdem gibt es nun viel mehr Killer und die kleine Stadt, in der Travis einst lebte, ist nun eine riesige Metropole voller Mörder geworden.

So wirklich interessiert am erneuten Aufstieg auf Platz 1 ist Travis nicht, doch dann wird ein guter Freund von unserem Helden ermordet. Rache sinnend begibt er sich erneut auf eine blutige Reise durch die Stadt und die Eingeweide seiner Feinde.

Vom Grundaufbau ist „No More Heroes 2“ dem Erstling ähnlich, auch das Kampfsystem hat nur wenige Unterschiede. Grundsätzlich sind die Kämpfe jedoch deutlich flüssiger, deutlich spaßiger und flotter als im ersten Teil. Ebenfalls ist das Wechseln von Waffen mitten im Kampf möglich. Leider fühlen sich die Level nicht immer so abwechslungsreich an wie im Vorgänger, wobei es durchaus auch mehr Bosskämpfe gibt und diese natürlich wieder das absolute Highlight sind.

Eine dicke Katze und Pixel-Spiele

Im ersten Ableger von „No More Heroes“ lernt ihr Jean, die Katze von Travis, kennen. Diese hat sich im Laufe der Zeit ganz schön gehen lassen und wiegt nun viel zu viel. Um ihr beim Abnehmen zu helfen, könnt ihr mit ihr kleine Minispiel-Übungen machen. Je häufiger und besser ihr das macht, desto mehr Gewicht verliert die Mieze.

Anders als im Vorgänger könnt ihr nicht mehr durch die Stadt düsen, sondern wählt nun einfach auf einer Karte euer Ziel aus und landet direkt da. Auch das Auswählen von Jobs erfolgt auf diese Weise. Diese sind dieses Mal jedoch, bis auf Ausnahmen, in einem Retro-Stil mit Pixel-Grafik gehalten. Die Minispiele sind spaßig, gefühlt aber deutlich länger als im Vorgänger und bringen dennoch irgendwie weniger Geld ein. Immerhin müsst ihr in „No More Heroes 2“ keine Gebühren mehr bezahlen, um in Rangkämpfen antreten zu können. Das Erledigen der Nebenaufgaben ist somit komplett optional, was die allgemeine Spielzeit aber auch deutlich verkürzt.

Grafisch ist „No More Heroes 2“ ein riesiger Fortschritt. Alles sieht besser aus, die Charakter-Modelle sind deutlich besser und lebendiger. Die Level sind hübscher und größer, aber Letzteres ist nicht unbedingt immer besser. Dafür ist die Sprachausgabe auf demselben großartigen Level des Vorgängers.

Im Grunde ist „No More Heroes 2“ ein klasse Nachfolger und während manche Spieler sicherlich die offene Welt vermissen werden, so ist der Spielverlauf somit deutlich flotter und angenehmer. Abgedreht ist das Spiel mindestens genauso wie der Vorgänger, zumal euch hier sogar sehr schnell ein riesiger Kampf mit einem Mecha-Roboter entgegengeworfen wird.

Travis hats drauf

Die No-More-Heroes-Spiele sind absolut großartige Klassiker und ich bin froh, sie endlich erlebt zu haben. Sicherlich merkt man ihnen das Alter an, vor allem dem ersten Teil. Aber wenn man den bekloppten Humor, der sich selbst nicht ernst nimmt, mag, dann wird man mit beiden Spielen ordentlich Spaß haben. Zumal beide Titel mit jeweils 20 Euro, meiner Meinung nach, nicht einmal wirklich teuer sind und somit definitiv von Action-Fans im Blick gehalten werden sollten.

 

Story

Ihr übernehmt die Rolle von Travis Touchdown, welcher in beiden Spielen an die Spitze der Auftragskiller-Rangliste möchte.

Gameplay

Viel Hack ’n‘ Slash, auf Wunsch auf mit Bewegungs-Steuerung. Der erste Teil hat eine offen begehbare, aber recht leere Stadt. Der zweite Teil bringt einige Verbesserungen mit sich.

Grafik

Während man dem ersten No More Heroes seinen Wii-Ursprung durchaus ansieht, so sieht der zweite Ableger dann deutlich besser aus und vor allem die Charakter-Modelle sehen klasse aus.

Sound

Klasse Soundtrack und tolle Sprecher, welche heute zu den großen Nummern gehören.

Sonstiges

Kann sich durch die Minispiele teilweise ganz schön ziehen, aber immerhin müsst ihr in No More Heroes 2 nicht mehr so viel Geld grinden.

Bildmaterial: No More Heroes / No More Heroes 2: Desperate Struggle, Marvelous / Grasshopper Manufacture

3 Kommentare

  1. Danke für den interessanten Einblick!
    Ich will die auch noch irgendwann mal nachholen, war bisher aber nicht sicher, wegen technischer Aspekte, Steuerung etc. Scheint ja doch ganz gut auf Switch umgesetzt.
  2. Schließe mich an. Danke für den Test. Werde die Spiele auch nochmal nachholen wenn es der Backlog mal hergibt. ^^
  3. Zwei der besten Remaster seit längerer Zeit wo man Sudas Wunsch nachkam, die Wii-Fassung zu remastern. Was für mich der Kaufgrund war, mir Teil 1 nochmal zu geben. Das Spiel hat zwar per se einige irreparable technische Mängel, aber längst nicht so problematisch wie die tearende PlayStation 3 Version mit ihren 30 FPS. Wobei es nun übertrieben wäre die PlayStation 3 Version "Heroes Paradise" als unspielbar zu bezeichnen, ich habe es ohne schwere Bugs immerhin durchgespielt. Aber es war eindeutig ein Mehrwert, das Spiel so durchzuspielen wie es gedacht war, mit nahezu konstanten 60 Bildern.

    Und nachdem ich Teil 1 nochmal durchgespielt habe, so muss ich doch nochmal gestehen, Sudas Spiele können auch mch nochmal hervorlocken, etwas erneut durchzuspielen was ich eigentlich nicht so häufig tue. No More Heroes wird einen Anfangs vermutlich abschrecken, aber ich kann nur raten, am Ball zu bleiben. Eigentlich lohnt es sich alleine schon für das Ende inklusive True End, dafür muss man nichts weiter tun als die 3 Beam Katanas zu kaufen und anschließend auf dem Klo das True Ending anzuwählen.

    Mit Teil 2 habe ich nun auch kürzlich wieder begonnen, möchte aber vorher noch was anderes beenden. Und auch da stimme ich dem Review zu, durch diese fehlende, komplett unnütze Open World ist das Pacing in Teil 2 wesentlich flotter und die Retro-Minigames machen einfach ne menge Spaß.
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