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Im Test! Cadence of Hyrule

TitelCadence of Hyrule – Crypt of the NecroDancer feat. The Legend of Zelda
Japan13. Juni 2019
Spike Chunsoft
Nordamerika16. Oktober 2020
Nintendo
Europa16. Oktober 2020
Nintendo
SystemNintendo Switch
Getestet fürNintendo Switch
EntwicklerBrace Yourself Games
GenresRhythmusspiel, Roguelike, Action-Adventure
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
VertonungNordamerika

Würde man mich fragen, welche Entscheidung Nintendos der letzten Jahre ich persönlich am spannendsten finde, müsste ich nicht lange überlegen. Eigentlich ist die Firma bekannt dafür, ihre eigenen Marken sehr eifersüchtig zu verteidigen – selbst gegen unkommerzielle Fanprojekte. Sicherlich hat es deshalb alle überrascht, dass ein kleines Indie-Team ausgerechnet „The Legend of Zelda“ verwerten durfte. So entstand das Spiel, dessen Titel in keine Überschrift passt: „Cadence of Hyrule – Crypt of the NecroDancer feat. The Legend of Zelda“.

Eine überraschende Symbiose

„Crypt of the NecroDancer“ ist ein perfektes Beispiel dafür, wie Indie-Entwickler mit frischen Ideen ganz neue Spielkonzepte erschließen. Die ungewöhnliche Mischung aus Roguelite und Rhythmusspiel aus dem Jahr 2015 wurde zurecht zu einem regelrechten Kulthit.

In der Korrespondenz mit Nintendo ging es ursprünglich darum, Zelda-Charaktere für einen möglichen DLC zu verwerten. Schnell entwickelte sich daraus aber eine weitaus ambitionierte Kollaboration, die das Spielprinzip von „Crypt of the NecroDancer“ mit der Welt der Zelda-Spiele kombinieren sollte.

Die Handlung ist denkbar minimalistisch: Antagonist Octavo stiftet Unruhe in Hyrule und versetzt Link, Zelda und den König in den Schlaf. Cadence, der Protagonistin aus „Crypt of the NecroDancer“, gelingt es, Link aufzuwecken. Gemeinsam müssen sie einen Weg finden, Octavo im Schloss Hyrule das Handwerk zu legen.

Crypt of the NecroDancer Light

Das Spielprinzip ist simpel, aber effektiv: Alles läuft im Takt ab. Jeder Schritt, jeder Angriff, jede Aktion. Ein rundenbasiertes Echtzeitspiel sozusagen, so widersinnig das klingt. Praktisch bedeutet das, dass man als Spieler dem Takt der Musik lauschen und alle Eingaben entsprechend timen muss.

Das klingt zunächst schwieriger, als es ist, denn der Takt ist regelmäßig und gleichbleibend. Bis diese Mechanik ins Blut übergeht, kann aber einige Zeit vergehen. Doch der Reiz ist nicht zu bestreiten, denn im Vergleich zu klassischen Roguelikes spielt Glück eine untergeordnete Rolle und fast jede Situation ist durch Geschick zu meistern. Für all diejenigen, die sich dennoch nicht mit der Idee anfreunden können, besitzt das Spiel auch einen Modus, der ganz auf den Takt verzichtet. Hier spielt man dann komplett rundenbasiert. Logischerweise ist der Schwierigkeitsgrad aber nicht darauf abgestimmt, entsprechend kann von Herausforderung kaum die Rede sein.

Im Gegensatz zu „Crypt of the NecroDancer“ hat „Cadence of Hyrule“ nur wenige Roguelike-Elemente. Zwar gibt es zufallsgenerierte Dungeon-Abschnitte, Schätze und Minibosse. Der ganze Aufbau der Oberwelt wird aber zu Spielbeginn festgelegt und ändert sich nicht. Zudem verliert man beim Tod nur Rubine und gewisse Verschleißgegenstände wie Ringe, aber keineswegs Waffen, Tools, Schlüsselitems oder signifikanten Spielfortschritt.

In dem Sinne ist das Spiel also definitiv eine „Light“-Alternative zu „Crypt of the NecroDancer“. Das ist allerdings gar nicht schlimm, denn zur Hälfte handelt es sich ja auch um ein Zelda-Spiel. Statt also ausschließlich durch Verliese zu kriechen, verbringt man einen großen Teil damit, die Oberwelt zu erkunden, die nach dem Prinzip der älteren Zelda-Spiele aufgebaut ist.

Um das Ende des Spiels zu erreichen, muss man zunächst vier Instrumente in vier Tempeln finden und dann einen letzten Dungeon meistern. Die Reihenfolge wird vom Spiel nicht vorgegeben, weshalb der Spieler komplett freie Hand hat. Aufgrund dessen ist der Anfang des Spiels vermutlich für die meisten auch deutlich fordernder als der Rest, denn man hat nur wenige Herzen und ist mit dem Spielprinzip noch nicht vertraut. Sobald man bessere Waffen findet und mehr Herzen erhält, geht auch die Zahl der erlittenen Tode drastisch zurück.

1-2-Schlag

»Jeder Gegner folgt einem exakten Bewegungsmuster, vom kleinsten Anfangsgegner bis zum letzten Boss.«

Das Herzstück des Gameplays sind zweifelsohne die Kämpfe. Jeder Gegner folgt einem exakten Bewegungsmuster, vom kleinsten Anfangsgegner bis zum letzten Boss. Die meisten Gegner führen alle zwei bis vier Beats eine Bewegung aus. Um keinen Gegenschaden zu erleiden, muss man als Spieler also die Beats nutzen, in denen die Gegner stillstehen. Zunächst hat man nur begrenzte Möglichkeiten, doch sobald man verschiedene Waffen mit unterschiedlichen Reichweiten erhält, eröffnet sich größere taktische Vielfalt.

Dieses Spielprinzip ist sehr gut durchdacht und macht viel Spaß. Niemals fühlt es sich unfair an und man kann sowohl vorsichtig als auch aggressiv spielen. Gelegentlich bietet einem das Spiel zusätzliche Anreize, möglichst fehlerfrei zu spielen. So gibt es mächtige Ausrüstungsgegenstände, die jedoch zerbrechen, wenn man Treffer erleidet. Oder Schatzkisten, die sich nur öffnen, wenn man alle Gegner auf einer Map besiegt, ohne Schaden zu nehmen.

Wie viel „Zelda“ steckt im Spiel?

Musik ist ein zentrales Element im Spiel und selbstverständlich werden klassische Stücke aus der Zelda-Serie wiederverwendet. Diese hat Danny Baranowsky so arrangiert, dass sie zum rhythmischen Gameplay passen. Es macht viel Freude, die neuen Versionen geliebter Klassiker wie das Hauptthema oder „Tal Tal Heights“ zu hören. Kleine Spielereien machen es umso charmanter. So singt etwa der Händler die Melodien mit, wenn man auf der Map einem seiner versteckten Shops näherkommt. Ein tolles Beispiel dafür, wie Sound auch als Wegweiser fungieren kann.

Natürlich gibt es noch weitere Zelda-Elemente im Spiel: Waffen wie Bomben und Bogen sind vertreten, in Dungeons gibt es Kompass sowie Karte zu finden und Gegner hinterlassen Rubine und Herzen. Bekannte Regionen, Völker und Nebenfiguren wie Tingle sind ebenfalls mit von der Partie. Man erhält im Spielverlauf auch klassische Tools wie Kraftarmband, Somaria-Stab und Enterhaken. Diese sind aber zumeist spielerisch nur oberflächlich eingebunden und kommen erst in einem optionalen Puzzle-Dungeon stärker zum Einsatz. Die normalen Dungeons müssen ohne Rätsel auskommen.

Klassischerweise spielt man mit Link als Spielfigur. Man schaltet im Spielverlauf weitere Spielfiguren frei, darunter Prinzessin Zelda und Cadence, die Protagonistin aus „Crypt of the NecroDancer“. Dabei hat jede davon einen eigenen Kniff, was den Wiederspielwert ungemein erhöht. Wem ein normaler Spieldurchgang zu einfach ist, kann sich beispielsweise an einem Durchgang mit Aria versuchen, wo ein einziger verpasster Beat zum sofortigen Tod führt.

DLCs schaffen Mehrwert

Im Oktober gab es ein größeres DLC-Update, mit dem ein gänzlich neuer Spielmodus mit SkullKid hinzukam. Dieser besitzt eine eigene Oberwelt, eine eigene Story und ergänzt das rund sechs bis zehn Stunden lange Hauptspiel um noch einmal gut die Hälfte des Umfangs. Hier kämpft man in der Schattenwelt gegen deutlich stärkere Gegner, weshalb es sich anbietet, diesen Spielmodus nach Ende der Haupthandlung in Angriff zu nehmen. Man kann sich jedoch auch bereits zu Beginn daran versuchen, was herausfordernd, aber keineswegs unschaffbar ist.

Insgesamt fällt auch auf, dass das Spiel sehr ausgereift wirkt, vom charmanten Pixelstil über die eingängige Steuerung bis hin zum Design der Spielwelt. Hier merkt man, dass die Entwickler bereits ein Spiel mit sehr viel Feinschliff entwickelt haben und ihnen dieses Wissen bei „Cadence of Hyrule“ zugutekam.

Übrigens hat das Spiel auch einen lokalen Zwei-Spieler-Modus zu bieten, der sich bei dem „rundenbasierten“ Spielsystem durchaus anbietet. Dieser funktioniert natürlich nicht im Handheld-Modus und ist somit ein typischer „Couch-Koop“ – perfekt, um das Spiel mit einem Freund, Familienmitglied oder Partner zu spielen.

Fazit

„Cadence of Hyrule“ ist ein tolles Gesamtpaket, das die Essenz der Zelda-Spiele erstaunlich gut mit dem rhythmischen Spielprinzip von „Crypt of the NecroDancer“ verbindet und ein durch und durch kurzweiliges Spielerlebnis liefert. Dank reduzierter Roguelike-Elemente und dem moderaten Schwierigkeitsgrad eignet sich das Spiel auch für alle ohne besonderes Taktgefühl. Ich hoffe, diese Erfahrung bewegt Nintendo dazu, sich auf weitere Experimente mit kleinen Entwicklerstudios einzulassen!

 

Story

Cadence und Link retten Hyrule aus den Klauen Octovas – minimalistisch und zweckmäßig, aber mit viel Zelda-Flair.

Gameplay

Durchdachtes Spielsystem, bei dem man gänzlich im Takt spielt und das dauerhaft gut unterhält. Auch für Anfänger zugänglich.

Grafik

Simple, aber hübsche 2D-Grafik, die an den Pixelstil älterer Titel erinnert.

Sound

Tolle Arrangements bekannter Klassiker, die noch nach dem Spielen im Gedächtnis bleiben.

Sonstiges

Zwei-Spieler-Modus und Wiederspielwert durch unterschiedliche Charaktere mit ganz eigenen Spielweisen.

Bildmaterial: Cadence of Hyrule – Crypt of the NecroDancer feat. The Legend of Zelda, Nintendo, Spike Chunsoft / Brace Yourself Games

2 Kommentare

  1. Schöner Test!
    Habe es letztes Jahre direkt nach Erscheinen im Sommer auf der Switch gespielt!
    War auch sehr begeistert von! Nach anfänglichen Schwierigkeiten kam ich dann in den Flow und hab es in einem Rutsch durchgespielt! Wirklicht tolles Konzept (hatte Crypt of the NecroDancer vorher nicht gespielt) und die Remixes der Zelda-Songs fand ich auch sehr gelungen!
    Hatte schon wieder etwas verdrängt, dass da ja auch noch DLC dieses Jahr kamen (und gab es dann als Gesamtausgabe ab Oktober diesen Jahres ja auch physisch), den (oder die DLC?) werde ich mir auch noch holen und mal nachholen^^
  2. Hab oft genug damit geliebäugelt. Vielleicht nächstes Jahr irgendwann. Bisher scheint ja echt jeder begeistert zu sein..
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