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Im Test! The Wonderful 101: Remastered

TitelThe Wonderful 101: Remastered
Japan11. Juni 2020
Platinum Games
Nordamerika19. Mai 2020
Platinum Games
Europa22. Mai 2020
Platinum Games
SystemPlayStation 4, Nintendo Switch, PC
Getestet fürNintendo Switch
EntwicklerPlatinum Games
GenresAction-Adventure
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
VertonungNordamerika Japan

Wir sind dem großen Ziel heute ein Stück nähergekommen. Mit Kamiyas 101 Helden auf der aktuellen Konsolengeneration ist eine weitere vergessene Perle der düsteren Wii-U-Zeit für die weite Videospiel-Welt erhältlich. Der verrückte Genre-Mix aus dem Hause Platinum Games wurde seinerzeit als eines der kreativsten und vielleicht auch besten Action-Spiele des Jahres gefeiert. Ob das heute noch gilt und ob das Remaster seinem Zusatznamen gerecht wird, erfahrt ihr in den folgenden Absätzen.

Die Geschichte von The Wonderful 101 ist an sich schnell erzählt. Aus dem Weltall tauchen ganz plötzlich böse Aliens auf und 100 Helden, die inkognito auf der Welt als ganz normale Bürger verstreut sind, erheben sich, um die schrecklichen Invasoren in ihre Schranken zu weisen. Viel mehr passiert über die knapp 12 bis 15 Stunden nicht. Aber hier ist, wie so oft bei Platinum Games, das „Wie“ viel wichtiger als das „Was“.

Kleines Paket groß verpackt

Die hundert kleinen Figuren erhalten storytechnisch nicht viel Substanz, aber das maßlos übertriebene Auftreten und der fantastische Humor sind mehr als genug, um dem Spieler über die kurze Spielzeit ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Etwa wenn der pompöse Erzähler die aktuelle Lage wiedergibt und die Helden dabei eigentlich im Standbild warten sollten, jedoch ungeduldig werden und ihren Trieben nachgeben.

Generell wurde so gut wie jede Dialogzeile mit einem mal kleineren und mal größeren Augenzwinkern geschrieben, was bei einem solchen Artdesign und einer solchen Prämisse absolut willkommen ist. Hier lautete Kamiyas Devise: Mehr ist besser! Und mehr war in diesem Fall eindeutig besser. Die vielen kleinen absurden Charakter-Momente und gigantischen Bosskämpfe fügen sich wunderbar in die simple Grundstory ein und werden vom knallbunten Artstyle weiter unterstützt.

Optisch hat sich generell nicht allzu viel getan. Während der einzigartige Superhelden-Stil heute noch frisch und anders wirkt, so sieht man dem Bild durch die einfachen Linien doch sein Alter an. Die Texturen und Kanten wurden ordentlich bearbeitet, aber im Großen und Ganzen wäre heute wie damals mehr Luft nach oben gewesen.

Doppelt hält (nicht immer) besser

Auf Nintendo Switch hat der Handheld-Modus eindeutig die Nase vorn. Auf dem kleineren Bildschirm fallen die geringe Detaildichte und die einfachen Umgebungen nicht so stark auf wie auf dem 85 Zoll großen Bildschirm. Auch die gelegentlichen Framerate-Einbrüche stechen hier deutlich weniger heraus.

Dennoch kommt es vor, dass die Kämpfe und Sprungeinlagen dadurch sabotiert werden können. Nichtsdestotrotz begeistert das Bild auch heute noch und somit beweist Platinum Games einmal mehr, dass gutes und durchdachtes Artdesign immer besser altert als reine grafische Qualität.

Wenn hier schon von Bildern gesprochen wird, dann muss auch der Superhelden-Elefant im Raum angesprochen werden. Nintendo Wii U besaß nämlich mehr als nur einen Bildschirm. Diesen Fakt nutzten nur die wenigsten Entwickler aus. Bei The Wonderful 101 wurde jedoch ebendiese Funktion in einigen Szenen obligat gemacht.

The 101 are takin’ charge

»Die Geschichte von The Wonderful 101 ist an sich schnell erzählt. Aus dem Weltall tauchen ganz plötzlich böse Aliens auf und 100 Helden erheben sich, um die schrecklichen Invasoren in ihre Schranken zu weisen.«

Bei der Portierung auf ein-bildschirmige Geräte gab es somit nur eine mögliche Lösung – eine Bild-im-Bild-Funktion. Den Großteil der Spielzeit ist dies überhaupt nicht nötig, aber wenn es das mal wird, dann hat man im Handheld-Modus natürlich das Nachsehen.

Knapp 100 kleine, wild wuselnde Charaktere durch enge Gänge zu navigieren und dabei mit einem aktiven zweiten Bildschirm und einer unbändigen Kamera zu kämpfen, kann zu deutlichen Frustmomenten führen. Zum Glück sind diese Einlagen recht rar gesät und kurz. Zudem räumen die Entwickler dem Spieler viel Freiheit bei der Platzierung und Größe des zweiten Bildschirms ein. Dadurch werden diese Szenen etwas erträglicher.

In Sachen Sound hat sich bei dem Remaster nichts verändert, was jedoch eine sehr gute Nachricht ist. Der Soundtrack begeistert heute noch in den chaotischen Kämpfen. Vor allem aber dank des überragenden Hauptthemas, welches genau in den richtigen Momenten einsetzt und stark an alte Superhelden-Cartoons erinnert. Eine absolut perfekte Kombination.

Die Synchronsprecher wissen natürlich auch, dass sie nicht in einem x-beliebigen Superhelden-Universum sind, sondern in der Welt von The Wonderful 101. Also in einer Welt, wo Zivilisten vom Boden aufgehoben und als Peitsche gegen Aliens geschwungen werden können. Hier passt einfach alles zusammen.

Two hundred and two different ways

Nun zur Hauptattraktion: dem Gameplay, das mindestens genauso verrückt und überdreht ist wie der gesamte Rest des Spiels. Gesteuert wird eigentlich nur ein Held von den maximal 100, die als Gruppe auf dem Bildschirm zu sehen sind. Doch mit diversen Befehlen kann man sich der gesamten Gruppe bemächtigen. Neben einem normalen Angriff gibt es noch einen Gruppenangriff, der umso stärker ist, je mehr Charaktere in der Gruppe sind.

Springen, Ausweichen und Blocken gehören auch in das Standardrepertoire. Die letzteren beiden jedoch erst seit dem Remaster. Sich als Sprungfeder schnell zur Seite zu bewegen oder als Pudding vor Angriffen zu schützen waren auf Wii U noch sehr hochpreisige Zusatz-Optionen, die erst im Laufe des Spiels freigeschaltet werden konnten.

Ein großer Kritikpunkt, der glücklicherweise im Remaster angegangen wurde. Die beiden Aktionen sind zwar immer noch optional im Ingame-Shop zu ersteigern, aber jetzt praktisch umsonst. Jeder Spieler sollte hier sofort zugreifen, denn die Lernkurve ist nach wie vor extrem steil. Das liegt unter anderem auch an den wirklich mageren Tutorials.

Geht denn sowas?

Viele nötige Upgrades, Optionen und Formationen werden kaum bis gar nicht erklärt und erst wenn man vor Frustration nicht mehr weiter weiß, wendet man sich an das hilfsbereite World Wide Web und erhält die nötigen Kenntnisse. Das ist eindeutig ein Bereich, der hätte bearbeitet werden müssen. Vor allem, wenn das Gameplay so komplex ist wie hier.

Es ist durchaus nachvollziehbar, wenn Spieler nach zwei Stunden schon das Interesse an The Wonderful 101 verlieren. Wer jedoch eisern dabeibleibt, wird definitiv mit einem kreativen Feuerwerk belohnt, das auch heute seinesgleichen sucht.

Zusätzlich zu den Grund-Aktionen kommen die Gruppenkombinationen. Per Touchscreen oder Bewegung des rechten Sticks kann die Gruppe zu einer Waffe geformt werden. Zieht man zum Beispiel eine gerade Linie, so erscheint ein Schwert, bei einem Kreis eine riesige Faust. Je nach Größe oder Länge der gezeichneten Figur wird das Ergebnis pompöser, stärker, aber auch langsamer.

Arbeit, die sich auszahlt

Es braucht durchaus seine Zeit, um dieses System zu verinnerlichen und auch in hektischen Situationen genau das Bild zu zeichnen, was man tatsächlich haben will. Wenn man den Dreh einmal raus hat, dann gehen die verschiedenen Waffen fließend ineinander über und das Endergebnis sind optisch wie spielerisch atemberaubende Kombos.

»Die gigantischen und vor allem abwechslungsreichen Bosskämpfe, für die Platinum Games zurecht gefeiert wird, lassen jedes Spielerherz definitiv höherschlagen.«

Dieses System wird natürlich nicht nur dafür genutzt, um Schaden auszuteilen. Die verschiedenen Waffen haben unterschiedliche Interaktionen mit der Umgebung und speziellen Feinden. Mit der Peitsche schwingt sich die Gruppe von Plattform zu Plattform oder zerstört ganz bestimmte Rüstungsteile, bevor sie mit dem Schwert ihr Übriges tut.

Hinzu kommen eine Vielzahl von Spezialfähigkeiten, die man unter anderem im Shop für sehr viel Geld ersteigern kann. Der Kauf sollte jedoch gut überlegt sein, denn einige Fähigkeiten sind eindeutig nützlicher als andere. Hat man all diese Dinge richtig verinnerlicht und gehen die Zeichnungen gut und schnell von der Hand, dann reißt The Wonderful 101 den Spieler mit jeder Sekunde mit.

Die gigantischen und vor allem abwechslungsreichen Bosskämpfe, für die Platinum Games zurecht gefeiert wird, lassen jedes Spielerherz dann definitiv höherschlagen. Ein solches Erlebnis findet man nur noch ganz selten.

The Wonderful Platinum Games

Videospiele sind Kunst. Hier gibt es absolut keine Diskussion. Im schlimmsten Fall sind sie die Ausgeburt eines eiskalten Komitees, welches mit hoch suspekten Maßnahmen versucht, Spielern jeder Altersgruppe das Geld aus der Tasche zu ziehen. Im besten Falle sind sie das Ergebnis einer leidenschaftlichen Vision und jahrelanger harter Arbeit, um diese zu verwirklichen. Kunst kann und soll die unterschiedlichsten Emotionen auslösen. Ob Trauer mit einer tragischen Geschichte, Angst aufgrund einer Horror-Atmosphäre oder reine Freude, weil die Leidenschaft mit jeder Sekunde spürbar ist.

Das Team von Platinum Games hat sich eindeutig auf Letzteres konzentriert und liefert mit Kamiyas einzigartiger Vision puren Spaß. The Wonderful 101 ist nach wie vor nicht das technisch ausgereifteste Spiel und die vielen kleinen Kritikpunkte wurden nur selten im Remaster in Angriff genommen. Dennoch wird jeder Spieler hier mit einer unglaublich guten Zeit belohnt, auch wenn diese nur kurz ausfällt. Energie und Kreativität standen während der Entwicklung im Vordergrund und das merkt man! Solche Projekte brauchen wir einfach.

 

Story

Böse Alien-Invasoren kommen, um die Welt zu erobern. 100 Helden versammeln sich, um sie davon abzuhalten. Einfach, aber wegen der Inszenierung total spaßig. Humor wird hier ganz groß geschrieben.

Gameplay

Sehr komplexes Kampfsystem, welches einiges an Arbeit vom Spieler verlangt. Nicht alle werden durchhalten, aber wer dabei bleibt, wird mit einer tollen Zeit belohnt.

Grafik

Viel hat sich seit der Wii-U-Zeit nicht getan. Höhere Auflösung, glattere Kanten und hellere Farben. Aber das Alter merkt man dem Spiel dennoch an. Wegen des einzigartigen Artstyles ist das jedoch zweitrangig.

Sound

Ein mitreißender Soundtrack mit einem grandiosen Hauptthema und gut aufgelegte Sprecher sorgen für die nötige verrückte Atmosphäre, die wunderbar zum Rest des Spieles passt.

Sonstiges

Mehrere Schwierigkeitsgrade, die ordentlich Frustpotential bieten. 12 bis 15 Stunden dauert der erste Durchgang. Dank grandioser und unvergesslicher Momente ist der Wiederspielwert aber hoch.

Bildmaterial: The Wonderful 101: Remastered, Nighthawk Interactive / Platinum Games

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