SWI Test

Im Test! Shantae and the Seven Sirens

TitelShantae and the Seven Sirens
Japan
Nordamerika28. Mai 2020
WayForward
Europa4. Juni 2020
WayForward
SystemPlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch, iOS, macOS, PC
Getestet fürNintendo Switch
EntwicklerWayForward
GenresMetroidvania
Texte
Deutschland Nordamerika
VertonungNordamerika

Auch wenn Shantae vielen als Marke mehr oder weniger ein Begriff ist und auch eine enthusiastische Spielerschaft unter sich versammeln kann, war das nicht immer so. Der Erstling schaffte damals auf Game Boy Color nicht wirklich den Durchbruch. Zu spät im Hardware-Zyklus oder eine fehlende Konkretisierung der Zielgruppe schreibt man dem ersten Shantae-Ableger nun zu und selbst der Entwickler Matt Bozon gab zu, sich nicht wirklich Gedanken über eine Zielgruppe gemacht zu haben.

Ob man wirklich eine feste Zielgruppe ansprechen muss, um Erfolg oder ein gutes Produkt abzuliefern, sei einmal dahingestellt. Fakt ist aber, dass man mit Shantae einen „starken“ weiblichen Charakter als Titelheldin aufführt, der letztendlich wahrscheinlich nur wegen der typischen, freizügigen Kleidung eines Dschinns als unangebracht für Kinder oder Jugendliche angesehen wurde. So hat man sich wohl selbst aus einer fiktiven Zielgruppe ausgeschlossen.

Über die Jahre hinweg ist nun mit „Shantae and the Seven Sirens“ der fünfte Ableger der Reihe für nahezu jede Plattform erhältlich. Zu erwähnen ist hier sicherlich die zeitliche Exklusivität für Apples Apple-Arcade-Spieleplattform, für diesen Test für Nintendo Switch soll uns das aber nur am Rande beschäftigen.

Auch Dschinn brauchen Urlaub

Zunächst muss erst einmal gesagt werden, dass Shantae nicht einfach nur ein Dschinn ist, als Halbdschinn hat sie nämlich auch einen menschlichen Elternteil und die besondere Fähigkeit, ihre Form zu ändern. Als Aufhänger für diese Geschichte dient der wohlverdiente Urlaub für Shantae und ihre Freunde. Eine tropische Insel hält hier für den obligatorischen Strandurlaub her. Nach nicht allzu viel Geplänkel erfährt man, dass weitere Halbdschinn auf der Insel sind und der Bürgermeister ein Fest für diese geplant hat.

»Die Umgebung ist labyrinthartig aufgebaut und Backtracking gehört zur Tagesordnung.«

Nach dem heiß erwarteten Fest werden die anderen Halbdschinn entführt und es liegt an Shantae, diese wieder zu befreien und letztendlich den Übeltätern auf die Spur zu kommen. Serientypisch durchsucht man nun die labyrinthartige Insel im Stile eines „Metroidvanias“ und stößt auf der Suche auf einige, für Fans bekannte Charaktere. Hier und da gibt es Bewohner der Insel, die Hilfestellung leisten und Tipps für Geheimnisse geben. Auf der Insel selbst sind nämlich auch einige versteckte Orte und Gegenstände zu finden, die einen gewissen Anreiz geben, die Gegend genauer zu erkunden.

Die Geschichte klingt zwar augenscheinlich nach Standardkost, aber auch hier gibt es einen Twist in der Story, der die Erzählung zu einer recht befriedigenden runden Sache macht. Das Gameplay passt sehr gut in die Geschichte und die Erzählstruktur ist gut genug, um die Nicht-Zielgruppe motiviert und interessiert zu halten. Fans der Serie dürfen sich zudem auf zahlreiche Anspielungen und bekannte Charaktere freuen und auch der unbeschwerte Humor sei hier einmal positiv erwähnt.

Labyrinth strikt nach Regelbuch

Wie bereits erwähnt, ist auch Shantae ein weiteres „Metroidvania“. Die Umgebung ist labyrinthartig aufgebaut, manche Orte lassen sich nur mit bestimmten Fähigkeiten erreichen und Backtracking gehört demnach schon zur Tagesordnung. Nahezu alle etablierten Punkte des Hybrid-Genres werden abgehakt und akribisch umgesetzt. Selbst Schaden wird mit eingeblendeten Zahlen dargestellt, und das, obwohl man keine zahlenbasierte Lebensanzeige hat. Manchmal wünscht man sich wirklich, einfach mal etwas Neues und Kreatives zu sehen, anstelle von Entwicklern, die sich unbedingt an ein imaginäres Regelbuch halten müssen, um „Erwartungen“ zu entsprechen.

Die einzelnen Techniken, die Shantae im Spiel dann lernt, sprechen eine ähnliche Sprache, sind aber dennoch designtechnisch einzigartig und passend. Als Halbdschinn im stereotypischen, orientalischen „Bauchtanz-Outfit“ kann Shantae verschiedene Tänze erlernen, die entweder als weitere Attacken genutzt werden oder um versteckte Gegenstände und Orte zu finden. Die bereits genannte Fähigkeit, die Form zu wandeln, kommt Shantae im Laufe des Spiels ebenfalls zugute, wenn diese verschiedene nützliche Tierformen annimmt und somit Hürden durch schwimmen und klettern überwindet.

Ein etwas unentwickeltes Feature sind auch die zahlreichen Zauberattacken. Zauber müssen in Läden erworben werden und erlauben zum Beispiel die Fähigkeit, Feuerbälle abzufeuern oder magische Schutzschilde aufzubauen. Nettes Feature, aber so gut wie nie wirklich vonnöten im Spiel. Da hilft es auch nicht, dass man die Zauber weiter verstärken kann. Ein ähnliches Schicksal erleiden die Items, die ausschließlich aus Heilgegenständen bestehen und zuhauf von Gegnern abgeworfen werden.

Kämpfen für Sammelleidenschaft

Shantae and the Seven Sirens ist offensichtlich kein wirklich herausforderndes Spiel, dennoch gibt es ein, zwei Sachen, die das Spiel trotzdem recht motivierend machen. Ein besonderes Feature sind die sogenannten Monsterkarten. Nach Besiegen eines Gegners besteht die Wahrscheinlichkeit, eine Karte dieses Gegners zu erhalten. Sammelt man ausreichend viele dieser Karten, so kann man bis zu drei Karten ausrüsten, die dann verschiedene passive Fähigkeiten ermöglichen.

»Augenscheinlich Standardkost, aber auch hier gibt es einen Twist, der die Erzählung zu einer recht befriedigenden runden Sache macht.«

Das Spektrum reicht hier von stärkeren Angriffen über stärkere Zauber bis zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, Gegenstände zu erhalten. Solche Features sind durchaus sehr interessant und kreativ, doch ein viel zu einfaches Spiel ohne jegliche Herausforderung lässt eben diese kleinen, aber schönen Gameplay-Aspekte einfach nur untergehen. Warum man beim Entwickler WayForward nicht einfach mal mehr Mut zur eigenen IP entwickelt und wirklich einmal den Weg nach vorne einschlägt, bleibt bei Shantae letztendlich irgendwie der einzig wirkliche Negativpunkt.

Neben Monsterkarten sammelt man auch noch Herz-Tintenfische und Gold-Nuggets. Erstere dienen dazu, im Viererpack zu einem Herz verarbeitet zu werden. Herzen sind in Shantae, wie man sich bereits denken konnte, die Einheit für die Lebensenergie des Halbdschinns. Nuggets hingegen braucht man, um seltene Boss-Monsterkarten von verschiedenen Inselbewohnern zu erhalten. Nuggets und Herz-Tintenfische sind über die ganze Insel verteilt und teilweise sehr gut versteckt, was den ein oder anderen Tanz unabdingbar macht.

Nach dem Durchspielen gibt es die Option, einen sogenannten New-Game-Plus-Modus zu beginnen. Entgegen der üblichen Ansichten übernimmt man in diesem Modus aber keinerlei Fortschritt oder Gegenstände. Shantae taucht hier lediglich in einem Hula-Outfit auf und angeblich soll es etwas schwieriger sein. Beendet man das Spiel, so erhält man ein kleines Endbild mit dem erreichten Fortschritt inklusive der benötigten Zeit. Eine andere Art und Weise, um Wiederspielwert für einige Spieler zu erzeugen.

Nettes Design mit schwachen Animationen

Shantae hat über die Jahre den Stil der Artworks und Designs immer wieder verändert und modernisiert. Der heutige Stand in Shantae and the Seven Sirens ist durchaus solide, wenn man sich die Charakterportraits und das Design der Spielfiguren anschaut. Mit einem bewusst detailarmen Comic-Stil spricht man den Geschmack der Nicht-Zielgruppe gut an, will man behaupten. Die Umgebungen sind zudem recht farbenfroh und abwechslungsreich. Ein wenig mehr Bewegung als das Wippen der Hüften wäre aber noch eine Nummer besser gewesen.

»Musikalisch verfolgt man zwar einen orientalisch angehauchten Ton, bleibt aber allgemein eher unauffällig.«

Besonders zu erwähnen ist aber das Intro zum Spiel, welches mit Animationen vom Anime-Studio Studio Trigger zu begeistern weiß. Das und der gewöhnungsbedürftige Intro-Song erschaffen eine unbeschwerte Zeichentrick-Atmosphäre und selbst wenn man den Stil nun nicht mag, schafft man es, eine Leitlinie aufzuzeigen, um die Nicht-Zielgruppe vielleicht zu einer Zielgruppe machen zu können. Leider sind die Animationen in den Zwischensequenzen nicht mehr so ansprechend wie das Intro. Hier passt man sich dem US-Comic-Stil der Charakterportraits an und ruckelt bewegte Bilder in die vielen kleinen Zwischensequenzen.

Musikalisch verfolgt man zwar einen orientalisch angehauchten Ton, bleibt aber allgemein eher unauffällig. Die Vertonung ist gewöhnungsbedürftig, wenn man nicht mit quietschigem US-Englisch vertraut ist. Letztendlich ist das aber auch etwas, worüber man hinwegsehen kann. Grafisch sowie musikalisch bleibt Shantae and the Seven Sirens unter dem Radar, auch wenn die unbeweglichen Charakterdesigns teilweise gut gemacht sind.

Halbdschinn ohne Zielgruppe?

Auch wenn ich nicht allzu gut mit der Serie um den Halbdschinn Shantae vertraut bin, fällt es schwer, nicht zu sehen, wo die Zielgruppe der Spiele lag und heute noch zu Teilen ist. Ein Metroidvania für eine jüngere Spielerschaft ist keine Schande und einen weiblichen Hauptcharakter zu haben ist heutzutage nur ein großer Pluspunkt. Die „Nicht-Zielgruppe“ der Entwickler ist nur ein Mythos, denn eine waschechte Zielgruppe hat sich über die Jahre doch irgendwie entwickelt.

Shantae and the Seven Sirens ist eine absolut solide Sache. Nette Story, nettes Gameplay und nettes Design gepaart mit Erkundungen, Backtracking und Geheimnissen schaffen eine recht motivierende Spielerfahrung, die sich sehr gut für zwischendurch eignet. Leider fehlt es trotz der vielen spielerischen Elemente an Herausforderung. Man wagt nichts und bleibt strikt einem imaginären Regelwerk des ominösen „Metroidvanias“ treu. Interessant ist das zwar eben für jüngere Spieler, doch können auch diese mit Sicherheit die ein oder andere Hürde vertragen.

Wenn WayForward wirklich den Schritt vorwärts machen möchte, dann sollte das Studio vielleicht mehr Risiko eingehen. Die wachsende Zielgruppe wird es danken.

 

Story

Solide Erzählstruktur und unterhaltsame Gespräche mit unbeschwertem Humor.

Gameplay

Strikt nach „Metroidvania“-Regelbuch. Kreative Spielaspekte gehen durch den nicht vorhandenen Schwierigkeitsgrad unter. Zahlreiche Techniken ohne wirklichen Nutzen für das Vorankommen im Spiel.

Grafik

Studio Trigger steuert ein interessantes Intro bei. Die restlichen Animationen lassen zu wünschen übrig. Bunte und abwechslungsreiche Umgebung sowie hübsche Charakterdesigns stechen positiv hervor.

Sound

Leicht orientalisch angehaucht, verpasst aber die Chance, einen wirklich herausragenden Stil zu entwickeln.

Sonstiges

Zahlreiche versteckte Gegenstände motivieren zum Erkunden. Eine New-Game-Plus-Option, die keine ist, und verschiedene Endbilder je nach Item-Komplettierung und Schnelligkeit sollen zum wiederholten Spielen einladen.

Bildmaterial: Shantae and the Seven Sirens, WayForward

0 Kommentare

Zu diesem Beitrag gibt es noch keine Kommentare, besuche das Forum und sei der Erste der einen Kommentar hinterlässt!