Im Test! Devil May Cry für Nintendo Switch

Nach Onimusha, Resident Evil und Dragon’s Dogma liefert Capcom nun den nächsten Nintendo-Switch-Port ab: Devil May Cry! Wie gut ist das Spiel gealtert?
Titel Devil May Cry
Japan 25. Juni 2019
Capcom
Nordamerika 25. Juni 2019
Capcom
Europa 25. Juni 2019
Capcom
System Nintendo Switch
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler Capcom
Genres Hack ’n’ Slay
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Nordamerika

Bildmaterial: Devil May Cry, Capcom

Freud und Leid liegen sehr oft nah beieinander. Doch wenn es eine Industrie gibt, die genau weiß, wie man Vorfreude wecken, aber gleichzeitig enttäuschen kann, dann ist es die Videospielindustrie. Was war die Vorfreude groß, als Capcom, in der Mission so gut wie alles für die Switch zu porten, Devil May Cry für Nintendos kleine Hybridkonsole ankündigte.

Unterwegs mit Dante das Schwert zu schwingen klang wie Musik in den Ohren der Fans. Da man bei Capcom anscheinend keine Probleme damit hat, die Spiele der siebten Konsolengeneration auf die kleine Konsole zu porten, standen der Firma insgesamt fünf Ableger zur Verfügung.

Eins für zwanzig

Zu jedermanns maßlosen Enttäuschung sollte nur der erste Teil der Teufel-Saga 2019 exklusiv im eShop erscheinen. Dasselbe Jahr, in dem der hoch gelobte fünfte Teil sein Debüt feiert. Zum weiteren Entsetzen sollte der Port des knapp 18 Jahre alten Titels für 19,99 Euro zur Verfügung gestellt werden.

Ein äußerst fragwürdiges Preismodell, da die HD-Collection, welche die ersten drei Teile beinhaltet, bereits für die siebte und Teile der achten Konsolengeneration portiert wurde und aktuell für denselben oder einen gar niedrigeren Preis zu erwerben ist. Vom Preismodell mal abgesehen stellt sich natürlich die Frage, ob der Erstling, der damals das Action-Genre revolutionierte, heute noch seinen Reiz besitzt. Die Antwort ist ein simples Jein!

Einer der offensichtlichsten Gründe dafür ist die Spiellänge. In weniger als drei Stunden sieht man bereits den Abspann auf dem Bildschirm laufen. Der Spieler von heute ist natürlich ganz anderes gewohnt.

Die Kürze der Laufzeit bedeutet, dass nicht viel Platz für eine ausufernde und komplexe Geschichte sowie Zwischensequenzen besteht. Somit blieb den Entwicklern nichts anderes übrig, als die Eröffnungssequenz mit einem Haufen Exposition zu füllen und dem Spieler die Vorgeschichte von Dante zu erzählen, anstatt zu zeigen.

Weiße Haare, Motorrad und Brüste

Im Folgenden zerstört eine Frau mit großem Ausschnitt sein Büro mit einem Motorrad und bittet den weißhaarigen Dämonen-Töter, ihr zu helfen. Es ist wirklich faszinierend zu sehen, wie sich das Storytelling mit den Jahren entwickelt hat. Hier geht es Schlag auf Schlag, nichts wird hinterfragt, keine Hintergründe beleuchtet und getoppt wird das alles von wirklich lächerlichen Dialogen, für die Capcom vor 20 Jahren berühmt war.

Hinzu kommt eine Synchronisation, die speziell zum Ende hin den Rahmen des Peinlichen sprengt. Nichtsdestotrotz fesselt das Spiel auch mit seiner Erzählung. Erstens, weil es gerade so lächerlich überdreht ist und zweitens, weil es ein kleiner Einblick in eine andere Zeit ist. Auch damals konnte Dante mit seiner losen Zunge und seinen stylischen Moves überzeugen.

»In weniger als drei Stunden sieht man bereits den Abspann auf dem Bildschirm laufen.«

Was besonders am Anfang des Spiels auffällt, ist das seltsame Gefühl, eher einen Resident-Evil-Teil zu spielen, der aus einer anderen Dimension zu kommen scheint. Die ominöse Musik, die eher an Survival Horror erinnert als an einen Action-Titel, der gruselige, Herrenhaus-ähnliche Palast, die fixe Kameraperspektive und die merkwürdigen Rätsel.

Was viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass das auch mal der ursprüngliche Plan war. Das Team um Kamiya begann die Entwicklung nicht als Devil May Cry, sondern als Resident Evil 4. Erst im Laufe der Zeit hat sich das Projekt dann komplett verändert. Ein interessanter kleiner Einblick, der in der Atmosphäre der ersten Level bis heute im Spiel festgehalten wurde.

Dante und sein Krückstock

Optisch kann das Spiel selbst im teuren HD-Gewand seine Herkunft nicht verschleiern. Es sieht mit all seinen Überarbeitungen weiterhin aus, als würde es aus der frühen PlayStation-2-Ära stammen. Glücklicherweise fallen die ganzen Makel auf dem kleinen Bildschirm im Handheld-Modus weitaus weniger auf, sodass ein generell runderes Bild entsteht.

Die fixen Kameraperspektiven erlauben natürlich dennoch beeindruckende Kulissen. Generell überzeugt Devil May Cry heute noch optisch, aber weniger wegen dem technischen Aspekt, sondern hauptsächlich durch das Artdesign. Der Palast versprüht eine einzigartige Atmosphäre mit all seinen verwinkelten Gängen und Geheimnissen.

Das Charakterdesign (der drei! Charaktere im gesamten Spiel) ist selbstverständlich zeitlos und auch die grotesken Monster sind den Entwicklern sehr gut gelungen. Leider wiederholen sich diese, wie die spektakulären Boss-Kämpfe, etwas zu oft.

Was heute ebenfalls noch genauso effektiv ist wie noch vor 20 Jahren, ist der Soundtrack. Der Wechsel von sanften atmosphärischen Stücken zu knalligen Rock-Klängen während der unzähligen Kämpfe trifft genau den richtigen Nerv. Dabei werden auch in den lauten Stücken viele mysteriöse Klänge verarbeitet, die zur Welt perfekt passen und sich auch oft selbst wie Feinde anhören.

Capcom bleibt Capcom

Zur Synchronisation müssen nicht viele Worte verloren werden. Sie ist extrem steif und oftmals auch zum Lachen, obgleich das definitiv nicht die Intention der Entwickler war. Auch dies erinnert oft an die Anfänge der Resident-Evil-Reihe, die auch für ihre legendär schlechte Synchronisation bekannt ist.

Hat man dieses Jahr sowohl den ersten als auch den fünften Teil von Devil May Cry gespielt, dann erkennt man ohne jeden Zweifel das Grundgerüst des beliebten Kampfsystems, welches viele grandiose Spiele inspiriert hat. Den Entwicklern war es nicht nur wichtig, wie sich Dante spielt und wie man am besten die Feinde vernichten kann, sondern auch, wie gut Dante dabei aussieht. Style war definitiv einer der Punkte, die ganz oben auf der Liste der Must-Haves standen.

Die Kombination aus Nah- und Fernkampfangriffen ist bei weitem nicht so elegant und schnell wie in den kommenden Teilen und die Kombos sind bei weitem nicht so vielfältig. Dennoch ist das Handling sehr zufriedenstellend und hat eine ordentliche Wucht. Die Schusswaffen sind jedoch gegen Ende ein klein wenig zu effektiv.

»Das Spiel sieht mit all seinen Überarbeitungen weiterhin aus, als würde es aus der frühen PlayStation-2-Ära stammen.«

Generell ist es das Kampfsystem, das jeder liebt, nur in seinen Babyschuhen. Das bedeutet, man hat hiermit weniger Spaß als mit den folgenden Teilen, jedoch ist es erneut faszinierend zu sehen, woraus sich das Hack-’n’-Slay-System entwickelt hat.

Bällebad

Das restliche Grundgerüst ist praktisch unverändert übernommen worden in den folgenden Jahren. Die roten, grünen, gelben und blauen Kugeln tun das, was man von ihnen erwartet und je besser man unterschiedliche Angriffe kombiniert, desto höher schießt die Stylish-Leiste, die am Ende eines jeden Levels für extra rote Kugeln sorgt.

Auch die wohl größte beziehungsweise nervigste Schwäche hat man später übernommen: die Kamera. Eine fixe Kameraperspektive mit wechselnden Hintergründen hat ihre Vor- und Nachteile. In einem atmosphärischen Survival-Horror-Titel mit langsamen Gegnern fallen einige Nachteile weg. In Devil May Cry bewegen sich die Gegner jedoch blitzschnell und besitzen sogar mächtige Fernkampfangriffe. Diese bei fixen Perspektiven vorherzusehen ist unmöglich.

Oft erscheinen Gegner und deren Angriffe aus dem Nichts und dezimieren die grüne Lebensleiste. Das führt natürlich zu viel Frustration. Besonders wenn man die Level dann komplett neu beginnen muss und womöglich einmal mehr gegen einen bereits besiegten Boss kämpfen muss.

Devils never age

»Der erste Teil der von Fans und Kritikern hoch gelobten Devil-May-Cry-Reihe ist mehr oder weniger gut gealtert. Betrachtet man das Spiel an sich, so gäbe es einen Haufen anderer Titel, mit denen man seine Zeit angenehmer gestalten könnte. Das gilt besonders im Hinblick auf den maßlos überzogenen Preis dieses Ports. Als Teil der Devil-May-Cry- und Hack-’n’-Slay-Geschichte jedoch ist es ein unglaublich interessanter Einblick in eine andere Zeit. Die Resident-Evil-Wurzeln und die Geburt von Dante, dem weißhaarigen Massenmörder mit dem losen Mundwerk, sind heute noch beeindruckend anzusehen. Wer hier zugreift, wird definitiv Spaß mit dem Titel haben. Jedoch nur für kurze Zeit, denn die Spielzeit beträgt weit weniger als drei Stunden. Es bleibt am Ende festzuhalten, dass Capcom die HD-Collection für Nintendo Switch hätte porten müssen, die sowohl für die siebte als auch für die achte Konsolengeneration noch für 39,99 Euro veröffentlicht wurde.«

 

Extrem kurz, extrem übertrieben, extrem extrem. Typische Capcom-Dialoge und die Geburt des Dämonen-Killers, den wir alle lieben und schätzen.
Der Grundbaustein eines jeden Hack-’n’-Slay-Spieles. Macht Spaß, aber ist nur ein Bruchteil von dem, was Spieler heutzutage kennen und erwarten. Die fixen Kameraperspektiven sorgen für Frust.
Auch im HD-Gewand noch eindeutig den Anfängen der PlayStation-2-Ära einzuordnen. Dafür jedoch zeitlose Designs!
Steife und lachhafte Synchronisation, aber ein mitreißender Soundtrack voller ominöser Klänge und hartem Rock.
Weniger als drei Stunden Spielzeit. Einiges zu sammeln, aber nichts, was viel Zeit in Anspruch nimmt. Hoher Wiederspielwert. Für 19,99 Euro maßlos überteuert.