Im Test! Steins;Gate Elite

Steins;Gate ist wohl eine der bekanntesten Visual Novels (VN) und hat immerhin schon etwa zehn Jahre auf dem Buckel. Nach diversen Versionen, Portierungen,...
Titel Steins;Gate Elite
Japan 20. September 2018
5pb.
Nordamerika 19. Februar 2019
Spike Chunsoft
Europa 19. Februar 2019
Spike Chunsoft
System PlayStation 4, Nintendo Switch, PC
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler MAGES / 5pb.
Genres Visual Novel
Texte
 Nordamerika 
Vertonung  Japan

Bildmaterial: Steins;Gate Elite, Spike Chunsoft

Steins;Gate ist wohl eine der bekanntesten Visual Novels (VN) und hat immerhin schon etwa zehn Jahre auf dem Buckel. Nach diversen Versionen, Portierungen, einem Anime und sogar einem Spielfilm, gibt es nun einen brandneuen Aufguss: Steins;Gate Elite für PlayStation 4, PCs und Nintendo Switch.

Die Geschichte rund um Zeitreisen und den selbsternannten verrückten Wissenschaftler Hououin Kyouma wird abermals erzählt – diesmal aber vollständig animiert! Der ursprüngliche Style der VN wurde ersetzt und vollständig dem Look des Anime angepasst.

Wie sich die neueste Auflage schlägt, erfahrt ihr im Test.

Der verrückte Wissenschaftler

Rintarou Okabe ist ein 19-jähriger Student, der sich der Wissenschaft verschrieben hat und in seinem „Labor“ unentwegt an neuen Erfindungen arbeitet und Experimente durchführt. Labor ist deshalb in Anführungszeichen gesetzt, da es sich lediglich um ein kleines, stickiges Apartment irgendwo in Akihabara handelt.

Obendrein nennt sich der junge Mann anstatt seines echten Namens auch noch Hououin Kyouma, seines Zeichens verrückter Wissenschaftler und stets auf der Flucht vor der gesichtslosen „Organisation“. In seinem Leben gibt es noch sehr viel mehr, das man in Gänsefüßchen schreiben könnte, dazu gehören aber nicht seine Freunde. Die sind echt und haben sich an seine Spinnereien gewöhnt. Im Laufe der Geschichte vergrößert sich sogar sein Freundeskreis.

Es gibt eigentlich kaum nennenswertes Gameplay, man verbringt seine Zeit hauptsächlich mit Lesen. In unregelmäßigen Abständen kann man mit seinem Handy auf die Kontaktversuche verschiedener Figuren reagieren, oder diese ignorieren. So banal und undurchsichtig viele dieser Interaktionen wirken, so bedeutend können diese jedoch für den Verlauf der Geschichte sein. Steins;Gate hat multiple Enden und eure Entscheidungen bestimmen, welche Route eingeschlagen wird. Wenn man so will, ist das eigentlich ein schlaues Feature. Stichwort: Butterfly Effect.

Ein animiertes Buch…

Wer den Anime kennt, der wird sofort ein Déjà-vu erleben, denn die Optik ist nicht nur im Stil des Anime gehalten, es wurden auch die Ausschnitte aus der Serie genommen. Teils wurden neue Sequenzen eingebaut, wo die Steins;Gate EliteSerie kein passendes Material liefern konnte, teils werden Sequenzen mit Standbildern aufgefüllt. Manchmal werden Animationen für die Dauer der Szene auch in Dauerschleife wiederholt.

Sicherlich werden ein paar Kenner von Steins;Gate dem ursprünglichen, sehr außergewöhnlichen Stil der alten Ableger hinterhertrauern, trotzdem funktioniert das Ganze aber erstaunlich gut und wirkt so, als würde man einen Anime mit Untertiteln anschauen.

Klar, dank der zahlreichen Standbilder oder vieler Szenen, wo sich nur Münder bewegen, wäre es wohl eher eine Zeichentrickserie aus dem Low-Budget-Segment. Für eine VN ist es aber wirklich gelungen und die Dynamik auf dem Bildschirm macht das viele Lesen sehr viel kurzweiliger. Auch die Qualität der Zeichnungen ist meistens gut bis sehr gut. Ab und an gibt es aber auch mal Frames, die lieblos und detailarm wirken. Unterm Strich sieht Steins;Gate Elite aber wirklich super aus.

…mit gutem Klang und praktischen Features.

Die voll vertonte VN glänzt mit einer gelungenen japanischen Sprachausgabe. Wer sich jetzt aber eine Synchronisation in einer anderen Sprache wünscht, wird enttäuscht. Aber angesichts dessen, dass die Sprecher so gute Arbeit leisten und die Emotionen so überzeugend darstellen, ist es gar nicht so wichtig, ob man der Sprache mächtig ist oder nicht.

Wer allerdings Schwierigkeiten hat, englische Texte zu verstehen, der wird sich mit Steins;Gate schwer tun. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht selten komplizierte theoretische Konstrukte rund um das Zeitreise-Phänomen diskutiert werden. Die sind schon mit gutem Englisch schwere Kost.

Steins;Gate EliteNicht nur wissenschaftliche Themen werden in der VN besprochen, es gibt auch zahlreiche Anspielungen zu Nerd-, Otaku- und Popkultur. Zum Glück gibt es aber ein praktisches Kompendium, in dem man Schlagworte nachlesen kann, die unsere Charaktere von sich gegeben haben. Ob “Event Horizon” oder “Tsundere” – das interne Wörterbuch lässt dich nicht im Stich!

Das ist nicht das einzige praktische Feature, das eingebaut wurde: Man kann jederzeit speichern und wenn man mal zu schnell weitergedrückt hat, kann man alle Texte nochmal nachlesen. Mit dem Auto-Modus kann man sich entspannt zurücklehnen und die VN wie einen Anime genießen. Es gibt sogar eine (verdammt schnelle!) Vorspulfunktion. Passt also bloß auf, dass ihr nicht mal versehentlich auf den falschen Knopf kommt. Zurückspulen geht leider nicht.

Neben den Sprechern kann sich auch die Musik hören lassen. Vom locker-leichten Anime-Tune für friedliche Momente bis zum beunruhigenden Dröhnen und Pochen eines düsteren Songs, der dunkle Momente unterstreicht. Zugegeben, viele Stücke wiederholen sich oft, aber bei einem Titel, der MINIMUM 30 Stunden dauert, ist das jetzt keine Überraschung und kein Verlust.

Erstaunlich ungelenk und merkwürdig ist hingegen das Sounddesign. Es gibt außerhalb von Musik und Sprache eigentlich kaum Akustik in Steins;Gate, aber wenn, dann klingt sie irgendwie falsch. Komische Trippelschritte oder seltsame Schlaggeräusche stechen hervor, wenn alles andere so grandios klingt. Aber da die Töne eh so selten vorkommen, ist das vielleicht eher ein verwöhntes Meckern als wichtige und angebrachte Kritik.

Zeitraubend oder zeitlos?

Steins;Gate EliteDie Story ist – Surprise, Surprise – das Herzstück des Ablegers und die Geschichte von Rintarou Okabe, seinen Freunden und ihrer Erfindung ist wahrlich eine besondere. Sie nimmt sich sehr viel Zeit, eine Grundlage zu bauen: Wer sind die Charaktere? Warum sind sie so, wie sie sind? Wie stehen sie zueinander und wie werden sie auf die Geschehnisse reagieren? Was ist die Wissenschaft hinter den Erfindungen?

Steins;Gate beantwortet all diese Fragen mit viel Humor und Kuriosität. Hier und da wird eine Prise Dunkelheit, Spannung und Ernsthaftigkeit eingestreut, die einem Schauer über den Rücken jagen und erahnen lassen, dass es um mehr geht als ein lustiges, harmloses Abenteuer.

Sind die Grundsteine gelegt, entfaltet sich die Geschichte nach und nach. Bis es so weit ist, sind einem die Protagonisten schon ans Herz gewachsen und alles, was ihnen zustößt, trifft direkt ins Herz.

Ganz ohne Anime-Klischees kommt Steins;Gate aber nicht aus, diese sind aber nie so penetrant, dass es den Lesefluss wirklich stören würde. Sie können einem aber durchaus ein kleines Augenrollen entlocken. Ein Wermutstropfen ist unter anderem noch, dass die Geschichte stellenweise ein bisschen zu ausführlich, ausschweifend und langatmig werden kann.

Ein paar Szenen hätten durchaus ein bisschen knackiger zum Punkt gebracht werden können. Und trotzdem: die positiven Punkte, die Herzigkeit, Spannung und Düsterkeit dieser VN überschatten die Contras mühelos.

Fazit

»Am Ende kommt es eben darauf an, worauf man Wert legt. Möchte man über viele Stunden hinweg in den Bann einer Geschichte gezogen werden, die trotz Längen und Kuriositäten ein absolut fesselndes und befriedigendes Leseerlebnis bietet? Wenn dem so ist, ist Steins;Gate Elite eine ausgezeichnete Wahl.

Man sollte aber kein Problem damit haben, dass die Interaktionsmöglichkeiten unregelmäßig und rar gesät sind und alle Texte auf Englisch geschrieben wurden. Kann man über diese Punkte hinwegsehen, steht einem Zeitsprung nichts im Wege!«

 

Gut erzählte Geschichte mit den richtigen Anteilen an Spannung, Emotionen und Humor.
Ab und an wird mit dem Handy interagiert, den Hauptteil nimmt jedoch das Lesen der Geschichte ein.
Schicker Animestil, der dank der Animationen ein dynamisches Leseerlebnis bietet.
Tolle Musik, noch tollere Sprecher. Beim Sounddesign gibt es allerdings Abstriche.
 Es gibt mehrere Enden, aber nur ein wahres Ende.