Im Test! Luigi’s Mansion für Nintendo 3DS

Es begann als Tech-Demo und erschien schließlich 2002 als Launch-Titel für Nintendo GameCube. Die Rede ist natürlich von Luigi's Mansion...
Titel Luigi’s Mansion
Japan 8. November 2018
Nintendo
Nordamerika 12. Oktober 2018
Nintendo
Europa 19. Oktober 2018
Nintendo
System 3DS
Getestet für 3DS
Entwickler Grezzo
Genres Action-Adventure
Texte
Deutschland Nordamerika 
Vertonung Nordamerika 

Es begann als Tech-Demo und erschien schließlich 2002 als Launch-Titel für Nintendo GameCube. Die Rede ist natürlich von Luigi’s Mansion. Das Geisterabenteuer des grünen Klempners bestach durch seinen Charme und die einzigartige Steuerung. Im Jahre 2013 verkündete Nintendo dann das Jahr des Luigi. Marios Bruder stand ein ganzes Jahr lang im Rampenlicht und bekam eine Reihe von Spielen spendiert.

Darunter auch Luigi’s Mansion 2, das für Nintendo 3DS erschien. Doch das Original blieb nicht vergessen. Mit frisch aufbereiteten Texturen und 3D-Modellen kehrt der grün gewandete Klempner auf dem 3DS in die ursprüngliche Gruselvilla zurück. Ob der Klassiker ein geistreiches Erlebnis ist oder doch nur ein Geist der Vergangenheit, erfahrt ihr hier im Test.

Trautes Heim, Glück allein

Luigi hat eine Villa gewonnen! Und das, obwohl er niemals an einem Preisausschreiben teilgenommen hat… Gutgläubig, wie er nun mal ist, macht sich Luigi auf den Weg, um seine neue Immobilie in Augenschein zu nehmen. Mario interessiert sich auch für den Gewinn seines Bruders und ist schon mal vorgegangen. Aber statt eines warmen Empfangs erwartet die Brüder eine schauderhafte Überraschung. Die Villa ist ein Spukhaus, in dem zahlreiche Geister ihr Unwesen treiben. Um das Unheil perfekt zu machen, ist plötzlich auch noch Mario spurlos verschwunden.

Bevor die Geister Luigi ins Jenseits befördern können, eilt ihm Professor I. Gidd mit seinem Schreckweg 08/16 zu Hilfe. Gemeinsam sondieren die beiden im Labor des Professors die Lage. Die Villa ist eines Tages aus dem Nichts erschienen und eine Bande Buu Huus hat Professor I. Gidds Gemäldegeister befreit, die er während seiner jahrelangen Forschung gesammelt hatte. Es liegt nun an Luigi, alle Geister wieder einzufangen und Mario zu finden. Nur mit dem Schreckweg 08/16 und einer Taschenlampe ausgestattet begibt er sich in die unheimliche Villa.

»Die Texturen sehen viel klarer und sauberer aus. Allerdings ist die Villa auch ein wenig geschrumpft, um sich an die Bildschirmgröße anzupassen.«

Neuer Anstrich für die Villa

Die hat mit der 3DS-Version von Luigi’s Mansion einen neuen Anstrich bekommen. Die Texturen sehen viel klarer und sauberer aus. Allerdings ist die Villa auch ein wenig geschrumpft, um sich an die Bildschirmgröße anzupassen. So bleiben auch große Räume noch übersichtlich. Auch die Bewohner der Villa haben ein „Facelifting“ bekommen. Luigis Charaktermodell ist dem aus Luigi’s Mansion 2 ähnlicher geworden.

Die Geister strahlen in schönstem Ektoplasma. Sie sind zwar weniger transparent als früher, aber dafür wohlgeformter. Keine spitzen Polygonkanten verunstalten die gestochen scharfen Geisterkörper. Auch die Effekte können sich sehen lassen. Die drei Elemente Feuer, Wasser und Eis, die im Verlauf des Abenteuers zum Einsatz kommen, sind gut in Szene gesetzt und kommen gut zur Geltung.

Musikalische Geisterstimmung

Die musikalische Untermalung trägt dann den Rest dazu bei, um die perfekte Geisterstimmung zu erzeugen. Bei genauem Hinhören wird klar, dass es eine Grundmelodie gibt, die immer wieder in diversen Variationen auftaucht. Mal langsam, dann hektischer oder von Luigi gesummt, während er durch die Gänge wandert. Und das reicht schon aus, damit über die gesamte Spielzeit hinweg dieses eine Musikstück nicht negativ auffällt. Noch gekonnter wirkt aber der Einsatz von Stille. In vielen Situationen gibt es keine Musik, sondern nur gelegentliche Geräusche. Irgendwo lauert etwas in der Dunkelheit und doch fühlt sich die Villa verlassen an. All diese Faktoren zusammengenommen erzeugen eine wunderbare Stimmung, die das Erkunden umso spannender macht.

Luigi's Mansion

Das Spiel sieht auf dem 3DS super aus, die Grafik erzeugt eine gruselige Atmosphäre.

Mit dem Staubsauger auf Geisterjagd

Im einleitenden Tutorial merke ich, dass die Steuerung in großen Teilen mit der GameCube-Version übereinstimmt. Der große Unterschied liegt in der Bewegung des Staubsaugers. Um den fehlenden zweiten Joystick des GameCubes zu ersetzen, hat sich der Entwickler eine Reihe von Steuerungsarten für den 3DS einfallen lassen. Standardmäßig lässt sich der Winkel des Schreckweg durch Neigen des 3DS ändern. Das funktioniert an sich auch sehr gut, verträgt sich allerdings nicht mit aktiviertem 3D, weil durch den ständigen Wechsel des Winkels das Bild meist unscharf ist. Das ist allerdings zu verschmerzen, da der 3D-Modus zwar bei der räumlichen Wahrnehmung hilft, aber auch gut ohne zu erkennen ist, wo sich die Geister im Raum befinden. Ab und zu kommt der Gyro-Sensor nicht mehr hinterher. Mit einem kurzen Druck auf den B-Knopf lassen sich Taschenlampe und Staubsauger wieder neu ausrichten.

Halte ich den Knopf hingegen gedrückt, kann ich gleichzeitig mit dem linken Stick die Blickrichtung ändern, die beim Saugen normalerweise fixiert wird. Allerdings ändere ich damit nicht nur die Blickrichtung, sondern laufe dadurch auch weiter, was des Öfteren zu unliebsamen Zusammenstößen mit Geistern führt. Alternativ gibt es noch die Möglichkeit, die Saugrichtung mit dem Steuerkreuz zu ändern. Auf dem New 3DS steht auch noch der C-Stick zur Verfügung, um den Neigungswinkel und die Blickrichtung zu ändern. Keine dieser Möglichkeiten ist wirklich optimal, manche eignen sich in bestimmten Situationen besser als andere.

Circle Pad Pro bietet komfortabelste Steuerung

Am komfortabelsten ist das Circle Pad Pro, das mit dem regulären 3DS kompatibel ist. Durch den zusätzlichen rechten Joystick fühlt sich die Steuerung fast genauso an wie auf dem GameCube-Controller. Kein Vergleich zum C-Stick des New 3DS, der zwar gleich funktioniert, sich aber durch seine geringe Größe und Schwergängigkeit zu unbequem anfühlt. Neu hinzugekommen ist der Stroboblitz aus Luigi’s Mansion 2. Im Gegensatz zur normalen Taschenlampe lähmt der Stroboblitz die Geister durch einen kurzen Knopfdruck und hat eine höhere Reichweite.

Der untere Bildschirm zeigt dauerhaft die Karte an. So sieht man auf einen Blick, wo es als Nächstes hingeht.

Und dann gibt es da noch den Game Boy Horror, der schnell zum besten Freund eines jeden Geisterjägers wird. Neben seiner Funktion als Kommunikationsgerät enthält er eine Suchfunktion und zeigt auf dem unteren Bildschirm die Karte sowie Statistiken zu gesammelten Reichtümern und Geistern an. Hier sehe ich eine eindeutige Verbesserung zum GameCube-Teil. Die Karte ist jetzt jederzeit einsehbar. Der Spielfluss wird nicht mehr dadurch gestört, dass ich alle zwei Minuten ins Menü gehen muss, um einen Blick darauf werfen zu können.

Ein kleines Manko gibt es dann doch. Während in der Originalversion Luigis Position im Raum noch genau dargestellt wurde, wird er auf dem 3DS nur als Pixelsymbol mit einer festen Position auf der Karte angezeigt. Das ist insofern schade, da man im GameCube-Teil genau sehen kann, vor welcher Tür man gerade steht und dadurch Fallen leichter enttarnen kann. In meiner Unachtsamkeit bin ich im Remake des Öfteren falschen Türen zum Opfer gefallen.

Neben normalen Gemäldegeistern gibt es Bossgeister, die es in sich haben.

Die Suchfunktion ist ganz die alte geblieben, genau wie der Charme des Spiels. Primär dient die Funktion dazu, Informationen über die Gemäldegeister zu erhalten. Diese Informationen dienen als Tipps, auf welche Art die Geister angreifbar werden. Für jeden Geist gibt es eine andere Strategie oder es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Die richtige Lösung ist meist offensichtlich und leicht gefunden. Beklagt sich ein Geist beispielsweise, dass es im Raum sehr zugig ist, dann schiebe ich einfach die Vorhänge zur Seite, um die kalte Luft hereinzulassen. Mit der Suchfunktion lassen sich aber auch zahlreiche Objekte in der Villa untersuchen.

Frecher Luigi

Zu jeder Interaktion fällt Luigi ein frecher Spruch ein. Das Lachen vergeht ihm aber schnell, sobald er auf einen Bossgeist trifft. Diese mächtigen Gemäldegeister haben es in sich. Jeder Bossgeist hat ein einzigartiges Angriffsmuster, aber vom Grundprinzip her bleiben sie gleich. Ausweichen, mit Dingen nach dem Boss schmeißen und drauflos saugen. Nach mehreren solcher Runden ist der Geist eingesackt und es geht zurück zu I. Gidds Labor, um die gesammelten Daten auszuwerten.

So wird die Villa in vier Bereiche aufgeteilt, die ich nach und nach durch das Besiegen der Geister freischalten und erkunden kann. Das Spiel hat einen sehr strukturierten Aufbau. Es ist immer klar, wo ich als Nächstes hin muss. Obwohl die Richtung strikt vorgegeben wird, fühlt es sich aber nicht linear an, da ich bereits besuchte Räume jederzeit wieder aufsuchen kann und es auch einige Geheimnisse auf dem Weg zu entdecken gibt.

»Ab der zweiten Hälfte gestaltet sich die Geisterjagd jedoch etwas langatmig, da ich viele Räume passieren muss, die ich bereits gelöst habe.«

Ab der zweiten Hälfte gestaltet sich die Geisterjagd jedoch etwas langatmig, da ich viele Räume passieren muss, die ich bereits gelöst habe. Vom Dachboden bis in den Keller zu laufen, ohne dass etwas passiert, ist nicht gerade spannend. Wo es am Anfang noch Gemäldegeister zuhauf gab, kann es hier mehrere Minuten dauern, bis ich auf einen neuen Geist treffe.

Hinzu kommt, dass Luigis Laufgeschwindigkeit doch etwas zu wünschen übrig lässt, wenn man nur mal eben schnell von einem Ort zum anderen laufen möchte. Ein kleiner Trost ist die Teleportfunktion via Spiegel, mit der ich schnell zum Eingang der Villa zurückkehren kann. Aber leider auch wirklich nur zum Eingang. Es wäre schön gewesen, wenn alle Spiegel miteinander verbunden wären und ich selbst entscheiden könnte, zu welchem Raum ich teleportiert werden möchte.

Alleine zu zweit

Ein zweiter Spieler kann in die Rolle von Fluigi schlüpfen, um sich an der Geisterjagd zu beteiligen.

Da ist es tröstlich, wenn man nicht wie im Original allein durch die Villa streifen muss. I. Gidd schickt nämlich aus der Zukunft einen geisterhaften Helfer namens Fluigi, der von einem zweiten Spieler kontrolliert werden kann. Damit Fluigis volles Potenzial ausgeschöpft werden kann, muss allerdings jeder Spieler eine Version von Luigi’s Mansion besitzen.

Es besteht zwar die Möglichkeit, dass Spieler Zwei via Download-Spiel beitritt, allerdings kann dieser dann nur die Galerie besuchen, um ein Rematch gegen Gemäldegeister auszutragen, oder das Training spielen. Als besonders nützlich erweisen sich auch die amiibo, die mit Luigi’s Mansion kompatibel sind.

Ein Buu Huu mit 30 Lebenspunkten ist schnell gefangen, aber wenn man sich einem mit 300 Lebenspunkten gegenübersieht, das die Räume schneller wechselt, als man gucken kann, artet das in eine meist nervenaufreibende Verfolgungsjagd aus. Hier ist der Buu-Huu-amiibo ein echter Helfer. Nach dem Einscannen sehe ich bis zu drei Buu Huus auf der Karte, die ich bereits entdeckt, aber noch nicht eingefangen habe. Die amiibo zu Mario und Toad helfen die Lebenspunkte zu regenerieren und der Luigi-amiibo kann nach einem KO sogar ein Mal wiederbeleben.

»Ich habe die Villa in etwas mehr als einer Stunde von allen Geistern befreit. Die Entwickler haben dafür alles getan, um zu mehreren Durchgängen zu motivieren.«

Auch der Entdeckerdrang wird im Remake mit zusätzlichen Belohnungen angeregt. Professor I. Gidd hat nämlich seit der GameCube-Version an seiner Galerie Umbaumaßnahmen vorgenommen. Ein Teil dieses Umbaus beinhaltet eine brandneue Zieleliste mit optionalen Aufgaben. Manche dieser Aufgaben lassen sich nicht im ersten Durchlauf des Spiels bewältigen, was zu mehrmaligem Durchspielen motiviert. Wer den GameCube-Teil schon kennt, kann einen Durchgang in Rekordzeit beenden. Ich habe die Villa in etwas mehr als einer Stunde von allen Geistern befreit. Das ist nichts im Vergleich zu Luigi’s Mansion 2, an dem ich viele Stunden gesessen habe.

Der zweite Teil bietet definitiv mehr Umfang. Die kurze Spielzeit muss aber nicht zwangsweise etwas Schlechtes sein, da der Wiederspielwert recht hoch ist und die Entwickler auch alles getan haben, um zu mehreren Durchgängen zu motivieren. Neben der bereits erwähnten Zieleliste gibt es auch eine versteckte Villa, die nach dem ersten Durchspielen freigeschaltet wird. Die Geschichte und der Aufbau der Räume ist derselbe, allerdings tauchen gleich zu Beginn stärkere Geister auf, die auch wesentlich mehr Lebenspunkte haben.

Luigi’s Mansion: Ein schaurig schönes Abenteuer

»Luigi’s Mansion ist noch genauso spaßig wie vor 16 Jahren. Die Steuerung ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber sobald man den Dreh einmal raus hat, fangen sich die Geister wie von selbst. Die Musik, beziehungsweise das gelegentliche Fehlen von Musik, erzeugt die richtige Stimmung für eine Geisterjagd, ohne allzu gruselig zu sein. Besonders erstaunlich ist, dass das Spiel eigentlich nur eine Melodie hat, die immer wieder verwendet wird, ohne dass sie störend wirkt. Der neu hinzugefügte Mehrspielermodus ist definitiv ein Plus. Besonders gut gefallen mir auch die Funktionen der amiibo, die auch wirklich beim Spielen helfen und nicht nur kosmetische Effekte haben.

Das Abenteuer macht sich sehr gut auf einer tragbaren Konsole. Eine Veröffentlichung auf Nintendo Switch wäre auch schön gewesen, aber das wollte sich Nintendo vermutlich für Luigi’s Mansion 3 aufheben. Luigi’s Mansion ist auf jeden Fall einen Blick wert, auch wenn es sich nur um ein kurzes Abenteuer handelt. Wer die GameCube-Version schon gespielt hat, sollte aber vielleicht warten, bis das Spiel etwas günstiger wird, da es für Kenner nicht viel Neues zu bieten hat.«

 

Die Story ist schnell erklärt und nicht sehr tiefgründig, aber ausreichend. Die Dialoge sind gut geschrieben und entlocken das ein oder andere Schmunzeln.
Gewöhnungsbedürftige Steuerung, die manchmal für irritierende Momente sorgt. Die zu lösenden Aufgaben und Kämpfe sind sehr einfach, aber durchweg unterhaltsam. Die drei elementbasierten Fähigkeiten bringen Abwechslung ins Geschehen.
Neue Charaktermodelle und Texturen lassen das Remake in neuem Glanz erstrahlen. Licht- und Partikeleffekte sind schön anzusehen und erzeugen eine angenehm schaurige Stimmung.
Das Spiel weiß Stille gekonnt einzusetzen. Gelegentliche Musik erzeugt eine spannende Atmosphäre. Obwohl es nur wenige unterschiedliche Melodien gibt, sind diese auch auf Dauer nicht nervig.
Sehr kurzes Spiel, das in einer Stunde beendet werden kann. Ein Zweispielermodus und eine Liste mit optionalen Zielen erhöhen den Wiederspielwert. Die amiibo haben sinnvolle Funktionen, die positiv zum Spielerlebnis beitragen.