Im Test! Mega Man 11

Es war einmal 2016... Mighty No. 9 erschien als Nachfolger der Mega-Man-Serie und wurde dabei sogar vom Vater der Serie produziert. Vielen Spielern...
Titel Mega Man 11
Japan 02. Oktober 2018
Capcom
Nordamerika 02. Oktober 2018
Capcom
Europa 02. Oktober 2018
Capcom
System PC, Switch, PS4, XOne
Getestet für PlayStation 4
Entwickler Capcom
Genres Action
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Nordamerika Japan

Es war einmal 2016… Mighty No. 9 erschien als Nachfolger der Mega-Man-Serie und wurde dabei sogar vom Vater der Serie produziert. Vielen Spielern gefiel das Spiel aber nicht. Im Unterschied dazu fand ich es recht unterhaltsam und konnte die negativen Meinungen gar nicht nachvollziehen. Nun ist es 2018, Mega Man 11 ist erschienen und viele Leute loben es als wahren Nachfolger der Mega-Man-Serie. Und dann bin da ich, der das Spiel etwas „meh“ findet. Wieder einmal mit einer anderen Meinung als die große Masse, erkläre ich euch in meinem Review, warum Rockman mein Herz zu Stein werden lässt.

Eine Mega-Man-Story

Das Spiel ist ein Mega-Man-Spiel und genauso eine Story darf man sich auch erwarten. Vor unzähligen Jahren hatten Dr. White und Dr. Wily eine Meinungsverschiedenheit. Noch immer gepeinigt davon wacht Dr. Wily eines Tages und viele Jahre später auf und denkt sich: „So, jetzt zeig ich es Dr. White!“ Kurzerhand darauf entführt er Dr. Whites Lieblingsroboter, programmiert sie um und lässt sie auf die Welt los. Doch zum Glück gibt es Mega Man, der nicht umprogrammiert wurde und sich auf den Weg macht, um die Welt zu retten.

Man kann die kurzen Dialoge eigentlich kaum Story nennen. Es gibt keine Entwicklung von Charakteren, keine sehr fröhlichen, traurigen Momente und so weiter. Die Story ist einfach nicht vorhanden. Zum Glück war die Story eines Mega-Man-Spiels noch nie wirklich entscheidend für die Qualität des Endproduktes. Was da schon viel wichtiger ist, ist das Gameplay und die Musik. Oh Gott, die Musik.

Die Grafik ist durchschnittlich.

Techno-Gedudel und Comic-Grafik

Die Musik in Mega Man 11 hat das Potential nach nur wenigen Minuten zu nerven. Überraschenderweise ist sie schon nach bloßen fünf Sekunden nicht mehr auszuhalten. Unzählige Lieder klingen nach kurzer Zeit absolut gleich und man wird von einem synthetischen „Instrument“ genervt. Das Ganze erinnert an einen einheitlichen, nicht enden wollenden Strom an Techno-Geräuschen. Egal ob man Fan von Techno ist oder mit dem Genre nichts anfangen kann: Die Musik in Mega Man 11 nervt mehr, als dass sie dem Spielerlebnis hilft. Wenige Stücke sind angenehmer anzuhören, so zum Beispiel das Main Theme des Spiels, aber der Rest ist einfach nicht gelungen.

Das Voice Acting schafft es dann auch nicht, in der Sparte „Audio“ zu punkten, da es so wirkt, als hätte man mal kurz irgendwelche Leute von der Straße eingeladen ein paar Sätze in ein Mikrofon zu sprechen. Es kommen zwar nicht viele Dialoge im Spiel vor, aber ein bisschen mehr Mühe hätte man sich hier schon geben können. Zum Glück gibt es nicht viele vertonte Szenen, da ja die Story eigentlich auch nicht vorhanden ist. Was nicht existiert, muss nicht erzählt werden.

Grafisch hält sich Mega Man 11 eher im Mittelfeld der technischen Möglichkeiten auf. Einzig und allein am Anfang eines Levels wird kurz der Boss gezeigt, jedoch seltsam pixelig und somit vom technischen Mittelfeld abweichend. Das soll eventuell ein Störfeld darstellen, um Mega Man einzuschüchtern? Es wirkt aber eher seltsam. Die Charaktere und Gegner sind comichaft gehalten und die Lichteffekte sind nicht wirklich spektakulär. Es gibt weder wirklich etwas an der Grafik auszusetzen, noch gibt es etwas Besonderes daran zu loben. Einzig und allein fällt positiv auf, dass die Level sehr unterschiedlich gestaltet sind und so jedes Level grafisch seinen eigenen Charakter hat.

Eine neue Fähigkeit für Mega Man!

Double-Gear-System

Kommen wir zum Gameplay. Mega Man zeichnet sich immer durch schwere Level aus, bei denen man Fehler macht und aus diesen Fehlern lernt, um dann am Ende gegen einen Boss anzutreten, ihn zu besiegen und seine Fähigkeit anzunehmen. Das ist in diesem Mega Man prinzipiell auch so, jedoch mit dem Unterschied, dass die Level nun nicht einfach nur mehr schwer sind, sondern teilweise brutal. Um die Level zu schaffen, wurde ein neues System eingeführt: Double Gear. Unter dem Double-Gear-System versteht man die Fähigkeit von Mega Man, entweder die Waffe stärker zu machen, die Zeit zu verlangsamen oder beides gleichzeitig. Manchmal passiert so viel auf einmal auf dem Bildschirm, dass man das neue Double-Gear-System nutzen muss. Das ist einerseits gut, da es so eine Existenzberechtigung für das System gibt, andererseits nimmt die Verlangsamung der Zeit den Spielfluss raus.

Man kommt auch teilweise nur durch Verlangsamung der Zeit durch einige Stellen, ohne in Frust zu verfallen. Die Verlangsamung der Zeit ist auch vor allem bei den Bossen bitter nötig. Die Bosse sind teilweise einfach nur noch abartig. Während manche Bosse noch relativ gemütlich sind, schleudern andere unaufhörlich tödliche Objekte in Richtung Mega Man und man muss alle paar Momente die Zeit verlangsamen. Das reißt jedes Mal aus dem Spiel, wenn plötzlich alles langsamer läuft und dann wieder normal schnell, wieder langsam, normal, langsam, normal, langsam, normal und man hat keine Energie mehr für die Verlangsamung der Zeit und steckt nun reihenweise tödliche Geschosse ein.

»Die Bosse sind teilweise einfach nur noch abartig. Während manche Bosse noch relativ gemütlich sind, schleudern andere unaufhörlich tödliche Objekte in Richtung Mega Man.«

Alle Bosse sind jedoch unterschiedlich genug, dass nie Langeweile aufkommt und man sich immer fragt, wie der nächste Boss wohl sein wird. Besiegt man einen Boss, sammelt man seine Fähigkeit ein. Die Fähigkeiten sind wirklich gut gelungen, wobei manche Fähigkeiten schon etwas in einen Overkill ausarten. Zum Beispiel kann man zahlreiche tödliche Bälle über den Bildschirm huschen lassen oder man hat einen Luft-Dash und kann so ein wenig die Jump-’n’-Run-Einlagen umgehen. Da diese Fähigkeiten genauso wie das Double-Gear-System Energie konsumieren, kann man dies jedoch nicht endlos tun.

Das Ballon-Level. Oh nein…

Die Level sind diesmal ungewöhnlich lang und werden eure Reaktionsfähigkeit und Geduld auf die Probe stellen. Im normalen Schwierigkeitsmodus habt ihr nur zwei Leben, bevor ihr das gesamte Level noch einmal starten müsst. Im leichten Modus sind es immerhin schon fünf und im sehr leichten Modus sind es unendlich viele Leben und selbst ein Sturz in einen Abgrund kostet euch nicht das Leben. Später kann man auch mit gesammeltem „Geld“ hilfreiche Items und mehr Leben kaufen.

Die relativ weit auseinander gesetzten Speicherpunkte in den Level machen einiges an Wiederholung nötig nach dem Tod von Mega Man, zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad. Hier muss man auch noch einmal zusätzlich aufpassen: Das Spiel weist zu Anfang darauf hin, dass es automatisch speichert und man nicht die Konsole abdrehen soll, was ziemlicher Standard mittlerweile ist. Was jedoch nicht erwähnt wird, ist, dass es sich hier nur um die Speicherpunkte in den Level handelt. Wenn man später nicht selbst manuell speichert, ist der gesamte Fortschritt verloren. Ich habe das selbst für euch getestet…

Typisch für die Reihe gibt es ein Eis-, Feuer- und Elektrizitäts-Level. Auch auf einer Baustelle dürfen wir uns austoben. Besondere Erwähnung muss hier das „Ballon“-Level finden. In diesem Level findet ihr zahlreiche Ballons, die, wenn ihr sie berührt, Mega Man wegschubsen. Das ist manchmal sehr nervig, wenn man springen will und vom Kontakt mit einem einzigen Pixel zurückgeschleudert wird. Oder wenn man herausfinden will, wie man höher springen kann auf den Ballons, weil das nie erklärt wird, nervt das auch. Oder wenn man wie ein Idiot zwischen mehreren Ballons hin- und hergeschleudert wird und sich wünscht, dass die Konsole abstürzt, damit diese peinliche Situation einfach schnell vorbei ist. Was am Anfang in diesem Level noch kurzer Frust ist, wird schnell zu Hass gegenüber Clowns und Ballons. Die Level schwanken somit zwischen guten Ideen und teilweise fiesen Stellen.

Wie immer fordernde Bosse

Mega Man?

Bevor eventuelle Kritik aufkommt, ja, ich habe bereits mehrere Mega-Man-Teile gespielt und bin nicht zu schlecht für Mega Man. Mighty No. 9 hatte mir Spaß gemacht und war fordernd, vor Kurzem habe ich Mighty Gunvolt Burst versucht und hatte auch sehr viel Spaß damit. Außerdem habe ich I Wanna Be The Guy durchgespielt und bin auf dem Weg dahin mehr als 700 Mal gestorben (das Spiel zählt mit). Bei Mega Man 11 jedoch… ich will es einfach nicht mehr spielen müssen. Ich könnte mich bemühen und alles lernen, aber dieses Spiel motiviert einfach nicht.

Mega Man 11: Wo ist der Spielspaß?

»Die Musik nervt, die Level machen keinen Spaß, da sie zu lang sind und unfaire Stellen haben, die auf die Verlangsamung der Zeit setzen. Die Bosse sind teilweise einfach nur noch fies und das Ballon-Level bringt die sanftmütigsten Spieler irgendwann zur Weißglut. Das Spiel ist schwer und wer sich einen Spaß daraus macht, kann es gerne spielen. Es ist noch immer ein Mega Man, jedoch meiner Meinung nach mit fragwürdigen Design-Entscheidungen, die den Spielspaß enorm bremsen. Es fehlt der gewisse Funke, der einen Grund gibt, wieso man sich die vielen Game Over antun soll. Verglichen mit einem Spiel, das selbst bei 700 Toden noch immer motiviert hat, ist das leider nicht genug.«

 

Mega Man rettet die Welt.
Schwankt von spaßig über Frust bis unfair
Ordentliche Grafik, die keine neuen Maßstäbe setzt
Unendlich nerviger Techno
Bosse teilweise sehr hart, Level lang, eines der Level absolut demotivierend, neues System des Zeitverlangsamens nimmt den Spielfluss aus dem Spiel