Im Test! 2064: Read Only Memories

Mit der Switch hat man nun so ziemlich jede Plattform abgedeckt. Nun ist nämlich das Cyberpunk-Point-and-Click-Adventure 2064: Read Only Memories...

Mit der Version für Nintendo Switch hat man nun so ziemlich jede Plattform abgedeckt. Seit August ist nämlich das Cyberpunk-Point-and-Click-Adventure 2064: Read Only Memories auch für Nintendos neueste Konsole erhältlich. 2015 erschien das von Midboss entwickelte Spiel bereits für PCs und fand später auch seinen recht erfolgreichen Weg auf Sony- und Microsoft-Plattformen.

Das amerikanische Entwicklerstudio Midboss machte sich zu seiner Gründung einen Namen in der LGTBQ-Gemeinschaft. Prämisse war es, mehr Diversität in die Gaming-Branche zu bringen. Mit der über Kickstarter finanzierten Dokumentation “Gaming in Color” startete man das erste Projekt unter der LGTBQ-Flagge und danach folgte auch schon das Point-and-Click-Adventure 2064: Read Only Memories, welches mit ähnlichem Blickwinkel die Spielelandschaft bereicherte. Interessant hierzu ist, dass Charaktere aus 2064: Read Only Memories auch im später erschienenen Spiel VA-11 Hall-A von Sukeban Studios auftauchen und somit ein gemeinsames Universum bilden.

Beide Spiele erhielten zudem auch japanische Lokalisierungen und gute Resonanz, was nicht zuletzt am Cyberpunk-Setting und der Anlehnung an japanische Animationsarbeit liegen dürfte.

Journalist auf Abwegen

In 2064: Read Only Memories schlüpft man in die Rolle eines nicht sonderlich erfolgreichen Journalisten, der sich mit verschiedenen Produktreviews über Wasser hält. Alter Laptop, verstopftes Waschbecken und vergammelte Milch im Kühlschrank – welcher Review-Schreiber findet sich hier nicht bestens repräsentiert? Zumindest für unseren Test gelang die Immersion in den Hauptcharakter auf Anhieb.

Als wir nach einem weiteren harten Arbeitstag in die wohlverdienten Federn hüpfen, bemerken wir am nächsten Morgen einen kleinen blauen Roboter, der sich womöglich nachts zu unserer Wohnung Zutritt verschafft hat. Aufgelöst erzählt der Roboter Turing von seinem Erschaffer, der augenscheinlich einem Kidnapping zum Opfer fiel. Turings Erschaffer entpuppt sich recht schnell als ein alter Schulfreund von uns, der im Gegensatz zu uns einer recht erfolgreichen Karriere bei dem führenden Technologieunternehmen Parallax als Entwickler nachging.

Turing beschloss der Entführung nachzugehen und wir erschienen ihm laut seiner Berechnungen als ausreichend vertrauenswürdig und hilfsbereit, den kleinen Roboter bei seiner Suche zu unterstützen. So beginnt die verworrene Geschichte um den verschwundenen Top-Entwickler und im Verlauf der Geschichte offenbaren sich einige Dinge, die man so nicht unbedingt vermutet hätte.

Im Laufe des Spiels trifft man auf eine Menge interessanter Charaktere, die einem je nach gegebenen Antworten helfen oder eher von euch abgeneigt sein werden. Einige sind hier auch in der LGTBQ-Community ansässig, aber zu keiner Zeit hat man das Gefühl, irgendetwas nicht als vollkommen normal anzusehen. Durchaus also eine Bereicherung in dem Sektor.

Die Geschichte in 2064: Read Only Memories bietet durch die verschiedenen Möglichkeiten, Gespräche zu führen, auch verschiedene Enden. Leider fehlt eine Option an gewissen Punkten später andere Antwortoptionen auszuwählen, sodass man für ein anderes Ende das komplette Spiel noch einmal durchspielen muss.

Erzählt wird die Story aber exzellent und immer interessant. Die Charaktere wachsen einem ans Herz und besonders Turing wird im Laufe des Spiels ein mehr als treuer Begleiter und Freund.

Die Milch hab ich eh getrunken

Als klassisches Point-and-Click-Adventure ist 2064: Read Only Memories recht eingeschränkt im Bezug auf das Gameplay. Aus der Egoperspektive bekommt man an jedem der verschiedenen Orte einen Bildschirm mit verschiedenen Interaktionsmöglichkeiten geboten. Meist sind das Dinge zum bloßen Anschauen, doch auch hier bekommt man bei jedem der Kommandos (benutzen, reden, anschauen) eine nützliche oder witzige Anmerkung.

»Der Pixelart-Look mit leicht animierten Charakterportraits vermittelt die gewisse Atmosphäre durchaus ganz gut.«

Manche Dinge lassen sich mitnehmen und später einsetzen, andere bieten nötige Informationen, um in der Geschichte weiterzukommen. Gegenstände oder gesammelte Informationen schalten alternative Wege im Spiel frei und besonders Gespräche mit verschiedenen Charakteren bilden den Hauptbestandteil des Spiels. Bei den Gesprächen bekommt man häufig drei Antwortmöglichkeiten nach dem gleichen Schema geboten. Von höflich über neutral bis zu beleidigend kann man hier frei wählen, muss aber dann auch mit den Konsequenzen leben und mitunter einen anderen Lösungsansatz verfolgen.

Witzig sind diese Gespräche allemal und die sechs Kapitel sind mit der einen oder anderen Gameplay-Abwechslung auch gut strukturiert. Man muss aber ganz klar sagen, dass der Hauptbestandteil nicht auf dem Gameplay selbst, sondern schon auf der gut erzählten Geschichte und deren interessanten Charaktere liegt.

Als Extra kann man sich zudem noch eine Nebengeschichte mit gleichem Spielprinzip anschauen, um bestimmten Geschehnissen aus einer anderen Perspektive beizuwohnen. Die Sparte Extras zeigt ebenfalls zahlreiche Artworks,Videos und Musikstücke zum Spiel.

Chiptunes und Pixelart

2064: Read Only Memories ist kein Grafikmonster und will dies natürlich auch nicht sein. Vom Grafikstil her lehnt man sich stark an alte Point-and-Click-Adventures an. Pixelart-Look mit leicht animierten Charakterportraits ist zwar nicht der neuste Standard, vermittelt aber die gewisse Atmosphäre durchaus ganz gut.

Besonders in den Charakterportraits steckt viel Liebe zum Detail, wenn diese in bestimmten Situationen überrascht oder bestürzt reagieren. Alles in allem hat man designtechnisch eine zufriedenstellende Wahl getroffen.

»Das Paradestück von 2064: Read Only Memories ist die sehr gute englische Synchronisation.«

Die musikalische Untermalung passt zum Stil. Mit netter Chiptune-Musik fand man die perfekte Wahl, ohne nervig oder langweilig zu wirken. Das Paradestück von 2064: Read Only Memories ist aber die sehr gute englische Synchronisation. Die Charaktere werden durch die Stimmen quasi zum Leben erweckt und vermitteln die einzelnen Charakterzüge glaubhaft und unterhaltsam. Kenner von amerikanischer Spieleindustrie und -journalismus werden mit Zoë Quinn oder Jim Sterling obendrein bekannte Stimmen wiedererkennen.

Cyberpunk-Detektivstory im klassischen Gewand

»2064: Read Only Memories ist ein gut erzähltes Point-and-Click-Adventure mit einigen interessanten und auch liebenswerten Charakteren. Der Gameplay-Fokus auf Gesprächen und der klassischen Point-and-Click-Formel funktioniert und wirkt heutzutage auch wieder frischer als zu seiner Zeit.

Mit witzigen und teilweise auch zum Nachdenken anregenden Dialogen weiß das Spiel zu überzeugen. Verschiedene Enden und Story-Verläufe werden geboten und sind komplett von den Reaktionen des Spielers abhängig.

2064: Read Only Memories ist seit August nun auch für Nintendo Switch erhältlich und ist somit neben PCs auch für so gut wie alle Konsolen und Handhelds verfügbar. Leider gibt es das Spiel ausschließlich digital in den jeweiligen Shops und auch der Preis ist mit rund 20 Euro recht hoch angesetzt. Freunde des Genres und guter Geschichten kommen aber mit 2064: Read Only Memories definitiv auf ihre Kosten.«

 

Gut erzählte Geschichte mit interessanten und liebenswerten Charakteren.
Point-and-Click-Adventure mit Entscheidungsmöglichkeiten über Dialogoptionen. Mehrere Enden und Storyverläufe.
Nette Pixeloptik und leicht animierte Charakterportraits. Auf alt getrimmtes Design verleiht dennoch eine ernstzunehmende Atmosphäre.
Stimmiger Chiptunes-Soundtrack und grandiose englische Synchronisation.
Extras wie Bilder, Artworks, Videos und Musikstücke. Zusatzgeschichte zeigt einen Teil der Story aus einem anderen Blickwinkel.