Im Test! Fall Legion: Rise to Glory

Fallen Legion: Rise to Glory ist ein sehr merkwürdiges Spiel. In seiner Tiefe ist es komplex, erwartet viel Eigeninitiative und doch laufen die meisten Prozesse...
Titel Fallen Legion: Rise to Glory
Japan 29. Mai 2018
Arc System Works
Nordamerika 29. Mai 2018
NIS America
Europa 29. Mai 2018
NIS America
System Nintendo Switch
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler YummyYummyTummy
Genres Action-RPG
Texte
Nordamerika
Vertonung Nordamerika Japan

Fallen Legion: Rise to Glory ist ein sehr merkwürdiges Spiel. In seiner Tiefe ist es komplex, erwartet viel Eigeninitiative und doch laufen die meisten Prozesse komplett automatisiert ab, sodass dem Spieler einzig das Kämpfen bleibt. Auf der einen Seite hat man schwere moralische Entscheidungen, die innerhalb von Sekunden zu klären sind und auf der anderen kann man jeden Kampf mühelos gewinnen, indem man fast ohne jegliche Kontrolle auf die Tasten hämmert. Dennoch habe ich mich jedes Mal darauf gefreut, die Switch auszupacken und weiter zu hämmern.

Fallen Legion erschien ursprünglich in zwei verschiedenen Versionen für PlayStation 4 und PlayStation Vita. Diese beiden, sich ergänzenden, Titel wurden für den Switch-Port nun zusammengepackt und bieten eine wirklich spannende Geschichte, die aus zwei Blickpunkten erzählt wird. Bevor man beginnt, muss man sich für einen von zwei Protagonisten entscheiden. Will man als Legatus Leandur spielen, der sich sicher ist, dass seine führende Hand das Fenumische Imperium vereinen wird? Oder doch lieber als Prinzessin Cecille, die nach dem Tod ihres Vaters vor der schweren Aufgabe steht, ein zerrüttetes Reich zu regieren?

Dieser Gegensatz ist es, der die Geschichte von Fallen Legion: Rise to Glory so interessant macht. Beide Charaktere haben ihre ganz eigenen Motivationen, aber wollen schlussendlich dasselbe: Frieden. Doch Misstrauen und verschiedene politische Vorgehensweisen trennen die beiden und treiben sie in den Kampf gegeneinander, der mit der Krone enden wird. In diesem Kampf müssen beide Charaktere lernen, dass ein gigantisches Imperium nicht nur mit gutem Willen zu führen ist. Besonders dann nicht, wenn es sich im Krieg mit sich selbst befindet. Es gilt, fragwürdige Allianzen mit Machthabern zu schließen, abzuwägen, wie Verräter bestraft werden und woher die Finanzierung der großen Armee kommen soll, wenn keine anderen Ressourcen außer Soldaten zur Hand sind. Leandur und Cecille wachsen und zerbrechen gleichzeitig an dieser Aufgabe.

Ein Imperium entzweit

Die Geschichte ist einer der stärksten Aspekte von Fallen Legion: Rise to Glory. Gutes Writing und schwere Entscheidungen inklusive.

Das fantastische Writing hilft dabei, diesen internen und externen Konflikt realistischer und, für den Spieler, schwerer zu machen. Vertraut man seinen engen Beratern und Freunden, deren Intentionen eher schleierhaft sind, oder doch lieber anderen Prinzen und Politikern, die zwar nur auf die eigenen Interessen fokussiert, jedoch durchschaubarer sind? Erzählt wird diese Geschichte in vielen Dialogbildschirmen, die mit Artworks der Charaktere an den Seiten ausgestattet sind. Leider sind nur die wenigsten Abschnitte tatsächlich synchronisiert. Bei den vielen spannenden Dialogen ist dies natürlich umso tragischer. Weiterhin wird die komplette Geschichte nur von einer Handvoll Charakteren getragen, von denen auch nicht alle genug charakterisiert werden. Dennoch bleibt die Geschichte der Höhepunkt des Spiels und treibt den Spieler von Anfang bis zum Ende.

Die 2D-Landschaft und -Charaktere erinnern vom Stil her sehr an die Konkurrenz aus dem Hause Vanillaware. Von Hand gezeichnete Charaktere und Umgebungen werden zum Leben erweckt und sehen sowohl auf dem kleinen, als auch auf dem großen Bildschirm wunderschön aus. Die Animationen der Charaktere sind flüssig und die Effekte im Kampf beeindrucken durch ihre Wucht und Vielfalt. Da das komplette Spiel mit Ausnahme der Kämpfe automatisiert abläuft, gibt es leider keine Möglichkeit, die Welt zu erkunden und sie oder die Einwohner auf eigene Faust besser kennenzulernen. Oftmals werden zudem Dungeons und Stadt-Gebiete wiederholt, was bei der geringen Menge an Interaktion noch schwerer ins Gewicht fällt. Doch dafür wird zu jeder Zeit ein komplett flüssiges Erlebnis geboten, was noch auf den anderen Konsolen keine Selbstverständlichkeit war.

Das Bisschen, was an englischer oder, je nach Präferenz, japanischer Sprachausgabe vorhanden ist, überzeugt. Die englischen Synchronsprecher treffen hier und da nicht ganz den Ton, doch im Großen und Ganzen handelt es sich um eine sehr solide Synchronisation. Wie so oft auch überzeugt die japanische hingegen auf ganzer Linie. Ganz stumm bleibt das Spiel jedoch die meiste Zeit nicht. Denn ein grandioser Soundtrack motiviert den Spieler ebenfalls dazu, die Konsole immer wieder anzuschalten. Auch hier hat man das Problem, dass die Qualität stimmt, die Quantität jedoch nicht. Viele Stücke werden wiederholt, was dem Ganzen jedoch keinen allzu starken Abbruch tut.

Mehr Qualität als Quantität

»Von Gameplay kann man bei Fallen Legion: Rise to Glory nicht direkt sprechen. Ein passenderes Wort wäre Kampfsystem. Auf einer Weltkarte bewegt man sich auf einem fast linearen Pfad von Mission zu Mission.«

Zwar sind es nur wenige Lieder, diese sind jedoch sehr abwechslungsreich und beinhalten bombastische Boss-Kampfthemen, sowie ruhige melancholische Melodien, die stets eine fantastische Atmosphäre erzeugen. Auch einzelne Stücke entwickeln sich, etwa im Laufe eines Kampfes, weiter und die Kombination mit den starken Kampf-Animationen rundet dieses Bild wunderbar ab.

Von Gameplay kann man bei Fallen Legion: Rise to Glory nicht direkt sprechen. Ein passenderes Wort wäre Kampfsystem. Auf einer Weltkarte bewegt man sich auf einem fast linearen Pfad von Mission zu Mission. Dort steigt man dann in die Areale ein und die Charaktere marschieren sofort auf den rechten Bildschirmrand zu. Erst wenn ein Freund oder Feind auftaucht, bleiben sie stehen und es folgt ein kurzer Dialog oder ein Kampf. Sehr viel mehr Freiheit wird dem Spieler nicht geboten, denn selbst beim Micromanagement der Truppen und Angriffe läuft vieles automatisiert ab. Die Kämpfe an sich machen jedoch viel Spaß und werden jedem, der ein Valkyrie-Profile-Spiel besitzt, bekannt vorkommen. Während der Hauptcharakter mit der X-Taste die Rolle des Magiers im Hintergrund übernimmt, greifen drei Kämpfer mit den jeweiligen anderen Tasten an. Eine Leiste über diesen Charakteren zeigt an, wie oft der Kämpfer in Folge angreifen kann. Drei Mal ist das Maximum, bevor sich die Leiste wieder füllen muss. So kann man, wenn das Timing stimmt, Combos bilden, die mit kraftvollen Attacken am Ende eine Reihe abschließen.

Wenn man sich richtig in das System einarbeitet, wartet eine Fülle von Kombinationen und Spezialangriffen auf den Spieler. Aber die Tutorials sind nur sehr kurz gehalten und nicht besonders hilfreich. Zudem lässt sich wirklich jeder Kampf, inklusive dem letzten Bosskampf, mit reinem Button-Mashing gewinnen. Denn viel wichtiger als der Angriff ist die Verteidigung. Jeder gegnerische Angriff lässt sich mit perfektem Timing aufhalten und in den meisten Fällen noch auf den Feind zurückschleudern. Wenn man stirbt, kann der Kampf ohne große Ladezeiten wiederholt werden und nach vier oder fünf Versuchen hat man die optimale Verteidigung, da man die Angriff-Routinen der Feinde kennt. Außerdem wird nach jeder Mission der Spieler bewertet und selbst ohne jegliche Strategie ist das Schlimmste, was man erhalten kann, ein A (aus dem amerikanischen Benotungssystem). Hier und da gibt es auch ein S, wenn die Verteidigung besonders gut war.

Von Walküren gelernt

Zwischen den kurzen Kämpfen warten schwere Entscheidungen auf den Spieler. Richtig eingesetzt helfen sie dem Team und der Allgemeinheit.

Was das Kampfsystem jedoch so besonders macht, sind die kleinen moralischen Fragen zwischen den Kämpfen. Während die Charaktere sich von selbst von links nach rechts bewegen, tauchen oft Probleme auf, die man als Führer einer Armee, am besten zur Zufriedenheit aller, lösen muss. Zum Beispiel hat sich eine kleine Truppe von der Masse getrennt und eine eigene Mission ohne Erlaubnis durchgeführt. Diese war erfolgreich, doch sollte man diese Personen dann belohnen, obwohl sie Befehle missachtet haben? Bestraft man sie, sinkt die Moral der Armee, denn Erfolge werden nicht gefeiert. Ignoriert oder belohnt man dieses Verhalten, werden in Zukunft noch viel mehr Soldaten Befehle verweigern und auf eigene Faust losziehen. Diese Probleme sind ungemein intensiv und haben häufig einen direkten Effekt auf die Zukunft der jeweiligen Armee und die Personen, die einen unterstützen.

Es kommt jedoch noch schlimmer: für jede Entscheidung hat man nur wenige Sekunden Zeit UND an jede Entscheidung ist ein Bonus für die aktuell ablaufende Mission gekoppelt. Etwa ein kleiner Status-Schub oder eine einmalige und mächtige Spezial-Attacke. Hier muss nun erneut eine sehr schwere Entscheidung getroffen werden. Tut man das, was für das Reich am besten ist, oder entscheidet man sich vielleicht anders, damit man bessere Boni für die kommenden Kämpfe erhält? Wären die Kämpfe etwas anspruchsvoller, dann wäre diese Entscheidung noch viel dramatischer, aber dennoch nutzt man jede Sekunde, um sich für die beste Balance zu entscheiden.

Viel mehr gibt es nicht zum Spielprinzip zu sagen. Außerhalb der Kämpfe kann man ausschließlich entscheiden, welche drei Teilnehmer in welcher Reihenfolge die Missionen bestreiten werden und welche drei Edelsteine man ausrüstet. Diese gewähren ebenfalls einen kleinen Bonus für die Kombattanten und entscheiden, welche drei Zauber der Hauptcharakter entfalten kann. Meistens handelt es sich dabei jedoch um Heilzauber, da es keine andere Möglichkeit zur Heilung oder Wiederauferstehung der Mitstreiter gibt. Die Kämpfer nutzen zwar unterschiedliche Waffen und am Ende verfügt jeder über zwei Abschluss-Angriffe, aber im Kampf scheint es keinen großen Unterschied zu machen.

Eine schwere Entscheidung

»Anfangs noch verwirrt von dem automatisierten Erlebnis, hat mich die starke Geschichte nach und nach in ihren Bann gezogen. Die schwer zu fällenden Entscheidungen und ihre Auswirkungen habe ich stets mit vollem Interesse beobachtet. Das Gameplay an sich macht in kurzen Runden auch viel Spaß, aber ohne jegliche Kenntnisse über die Kämpfer, Feinheiten der Angriffe und Reihenfolgen habe ich jeden Kampf problemlos gewonnen und A- bis S-Wertungen am Ende jeder Mission erhalten. Es handelt sich fast um eine sehr gut geschriebene Visual-Novel mit extremen Button-Mashing-Sequenzen zwischen den Dialogen. Daher bleibt nur ein Fazit: Fallen Legion: Rise to Glory ist ein sehr merkwürdiges Spiel. Aber ich hatte viel Spaß damit.«

 

Sehr gut geschriebene Geschichte über ein fallendes Imperium. Erzählt und gespielt aus zwei sich entgegenstehenden Perspektiven. Viele (schwer zu treffende) Entscheidungen.
Stark automatisiert. Nur in Kämpfen übernimmt man die Kontrolle. Jeder Kämpfer wurde einer Taste zugeordnet und zusammen werden Combo-Ketten geschaffen. Kurzzeitiger Spaß.
Von Hand gezeichnete Umgebungen und Charaktere kreieren einen zeitlosen Look. Flüssige Animationen.
Sehr starker und vielfältiger Soundtrack, bei dem man sich einige Stücke mehr gewünscht hätte. Nur die wenigsten Dialoge sind japanisch oder englisch synchronisiert.
Sehr kurzes Vergnügen, auch mit beiden Story-Strängen zusammen. Kaum optionale Inhalte. One-Life-Modus als einziges Extra.