Im Test! God of War

Im Jahr 2005 lernte die Welt erstmals den Geist von Sparta kennen. Damals metzelte sich der Sohn des Zeus noch auf PlayStation 2 durch Unmengen...
Titel God of War
Japan 20. April 2018
Sony Interactive Entertainment
Nordamerika 20. April 2018
Sony Interactive Entertainment
Europa 20. April 2018
Sony Interactive Entertainment
System PlayStation 4
Getestet für PlayStation 4
Entwickler SIE Santa Monica Studio
Genres Action-RPG
Texte
Deutschland Nordamerika
Vertonung Deutschland Nordamerika

Im Jahr 2005 lernte die Welt erstmals den Geist von Sparta kennen. Damals metzelte sich der Sohn des Zeus noch auf PlayStation 2 durch Unmengen von antiken Kreaturen. Von seiner Wut und Gier nach Rache getrieben waren nicht einmal die Götter sicher und so färbten sich Millionen von Bildschirmen weltweit blutrot. Mit beeindruckender Optik, einem knallharten, aber doch zugänglichen Kampfsystem und der griechischen Mythologie kreierte Santa Monica womöglich Sonys beliebteste Spielereihe. Nach dem Prequel im Jahre 2013 ist es jedoch sehr still geworden um Kratos. Bis drei Jahre später, unter Jubelrufen, der Spartaner einmal mehr seine Stimme erklingen ließ.

Lange Zeit nach den Ereignissen von God of War 3 hat der mächtige Krieger mit seiner Vergangenheit abgeschlossen. Im Norden, weit weg von seinen Wurzeln, versucht er, ein neues Leben aufzubauen. Doch bereits der Beginn des Spiels wartet mit einem emotionalen Schock auf. Gemeinsam mit seinem Sohn, Atreus, bereitet sich Kratos auf die Beerdigung seiner Ehefrau vor. Zusammen begeben sich Vater und Sohn dann auf eine Reise, um den letzten Wunsch der Verstorbenen zu erfüllen. Diese Reise bildet die perfekte Rahmenhandlung für eine intime Erzählung über einen Mann, der die Last seiner Vergangenheit nicht ablegen kann, seinem Sohn jedoch ein anderes Schicksal wünscht.

Die Geschichte an sich ist daher sehr simpel gehalten, um diesem inneren Konflikt von Kratos mehr Raum zu bieten. In vielen wortarmen und teilweise auch wortlosen Dialogen erlebt der Spieler einen vom Krieg gezeichneten Mann, der mit aller Kraft versucht, ein guter Vater für seinen Sohn zu sein. Dabei distanziert er sich jedoch immer weiter von diesem, um dem unschuldigen Kind das Schicksal der Götter zu ersparen. Er interpretiert diese Rolle dabei als harter, aber auch grausamer Ausbilder, um Atreus auf die schreckliche Zukunft vorzubereiten.

In grandios geschriebenen, wortarmen Dialogen treten Vater und Sohn ihre Reise und ihr tragisches Schicksal an. Gänsehaut garantiert.

Dennoch wird in fast jeder Szene deutlich, dass Kratos seinen Sohn so sehr liebt, dass er für ihn, ohne mit der Wimper zu zucken, sein Leben opfern würde. Im Kontrast dazu stehen der Charakter und die Wünsche von Atreus, der hauptsächlich von seiner Mutter großgezogen wurde. Diese hat ihm beigebracht, ein guter Mensch zu sein und auch auf die Bedürfnisse anderer einzugehen und ihnen zu vertrauen. Genau das wünscht sich der Junge von seinem Vater. Er will zu ihm aufsehen und von ihm offen akzeptiert und geliebt werden, was Kratos schwerer fällt als alles andere.

Die Entwickler lassen den Spieler dabei ein Teil dieser (inneren) Reise werden, was zu vielen emotionalen und unvergesslichen Momenten führt. Es hätte wohl niemand für möglich gehalten, aus dem schrecklichsten Racheengel der Videospielgeschichte ein solch erzählerisches Meisterwerk zu entwickeln. Beide Charaktere lernen und wachsen nicht nur für sich selbst, sondern aneinander, was die Beziehung der beiden zu etwas ganz Besonderem macht. Dieser Aspekt alleine macht das Spiel zu einem Must-Have in der Sammlung, doch Santa Monica hat hier nicht Halt gemacht.

Für die vielen kleinen und stillen Momente ist natürlich eine gewisse Grafik nötig, um die intendierten Emotionen richtig zu vermitteln. Und die Optik sitzt! God of War ist das grafisch schönste Spiel auf PlayStation 4 und zu diesem Zeitpunkt eines der schönsten Spiele überhaupt. Speziell die Charaktermodelle suchen ihresgleichen in der Videospiel-Welt. Jede Muskelfaser, jede Hautunreinheit, jedes Barthaar. Es wirkt alles so echt, so schwer und wenn der gebrochene Vater dann aus einem grimmigen Gesichtsausdruck in nur dezenten Zügen seine Trauer zum Vorschein bringt, ist es umso beeindruckender.

Die anderen Charaktermodelle können sich, obgleich sie nicht an den Detailgrad von Kratos heranreichen, ebenfalls sehen lassen. Alle Bewegungen sehen realistisch aus und die Interaktion mit der Umwelt ist stets vorhanden. Der Übergang von Gameplay zu Zwischensequenz ist dabei kaum bemerkbar. Oft drückt man weiter den Controller, bis man überhaupt merkt, dass die Charaktere von selbst laufen oder man hat gar nicht mitbekommen, dass es weitergeht. Auch das Monster-Design und die einzelnen Welten aus der nordischen Mythologie sprühen vor Kreativität.

God of War ist das schönste Spiel auf PlayStation 4. Jede Falte, jede Narbe und jede Emotion treffen mitten ins Schwarze. Ein beeindruckendes Stück Technik.

Man will einfach nur weiterspielen, um zu sehen, was sich die Entwickler als Nächstes ausgedacht haben. Wer sich mit der Mythologie bereits genauer auskennt, dem wird sehr vieles bekannt vorkommen. Bemalte Holztafeln, nordische Götter, Walküren. Es findet alles seinen Platz in God of War. Midgard ist dabei so wunderschön, voller Details, Liebe und bietet viel Platz, um die bekannten Geschichten, Charaktere und Orte der nordischen Mythologie genauer unter die Lupe zu nehmen.

Anders als in vielen anderen Konsolenspielen kann man noch ein paar Einstellungen zur Grafik personalisieren. Neben einem beeindruckenden HDR-Modus kann der Spieler unter anderem den Grad der Bewegungsunschärfe einstellen. In flüssigen 30 Bildern pro Sekunde metzelt man sich durch die Gegner-Horden und löst mit Vater und Sohn clevere Rätsel. Die grandiose Optik hat dabei jedoch einen Nachteil. Je näher sich Grafik dem Foto-Realismus annähert, desto deutlicher werden auch die kleinsten Fehler. Hier und da brauchen Texturen in der Ferne etwas länger zum Laden und nicht jeder Pixel in der Umwelt sitzt, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass God of War so schön ist wie kein anderes PlayStation 4-Spiel zurzeit. Auch dieser Aspekt wäre alleine für viele sicher ein Grund, sich dieses Spiel zu holen.

Bei der Musik halten sich die Entwickler jedoch ein wenig zurück. Während bombastischer Kämpfe und nur in ausgewählten ruhigen Momenten entfaltet der fantastische Soundtrack seine volle Kraft. Komponist Bear McCreary übernimmt zwar die, für die Serie bekannten, starken Chorgesänge und hypnotischen Melodien, doch interpretiert er sie für den Norden neu. Es kommen exotische Instrumente und andere Sprachen zum Einsatz, die stets zum Setting und zur Handlung passen. Die Atmosphäre wird dabei durch jede Note noch einmal verstärkt und, dank dem raren Gebrauch in Story-Momenten, sind speziell diese dann noch einmal emotional wuchtiger.

Besonders das Thema von Kratos’ Frau wird einem noch lange im Ohr bleiben und jedes Mal die Erinnerungen an diese Reise ins Gedächtnis rufen. Sowohl die englischen, als auch die deutschen Synchronsprecher liefern eine grandiose Performance ab. Am Ende bestimmt hier der persönliche Geschmack, was einem besser gefällt, denn in ruhigen wie auch in wilden Szenen geben die Sprecher alles und hauchen den Charakteren Leben ein. Die Dialoge sind zudem klasse geschrieben und geben den Synchronsprechern viel Platz, richtige Emotionen zu zeigen.

»Die Optik sitzt! God of War ist das grafisch schönste Spiel auf PlayStation 4 und zu diesem Zeitpunkt eines der schönsten Spiele überhaupt.«

Das Herz und die Seele der alten „God of War“-Titel war das brutale und knallharte Kampfsystem. Blutüberströmt griechische Kreaturen auszuweiden und dann unschuldige Menschen für Heilung abzuschlachten war gang und gäbe. Für die Neuausrichtung von Welt und Charakteren wäre dies sehr unpassend, weshalb sich die Entwickler auch im Gameplay weiterentwickeln mussten. Das ist ihnen auch sehr gut gelungen. Die fixe Kamera aus den alten Teilen gehört der Vergangenheit an. Jetzt folgt die Kamera Kratos auf Schritt und Tritt und lässt sich frei drehen. Dabei ist sie sehr nah an seinen Oberkörper gehalten, was zwar zur Immersion massiv beiträgt und den Spieler noch näher an die Charaktere bringt, aber auch etwas die Übersicht raubt. Pfeile am Charakter geben an, ob und von wo ein Monster im Begriff ist anzugreifen, was dieses Problem ein wenig kaschiert, jedoch wieder die Immersion ein wenig raubt. Nichtsdestotrotz ist die neue Kamera-Perspektive eine willkommene Änderung, die das Erlebnis noch intensiver macht.

Viele Fans werden sich geärgert haben, dass Kratos die grausamen Chaosklingen abgelegt hat und nun mit der Leviathanaxt in den Kampf zieht. Diese Eis-Axt ist ein ganz besonderes Stück Zwergen-Schmiedekunst. Mit ihr lassen sich nicht nur die härtesten Feinde bezwingen, sie ist zudem auch das Herzstück der vielen Rätsel, die Vater und Sohn lösen müssen. Die Leviathanaxt lässt sich nämlich werfen und vereist dann ihr Ziel. Auf Knopfdruck kehrt sie dann zu Kratos zurück. Wer sich Sorgen gemacht hat, dass aufgrund der Neuausrichtung die Brutalität und Erbarmungslosigkeit gelitten haben, der kann beruhigt aufatmen.

Das überarbeitete Kampfsystem ist anspruchsvoll, schnell und absolut brutal. Mit simplem Button-Mashing kommt man nicht weit.

Die Kämpfe haben sogar noch wesentlich mehr Wucht als zuvor. Jeder Hieb mit der Axt gibt ein kräftiges Beben von sich und die Finisher sind so brutal wie eh und je. Doch der Schwierigkeitsgrad wurde ein wenig angezogen. Wer nur leichte und schwere Angriffe kombiniert und hofft, dass dabei alles besiegt wird, der wird sehr schnell eines Besseren belehrt. Kratos muss genau auf seine Umgebung achten, mehr als nur oft gezielt ausweichen und mit seinem Schild gegnerische Angriffe abwehren. Ein Zeichen eines guten Kampfsystems ist es, wenn jedes eingebaute Element nötig ist, um zu überleben. Und genau das wurde hier berücksichtigt. Nahkampf, Fernkampf und passendes Abwehren müssen im stetigen Wechsel genutzt werden. Ganz besonders bei den höheren Schwierigkeitsgraden.

Natürlich bietet God of War auch spezielle Fähigkeiten, die als Runen an der Axt ausgerüstet werden können und im Kampf sehr nützlich sind und optisch grandios aussehen. Diese kann man dann auch mit Erfahrungspunkten aufleveln. Das ist dann eine zusätzliche Motivation, auch abseits der Story die Welt von Midgard zu erkunden und spannende Nebenmissionen anzunehmen. Mit zunehmenden Erfahrungspunkten lassen sich zudem noch weitere Angriffe mit der Axt freischalten. Eine weitere Neuerung im Gameplay ist Atreus, der dank seines leichten Körpers und seines Runenwissens nicht nur bei vielen Rätseln nützlich ist, sondern auch im Kampf ordentlich hilft. Mit seinem Pfeil und Bogen kann er aus der Ferne Gegner angreifen und diese, je nach Pfeil, mit verschiedenen Statusveränderungen schwächen. Auch die Effektivität von Atreus lässt sich mit Erfahrungspunkten weiter steigen. Zudem gibt es spezielle Runen für ihn, die im Kampf mächtige Gefährten beschwören.

Höhepunkt der Kämpfe sind natürlich die teils gigantischen Bosse. Hier platzt PlayStation 4 aus fast allen Nähten und auf den Bildschirm werden unvergessliche Momente gezaubert, die den Spieler in ihren Bann ziehen. Hier stimmt einfach alles. Optik, Sound und Gameplay verschmelzen zu dynamischen Auseinandersetzungen, die Lust auf so viel mehr machen. Einziger Wermutstropfen: einige Male werden Boss-Kämpfe einfach kopiert und wiederholt. Was umso trauriger ist, weil die neuen dann wieder so sehr beeindrucken.

God of War ist ein Meisterwerk. Zusammen mit ihren Fans ist die Reihe erwachsen geworden und fordert den Spieler nun auch auf emotionaler Ebene heraus.

Generell haben die Entwickler mehr Rollenspiel-Elemente eingebaut. Kratos und Atreus besitzen Ausrüstung, die ausgetauscht, verbessert und mit Zaubern versehen werden kann. Auf der Reise durch den wilden Norden entdecken die beiden viele Orte und Auseinandersetzungen, die auch mit vielen Belohnungen aufwarten. Mit Hacksilber lassen sich diese dann bei den Zwergen verbessern. Auch die Hauptwaffen beider Charaktere verbessern sich an gewissen Zeitpunkten in der Geschichte, was mit neuen Fähigkeiten einher kommt. So werden Erkundungen immer belohnt und sind stets motivierend, mal abgesehen von der reinen optischen Schönheit der Orte.

Neben den typischen Sammelaufgaben warten noch einige spannende Nebenmissionen auf den Spieler, die von den Lebenden oder Toten angeboten werden. Hier finden sich die mächtigsten Runen und Ausrüstungsgegenstände, aber diese Aufgaben können schon eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Sie werden jedoch nie langweilig, denn die Kombination aus Kämpfen und Rätsel wird stets gut ausbalanciert. Insgesamt lässt sich die Geschichte in etwa 12 Stunden beenden. Wer jedoch alles sehen und machen will, der kann noch einmal dieselbe Menge an Zeit investieren.

Dad of Boy

»Dieses Wort benutze ich nicht allzu oft, aber in diesem Fall ist es absolut angebracht. God of War ist ein Meisterwerk. Ein Beweis, dass Videospiele eine Form der Kunst sind, die eine Person womöglich näher an eine Geschichte und Charaktere bringen kann als andere. Ich habe eine Geschichte erlebt, die mich von der ersten Sekunde gepackt hat und bis zur letzten nicht mehr losgelassen hat. Die inneren Konflikte von Vater und Sohn wurden so realistisch und herzzerreißend in Szene gesetzt, dass ich jetzt noch viele Momente und Dialoge im Kopf habe. Die grandios umgesetzte nordische Mythologie, die unvergleichliche Optik und der phänomenale Soundtrack sorgen dann für den letzten Schub, der das Spiel so unvergleichlich und doch für Fans von God of War so vertraut macht. Danke Sony Santa Monica für diese unvergessliche Reise.«

 

Ein gebrochener Krieger, mit dem Wunsch, seinem geliebten Sohn ein besseres Leben zu ermöglichen. Ein Sohn, der sich nur die Zuwendung seines Vaters wünscht. Emotionen pur.
Überarbeitetes, knallhartes Kampfsystem, bei dem alle Elemente nützlich eingebaut wurden. Dazu kommen clevere Rätsel, die ebenfalls mit der Kampfaxt gelöst werden. Genial.
Das schönste Spiel für PlayStation 4 und eines der schönsten Spiele aller Zeiten!
Überzeugende englische und deutsche Synchronsprecher, wuchtige Soundeffekte und ein nordisch angehauchter Soundtrack, der ganz fremd und doch so vertraut wirkt. Ohrwurm-Gefahr.
Vier Schwierigkeitsgrade. 12 Stunden Spielzeit ohne die vielen und interessanten Nebenaufgaben und doppelt so viel mit. Die Rollenspielelemente motivieren zum Erkunden.