Im Test! The Longest Five Minutes

The Longest Five Minutes spielt sich länger, als der Name vermuten lässt. Hält der Spielspaß länger als fünf Minuten an? Hier ist unser Test.
Titel The Longest Five Minutes
Japan 28. Juli 2016
Nippon Ichi Software
Nordamerika 13. Februar 2018
NIS America
Europa 16. Februar 2018
NIS America
System Nintendo Switch, PlayStation Vita, PCs
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler Syupro-DX
Genres Rollenspiel
Texte
Nordamerika Japan

Wie lange benötigt ihr im Durchschnitt für den finalen Bosskampf in einem Videospiel? In fast allen Spielen ist dieser Kampf, auf den man sich tagelang vorbereitet und stundenlang trainiert, meist eines der längsten Gefechte. In The Longest Five Minutes dauert der Kampf, wie es der Titel vermuten lässt, fünf Minuten. Zum Glück sind damit keine realen fünf Minuten gemeint, ansonsten wäre das Spiel ziemlich schnell beendet.

Mit einem außergewöhnlichen Konzept, abseits der bekannten Formel vieler Rollenspiele, schickt euch Nippon Ichi Software direkt in den Endkampf. Doch es gibt eine Besonderheit in dieser finalen Schlacht. Der Held vergisst zu Beginn sein ganzes Abenteuer, das er bisher erlebt hat. Amnesie ist wahrlich keine neue Idee für ein japanisches Rollenspiel, aber in diesem Fall wird diese Störung des Gedächtnisses geschickt für den Spielverlauf eingesetzt.

Wir haben den Titel für euch getestet und bevor wir vergessen, was wir in diesem Spiel erlebt haben, schreiben wir lieber den Test. Erwarten euch erleuchtende fünf Minuten oder ist es besser, wenn man dieses Abenteuer schnell aus dem Gedächtnis streicht?

Am Anfang war der Bosskampf

Der Held steht vor dem finalen Boss, dem König der Dämonen. Er holt zum ersten Schlag in diesem Gefecht aus…Doch warum ist er hier? Wieso kämpft er gegen dieses monströse Ding und wer sind überhaupt die Leute, die neben ihm stehen und auf ihn einreden? Diese Fragen stellt sich der Protagonist mit dem passende Namen Flash Back, der völlig ratlos ist. Unter einer totalen Amnesie scheint er nicht zu leiden, denn immerhin erinnert er sich an seinen Namen. Allerdings wollen ihm weitere Einzelheiten über die aktuelle Situation nicht einfallen.

Erst im Verlauf des Kampfes und im Gespräch mit dem König der Dämonen kommen die Erinnerungen, in einer willkürlichen Reihenfolge, ihm in den Kopf. Der Endkampf wird fünf Minuten dauern. Wird Flash es schaffen, in dieser kurzen Zeitspanne sich an sein Ziel und an seine wahren Kräfte zu erinnern, bevor er und seine Freunde (?) von dem Boss erledigt werden?

Ein Abenteuer in fünf Minuten

Der Kampf gegen den Boss hat gerade mit Flashbacks begonnen.

Der Spielverlauf klingt nicht nur ungewöhnlich, sondern der Titel spielt sich dementsprechend anders als die meisten Rollenspiele. Ihr befindet euch direkt im Kampf gegen den letzten Boss, den ihr zuerst nur in Form von Dialogen bestreitet.

Sobald ein bestimmtes Wort oder eine besondere Bemerkung fällt, erinnert sich Flash an eine Episode in seinem Leben, die ihr dann aktiv spielt, wobei ihr alle Zeit der Welt habt. Das Grundspiel ist an sich nicht zeitlich limitiert. Das verwirrende an diesem Spiel ist die Reihenfolge der Erinnerungen, die nicht ganz chronologisch geordnet sind.

Sobald ihr in eine Erinnerung eintaucht, steuert ihr Flash, der von drei Freunden begleitet wird. Das Level von allen Charakteren ist an die Episode gebunden. Egal, wie viele Monster ihr bekämpft, die Stufen werden nicht erhöht. Stattdessen steigern die gesammelten Erfahrungspunkte das „Reexperience-Level“, wodurch sich die Statuswerte der Figuren leicht verbessern. Da somit ein Grinden nicht notwendig ist, spielen sich die einzelnen Kapitel schnell durch.

In jedem Kapitel, also in jeder Erinnerung, gibt es meistens ein Hauptziel, das die Episode abschließt, sowie Nebenaufgaben, die ihr nach Belieben ausführen könnt, um nach dem Abschluss mehr Erfahrungspunkte zu sammeln.

»Sobald ein bestimmtes Wort oder eine besondere Bemerkung fällt, erinnert sich Flash an eine Episode in seinem Leben, die ihr dann aktiv spielt, wobei ihr alle Zeit der Welt habt.«

Nicht nur das Level ist an die Erinnerung gebunden, sondern auch der anfängliche Geldbetrag sowie die Gegenstände, die sich im Inventar befinden. Es ist nicht möglich, Geld oder Objekte auf die nächste Erinnerung zu übertragen. Es gibt zwar in jedem Ort einen Laden, doch ihr werdet schnell merken, dass ihr viele neue Waffen oder Rüstungen in den Dungeons findet, wodurch sich der Kauf von Gegenständen nicht lohnt.

Die Gruppe reist, wie in guten und alten Tagen, auf einer pixeligen Weltkarte. Eine Übersicht, die leider nicht beschriftet ist, zeigt durch farbige Punkte an, wo sich Städte und Verliese befinden. Wie es sich für ein klassisches Rollenspiel gehört, werdet ihr in den Dungeons und auf der Weltkarte durch zufällige Begegnungen von Monstern angegriffen.

Rückkehr der klassischen Kämpfe

Das Kampfsystem ist simpel gestaltet. Zu Beginn erteilt ihr jedem Mitglied der Gruppe einen Befehl. Neben einer herkömmlichen Attacke gibt es Zaubersprüche, die je nach Art für einen Angriff, eine Heilung oder für eine Unterstützung sorgen. Weiterhin können die Figuren Gegenstände nutzen oder ihre Verteidigung erhöhen.

Ein normaler Angriff, Zaubersprüche und Gegenstände. Mehr brauchen diese Helden nicht.

Ein Elementsystem sorgt dafür, dass Monster durch bestimmte Zaubersprüche mehr Schaden nehmen als durch andere. Zum größten Teil werdet ihr nur die normalen Attacken gebrauchen, vor allem in der Anfangsphase. Die Monster sind schnell vernichtet und auch die Bosse stellen keine große Herausforderung dar. Erst gegen Ende nimmt der Schwierigkeitsgrad zu, aber für einen geübten Spieler ist dieser Titel leicht zu bewältigen.

In den Dungeons gibt es keine Karte, allerdings ist der Aufbau immer sehr übersichtlich gehalten. Ihr findet viele Schatztruhen und Töpfe, in denen sich Objekte verstecken. Manchmal muss man die Fähigkeit eines Teammitgliedes nutzen, was an den Stellen automatisch geschieht. In einigen Verliesen findet ihr Geheimgänge, die euch zu Schätzen führen. Der Inhalt der Truhen ist allerdings nicht sehr wichtig für das Überleben. Außerdem verliert ihr am Ende der Episode alle Gegenstände, von daher ist das Suchen von Schätzen nicht sehr erfüllend.

Entschließt ihr euch, eine Nebenaufgabe zu bewältigen, die innerhalb der Episode einsehbar sind, erleichtern euch Markierungen die Suche nach den beteiligten NPCs. Allerdings ist es hilfreich, mit den Figuren zu reden, da sie euch mehr über das Spiel erzählen, als es der Titel selbst tut.

Im Laufe des Abenteuers gelangt ihr an neue Orte. Es ist nicht immer möglich, in alte Gebiete zurückzukehren. Allerdings ist es auch nicht notwendig, da dort keine Geheimnisse warten. In einigen Städten habt ihr Zugriff auf Minispiele. Entweder probiert ihr euer Glück in einem Kasino, schießt mit Pfeilen auf Prinnies oder lauft automatisch durch ein Level, wobei ihr geschickt springen müsst um Münzen zu sammeln oder Gegnern auszuweichen.

» Das Interface, die Figuren, Städte, Dungeons, Monster und die Effekte sind alle sehr pixelig gestaltet und vermitteln damit einen Charme, den vor allem Retro-Spieler sehr schätzen werden.«

Der Dialog, den ihr mit dem König der Dämonen führt, stellt euch an manchen Stellen vor Entscheidungen. Je nach Wahl aktiviert ihr eine andere Erinnerung. Im Spielmenü könnt ihr bei Bedarf an eine hervorgehobene Stelle in diesem Gespräch springen, um einen anderen Weg auszuprobieren.

Die Spielfiguren sind sehr klischeehaft gestaltet und bieten keinen großen Raum für Überraschungen. Dagegen ist die Handlung selbst sehr ungewöhnlich und mit unerwarteten Wendepunkten ausgestattet. Spielt man den Titel mehrere Stunden, stellt sich eine gewisse Monotonie ein. Aus diesem Grund eignet sich das Rollenspiel perfekt für Nintendo Switch und PlayStation Vita, wenn man eine kurze Zeit spielen möchte, da man außerhalb des Bosskampfes jederzeit speichern kann.

Die Erinnerungen an die Pixel

Schon die ersten Bilder zum Spiel haben uns den grafischen Stil verraten, der sich in einem wunderbaren Retrolook gibt. Man fühlt sich an die Zeiten vom Super Nintendo Entertainment System erinnert. Das Interface, die Figuren, Städte, Dungeons, Monster und die Effekte sind alle sehr pixelig gestaltet und vermitteln damit einen Charme, den vor allem Retro-Spieler sehr schätzen werden.

Damals waren die Weltkarten noch in Ordnung.

Die Hintergründe sind oft starr, nur wenige Details sind animiert. Obwohl man nicht die genauen Einzelheiten erkennt, arbeiten die Figuren mit verschiedenen Gesichtsausdrücken. Die Welt ist sehr liebevoll entworfen. Für die Monster hat man sich für fantasievolle Sprites entschieden, die mit der Zeit wiederholt werden.

Ebenso klassisch wie der Rest des Spiels ist die Musik. Sie begleitet euch mit angenehmen Melodien durch das Abenteuer. Auf eine Vertonung der Figuren wird verzichtet. Stattdessen wird die Retro-Atmosphäre durch Geräusche verdeutlicht, wie die Verwendung einer Treppe oder das Öffnen einer Truhe.

Der längsten fünf Minuten mit kurzer Dauer

»The Longest Five Minutes ist ein charmantes Videospiel, das vor allem durch seine Grafik die Herzen eines Retro-Spielers höherschlagen lässt. Die einfache Bedienung und die simple Gestaltung der Dungeons ist eine willkommene Abwechslung in einer komplizierten Welt, wenn man einfach einmal einige Zeit abschalten möchte. Das ungewöhnliche Spielprinzip ist eine erfrischende Abwechslung im Bereich der Rollenspiele.

Allerdings nimmt dieses Konzept viele Freiheiten und legt Begrenzungen auf, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Neben den klischeehaften Figuren ermuntert euch eine humorvoll gehaltene Geschichte, deren Bosskampf einige Wendungen bietet, zum Weiterspielen. Die einzelnen Episoden spielen sich schnell durch. Dadurch ist der Titel eine ideale Begleitung für unterwegs.

Der grafische Pixel-Stil ist vielleicht nicht immer angenehm für die Augen, allerdings vermittelt dieser sehr viel Charme. Von der Musik dürft ihr keine Meisterwerke erwarten, die Lieder bilden eher einen grundlegenden und klassischen Soundtrack, der euch mit angenehm klingenden Stücken durch die Welt begleitet.

Die Spielzeit beträgt circa 15 Stunden, wer sich sehr viel Zeit lässt kann diese vielleicht noch auf 20 Stunden erweitern. Es ist möglich, ein anderes Kapitel durch das laufende Gespräch mit dem Boss anzuwählen, um eine andere Entscheidung zu treffen, aber insgesamt hat das Spiel keinen großen Wiederspielwert. Es fehlt eine Funktion für ein New Game Plus oder die Möglichkeit, die Erinnerungen selbst chronologisch zu spielen. Es gibt verschiedene Enden, aber diese könnt ihr durch ein geschicktes Springen in den Kapiteln schnell erreichen.

Wenn man bedenkt, dass der Titel knapp 40 Euro kosten soll, ist dieser Preis in Bezug auf Spielzeit sehr hoch angesetzt. The Longest Five Minutes ist ein charmantes Rollenspiel, in dessen Gestaltung man sich verlieben kann, aber so kurz wie der Titel klingt, so kurzweilig bleibt auch der Spielspaß erhalten.«

 

Anders als in vielen anderen Rollenspielen beginnt ihr mit dem finalen Bosskampf, wobei der Protagonist seine Erinnerungen verloren hat.
Ein rundenbasiertes Rollenspiel, ausgestattet mit sehr einfachen Elementen.
Charmanter Pixel-Stil, einfache Gestaltung der Welt, wenig Animationen.
Klassisch, ohne aufregende Stücke, keine Vertonung, Nebengeräusche klingen wie in älteren Spielen.
Drei Minispiele dienen zur auflockernden Unterhaltung.