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Im Test! Chibi-Robo! Zip Lash

Zu Beginn ist euer Kabel kurz, aber dann...
Zu Beginn ist euer Kabel kurz, aber dann…

Da ist er wieder, der kleine Roboter, der sein Stelldichein damals auf GameCube quasi unbemerkt gab. Seitdem hat sich nicht viel getan. Die Verkaufszahlen blieben blass und obwohl der Erstling als Geheimtipp gehandelt wird, gelang Chibi-Robo leider nie der richtige Durchbruch. Kein Grund aufzugeben, dachten sich die Entwickler und hauen mit Chibi-Robo! Zip Lash einen weiteren Titel auf Nintendo 3DS.

Ganz unbemerkt blieb der schwere Stand des Franchises und dessen mäßige Umsätze niemandem bei Nintendo, sodass man vor einiger Zeit ein mögliches Ende des süßen Roboters voraussagte. Klipp und klar heißt das: Hat Chibi-Robo! Zip Lash keinen Erfolg, so wird der Gute eingestampft und dem Sondermüll zugetragen. Die Entwickler von skip Ltd. nahmen dies zum Anlass, über das Spielsystem zu sinnieren, welches zu ein paar Änderungen führte.

Chibi-Robo! Zip Lash versucht sich im Gewand eines klassischen Side-Scrollers und bedient sich hier stark an den Gameplay-Elementen von Umihara Kawase, welches mit Sayonara Umihara Kawase letztes Jahr für 3DS in den Westen kam. Chibi-Robo! Zip Lash erscheint am 6. November hierzulande, exklusiv sogar in einer amiibo-Box, die schon allein mit dem putzigen Roboter als amiibo punkten kann. Ob das neue Gameplay überzeugen kann und ob Chibi-Robo endlich den erhofften Durchbruch schafft, schauen wir uns nun an.

Eine Geschichte von einem anderen Stern… nicht!

Mechanische Bosse mit meist wenig Herausforderung
Mechanische Bosse mit meist wenig Herausforderung

Die Geschichte von Chibi-Robo! Zip Lash ist schnell erzählt. Aliens treiben auf unserer Erde ihr Unwesen. Neben einem Müllproblem vermisst unser blaue Planet zudem auch noch seine kostbaren Rohstoffe. Snacks, Süßigkeiten und Knabbereien aller Art sind von den bösen Aliens gestohlen und in kleinen Schatztruhen versteckt worden. Eine Teufelstat schlechthin und Grund genug dafür, dass Chibi-Robo mit seinem UFO, dem Chibi-Haus, auf die Erde reisen muss, um diese Leckereien zurückzuerlangen.

Begleitet wird Chibi-Robo von einem Tutorial-Sidekick, der in Form eines Fernsehers wie selbiges Realobjekt ohne Unterlass vor sich her blubbert. Euer Gefährte liebt es, sich zu wiederholen und euch mit seiner unsäglichen Stimme auf den Wecker zu gehen. Ehrlich gesagt, wer würde nicht sofort eine solche Reise auf sich nehmen, nur damit dieser Kerl endlich einmal den Mund hält, aber selbst Chibi-Robo hatte sich da wohl mehr erhofft. Als Anmerkung, wenn hier von Stimmen geredet wird, dann ist damit eine Art Fantasiesprache gemeint, die aus unverständlichem Geseier und nervigen Tönen besteht.

Nach und nach arbeitet man nun die einzelnen Kontinente ab, sammelt Müll auf dem Weg ein und schlägt sich mit mechanischen Gegnern herum. Die Aliens scheinen sich schon zurückgezogen zu haben, denn im Prinzip trifft man nie auf irgendeine außerirdische Lebensform. Vielleicht soll die Story des Spiels auch nur eine Anspielung auf die ungeklärten UFO-Sichtungen mancher Menschen sein, unterstützt wird dieser Gedanke mit der Darstellung dreier UFOs zum Schluss eines jeden Levels, welche man mit seinem Kabel abwerfen muss, um die Runde zu beenden.

Spaß bei Seite, spielt man ein Level nochmals, so kann es sein, dass man auf Alien-Kinder trifft, die man an bestimmten Orten mit Hilfe des an Chibi-Robo befestigten Kabels durch die Luft wirbeln kann. Der Ton, der dadurch entsteht, lockt tatsächlich ein UFO an, welches das Kind gern wieder in seine Obhut nehmen möchte. Als rechtschaffener Roboter hilft man natürlich der kleinen Familie und wirft das Kleine mit voller Wucht in die Arme der Mutter. Was bleibt, ist die Frage, ob die Aliens nicht eigentlich die Feinde waren? Unnötig dort weiterzudenken, also schnell zum neuen Spielsystem.

Wenn ich Kugeln schluck, wird es länger…

Das Glücksrad ist undenkbar unnötig
Das Glücksrad ist undenkbar unnötig

Wie bereits erwähnt, schlägt sich Chibi-Robo diesmal in einfacher Side-Scroller-Manier durch die Level. Pro Kontinent gibt es jeweils sechs verschiedene Level, die man alle beenden muss, um das Boss-Level freizuschalten. Anders als in den Vorgängern kann sich Chibi-Robo nun mit seinem Kabel verteidigen und sich an bestimmten Punkten festmachen, um diese zu erklimmen. Zu Beginn des Levels ist dieses Kabel recht kurz und muss mit Hilfe von blauen und roten Kugeln verlängert werden, damit man entlegene Orte erreicht oder überhaupt weiterkommt im Spiel.

Meist liegen die benötigten Kugeln aber direkt auf dem Weg, damit man diese ja nicht verpasst. Chibis normaler Kabelwurf funktioniert in vier Richtungen. Diese sind allerdings natürlich nicht oben, unten, links, rechts, sondern links, recht, und die gleichen Richtungen diagonal nach oben. Bedenkt man, dass es recht oft vorkommt, dass man in die unteren Regionen des Levels vordringen muss, ist dies nicht die idealste Wahl gewesen, sich ausschließlich auf eine derartig beschränkte Bewegung zu einigen. Unspielbar wird das Spiel dadurch freilich nicht, denn Chibi-Robo ist zudem noch in der Lage, den sogenannten Power-Wurf auszuführen, welcher nun tatsächlich in alle erdenklichen Richtungen funktioniert.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten, denn auch hier gibt es wieder etwas, was den Spielfluss behindert. Der Power-Wurf braucht immer eine Zeit zum Aufladen, sodass man jedes mal den Wurf genau planen muss, damit dieser zum einen sein Ziel auch trifft, zum anderen nicht zu spät erfolgt und Chibi-Robo unter Umständen sein Leben lässt. Da der normale Kabelwurf so eingeschränkt ist, wird man quasi gänzlich auf den Power Wurf setzen müssen, der in seiner Ausführung aber kaum in einen eher vom Spielsystem ungeduldigen Side-Scroller passt.

Der Power-Wurf als wichtigstes Spielelement hat allerdings noch eine besonderes Eigenschaft. Wirft man damit das Kabel gegen Wände, so prallt dieses im jeweiligen Winkel ab und führt seinen Weg in einer anderen Richtung weiter. Diese Funktion ist nicht nur Kernelement des Spiels, da man ohne diese gar nicht erst die Level beenden kann, sondern auch wichtig, um abgelegene Schätze zu erreichen und einzusammeln. Hätte man dieses Feature mit einer schnelleren und flüssigeren Umsetzung versehen, hätte Chibi-Robo! Zip Lash eine dieser kleinen, besonderen Gameplay-Perlen werden können, die der „Core Gamer“ so gern feiert. Um fair zu bleiben, das ist nicht das einzige, was das Spiel leider versäumt hat.

Glück muss man haben, oder auch nicht

Spezialfähigkeiten finden kaum Beachtung
Spezialfähigkeiten finden kaum Beachtung

Ein weiteres Unding ist die Level-Auswahl. Wie bereits erwähnt, muss man zunächst alle Level abschließen, um eine Welt weiterzukommen, was Chibi-Robo! Zip Lash aber scheinbar mit einer spaßigen Level-Auswahl besonders toll machen wollte. Nach Beenden des Levels geht man nämlich nicht einfach zum Nächsten, sondern muss zunächst ein Glücksrad drehen, welches mit Zahlen versehen ist.

Die Krux dabei, hat man Pech und landet auf einer Zahl, die wieder zu einem bereits beendeten Level führt, so muss man dieses noch einmal machen, nur um dann wieder per Glücksrad zu versuchen, auf das noch fehlende Level zu kommen. Was dieses Feature noch unsinniger macht, ist, dass man sich Zahlen für das Glücksrad via Münzen im Spiel erkaufen kann. Mit genug Münzen lässt sich das Rad also nur mit einer einzigen Zahl belegen, sodass der Sinn komplett verloren geht.

Eine der unsinnigsten, lästigsten und total unpassendsten Funktionen, die in solch ein Spiel gehören. Man glaubt fast, dass die Entwickler sich nach dem Implementieren gedacht haben, dass es einigen nicht passen könnte und sich dafür entschieden haben, die Idee durch die Kaufoption hinfällig werden zu lassen. Besser wäre gewesen, entweder der Idee treu zu bleiben, oder es ganz sein zu lassen. Witzigerweise lässt sich auch das Abschließen eines Levels erkaufen, wenn man dieses schon einmal gespielt hat.

Ein Lichtblick bleibt, denn schafft man es, die recht einfachen Bosse zu besiegen, so kann man die Level nun direkt auswählen, um die versteckten Gegenstände zu bekommen. Hier schafft Chibi-Robo nämlich ausnahmsweise die Kurve und bietet einige Sammelgegenstände in den Level. Seien es die Süßigkeiten, die nichts Geringeres als echte Süßigkeiten aus unserer Welt sind, besondere Münzen oder Miniaturausführungen des Helden, die man erst einmal einfangen muss, alles wird mit einer Trophäe und dazugehörigen Beschreibungen im Chibi-Haus zum Nachlesen belohnt. Der Weg dorthin bleibt aber leider steinig.

Sieht man einmal von den Schwierigkeiten der Gameplay-Umsetzung und dem unflüssigen Spielerlebnis ab, schreitet man von Level zu Level mit relativ wenig Gegenwehr. Die Gegner sind keine Gefahr und der ständige Energieverlust der Batterie, welche Chibi-Robo am Leben hält, spielt auch kaum eine Rolle. Hie und da gibt es Steckdosen, an denen man sich aufladen kann. Manche Steckdosen verleihen Chibi-Robo zwar obendrein besondere Fähigkeiten, aber auch hier verpasst man es, dieses öfter einzubinden, sodass es womöglich ein wichtiges Spielelement hätte werden können. Vorsichtige können sich eine Zusatzbatterie kaufen und zahlreiche Checkpoints untermalen das entspannte Spielen ohne sonderliche Herausforderung zusätzlich. Doch nicht so schnell! Ganz so unbeschadet wird man womöglich doch nicht durch die Level schreiten können, denn gerade im späteren Verlauf des Spiels könnte man oft, dank der Trägheit der Spielmechanik, an einigen Sprungpassagen scheitern.

Jede Welt bietet dazu je ein Level, welches von der Norm abweicht und Chibi-Robo meist auf eine Art fahrbaren Untersatz verfrachtet. Hier gilt es zu Lande, zu Wasser und in der Luft mit einem Gefährt das Level unbeschadet zu überstehen. Gerade diese Level bieten zum einen zwar eine gute Abwechslung, sind zum anderen aber meist ein riesiger Schwierigkeitsgradanstieg im Vergleich zu den normalen Spielabschnitten. Hier darf man sich oft erst gar keinen Fehler erlauben, da man sonst von vorne beginnen darf. Stürzt Chibi-Robo, so fällt er ins Wasser und auch wenn er dieses nur berührt, muss man entweder am letzten Checkpoint erneut starten oder teilweise das gesamte Level wiederholen. Letzteres führt dazu, dass Chibi-Robo erst einmal wieder komplett aufgeladen werden muss. Dies funktioniert mit Strom, den man eigens herstellen muss. In den einzelnen Level stößt man häufig auf Abfall, den man tunlichst einsammeln sollte. Im Chibi-Haus kann man den Müll nämlich zu Strom machen, geht der Strom aus, so wird man den Roboter auch nicht mehr zum Laufen bekommen. Doch keine Panik, dazu muss schon einiges schief laufen.

Hübsch siehts aus, aber das mit dem Reden lassen wir mal

Side-Scroller mit ungenutztem Potential
Side-Scroller mit ungenutztem Potential

Chibi-Robo! Zip Lash kommt im gewohnten 3DS-Look daher. Farbenfrohe Welten und ein auf Hochglanz polierter Roboter springen dem Nintendo-Kenner in die Augen. Leider vermisst man etwas die kleinen, netten Details und auch die verschiedenen Kontinente haben selten ein herausstechendes Thema, sodass fast jedes Level ein ähnliches Design hat. Die wenigen Sequenzen sind zwar nett gemacht, einige wiederholen sich allerdings ständig und sind erst nach nochmaligem Beenden eines Levels überspringbar.

Die ständig gleichen Dialoge kann man ebenfalls nicht überspringen und durch die nervige Fantasiesprache werden diese zunehmend nervtötender. Jedes Mal wird man gefragt, ob man den Müll nun wirklich verbrennen möchte, um Strom daraus herzustellen und egal ob man nun Müll dabei hat oder nicht, kann man Ja oder Nein antworten… wenn man etwas anderes damit machen könnte, wäre das verständlich, aber dem ist nicht so. Hat man sich irgendwann an den störenden Sidekick gewöhnt, so trifft man im Laufe des Spiels auf weitere Bewohner, die ebenfalls immer wieder den gleichen Mist verzapfen. Zum Glück bleiben diese aber optional.

Die Musikuntermalung bleibt blass und kaum in Erinnerung. Einzig die Stimmen der Leute werden einem im Kopf nachhallen. Ab und an lassen sich Kostüme für Chibi-Robo finden, die zwar keine besonderen Effekte mit sich bringen, aber ein wenig Community-Gefühl in das Spiel bringen. Mit einem Kostüm erhält man nämlich Teile eines Codes, die man über Miiverse mit anderen vervollständigen kann, um mehr Kostüme zu erlangen.

Leider nur zum Stecker ziehen

Chibi-Robo! Zip Lash schafft es nicht wirklich zu begeistern. Interessante Spielaspekte kommen zu kurz oder sind schlecht umgesetzt. Ein fixer Side-Scroller wird durch das wichtigste Spielelement, den Power-Wurf, so verlangsamt, dass der Spielfluss gänzlich verloren geht. Oft hat man das Gefühl, dass sich der träge Chibi-Robo selbst gar nicht wohlfühlt in der Welt, die ihm aufgezwungen wurde. Das unsägliche Glücksrad, was der Level-Auswahl dient, ist schon von Grund auf eine unsinnige Entscheidung, verliert aber noch mehr an Sinn durch die Möglichkeit, einzelne Zahlen dafür zu kaufen.

An jede Menge Sammelgegenstände hat man hingegen gedacht und, abgesehen von dem recht geringen Schwierigkeitsgrad, ist das Erlangen vieler Gegenstände durchaus knifflig. Die Umsetzung ist geplagt von wenig Abwechslung, sich wiederholender Sequenzen und nervigen Stimmen, wobei die grafische Darstellung in erster Linie nicht schlecht ist. Mit viel verschenktem Potential und einer großen Konkurrenz im Side-Scroller-Sektor wird Chibi-Robo! Zip Lash wohl kaum punkten können. Durch die amiibo-Version, welche einen putzigen Chibi-Robo enthält, wird man aber wohl ein paar Verkäufe generieren können. Ein Spiel mit gutem Gameplay und weniger verschwendetem Potential hätte es aber auch getan.

Story: Aliens klauen Süßigkeiten und Roboter kommt aus dem All um diese zurückzuerlangen.

Gameplay: Per Kabel schwingt man sich an entlegene Orte und sammelt Gegenstände ein. Power-Wurf ermöglicht alle Richtungen anzusteuern und prallt von Wänden ab. Aufladen des Wurfs verzögert unnötig das Spielgeschehen und nimmt flüssigen Ablauf. Level-Auswahl über ein Glücksrad, welches man durch Kaufoption irrelevant werden lässt. Besondere Fähigkeiten kommen zu wenig zum Einsatz. Unbalancierter Schwierigkeitsgrad.

Grafik: Solide Optik mit zu wenig Abwechslung. Sequenzen sind oft nicht zu überspringen und wiederholen sich ständig.

Sound: Kaum Wiedererkennungswert. Stimmen werden durch Fantasiesprache präsentiert, die durch ständiges Wiederholen der Texte schnell nervig werden kann.

Sonstiges: Kostüme, die man über Miiverse teilen und erhalten kann. Reale Snacks sind Sammelobjekte im Spiel. Viele versteckte Objekte können zum mehrmaligen Spielen der Level einladen.