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Im Test! Persona 4: Dancing All Night


Fragt man Videospieler auf der ganzen Welt nach ihren Lieblings-Japano-Rollenspielen, dann fällt ein Name besonders häufig: Persona 4. Mit dem vierten Ableger der Reihe landete Atlus einen unglaublichen Hit, der weltweit Fans und Kritiker gleichermaßen begeistern konnte. Grund genug, um die geliebten Charaktere, nach dem gleichnamigen Anime, auf eine weitere Reise zu schicken. Dieses Mal ist jedoch weitaus mehr Präzision und Muskelarbeit gefragt. In Persona 4: Dancing All Night müssen sich Yu Narukami und seine Crew, untermalt vom Persona-Soundtrack, durch die Schatten tanzen. Denn was ist mächtiger, als die Kraft seines eigenen Ichs über das Medium des Tanzes auszudrücken?

Wenn dieser letzte Satz ein wenig kitschig und lächerlich klingt, dann weiß man genau, was den Spieler erwartet. Während Persona 4 noch durch und durch Japano-Rollenspiel war, hat man sich hier für eine ganz andere Richtung entschieden. Und eines vorweg: Es ist wirklich beeindruckend, wie viel und doch wie wenig Persona in diesem Ableger steckt.

„Großen Fans könnte das Herz gebrochen werden“

Ein neues Persona! Nur wird jetzt das Tanzbein und nicht mehr die Waffen geschwungen.
Ein neues Persona! Nur wird jetzt das Tanzbein und nicht mehr die Waffen geschwungen.

Entgegen aller Norm hat man sich bei Atlus dazu entschieden, diesem reinen Rhythmus-Spiel einen richtigen Story-Modus zu spendieren. Je nachdem wie schnell man die Dialoge liest oder ob man diese größtenteils überspringt, kann die Story gut und gerne zehn Stunden beanspruchen. Will man jedoch einfach nur den Abspann sehen, so reicht auch nur eine. Entscheidet man sich dazu, von Anfang bis Ende aufmerksam dabei zu bleiben, dann findet man sich einige Zeit nach den Geschehnissen von Persona 4 wieder.

Die Gruppe rund um Yu hilft dem berühmten Idol Rise Kujikawa bei ihrem Comeback auf der Bühne, denn das große „Love Meets Bond“-Festival steht kurz bevor und es soll ein Jahrhundert-Event werden. Doch neben den sich schwierig gestaltenden Tanzproben geht das Gerücht um, dass die offizielle Website des Festivals um Mitternacht die Seelen der Lebenden fordert. Es dauert nicht lange, bis sich das Investigation-Team tief in diesem Mysterium und damit in einer neuen Schatten-Welt, der Midnight Stage, wieder findet. Unzählige Schatten, ominöse Schleifen und einen grausamen, unbekannten Feind gilt es zu bekämpfen. Und zwar durch die Macht des Tanzes.

So absurd dies auch klingen mag, die Szenario-Schreiber haben sich alle Mühe gegeben, die Elemente Rhythmus, Tanz und Persona in eine organische Story zu verpacken. Dies ist ihnen auch mehr oder weniger gelungen. Die Charaktere müssen tatsächlich tanzen, um ihre Feinde zu besiegen. Der Rhythmus-Kern ist somit direkt in das Geschehen eingebaut. Das bedeutet aber nicht, dass es dadurch nicht weniger lächerlich wird. Auch wenn unglaublich viel Persona-Feeling zu finden ist, so kann es jedoch sein, dass großen Fans das Herz gebrochen wird. Charaktere, die man über so viele Stunden in Persona 4 kennen und lieben gelernt hat, die gegen ihre eigenen Schatten gekämpft haben, tanzen sich jetzt ihren Weg durch die Feinde, während ihre namensgebenden Personas nur ein kurzes Solo auf einem Instrument schmettern.

Noch nie hat man die Charaktere schöner gesehen. Beeindruckend welche Technik in dieses Rhythmus-Spiel gesteckt wurde.
Noch nie hat man die Charaktere schöner gesehen. Beeindruckend welche Technik in dieses Rhythmus-Spiel gesteckt wurde.

So muss man sich darauf einstellen, mit äußerst gemischten Gefühlen aus dem Story-Modus hervorzugehen. Die Interaktionen zwischen den Charakteren sind nach wie vor unterhaltsam zu verfolgen und die Mischung aus verrückt-kitschigen und pseudo-intelligenten Dialogen ist ebenfalls noch vorhanden, wenngleich die Qualität im Gegensatz zu Persona 4 deutlich abgenommen hat.

Über drei Story-Stränge verfolgt man die verschiedenen Gruppen. Dabei kommt es leider zu vielen Wiederholungen und die Geschichte schafft es sowohl extrem vorhersehbar zu sein, als auch gegen Ende zu überraschen. Leider kommt die Geschichte in unzähligen Dialogen nur besonders langsam in Gang, sodass es zur wahren Tortur werden kann, wenn man sich dazu entscheidet, jede Zeile zu lesen. Während sich zwei der drei Gruppen durch die Midnight Stage kämpfen, gilt es für die letzte, sich mit vielen Tanzeinlagen auf das Fest vorzubereiten. Besonders gegen Ende nimmt dieser Abschnitt einen großen Teil der Geschichte ein, was sehr antiklimatisch wirkt.

Es gilt den Entwicklern ein großes Lob zuzusprechen, denn sowohl das Persona-Feeling, als auch die Charaktere haben es unbeschadet in den Story-Modus dieses Rhythmus-Spiels geschafft. Alleine die Tatsache, dass es überhaupt eine lange Geschichte in diesem Genre gibt, ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Es ist zwar bei Weitem nicht die beste Story und nach dem beeindruckenden Persona 4 wiegt diese Tatsache noch schwerer, aber immerhin hat man sich dazu entschieden und die Tanzeinlagen sinnvoll in diese verrückte und teilweise lächerliche Story gepackt. Dass man mehr oder weniger unterschwellig Kritik gegen das Idol-Geschäft in Japan übt, wird jedoch nur denen auffallen, die ein wenig mit der echten Materie in Japan vertraut sind.

„Grafik und Sound wissen zu beeindrucken“

Persona 4: Dancing All Night schafft es jedoch, auf anderen Gebieten zu strahlen. Sowohl die Grafik als auch der Sound wissen zu beeindrucken. Alle Charaktere wurden in einem extra für dieses Spiel entwickelten Stil in die HD-Welt verfrachtet und dieser lässt Yu, Rise und Co. lebendiger wirken als jemals zuvor. In den wahnsinnigen Tanzeinlagen strahlen die Bühnen und Charaktere vor Farben und Details. Besser hat man Persona noch nicht gesehen. Sehr löblich ist zudem die Synchronisation.

Entgegen aller Erwartung wurde diesem Spiel ein ausführlicher und komplett dual-vertonter Story-Modus spendiert.
Entgegen aller Erwartung wurde diesem Spiel ein ausführlicher und komplett vertonter Story-Modus spendiert.

Die schiere Masse an Dialogen ist komplett in englischer Sprache vertont. Sie hilft ebenfalls dabei, die gewohnte Persona-Atmosphäre zu schaffen. Und zur Musik muss man ebenfalls kaum Worte verlieren. Es handelt sich nämlich um den Soundtrack der bekannten Videospiel-Reihe.

Entweder liebt man ihn oder nicht und dazu sollte man sich definitiv schon eine Meinung gebildet haben. Eine Einteilung nach Genres ist kaum möglich. Rock, Pop, Jazz und viele weitere Einflüsse machen den einzigartigen Stil der Persona-Musik aus, den viele Fans zu schätzen gelernt haben. Neben den abwechslungsreichen Tracks hat Persona 4: Dancing All Night eine weitere besondere Stärke, und zwar die wirklich fantastischen Choreographien der Tänze.

Hier hat man sich anscheinend professionelle Hilfe geholt, denn diese könnten 1:1 aus einem berühmten Musik-Video oder aus einer guten Bühnen-Show stammen. Des Weiteren kommt noch hinzu, dass jeder Charakter seinen eigenen Tanzstil hat, der genau auf seine Charakterzüge zugeschnitten ist. Nachdem man beim ersten Durchgang mehr auf die Noten geachtet hat, will man sich das Video unbedingt ein weiteres Mal ansehen, um die Choreographie vollends zu genießen.

„Nur Übung macht den Meister“

Hat man sich einmal mit der abgedrehten Story angefreundet und Optik sowie Akustik genossen, kann man sich nun auf das Wichtigste stürzen: die Spielmechanik. Selbstverständlich wäre es zu einfach, sich eines existierenden Musters zu bedienen. Daher hat man einen neuen Weg gefunden, um Tasten im richtigen Zeitpunkt zu drücken. Bei Persona 4: Dancing All Night verlaufen die Tasten von zentral nach peripher. Jeweils rechts und links am Bildschirmrand befinden sich drei Markierungen, die den jeweiligen drei äußeren Tasten zugeordnet sind. So weit, so simpel. Haben die Noten die Markierungen erreicht, so gilt es, die jeweilige Taste im richtigen Zeitpunkt zu drücken. Auch wenn es einfach klingt, so braucht man einige Lieder Übung, um den richtigen Zeitpunkt für eine perfekte Note zu finden.

Großes Kompliment an die Choreographen, die eine fantastische Show bieten!
Großes Kompliment an die Choreographen, die eine fantastische Show bieten!

Dies ist immer wenige Augenblicke vor dem Überlappen der Fall. Mit dem Easy-Modus können sich sowohl Neulinge, als auch Veteranen des Rhythmus-Genres entspannt einspielen. Der normale Schwierigkeitsgrad könnte erstere ein wenig überfordern, aber das ändert sich sehr schnell. Wenn es jedoch in die beiden höchsten Schwierigkeitsgrade geht, dann kommen alle Spieler ins Schwitzen. Ganz sauber ist der Übergang leider nicht. Man hat das Gefühl, dass zwischen „Normal“ und „Hard“ ein weiterer Schritt fehlt. Generell ist das System nicht das Schlechteste, aber auch nicht das Beste. Besonders Genre-Kenner werden ein wenig umdenken müssen, um es genießen zu können. Wegen dem Format von PlayStation Vita muss der Blick sehr oft von rechts nach links wandern und das meistens öfter, als einem lieb ist.

Und auch hier werden Spieler vor das selbe Problem wie bei den Hatsune-Miku-Spielen gestellt. Das schöne Tanzvideo ist bunt und voller Bewegung. Da kann es schon vorkommen, dass man davon zu sehr abgelenkt wird. Speziell im All-Night-Modus kann man sich davon schnell mal irritieren lassen. Nichtsdestotrotz mindert nichts davon den Spielspaß in starker Weise, denn wie bei allen anderen Rhythmus-Spielen auch macht nur Übung den Meister und wenn man zum ersten Mal ein Lied im All-Night-Modus geschafft hat, dann überkommt den Spieler Befriedigung.

„27 Lieder – zu wenig für einen Vollpreis-Titel“

Neben dem Story-Modus gibt es selbstverständlich noch einen freien Modus und einen Shop, der neben den unzähligen Kleidungsstücken und Accessoires auch Items anbietet, die den Spielverlauf ein wenig verändern können und die man sich mit dem Geld, welches man für gemeisterte Lieder bekommt, ersteigern kann. So gibt es einige, welche die Geschwindigkeit verändern können oder die Reihenfolge der Noten, um es Profis und Neulingen schwerer beziehungsweise einfacher zu machen. Eine super Idee, wie sich am Ende herausstellt. Denn die wohl größte Kritik, die man am Spiel üben kann, ist der Umfang. 27 Lieder sind für einen Vollpreis-Titel einfach viel zu wenig. Besonders, wenn einige davon zwar gut gemachte, aber trotzdem reine Remix-Versionen sind.

Persona 4: Dancing All Night wäre ein wunderbares Rhythmus-Spiel, wenn da nicht der kleine Umfang wäre.
Persona 4: Dancing All Night wäre ein wunderbares Rhythmus-Spiel, wenn da nicht der kleine Umfang wäre.

Es gibt viele Fan-Favoriten, aber mindestens genau so viele fehlen. Da kommt es dem Spiel nur zugute, wenn man den Ablauf ein wenig manipulieren kann. Dennoch sind 27 Tracks bei Weitem nicht genug. Ohne den Story-Modus könnte man in kürzester Zeit jedes Lied mehrmals spielen und die Tanzschritte auswendig lernen. Es gibt wohl mehrere Gründe für die kleine Tracklist. Zum einen besitzt jedes Lied seine eigene, aufwendige Choreographie und zum anderen werden sehr viele Lieder als kostenpflichtige DLCs in Japan angeboten. Wie es in Europa sein wird, ist noch unbekannt, aber auf der Vita-Karte befinden sich die vielen Zusatz-Lieder beim Release nicht. Eine traurige Entscheidung, besonders im Hinblick auf die Vielfalt und Masse der Persona-Tracks.

Persona 4: Dancing All Night macht vieles richtig, aber auch vieles falsch. Ein ausführlicher und für das Genre ungewöhnlich guter Story-Modus, der fantastische Persona-Soundtrack und das einzigartige Feeling der beliebten Rollenspiel-Reihe stehen teilweise extrem absurden, repetitiven und schlecht geschriebenen Dialogen, sowie einer lächerlich kleinen Trackliste entgegen. Fans werden dennoch mehr als 20 Stunden mit ihren geliebten Charakteren und Musikstücken verbringen können.

Story: Auch wenn es sich um ein reines Rhythmus-Spiel handelt, so haben die Entwickler keine Mühen gescheut, dem Spiel einen richtigen Story-Modus zu verabreichen. Das macht die teils lächerliche Geschichte und die schlechten Dialoge aber nicht besser.

Grafik: Schöner hat man Persona und die beliebten Charaktere noch nicht gesehen. Hinzu kommen fantastische Choreographien und einige hochqualitative Anime-Sequenzen.

Sound: Ein Rhythmus-Spiel mit den Liedern der Persona-Reihe? Immer her damit! Zudem wurden die unzähligen Dialog-Zeilen komplett vertont.

Gameplay: Zur richtigen Zeit muss die passende Taste gedrückt werden. Das geht nach einer gewissen Eingewöhnungszeit recht gut von der Hand, aber ein wenig mehr Feintuning hätte dem Spiel gut getan.

Sonstiges: Als wahrer Fan wird man für viele Stunden gefesselt, besonders dank dem langen Story-Modus und der Vielfalt an Optimierungs-Möglichkeiten. Nichtsdestotrotz sind 27 Lieder für einen Vollpreis-Titel viel zu wenig!

Hinweis: Wir haben die US-Version getestet.