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Im Test! One Piece: Grand Gourmet wird schnell monoton – und macht trotzdem süchtig

Titel One Piece: Grand Gourmet
Japan 23. Oktober 2026
Bandai Namco
Nordamerika 23. Oktober 2026
Bandai Namco
Europa 23. Oktober 2026
Bandai Namco
System Switch, Switch 2, Mobile, PC
Getestet für PC (Steam)
Versionsnummer 1.0.4
Entwickler Kairosoft Co.,Ltd
Genres JRPG
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung   

Eine der erfreulichsten Neuankündigungen während der Nintendo Direct vom 9. Juni 2026 war für mich als großer Fan des Quellmaterials natürlich One Piece: Grand Gourmet. Ein Restaurant-Management-Spiel im One-Piece-Universum, in dem man sein eigenes Baratie auf hoher See managt und auf hunderte bekannte Charaktere trifft, klang wahrlich verlockend.

Dazu kam noch der charmante Pixel-Look und schon war ich hin und weg. Nachdem ich nun sehr viele Stunden mit dem Spiel verbracht habe, hätte ich statt mich von Prämisse und Optik hinreißen zu lassen, vielleicht doch das Kleingedruckte lesen sollen.

One Piece: Grand Gourmet ist ein Mobile-Spiel. Trotz Veröffentlichung auf Nintendo Switch und PC stehen nach meiner ausführlichen Testphase ganz klar die Android- und iOS-Versionen im Vordergrund. Trotz einiger Ausnahmen strotzt der Großteil der Spiele, die in den App-Stores erhältlich sind, nicht gerade vor komplexen Mechaniken und spannenden Erzählungen. Und in dieses Muster reiht sich leider auch dieses Spiel ein.

Als leidenschaftlicher Koch hat sich Sanji in viele Fanherzen gekämpft. Da überrascht es wenig, dass ein schmieriges Restaurant, das mit unlauteren Mitteln anderen das Leben schwer macht und seine Gäste förmlich abzockt, ein großer Dorn im Auge des Kochs ist. Um die Sache noch schlimmer zu machen, wird dieses unlautere Geschäft von Piraten geleitet, welche die Strohhutbande imitieren.

Also muss ein eigenes Restaurant her und der Ruf, sowohl auf kulinarischer als auch auf piratischer Seite, muss wiederhergestellt werden. Diese Reise führt die Strohhüte über alle bekannten Meere des One-Piece-Universums, sogar in den Himmel.

Essen auf Rädern … äh, Segeln


Mehr passiert storytechnisch allerdings nicht. Was simpel klingt, ist eben nur Mittel zum Zweck. Das ist schade, denn die Charaktere und die Welt von One Piece bieten hier unendlich viel Potenzial. Die wenigen hier und da eingestreuten Dialoge wissen sogar zu überzeugen und beweisen, dass man sich mit dem Quellmaterial auseinandergesetzt hat. Leider sind diese kleinen Lichtblicke zu kurz und zu selten. Sehr schade.

Video hui, Sound pfui

Ein großer Pluspunkt sind die charmant gestalteten Pixel-Charaktere. Trotz weniger Bildbausteine versprühen die Figuren viel Charme und sind sofort zu erkennen. Oftmals haben die vielen Charaktere auch eigene Animationen, die besonders für Fans eine schöne Überraschung darstellen.

Da das Design des Restaurants am Spieler selbst liegt, wird es hier viel Varianz geben; die einzelnen Elemente sind jedoch ordentlich modelliert und Extras wie der Seemonsterzoo oder das Aquarium sorgen für die richtige Stimmung. Auch die leckeren Speisen können sich durchaus sehen lassen. Das sollte bei einem Restaurant-Management-Spiel aber auch das Mindeste sein.

Leider sieht es bei der Soundkulisse ganz anders aus. Weder die Soundeffekte noch die wenigen Tracks, die im Hintergrund laufen, überzeugen. Die Effekte wirken lieblos und altbacken, während die Musik schon nach kurzer Zeit an den Nerven zehrt.

Besonders die Übergänge zwischen einzelnen Stücken sind abgehackt, sodass man merkt, dass einfach nur eine Tondatei endet und die nächste startet. Hier sind offensichtlich weder Leidenschaft noch viel Budget hineingeflossen. Sehr schade. Bei einem so „kleinen“ Spiel sollte man zwar keine Synchronisation erwarten, dennoch wäre es schön gewesen, wenigstens einen auditiven Leckerbissen zu bekommen.

Unterwegs

Da die Nutzung eines Touchscreens klar im Vordergrund steht, sollten auch gameplaytechnisch keine komplexen Gefilde erwartet werden, hier wird maximal seichtes Gewässer erreicht. Wie bei den meisten Genre-Konkurrenten kann man das Restaurant nach Lust und Laune gestalten. Mit genug Umsatz und Gästen kommen neue Sitzmöglichkeiten, Deko-Elemente und natürlich auch Beleuchtung hinzu.

Passend zum Thema gibt es die eine oder andere nautische Spielerei wie Piratenflaggen oder Steckbriefe. Mit neu entdeckten Orten kommen außerdem thematische Veränderungen vieler Bauelemente hinzu, etwa Objekte aus der Himmelsinsel Skypia oder dem Eiskönigreich Drum.

Wichtige Nebencharaktere bringen zudem ihre eigenen kleinen Läden oder Lieblingsorte mit. So eröffnet Okta seinen eigenen Takoyaki-Stand, Buggy bringt gleich eine ganze Bühne mit und der beliebte Mann mit dem Kleiderbügel auf dem Kopf verscherbelt seine hochwertigen Klamotten.

Das bringt natürlich Gäste und wesentlich mehr Gewinn. Leider bleibt es dabei jedoch über lange Zeit bei einem rein optischen Bonus. Vielfalt im Gameplay bringt das erst nicht, dafür aber mehr Komfort für die Gäste. Je höher dieser Wert ist, desto besser ist der Ruf und desto länger bleiben die Gäste. Erst spät kommen mehrere kleine Minispiele hinzu, die anfangs Spaß machen, aber schnell an Reiz verlieren.

Gameplay-Loop

Die Haupteinnahmequelle ist natürlich das Essen. Neben Sanji und den anderen Strohhüten bringen auch viele Gäste neue Rezeptideen mit sich, die mit bestimmten, in ihrer Menge allerdings überschaubaren Zutaten gekocht werden können. Jedes Gericht wird anschließend bewertet, erhält einen Preis und kann dann in Menüs aus Hauptspeise, Beilage, Dessert und Getränk nach Belieben kombiniert werden.

Es macht durchaus Spaß, sein eigenes Menü zu erstellen und dieses mit Deko-Elementen und Besteck zu individualisieren. Am Ende packt man aber doch das zusammen, was am meisten Geld bringt, und versucht dann, den Preis mithilfe kleiner Gästewünsche und dem Verbessern der Zutaten in die Höhe zu treiben.

Die Zutaten für die Gerichte findet man auf kleinen Exkursionen, auf welche man seine Piratenbande schicken kann. An sich nur ein Klick im Menü und anschließend eine längere Wartezeit mit netten Animationen am unteren Bildschirmrand.

Auf diesen Expeditionen findet man jedoch nicht nur Zutaten, sondern auch Trainingspunkte für die Strohhüte, die so im Level aufsteigen können, neue Gäste und Geschenke. Letztere kann man seinen Gästen übergeben, damit diese mehr und schneller essen. Übergibt man das richtige Geschenk an den passenden Gast, wird dieser zum Fan des Restaurants.

Kochduell

Fans gewinnt man auch durch das Entdecken diverser Gerichte oder das Erfüllen bestimmter Wünsche. Das Ziel sollte sein, jeden Gast zu einem Fan zu machen, denn sie sind besonders später eine notwendige Einnahmequelle. Wechselt man nach dem Sieg im Kochduell gegen die bösen Imitatoren das Gebiet, fallen natürlich auch alle Gäste dieses Gebiets weg, es sei denn, es handelt sich um Fans. Diese ziehen zu jeder neuen Location mit und bringen ihre schweren Brieftaschen mit. Das bringt ein Vielfaches an Kundschaft und somit Umsatz.

Als Währungen gibt es neben der klassischen Berry auch Spezialmünzen und Herzen, die man von zufriedenen Gästen erhält. Diese sind essenziell für die unzähligen Anforderungen der zahlenden Kundschaft und der Strohhüte. Einmal pro Tag kann Nami sogar den Preis eines Wunsches halbieren, was ziemlich sinnvoll ist, da die Kosten schnell in die Höhe schießen.

So hangelt man sich von Gebiet zu Gebiet, entdeckt neue Rezepte, fügt sie seinem Menü hinzu, erfüllt die Wünsche zahlender Gäste und vergrößert sein Business. Und das alles im Gewand von Eiichiro Odas Welt.

Steam Boat

Klingt verlockend, aber im Grunde klickt man sich in sehr altbackenen und klobigen Menüs nur von einem Ausrufezeichen zum nächsten. Selbst ohne Plan kommt man so stetig weiter. Gehirnschmalz oder besondere Aufmerksamkeit werden hier nicht wirklich benötigt, um den Umsatz in die Höhe zu treiben. Trotz vieler der oben genannten interessanten Ideen wird das gesamte Gameplay auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen.

Auch das Handling lässt zu wünschen übrig. Mit einem Controller zu spielen, wird nach kurzer Zeit bei einem überlaufenen Restaurant mit dutzenden eng aneinandergereihten Elementen zur Qual, weshalb Maus und Tastatur oder noch besser ein Touchscreen Pflicht sind. Doch selbst hier weigert sich die Kamera manchmal, das zu tun, was von ihr verlangt wird.

Diese haptischen Einschränkungen in Kombination mit dem schnell repetitiv werdenden Gameplay-Loop sorgen dafür, dass One Piece: Grand Gourmet im Genre-Vergleich leider keine Bestnoten erhält. Auch die Performance lässt zu wünschen übrig. Die maximale Bildrate liegt bei 30 FPS und wenn man gegen Ende Hunderte Charaktere auf dem Bildschirm hat, fängt das Ruckeln an. Sehr schade.

Keine Suppe für dich!

Zugegeben: Für ein Mobile-Spiel waren meine Erwartungen nach dem ersten Trailer viel zu hoch. Aber ich liebe das One-Piece-Universum und tauche auch gerne mal in Restaurant-Sims ein. Mit Sanji, den Strohhüten und dem Baratie hat man eine tolle Ausgangslage, um ein lustiges und köstliches Abenteuer zu zaubern. Doch leider bleiben die starke Pixel-Optik der beliebten Charaktere, die teils tollen Animationen und die zu selten eingebrachten Dialoge die einzigen wahren Stärken des Spiels.

Der Gameplay-Loop aus dem Finden von Zutaten und Rezepten, dem Ausbau des Restaurants, dem Gewinnen von Gästen als Fans und dem Sieg im Kochduell wird zu schnell monoton. Die Menüs sind altbacken und klobig, sowohl in Hinblick auf Design als auch Navigation, und die Musik sowie die Soundeffekte zehren schnell an den Nerven.

Warum habe ich One Piece: Grand Gourmet dennoch so viele Stunden gespielt? Weil es wie viele andere Mobile-Spiele versteht, wie man die Belohnungszentren im Gehirn anspricht. Jedes neue Rezept und jeder gewonnene Fan sorgten für einen kleinen Serotonin-Kick, sodass ich drangeblieben bin. Das Suchtzentrum im Gehirn wird fast schon direkt aktiviert. Außerdem wollte ich so viele Charaktere wie möglich sehen.

Als Second-Screen-Option auf dem Smartphone oder einer tragbaren Konsole gibt es sicher schlechtere Alternativen, besonders für One-Piece-Fans. Und wenn man anfällig für solche Spiele ist, wird man viele Stunden dranbleiben. Dennoch sollten die Erwartungen an dieses Restaurant-Management-Spiel gedämpft werden.

 

Story

Restaurant-Management im One-Piece-Universum. Viel zu simpel gehalten und leider nur Mittel zum Zweck, obwohl die selten eingestreuten Dialoge ein Highlight des Spiels darstellen.

Gameplay

Viele Optionen, die sich alle im kleinsten gemeinsamen Nenner treffen. Am Ende klickt man sich von einem Ausrufezeichen zum nächsten, ohne wirklich präsent zu sein. Dennoch kann man sich zumindest optisch ein wenig mehr in seinem Restaurant ausleben, wenn man die Geduld dafür hat.

Grafik

Die wohl größte Stärke von One Piece: Grand Gourmet. Die unzähligen One-Piece-Charaktere wurden liebevoll in Pixel-Kunst nachgebaut und bieten mitunter auch tolle Animationen. Auch die Einrichtung und die Speisen können sich durchaus sehen lassen. Die Spielmenüs dagegen überhaupt nicht.

Sound

Sowohl bei den Soundeffekten als auch bei der Musik wurde keinerlei Arbeit oder Leidenschaft investiert. Lieber einen Podcast oder noch besser eine One-Piece-Folge im Hintergrund laufen lassen.

Sonstiges

Das Handling lässt bei sämtlichen Optionen zu wünschen übrig und viel Abwechslung bietet das Gameplay nicht. Bei den vielen Charakteren und Gebieten wird man bis zum Ende jedoch einiges an Zeit brauchen. Und Achtung: Trotz fehlender Komplexität und vielen Fehlern besteht Suchtpotenzial.

Bildmaterial: One Piece: Grand Gourmet, Bandai Namco, Kairosoft

1 Kommentar

  1. Schade, ich hatte mich auch drauf gefreut, aber nach dem Eindruck wird das wohl eher nichts. 😅 Die Pixel-Optik und die vielen One-Piece-Charaktere klingen zwar echt gut, aber wenn das Gameplay auf Dauer so eintönig ist und auch die restliche Umsetzung schwächelt, vergeht mir doch die Lust darauf.

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