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Angespielt! Petit Planet fordert Nintendo heraus, bleibt aber in seinem eigenen Kosmos

Auch ein Redakteur von JPGAMES muss sich manche Dinge mühsam verdienen. Nachdem ich bei Yunyun Syndrome!? Rhythm Psychosis Anfang des Monats nur ein Hikkikomori-Zimmer bekam, gab es bei Neverness to Everness schon ein gemütliches Penthouse im Stadtzentrum – Pool inklusive.

Jetzt gibt es von HoYoverse in seinem neuen Cozy-Game Petit Planet gleich einen ganzen Planeten, den ich nach meinen eigenen Wünschen gestalten kann. Auch meine tierischen Nachbarn sind alle erstaunlich freundlich und erschaffen eine seltene Wohlfühlatmosphäre in der actionreichen und kampflastigen Gaming-Szene. Was will man mehr?

Dabei bin ich zugegebenermaßen etwas voreingenommen in den Test gegangen. Noch ein Cozy-Game? Davon gibt es doch bereits genug. Wie will man denn Heartopia und Animal Crossing noch toppen? Und: Kann HoYoverse nach den erfolgreichen Gacha-Action-RPGs der Sprung zu einem Free-to-play-Cozy-Game überhaupt gelingen? Petit Planet hat es dennoch geschafft, mich bereits in wenigen Stunden trotz aller Zweifel abzuholen.

Das Spiel setzt dabei auf Stärken, die man von HoYoverse kennt. Nach wenigen Minuten im Spiel entsteht eine gewisse Magie mit seinen liebevollen Zwischensequenzen, der stimmigen und beruhigenden Farbpalette und Musik, überzeugender Charakter-Vertonung und niedlichen Charakteren, die man am liebsten knuddeln würde.

Noch ist bei weitem nicht alles perfekt im „Stardrift Test“, auf dem diese Preview basiert. Insbesondere technisch gab es auf dem PC noch einige grobe Fehler – der schmerzhafteste war der kaputte Controller-Support, also WASD-te ich mich inklusive Touchpad durch die verschiedensten Bereiche des Spiels.

„Das kenne ich doch irgendwoher …“

Die grundsätzliche Ausrichtung von Petit Planet ist durchaus interessant und zeigt ihre Stärken vor allem dort, wo Nintendos Cozy-Game seine Schwächen hat. Ein direkter Vergleich mit dem wahrscheinlich größten Genrevertreter ist nicht ideal, aber HoYoverse drängt ihn förmlich auf.

Viele Kern-Gameplay-Mechaniken überschneiden sich deutlich: Die Ressourcen-Suche in der Umgebung wirkt vertraut, ebenso der Ausbau von Häusern, Läden und dem Museum. Hinzu kommen bekannte Elemente wie Crafting, das Umgestalten der Welt, das Einrichten des eigenen Zuhauses sowie das Zubereiten von Speisen und Getränken zur Steigerung der Ausdauer.

Auch die von freundlichen, leicht verpeilten Tieren bewohnte Umgebung weckt klare Assoziationen. Die größten Unterschiede? Es gibt keine Dinosaurierknochen und bei Nintendo war es eine Insel statt eines Planeten. Aber war die Umgebung nicht auch irgendwo „rund“?

Erst einmal Tee trinken

Petit Planet startet seine Reise in die neue Umgebung dabei deutlich anders und entspannter. Nachdem wir in einer Zwischensequenz in einem fliegenden Auto durch das Planetenmeer zum neuen Zuhause geflogen werden, nimmt mich ein Begrüßungskomitee unter Leitung des hibbeligen Häschens Elsasani und des äußerst gemütlichen Hundes Mobai in Empfang.

Und dann? Erst mal nicht viel. Kein Zelt aufstellen, kein Holz sammeln, kein Tanuki, der einen Kredit abbezahlt haben möchte, sondern einfach nur einen Baum schütteln und aus den heruntergefallenen Früchten einen frischen Früchtetee für alle Planetenbewohner zubereiten.

Diese Einfachheit zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Gameplay. Im Fokus steht vor allem das Miteinander und die Harmonie, sowohl auf dem eigenen Planeten als auch in den späteren Online-Gemeinschaftsbereichen des Spiels. Hauptziel ist es, den magischen Baum „Luca Arbor“ zu nähren und so auf dem Planeten immer mehr Möglichkeiten freizuschalten.

Am Anfang ist seine Kraft begrenzt und ihr könnt nur einen kleinen Teil des Planeten erkunden. Durch Gefälligkeitsdienste und den Ausbau des Planeten bekommt ihr von euren Nachbarn die Essenz „Luca“, mit der der Luca Arbor gedüngt wird. Auf diese Weise werden größere Bereiche zugänglich, Insekten und Fische besiedeln den Planeten, die Erde wird fruchtbar und bald darauf ziehen auch neue Einwohner zu, die zum Teil etwas ängstlich sind, aber mit der Zeit zutraulicher werden.

Fokus auf gemeinsame Gemütlichkeit und Zusammenhalt

Dabei hilft stark, dass wichtige Sequenzen im Spiel vertont sind, also die Tiere auch wirklich sprechen. So wachsen sie einem mit der Zeit richtig ans Herz und man möchte eine gute Beziehung zu ihnen aufbauen. Während ich in Animal Crossing beschäftigt bin, Obstplantagen für das eigene Konto anzulegen, mache ich in Petit Planet lieber einen Früchtetee und schenke ihn den anderen Bewohnern. Das Luca ist schließlich wichtiger als ein paar Münzen, die ich im neu gebauten Laden gegen eine Leggings oder ein Dinokostüm eintauschen kann.

Auch bei der Einrichtung der Nachbarhäuser helfe ich aus, indem ich die Möbelstücke einfach crafte. Natürlich darf auch die Einrichtung der eigenen vier Wände nicht fehlen. Am besten ist es, wenn man die Wohnung mit vielen ähnlichen Möbelstücken einer Kollektion einrichtet, denn so gibt es eine gute Stil-Bewertung.

Cozy mit einem Hauch von Red Dot Fatigue

Natürlich kommen mit einem wachsenden Planeten auch zunehmende Anforderungen, und hier wird es schnell mal etwas unübersichtlicher. Denn während andere Spiele den Bildschirm frei halten, sodass der Kopf abschalten und sich auf eine Hauptaufgabe konzentrieren kann, macht HoYoverse das, was es seit vielen Jahren erfolgreich perfektioniert hat: Micro-Rewards, die mit roten Punkten an den Rändern des Bildschirms angedeutet werden.

Auch aktive Haupt- und Nebenquests werden ständig auf dem Hauptbildschirm angezeigt, sodass man dazu tendiert, eher den Aufgaben und Belohnungen nachzujagen, statt es gemütlich angehen zu lassen, abzuschalten und vielleicht sogar kreativ zu werden.

Der Ansatz passt zwar in die heutige schnelle Zeit, in der alles ständig verfügbar ist, aber die gemütliche Spielausrichtung wird dadurch etwas verwässert. Unklar ist bislang auch die Monetarisierung. Das „Free to play“-Modell wurde bestätigt und es liegt nahe, dass das Spiel mit kosmetischen Items finanziert wird. Erste Events finden bereits statt, daher sind auch die typischen Zeit-limitierten Elemente absehbar. Gacha-Elemente sind noch nicht implementiert, jedoch ist es möglich, dass diese in der Vollversion enthalten sein werden.

HoYo does what Nintendon’t

Der Fokus auf mobile und free-to-play muss aber nicht unbedingt negativ zu sehen sein. Dadurch, dass HoYoverse trotz seiner Größe noch ein vergleichsweise junges Unternehmen mit einer tendenziell jüngeren Zielgruppe ist, traut man sich auch Dinge, die sich manche „Dinosaurier“ der Branche nicht zutrauen.

So freute es mich zu sehen, dass Petit Planet neben dem abgeschotteten eigenen Planeten, an dem hier und da mal andere Nachbarplaneten vorbeifliegen und zum gegenseitigen Besuch einladen, auch einen Online-Gemeinschaftsbereich hat.

In diesem gibt es zahlreiche Tätigkeiten und Minispiele, von einem gemütlichen Abstecher in eine Bar bis zur gemeinsamen Geschichtsrate-Runde, Wortspielen am Lagerfeuer, einem gemeinsamen Rhythmus-Minispiel oder dem Versuch, um ein gewöhnliches Objekt eine kreative Geschichte zu erzählen, um so einen möglichst hohen Verkaufspreis zu erzielen. „Also, diese Tomate wurde auf magischem Boden großgezogen, nach einem geheimen, seit Generationen geheim gehaltenen Plan, der sie zu etwas ganz Besonderem macht …“

Ungewohnt ist auch eine relativ freie Chatfunktion, die Nintendo sich aus Jugendschutzgründen nicht zutraut. Aber auch erste KI-Funktionen sind in Petit Planet vorhanden, von einem KI-Chatbot, der euch passende Antworten aus der integrierten Spielhilfe zusammensucht, bis hin zu einzelnen Charakteren, die tatsächlich per KI auf eure Eingaben reagieren. Dabei gab es erst vor kurzem einen KI-Panda, der auf Social Media viral ging – aus den falschen Gründen. Hoffentlich bekommt HoYoverse seine KI ausreichend begrenzt, sodass nichts Ähnliches in Petit Planet passiert.

Ein neuer Genre-Star in der Umlaufbahn?

Petit Planet sieht bereits in der Beta äußerst vielversprechend aus und hat großes Potenzial, zu einem der Top-Titel im Genre der Cozy-Games zu werden. HoYoverse lässt sich von den Besten inspirieren, guckt sich manchmal vielleicht sogar etwas zu viel ab.

Zu der bewährten Basis kommen eigene Stärken: Der starke Start mit netten Animationen und Zwischensequenzen wird sicherlich viele neue SpielerInnen überzeugen, die sich das Spiel „nur mal kurz“ gratis herunterladen. Die gewohnt hohe Qualität in der Präsentation, den Zwischensequenzen, den ausdrucksstarken Animationen und dem einzigartigen Stil überzeugt bereits in der Beta. Dazu kommt eine gewisse HoYoverse-typische Freude am Experimentieren und ein Hang zu Überraschungen, wie etwa den KI-Funktionen im Spiel.

Doch neben den vielen technischen Problemen scheint auch die finale Ausrichtung des Spiels noch nicht endgültig gefallen zu sein. Deshalb gehe ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass Petit Planet zeitnah erscheinen wird. Auch die Plattformen sind noch nicht komplett entschieden: Aktuell sind Versionen für PC und Mobile angekündigt, von Anfang an halten sich aber auch Gerüchte um eine Konsolenversion. Da sich Cozy-Games ideal für die Couch eignen, hoffe ich natürlich, dass sich neben Smartphones, Tablets und Windows-Handhelds wie dem ROG Xbox Ally noch eine weitere bekannte Mobilplattform hinzugesellt.

 

Bildmaterial: Petit Planet, Hoyoverse

1 Kommentar

  1. Ich sage ganz ehrlich: Mir ist Petit Planet vollkommen Egal und ich bezweifle dass Petit Planet der Hit wird insbesondere wenn man bedenkt dass Mihoyo außerdem vorhat irgendwie 7-8(?) Weitere Live Service Gacha Games Releasen will wie dieses Honkai Nexus Anima oder dieses Unreal Engine 5 Game mit diesem Gruseligen Uncanny Valley Charaktere noch raushauen will.

    Natürlich kann es auch sein dass Mihoyo mittlerweile dass Illumination Studios der Spieleindustrie ist (Oder zumindest die Pro Max China Version von GameFreak) und alleine der Name des Unternehmens ausreicht um Jede Menge Kohle aus der Spielerschaft Rauszumelken weil Hot Waifus und so. Mihoyo geht es ja Gefühlt von allen Gaming Companys am besten da die immer noch jede Menge Kohle machen und sich nicht vor Konkurenz fürchten müssen.

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