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Im Test! The Witcher 3: Wild Hunt – Complete Edition für Nintendo Switch

Titel The Witcher 3: Wild Hunt – Complete Edition
Japan 15. Oktober 2019
Bandai Namco Entertainment
Nordamerika 15. Oktober 2019
Bandai Namco Entertainment
Europa 15. Oktober 2019
Bandai Namco Entertainment
System PlayStation 4, Xbox One, PC, Nintendo Switch
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler CD Projekt RED
Genres Action-RPG
Texte
Deutschland Nordamerika 
Vertonung Deutschland Nordamerika

Bildmaterial: The Witcher 3: Wild Hunt – Complete Edition, Bandai Namco / CD Projekt RED

Das Internet definiert „port begging“ als eine Anfrage von Nerds, die eine Portierung eines Videospiels für die Plattform ihrer Wahl wünschen. Und wenn zwei Worte Nintendos Hybridkonsole besser beschreiben, dann müssen diese erst noch erfunden werden.

Von alten NES-Spielen über PlayStation-One-Klassiker bis hin zu grafisch abgespeckten Ports der aktuellen Konsolengeneration ist alles dabei, was sich das Nostalgie gefüllte Gamerherz wünscht. Wenn es dennoch einen Titel gibt, den sich niemand in seinen kühnsten Träumen für die kleine Konsole vorstellen konnte, dann war es CD Projekt REDs Meisterwerk, The Witcher 3: Wild Hunt.

Das Mammut-RPG, welches unzählige Spiele-des-Jahres-Titel trägt, und dessen DLCs, die größer sind und mehr Inhalt bieten als ein aktuelles AAA-Spiel, könnten niemals in befriedigender Weise geportet werden.

Doch CD Projekt RED und Saber Interactive haben das Unmögliche möglich gemacht. Das komplette Spiel, inklusive der beiden phänomenalen Erweiterungen und allen großen DLCs, befindet sich auf einer kleinen, mickrigen 32-GB-Karte. Als gigantischer The-Witcher-3-Fan und starker Verfechter der Port-Politik für den „Handheld“ hätte man mich nicht glücklicher machen können.

Nach unzähligen Stunden mit dem weißen Wolf auf dem kleinen Bildschirm kann ich nun endlich ein Fazit ziehen. Auch wenn es ein etwas anderes ist, als ich es erwartet hätte.

Eyes of the Wolf

Zunächst einmal zum Ghul im Raum. The Witcher 3: Wild Hunt für Nintendo Switch sieht nicht so gut aus wie auf den anderen Konsolen! Es sieht auch signifikant schlechter aus als auf den geringsten Settings für PCs.

Nachdem sich diejenigen, die der Port gerade nicht anspricht, den Schaum vor dem Mund weggewischt haben, kommt jetzt die Erklärung, warum das so ist: Eine Nintendo Switch ist technisch schwächer als die anderen Plattformen. Es folgt eine erneute Pause, dieses Mal für diejenigen, die mit der technischen Inferiorität der Hybrid-Konsole ein Problem haben.

Für die gigantische Welt von The Witcher bedeutet das Folgendes: weniger Details, weniger Dynamik und extrem verschwommen. Im Handheld-Modus konnten die Entwickler eine maximale Auflösung von 540p nicht halten, geschweige denn überschreiten. Eine Auflösung, die man lange nicht mehr vor sich hatte. Da der kleine Bildschirm eigentlich zu 720p fähig ist, kommt einem das Bild sehr verwaschen vor.

Der Grund für die dynamischen 540p ist klar: Der Fokus lag stärker auf der Performance als auf der Auflösung. Ein Kompromiss, der immer und überall eingegangen werden sollte. Denn ein flüssiges Spielerlebnis ist wichtiger als eine etwas schönere Optik. Zu aller Überraschung werden die 30fps einen Großteil der Zeit gehalten.

»Im Vergleich zum Handheld-Modus läuft das Spiel auf dem Fernseher ein wenig runder, dennoch ist das die weitaus schlechtere Art, The Witcher 3: Wild Hunt auf Nintendo Switch zu erleben.«

Besonders am Anfang und auf Reisen fallen die Bilder pro Sekunde selten unter die 25er-Marke, was ein flüssiges Spielen ermöglicht. Größere Probleme zeigen sich in den belebten Städten, wie zum Beispiel in Novigrad.

Die Einbrüche der Framerate spürt und sieht man hier. Generell fallen die technischen Limitationen der Konsole in Knotenpunkten stark auf. Viele NPCs, von denen es wahrlich viele gibt, ploppen teilweise wie aus dem Nichts auf und verschwinden auch schnell wieder. Die Auflösung sackt ein und bei Schnellreisen an diesen Orten muss man über eine Minute warten und damit ungefähr 20% länger als auf den anderen Plattformen.

Drink up! There’s more!

Reitet man auf Plötze durch die Sümpfe, Wälder, Berge und Täler, fällt natürlich auch ein gewisses Pop-in-Phänomen auf. Zwar nur in weiter Ferne, doch sichtbar. Bäume, Büsche und Co. sind zudem weniger dicht gezeichnet. Doch der wohl spürbarste Abstrich zeigt sich in den schnell geschnittenen Zwischensequenzen. Nach einem Bildwechsel hakelt es gewaltig. Charaktere und Texturen brauchen etwas zum Nachladen, was der Dynamik dieser Szenen deutlich schadet.

Im Vergleich zum Handheld-Modus läuft das Spiel auf dem Fernseher ein wenig runder, dennoch ist das die weitaus schlechtere Art, The Witcher 3: Wild Hunt auf Nintendo Switch zu erleben. Statt dynamischen 520p können hier die 720p meistens gehalten werden. Die Framerate ist in diesem Modus ebenfalls ca. zwei bis drei Bilder pro Sekunde über dem Handheld-Standard, was nicht merklich signifikant ist.

Warum ist das Spiel in diesem Modus nun eine weniger gute Idee? Die Antwort liegt in der Größe des Bildschirms. Auf 49 bis 55 Zoll sieht man jeden einzelnen Fehler und jedes einzelne Stottern! Viele Probleme, die durch den 6 Zoll großen Bildschirm sehr erfolgreich kaschiert werden, kommen hier extrem deutlich zum Vorschein.

Auch soundtechnisch leidet das Spiel ein wenig unter der starken Kompression. Selten fallen qualitative Unterschiede und Ausfälle in Synchronisation und Soundtrack auf.

Fassen wir zusammen: Die Auflösung ist weit hinter dem Standard, die 30fps halten sich gut, brechen aber in belebten Orten zusammen, generell zeigen sich weniger Details und der selten schlecht komprimierte Sound prägt ebenfalls das Erlebnis ein wenig. Vom Docked-Modus wollen wir gar nicht erst anfangen. In den kommenden Absätzen erkläre ich ausführlich, warum The Witcher 3: Wild Hunt – Complete Edition dennoch eines der besten Spiele für Nintendo Switch ist!

Back on the Path

Inhaltlich haben CD Project RED und Saber Interactive keine Kompromisse gemacht. Alles, und zwar wirklich alles, was in der Complete Edition auf den anderen Plattformen enthalten war, ist auch hier zu finden. Kein NPC fehlt, alle DLCs sind dabei. Selbstverständlich auch „Heart of Stone“ und „Blood and Wine“, die für sich alleine Spiele-des-Jahres-Preise gewonnen haben.

200 bis 300 Stunden hochqualitatives Gameplay und grandioses Story-, Charakter- und World-Building passen hier auf 32 Gigabyte. Eine absolute technische Meisterleistung, besonders wenn man überlegt, wie groß die Welt ist und dass sie so gut wie ohne Ladebildschirme auskommt.

Die 32 GB sind jedoch eine kleine Lüge seitens der Entwickler, da die tausenden Screenshots, zu denen man praktisch gezwungen ist, weitaus mehr Speicherplatz belegen werden. Ja, die geringe Auflösung fällt durch ein wirklich verschwommenes und unscharfes Bild auf und die Flora ist nicht so dicht wie gewohnt. Trotzdem bietet das Spiel vielleicht die schönste Welt auf Nintendo Switch.

»Die geringe Auflösung fällt durch ein wirklich verschwommenes und unscharfes Bild auf. Trotzdem bietet das Spiel vielleicht die schönste Welt auf Nintendo Switch.«

Die Lichteffekte sind atemberaubend. Wenn der rote Sonnenuntergang durch die im Wind wehenden Äste bricht und seinen Schatten wirft, muss man einfach stehen bleiben und die Schönheit der Szenerie genießen. Ebenso wenn ein wilder Sturm wütet. Die Bäume reiben und knarzen im Wind, der Regen läuft an den Oberflächen langsam herunter und Laub wird durch den Wind aufgewirbelt. Die Welt von The Witcher 3 sprüht auch etwas unschärfer und auf dem kleinen Bildschirm voller Magie und Atmosphäre.

Auch die Wassereffekte sind die schönsten, die Nintendos kleiner Handheld zu bieten hat. Mit jeder Bewegung bricht die Oberfläche und wirft Wellen. Geralt ist nach dem Schwimmen komplett durchnässt und unter Wasser reflektiert das Licht an der Oberfläche und erzeugt ein extrem schönes und beachtlich reales Bild.

Generell sind die Charaktermodelle fantastisch gelungen. Geralts Mähne beim Reiten auf und ab wippen und im Wind wehen zu sehen, ist einzigartig. Die Physik und das Artdesign halten die Welt zusammen und erlauben auch abgespeckt eine unglaubliche Reise. Die Performance-Probleme werden ebenfalls durch den 6-Zoll-Screen so stark kaschiert, dass sich das Spiel fast komplett flüssig anfühlt.

The Wolf and the Swallow

Es ist ein Wunder, dass dieses Gesamtpaket in seinem aktuellen Zustand so gut auf Nintendo Switch läuft und so wenig von seiner Magie eingebüßt hat. Speziell bei langen Sitzungen werden die Nachteile in den Hintergrund gedrängt, da sich das Auge immer mehr an die geringe Auflösung gewöhnt und auch weil die Welt, ihre Dynamik und Organik so perfekt gelungen sind.

Obgleich es bei schnellen Schnitten in den Zwischensequenzen zu Problemen kommt, diese machen maximal 4% aller Sequenzen aus. Die restlichen sind fantastisch gelungen. Hier sehen die Charaktermodelle und all ihre kleinen Details fast so gut aus wie auf den anderen Konsolen.

The Switcher 3: Pure Magic – Complete Edition

Ich brauche absolut niemandem zu erzählen, wie gut The Witcher 3 inhaltlich ist. Jeder weiß um das meisterhafte und doch natürliche Writing, um die ambivalenten Charaktere, um die Größe und Perfektion der Welt. Jeder weiß, dass der Soundtrack, der von der östlichen Folklore angehaucht ist, zum Besten gehört, was die Videospielindustrie in den letzten Jahren produziert hat. Jeder weiß, wie viel Herz, Schweiß und Blut CD Projekt RED in dieses Spiel gesteckt hat und wie spielerfreundlich das Studio dabei geblieben ist.

The Witcher 3: Wild Hunt – Complete Edition ist ohne jeglichen Zweifel eines der besten Spiele aller Zeiten und jetzt ist es in seiner Gesamtheit auf Nintendo Switch spielbar! Die offensichtlichen technischen Abzüge ändern wenig an der überragenden Qualität des Endprodukts.

Ich liebe es, stundenlang im Bett oder beim Pendeln mit Geralt durch die fantastische Welt zu reiten und dem Handwerk eines Hexers nachzugehen. Besonders beeindruckend: Das Spiel läuft dabei fast durchgängig flüssig.

Seit der Ankündigung war ich fest davon überzeugt, dass dieser Port trotz technischer Abstriche der Heilige Gral für mich wäre, ABER, und jetzt kommt ein großes Aber: Einer meiner häufigsten Gedanken beim Spielen war „Verdammt, jetzt habe ich Lust die Disc in meine PlayStation 4 zu werfen und das Spiel auf dem großen Bildschirm zu genießen“. Es ist nun mal auch die technische Meisterleistung, die The Witcher 3: Wild Hunt zu dem Erlebnis für mich gemacht hat.

Daher kann ich eigentlich nur ein Fazit ziehen: Wer die Möglichkeit hat, sollte The Witcher 3: Wild Hunt auf einer anderen Plattform spielen. Denn so sehr ich es auch nicht glauben will, es geht auf Nintendo Switch doch mehr Magie verloren als gedacht. Fans des Hexers sowie Spieler, die nur eine Nintendo Switch zur Verfügung haben, müssen dennoch keine Millisekunde zögern, wenn sie bei diesem Spiel zugreifen wollen. Ich habe jede einzelne Minute auf dem kleinen Handheld geliebt und genossen!

 

Story

Unmöglich in wenigen Worten zusammenzufassen. Groß, emotional, phänomenal geschrieben. Mit das Beste, was die Videospielwelt zu bieten hat.

Gameplay

Brutales Kampfsystem mit Stahl und Silber. Präzise, schnell und knallhart. Nicht ganz optimal mit Joy-Con zu spielen.

Grafik

Klare Abstriche auf Nintendo Switch und trotzdem eines der schönsten Spiele für die Hybridkonsole.

Sound

Selten Abstriche aufgrund der starken Kompression, aber die preisgekrönte Synchronisation und der einzigartige Soundtrack spielen nach wie vor ganz weit oben mit.

Sonstiges

Keine Kompromisse beim Inhalt. 200 bis 300 Stunden purer Spielspaß auf einem kleinen Kärtchen. Performance bleibt meist stabil. Finger weg vom Docked-Modus!

17 Kommentare

  1. @AkiraZwei
    Kritisieren ist nicht immer was böses! ;)

    Hm, wenn's viele stumpfsinnige Sidequest gibt dann immer her damit!
    In Ni no Kuni 2, war das meine liebste Beschäftigung! :D
  2. Zur Kritik am Writing:

    Einfach mal eine Gegenfrage: Welches aktuelle Spiel (der letzten 5 Jahre) hat denn ein ähnlich hohes Niveau bezüglich des Writings, wenn nicht gar ein höheres?

    Man kann Witcher 3 vieles (eigentlich nicht so vieles) vorwerfen. Aber das Writing der Charaktere und der Quests sind unerreicht; höchstens Baldurs Gate 2, Planescape Torment und Dragon Age Origins kommen da ansatzweise ran. Von JRPGs ganz zu schweigen...

    Die Quest sind nicht mal ansatzweise stumpfsinnig, in jeder erlebt man ein für sich stehendes abgeschlossenes Abenteuer, meistens mit einer moralischen Entscheidung am Schluss. Klassische Fetchquests der Marke "Sammle 10 Frösche oder 5 Hundemarken" gibt es in diesem Spiel nicht.
  3. Das Problem mit der Steuerung kenne ich. Teil 1 und 2 stammen ursprünglich ja vom PC und waren auf Maus / Tastatur ausgelegt. Schon bei 2 hatte man aber wohl einen möglichen Konsolenport im Hinterkopf und sich Optionen für Gamepad offen gelassen. Bei Teil 3 ist es halt ganz furchtbar, ich habe das Spiel im ständigen Wechsel mit M/T und Gamepad gespielt. Die Kämpfe vorzugsweise mit Pad, alles andere mit M/T.
    Es wirkt so, also konnte man sich nicht entscheiden, was jetzt das primäre Eingabegerät sein soll und hat am Ende ein krude Mischung hingelegt, die keinem von beiden gerecht wird.
  4. „The Switcher 3: Matsch Edition“. :D

    Hab’s mir für die Unterstützung der Entwickler auch gekauft, weil man auf Switch selten eine voll gepackte 32 GB-Karte sieht. Gell, Capcom und Bethesda? Aber wenn man von der PS4 Pro kommt, muss man sich wirklich an die verwaschene Grafik gewöhnen. Zwar weit von einem schlechten Port entfernt, aber wer überwiegend vor der schönen großen Glotze spielt, sollte lieber zu PS4 und Xbox One greifen. Oder PC - noch besser.
  5. Zum Thema Preis würde ich mich auch gerne noch äußern. Normalerweise bin ich einer der Ersten, der sich bei Ports über die meist unverschämt hohen Preise aufregt. Kein Wunder, wenn wir fast 1:1-Ports wie Donkey Kong: Tropical Freeze, Bayonetta 1+2 Collection, Mario Kart 8, Devil May Cry-Trilogie, Onimusha etcetcetc für den "Vollpreis" bekommen. Was mir bei diesen Spielen oft aufgefallen ist, ist die Menge der Entwickler in den Credits, die am Port saßen. Meist waren es so 15-20. Da ist es nur die Geldgier des Publishers, die den Preis so hoch treibt.

    Bei The Witcher 3 hingegen wurde eine technische Meisterleistung erbracht, um es spielbar (und sogar gut spielbar) auf die Switch zu bringen. In vielen Interviews mit CD Projekt RED wird klar, dass sie von Anfang an bei der Entwicklung des Portes dabei waren und Saber Interactive so gut es ging unterstützt haben. Normalerweise schiebt man die Ports einfach an ein dafür passendes Studio ab und lehnt sich dann zurück, aber hier hat man wirklich viel Arbeit investiert. Außerdem ist die schiere Masse des Ports und die 32GB Karte auch ein Zeichen dafür, dass die Entwickler das Beste für den Port und auch für die Spieler wollten. Daher kann ich persönlich hier ein Auge bei den 55€ zudrücken, aber ich verstehe jeden, der das nicht kann.
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