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Angeschaut! Der Junge und das Biest

Jahr2015
AnimationStudio Chizu
PublisherUniversum Film
Release29.07.2016
GenresComing-of-Age
Action-Adventure
Fantasy
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Mamoru Hosoda ist aktuell einer der beliebtesten Anime-Regisseure und produziert seit 2006 ausnahmslos Hit-Titel. Im Takt von drei Jahren erschienen „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“, „Summer Wars“, „Ame & Yuki – Die Wolfskinder“ und 2015 „Der Junge und das Biest“. Hosoda arbeitet bereits an seinem nächsten Film, welchen wir vermutlich um 2018 erwarten dürfen.

Während sich Summer Wars um das Thema „Familie“ im Ganzen drehte und Wolfskinder sich mit dem Muttersein und Erwachsenwerden beschäftigte, widmet sich Der Junge und das Biest dem Thema von einem väterlichen Standpunkt und driftet dabei stärker in Fantasy-Gefilde ab als Hosodas vorherige Werke.

Über den Film

Folgendermaßen beschreibt Universum Anime den Film:

„Kyuuta ist ein einsamer und elternloser Junge, der im Tokioter Stadtteil Shibuya umher streunt und in den Tag hinein lebt. Doch eines Tages betritt er versehentlich das fantastische Bakemono-Reich „Juutenga“, das von übernatürlichen Gestalten bevölkert wird. Verloren und auf der Suche nach einem Weg zurück trifft er auf den bärenartigen Schwertkämpfer Kumatetsu. Trotz seines wilden Aussehens ist dieser dem kleinen Jungen freundlich gesonnen und nimmt sich seiner an. Doch als es Kyuta eines Tages zurück in seine Heimat verschlägt und er dort das Mädchen Kaeda kennen lernt, fühlt er sich zunehmend zwischen den beiden Welten hin- und hergerissen…“

The Boy and The Beast.mkv_snapshot_00.13.08_[2016.07.22_08.41.33] - KopieDie Geschichte grenzt sich am stärksten von Hosodas anderen Filmen durch ihr Setting ab. Obwohl sie auch in unserer Welt spielt, findet ein großer Teil des Films in der Tiermonster-Welt Juutenga statt, einem farbenfrohen Ort, an dem es von fantastischen Kreaturen nur so wimmelt. Die Architektur dieser Welt hat etwas Orientalisches an sich, die Tier-Mensch-Mischwesen erinnern zum Teil an Wolfskinder und die Avatare in der Cyberwelt von Summer Wars.

Im Kern ist Der Junge und das Biest eine Coming-of-Age-Geschichte. Der Zuschauer begleitet Kyuuta vom Kindesalter bis hin zum Erwachsenwerden und wird dabei Zeuge einer bemerkenswerten Charakterentwicklung. Der Zauber des Films liegt jedoch nicht nur in Kyuutas Entwicklung, sondern auch in der des antisozialen und unfreundlichen Kumatetsu, der durch seine Rolle als Meister selbst vieles lernt.

Bei all dem fühlt sich der Film aber deutlich wilder, furioser und verspielter an als die behut- und einfühlsam erzählte Geschichte von Wolfskinder. Es gibt Kämpfe, es gibt zahlreiche Action-Szenen und Humor, jedoch auch ebenso viele ruhige und feinfühlige Momente. Kinder werden von allen Hosoda-Filmen mit Der Junge und das Biest vermutlich am meisten anfangen können, aber der Film ist ohne Zweifel für alle Altersklassen gedacht. Umso mehr verwundert die FSK-12-Wertung, die vermutlich daher rührt, dass in einigen Szenen Blut gezeigt wird.

The Boy and The Beast.mkv_snapshot_01.22.55_[2016.07.22_08.46.21] - KopieMit seiner Regie hat Hosoda bereits in der Vergangenheit mehrfach Aufmerksamkeit erregt. Sein Stil sticht nicht unbedingt hervor, aber es gibt immer mal wieder Szenen, die beeindrucken. In Der Junge und das Biest ist das die Szene einer Begegnung in der Mitte des Films, als Kyuuta nach Jahren einen alten Bekannten wieder trifft; eine längere Sequenz ohne Schritte, in denen die Charaktere sich im Hintergrund befinden, während Menschenmengen unablässig vorne durchs Bild laufen. Diese Szene setzt dezente Pausen, funktioniert ohne viele Worte und nimmt sich viel Zeit, die Emotionen der Charaktere an ihren Gesichtern darzustellen. Eine herausragende Szene, die einen ohnehin schon emotionalen Moment noch ungleich intensiver macht.

Durch die starken Fantasy-Elemente muss man freilich ein bisschen Suspension of Disbelief walten lassen; einige Konzepte wie „das Schwer in deinem Herzen“ und „der Wal“ haben eher symbolischen Charakter. Sie fügen sich nicht immer ganz sauber in die Handlung ein, helfen aber ungemein dabei, die Botschaften des Films zu transportieren.

The Boy and The Beast.mkv_snapshot_00.42.51_[2016.07.22_08.43.07]Visuell stechen Hosodas Filme nie so sehr hervor wie die Filme anderer großer Regisseure wie Hayao Miyazaki, Makoto Shinkai oder Mamoru Oshii. Die Animation ist aber dennoch erstklassig und auch die Hintergründe insbesondere in Juutenga können sich sehen lassen. In der echten Welt sehen manche Hintergründe etwas zu realistisch aus und stechen zu sehr hervor, das gilt insbesondere für die Autos. Es wird auch eine Menge hochqualitatives CGI verwendet, das die Action-Szenen zwar stark bereichert, sich aber auch leicht von den handgezeichneten Bildern abhebt. Das ist jedoch Kritik auf hohem Niveau; insgesamt sieht der Film klasse aus.

Masakatsu Takagi ist wirklich ein außergewöhnlicher Komponist. Entdeckt habe ich ihn in Wolfskinder und als ich seine Musik auch in der Ghibli-Dokumentation The Kingdom of Dreams and Madness wieder traf, freute mich das sehr. Der Soundtrack von Der Junge und das Biest hat ebenfalls die spielerische Leichtigkeit von Takagis anderen Werken, ist aber der Natur des Films wegen gelegentlich auch etwas pompöser und epischer. Der Soundtrack rührt nicht ganz so sehr wie der von Wolfskinder, enthält aber trotzdem viele schöne Melodien, die zeigen, dass Takagi die richtige Wahl für den Soundtrack war.

The Boy and The Beast.mkv_snapshot_01.52.44_[2016.07.22_08.46.57] - Kopie

Die deutsche Veröffentlichung

KumatetsuMatti Klemm
Kyuuta (Kind)
Luisa Wietzorek
Kyuuta
Christian Zeiger
TataraTobias Lelle
HyakushuubouAlexander Doering
SoushiPeter Groeger
IouzenHans-Eckart
Eckhardt

Von Universum Anime ist man hervorragende Lokalisierungen gewohnt. Der Junge und das Biest ist hier keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil: Die Synchronfassung wurde von der Berliner EuroSync GmbH angefertigt und die Sprecher haben sich große Mühe gegeben, japanische Namen korrekt auszusprechen. Nicht nur typisch Deutsch-Japanisch, sondern authentisch Japanisch. Das glückt zwar nicht immer ganz perfekt, hebt die Synchronfassung aber dennoch positiv von den vielen anderen Lokalisierungen ab, die offensichtlich ohne Beiwohnen eines Japanischkundigen angefertigt wurden.

Die Sprecher leisten durchgehend exzellente Arbeit. Kyuuta wird sowohl als Kind von Luisa Wietzorek und als Jugendlicher von Christian Zeiger sehr gut und passend vertont. Besonders die vielen Streitereien mit Kumatetsu fallen durch ihre Lebendigkeit positiv auf. Mit Matti Klemm ist auch dieser übrigens perfekt besetzt, die Stimme passt hervorragend zu Kumatetsus bärenhafter Gestalt. Positiv fällt auch Peter Groeger in der Rolle des Großmeisters Soushi auf, der die freundlich-exzentrische Art des Charakters wunderbar zum Ausdruck bringt.

The Boy and The Beast.mkv_snapshot_00.59.27_[2016.07.22_08.47.47] - KopieDa es auch keine Ausfälle gibt und das deutsche Synchronskript auch keine Makel aufweist, kann man die deutsche Sprachfassung nur empfehlen. Wer dennoch die ebenfalls ausgezeichneten japanischen Stimmen bevorzugt, kann auf sehr gute deutsche Untertitel zurückgreifen.

Etwas schade ist, dass die normale Version des Films völlig ohne Extras auskommt. Wer bereit ist, etwas mehr Geld auszugeben, kann zur Deluxe Edition greifen (nur als Blu-ray verfügbar), die nicht nur viel Bonusmaterial beinhaltet, sondern auch Dinge wie ein Booklet. Da uns für die Rezension nur der Hauptfilm vorlag, können wir die Deluxe Edition nicht bewerten.

Fazit

Der Junge und das Biest ist ein absolut würdiger Nachfolger von Hosodas bisherigen Titeln. Die Geschichte ist eine rührende Parabel über das Erwachsenwerden und die Mischung aus fantasievollen Kulissen, wilden Action-Szenen und einfühlsamen Charaktermomenten macht ihn für alle Altersklassen geeignet. Die deutsche Vertonung ist erstklassig und wir sprechen eine universelle Empfehlung für den Film aus.

Wer Wert auf Extras und Bonusmaterial legt, sollte zur etwas teureren Deluxe Edition greifen.

Technische Daten & Extras

  • Laufzeit Film: 119 Minuten
  • Bild: HD 1080p, 16:9 – 1.85:1
  • Audio: Japanisch, Deutsch
  • Untertitel: Deutsch (weiße Schrift, schwarzer Rand)
  • Bonusmaterial: keines (Standard-Edition) / 137 Minuten (Deluxe Edition)
  • Extras: keine (Standard-Edition) / Box, Filmguide, Booklet, Postkarten (Deluxe Edition)
  • Altersfreigabe: ab 12