Im Test! Langrisser Re:Incarnation –TENSEI-

Zum ersten Mal gelangt ein Teil der Langrisser-Serie nach Europa. Feiert das Spiel eine Premiere oder handelt es sich um einen misslungenen Auftritt?

Anfang Februar 2015 wurde durch das Internet eine Nachricht verbreitet, die Fans der Serie Langrisser kurzzeitig aus ihrem Schlaf erweckte. Masaya Games enthüllte den Ableger Langrisser Re:Incarnation –TENSEI-. Schon in der ersten News zu diesem Thema erfuhr man, dass sich dieses Mal nicht Satoshi Urushihara um das Design der Charaktere kümmern würde, was für viele eine sehr bedauerliche Information war. Bisher hatte sich der Künstler immer um die Gestaltung der Figuren gekümmert.

Langrisser ist eine langjährige Strategie-Rollenspiel-Serie in Japan. Der erste Ableger der Hauptserie erschien in Japan 1991 für das System Mega Drive. Noch im gleichen Jahr wurde das Spiel unter dem Namen War Song in Nordamerika veröffentlicht. Keines der nachfolgenden Abenteuer gelangte aus Japan in den Westen. 1998 kam Langrisser V: The End of Legend für das System Sega Saturn auf den Markt. Anschließend war es sehr ruhig um das Universum. Es gab Portierungen der einzelnen Ableger der Reihe auf neuere Konsolengenerationen, aber auf ein neues Abenteuer mussten die Fans sehr lange warten.

Nun hat es Langrisser Re:Incarnation – TENSEI geschafft, die Reise nach Europa und Nordamerika für Nintendo 3DS anzutreten. Die Ankunft der lang vergessenen Serie verläuft digital über den eShop. Doch hat es Masaya Games geschafft, mit dem sechsten Ableger die Serie wiederzubeleben oder sollte Langrisser nun bis in die Ewigkeit schlafen, sodass durch einen Fehltritt kein schlechtes Licht auf die Reihe fällt? Wir haben tapfer das Spiel für euch getestet.

Das mächtige Schwert der Entscheidung

Noch ist alles friedlich. Doch gleich beginnt das Grauen für den Spieler.

Noch ist alles friedlich. Doch gleich beginnt das Grauen für den Spieler.

Schwingt das mächtige Schwert Langrisser und begebt euch auf eine Reise, die euch durch einen gewaltigen Weltkrieg führt. Ihr bestimmt euren Weg, indem ihr eure Kraft einer von drei verschiedenen Einheiten verleiht und sichert euch damit einen Platz als ein großer Held.

Die Geschichte besteht aus verschiedenen Verzweigungen, die sich durch eure Entscheidungen, die ihr in einem Kampf trefft, entfalten. Werden euch eure mutigen Taten in den Sieg führen oder leitet ihr eure Kameraden in den Ruin? Das Gleichgewicht des Schicksals hängt als Last über euren Entscheidungen und bestimmt den Kurs der Gefechte. In der Rolle von Ares erlebt ihr einen plötzlichen Krieg gegen seine Heimatstadt, der aus heiterem Himmel ausbricht.

Auf seiner Flucht trifft er mit seinen Gefährten auf die drei Einheiten, die er sich anschließen kann. Entscheidet ihr euch für das Licht, für die Dunkelheit oder für das Kaiserreich? Diese Wahl wird den Fortlauf der Handlung stark beeinflussen und je nach Situation andere Begleiter zur Verfügung stellen. Sorgt ihr für Frieden auf der Welt oder stürzt ihr alles ins Chaos?

Das Kampfsystem des Grauens

Auch Jessicas Anwesenheit kann das Spiel nicht mehr retten.

Auch Jessicas Anwesenheit kann das Spiel nicht mehr retten.

Wenn euch die Beschreibung der Handlung nicht ganz verständlich erscheint, sollte euch dieses Problem nicht weiter stören, da der Verlauf ähnlich undurchsichtig erzählt wird. Zu Beginn erleben wir einen glücklichen Tag in der Heimatstadt von Ares.

Wer er wirklich ist und wieso er von einer Maid bedient wird, erfahren wir nicht. Stattdessen werden die zahlreichen Figuren der verschiedenen Fraktionen durch Gespräche in das Spiel eingeführt, die sich mit dem Angriff auf die Stadt befassen. Bevor man überhaupt irgendetwas zuordnen oder die Hintergründe erfahren kann, beginnt auch schon der Angriff und somit der erste Kampf.

Auf der Spielkarte seht ihr kleine Figürchen, die eine Einheit darstellen. Habt ihr das Ziel erhalten (in 90 Prozent der Gefechte müsst ihr Ares vor dem Tod bewahren und alle Feinde töten), beginnt auch schon die Schlacht.

Ist einer eurer Charaktere an der Reihe, müsst ihr euch entscheiden, ob ihr eine Fähigkeit verwendet oder seine Position verändert und den Gegner mit einer normalen Attacke angreift. Ihr könnt nie die Person bewegen und anschließend eine Technik ausführen. Habt ihr euch entschieden, besitzt das Spiel ein Kampfsystem, welches sich am Schere-Stein-Papier-System orientiert. Wählt ihr eine feindliche Einheit aus, erkennt ihr aus den Informationen, ob ihr einen Vorteil besitzt oder euch im Nachteil befindet. An diese Details solltet ihr euch halten, vor allem, wenn sich euch um die 50 Feinde entgegenstellen.

»Bevor man überhaupt irgendetwas zuordnen oder die Hintergründe erfahren kann, beginnt auch schon der Angriff und somit der erste Kampf.«

Eure Hauptfiguren kämpfen nicht allein. Vor einem Kampf könnt ihr gegen Punkte, die ihr nach einer Schlacht verdient, Söldner anheuern, die nach dem Sieg wieder verschwinden. Sie unterstützen ihren Kommandanten in einem Kampf. Ebenso besitzen die Gegner ihre Untergebenen.

Zerstört ihr den Kommandanten, wird die ganze Einheit aufgelöst. Allerdings gehen euch auf diesem Weg wichtige Erfahrungspunkte verloren. Wenn man bedenkt, dass dieses Spiel keine Möglichkeit zum Trainieren in freien Kämpfen bietet, solltet ihr viele Erfahrungspunkte in den Schlachten sammeln.

Habt ihr das Ziel erreicht, gewinnt ihr die Auseinandersetzung. Nun bewegt Ares sich auf einer Karte automatisch weiter in den nächsten Kampf. Dazwischen erzählt euch ein kurzer Text, was in dieser Zeit passiert. Bevor ihr euch in das folgende Getümmel stürzt, könnt ihr in einer Art Basis speichern, Gespräche mit euren Verbündeten führen, Söldner anheuern, einen Blick auf das Kampffeld werfen, die Ausrüstung verändern und später neue Rüstungen kaufen.

Gleich beginnt der erste Kampf und damit das Schrecken.

Gleich beginnt der erste Kampf und damit das Schrecken.

Die Beschreibung mag noch nicht ganz so schlimm klingen, aber die Ausführung macht das Spielsystem völlig kaputt. Wird ein Angriff ausgelöst, erscheint eine Kampfanimation auf dem Bildschirm. Die Figuren werden dabei in einer Chibi-Optik dargestellt.

Sie laufen ganz langsam aufeinander zu, erheben gemütlich ihre Waffen und hauen gegenseitig auf sich ein. Mag die Einblendung auf den ersten Blick noch lustig wirken, spätestens nach den ersten großen Kämpfen werdet ihr davon genervt sein. Glücklicherweise kann man diese Animation ausschalten.

Auch ohne diese Einblendung werden die Gefechte in die Länge gezogen. Befindet sich der Feind in der Überzahl, müsst ihr warten, bis alle Einheiten ihre Runde getätigt haben. Es gibt keine Möglichkeit, diesen Vorgang zu beschleunigen, zumindest haben wir keinen entdeckt. Möchtet ihr eure Einheiten strategisch setzen, um sie vor Angriffen zu bewahren, könnt ihr dieses Vorhaben vergessen.

»Es ist nicht unüblich, dass die Feinde durch eine Mauer schießen, Löcher oder Abgründe überwinden. Selbst über Wasser kann das Fußvolk laufen.«

Es ist nicht unüblich, dass die Feinde durch eine Mauer schießen, Löcher oder Abgründe überwinden. Selbst über Wasser kann das Fußvolk laufen. Also werdet ihr euch von den schwächeren Einheiten schnell verabschieden müssen. Im Prinzip benötigt ihr nur einen mächtigen Charakter (in unserem Fall war es Ares), der ganz alleine die feindliche Übermacht besiegen kann und quasi unsterblich wird durch seine Verteidigung. Allerdings dauern die Kämpfe dann ein wenig länger.

In den Szenarien wird selten eine große Spannung aufgebaut. Oft lautet das Ziel, Ares zu beschützen und die Gegner zu vernichten. Selten müsst ihr eine Mission in einer bestimmten Rundenzahl schaffen und noch seltener müsst ihr jemanden beschützen.

Gastcharaktere werden euch in einigen Kämpfen unterstützen, aber das ist in Ordnung, weil die KI sehr schlecht aufgebaut ist. Manchmal stürzen sich die Bogenschützen nach vorne, ein anderes Mal stehen die starken Ritter in der Gegend und warten lieber ab, was passiert.

Der Angriff der Chibi-Soldaten.

Der Angriff der Chibi-Soldaten.

Es gibt verschiedene Klassen, die ihre Stärken und Schwächen besitzen. Diese solltet ihr strategisch ausnutzen. Neben den allgemeinen Berufen wie Kämpfer, Magier, Priester, Reiter, gibt es noch eine Art Motorrad und Hoverbike. Erfahrungspunkte erhält eine Figur, wenn sie eine andere Einheit vernichtet. Anschließend bekommt sie die Punkte direkt gutgeschrieben. Erreicht man die Stufe zehn, steht ein Wechsel der Klasse an.

Hier seht ihr lediglich, wie sich die Statuswerte verändern und ob eine neue Fertigkeit erlernt wird, mehr Informationen gibt es darüber nicht. Unabhängig der Stufe besitzen alle Figuren zehn Lebenspunkte. Über einen erfolgreichen Angriff entscheidet nur der Vorteil und die aktuelle Verteidigung. An bestimmten Stellen weist euch das Spiel darauf hin, dass ihr nun eine Entscheidung treffen müsst, die den späteren Verlauf stark beeinflusst.

Das trostlose Schlachtfeld

Die leere Weltkarte, die zum Glück nicht zugänglich für den Spieler ist.

Die leere Weltkarte, die zum Glück nicht zugänglich für den Spieler ist.

Auch wenn euch die Spielmechanik gefallen sollte, die Grafik kann absolut nicht begeistern. Die Ausstattung eines Schlachtfeldes ist sehr lieblos gehalten. Wenn man die Kampfanimationen beobachtet, sieht man leere Hintergründe und die Effekte der Zaubersprüche sind sehr mager animiert. Dazu gesellen sich Fehler wie die Markierung des Bewegungsradius. Farbige Kästchen auf einem Raster zeigen, an welchen Stellen sich die Figur positionieren kann. Sind die Böden nun bereits farblich abgedeckt, werden diese Felder nicht mehr für euch sichtbar hinterlegt. Befinden sich zahlreiche Einheiten auf dem Schlachtfeld, kommt es zu Verzögerungen im Spielfluss.

Die Gespräche in der Basis werden von gezeichneten Charaktermodellen ausgetragen, deren Mimik insgesamt sehr leblos ist. Ansonsten gibt es keine anderen Orte, die ihr bereisen könnt. Die Hintergründe sind bunt gehalten, einfach und erfüllen ihren Zweck der Eintönigkeit.

Nun könnte die Musik noch ein Pluspunkt werden. Die Melodien sind nicht schlecht, aber sie heben sich durch ihre Komposition auch nicht hervor. Sie runden das Geschehen ab, ohne auf die Nerven zu gehen, aber mehr können diese Lieder nicht bewirken. Sobald das Spiel ausgeschaltet ist, sind auch die geruhsamen Töne vergessen.

Es gibt eine japanische Vertonung, aber diese ist nicht komplett und beschränkt sich zum größten Teil nur auf die Aussprache einiger Ausdrücke. Die Texte sind auf Englisch gehalten.

Eine misslungene Wiedergeburt

Welcher Spielergruppe kann man den Titel nun empfehlen? Auch wenn ich noch keinen Teil der Langrisser-Serie gespielt habe, bin ich der Meinung, dass die Fans der Reihe den Titel nicht anrühren sollten. Es liegt nicht nur am Wechsel des Designers. Man hat während des Spielens die ganze Zeit das Gefühl, als habe dieses Strategie-Rollenspiel keine Seele.

Es wirkt, als hätten die Entwickler kein zusammenhängendes Abenteuer erschaffen. Durch die kurzen Textzeilen kommt man gar nicht in die Handlung rein. Es gibt sehr viele Figuren, die in den Kämpfen Dialoge führen, doch man vernichtet sie im Kampf, bis sie wieder auftauchen und man erneut gegen sie kämpfen muss. Es gibt kaum Informationen über ihre Hintergründe. In der Basis kann man mit einigen von ihnen reden, aber zwischen den Schlachten kann man nur drei Gespräche führen. Somit ist die Anzahl der Dialoge begrenzt.

»Auch wenn euch die Spielmechanik gefallen sollte, die Grafik kann absolut nicht begeistern. Die Ausstattung eines Schlachtfeldes ist sehr lieblos gehalten.«

Für meinen Durchgang habe ich etwas über zehn Stunden gebraucht. Danach war diese Geschichte vorbei und hat mich mit einigen Gedanken zurückgelassen. Habe ich die Handlung, die für mich völlig chaotisch und belanglos erschien, nicht verstanden oder gibt es keine tiefgründige Erzählung? Zumindest war für mich das Spielgefühl so banal, dass ich keine Lust auf einen weiteren Durchgang hatte.

Im New Game Plus behaltet ihr die Stufen aller Figuren und Fähigkeiten. Kurz vor dem Ende kann man mit einer Person eine romantische Beziehung eingehen. Hier folgt ein kurzes Gespräch, ein CG und es wird eine besondere Fertigkeit für das Paar freigeschaltet, aber mehr passiert danach nicht mehr.

Langrisser Re:Incarnation –TENSEI- fühlt sich unfertig an und wirkt, als ob das Spiel mit einem RPG-Maker produziert wurde. Einen Kauf im eShop solltet ihr euch wirklich überlegen, ich rate euch von dem Spiel ab. Wenn ich ein Spiel teste, versuche ich immer den Wert des Titels zu finden, aber dieses Strategie-Rollenspiel steckt voller Mängel und wird euch keine schönen Spielstunden bescheren, sondern euch mit der Zeit ärgern.

Story: Das Spiel wirft euch mitten in die Handlung, führt zahlreiche Figuren ein, die ihr zuerst überhaupt nicht zuordnen könnt. Anschließend wirken die Kämpfe ziemlich belanglos, da man keinen Eingang in die Erzählung findet.

Gameplay: Das rundenbasierte Strategie-Rollenspiel arbeitet mit einem Schere-Stein-Papier-Prinzip. Langsam, unlogisch und voller Fehler.

Grafik: Die Kampfanimationen sind sehr schlecht programmiert und fallen durch die lieblosen Hintergründe auf. Alle Karten wirken sehr langweilig, es gibt kaum Details. Die Charaktermodelle sind einfach gezeichnet und detailarm.

Soundtrack: Die Melodie begleitet die Kämpfe, ohne zu nerven, aber sie bleibt nicht im Gedächtnis. Einige Gespräche sind auf Japanisch vertont, aber es werden nur bestimmte Ausdrücke ausgesprochen.

Sonstiges: Es gibt drei Fraktionen, denen man sich anschließen kann, je nach Auswahl erlebt man andere Schlachten und es gibt neue Verbündete. Geht man eine Romanze ein, bekommt man CGs, welche in einem Album gesammelt werden. Zudem gibt es eine Funktion für ein New Game Plus, sowie drei verschiedene Schwierigkeitsgrade.