Im Test! Pro Evolution Soccer 2015

Momentan ist die FIFA-Reihe unangefochten an der Spitze der Fußball-Simulationen im Videospielmarkt. Der einzige ernstzunehmende Konkurrent...

Momentan ist die FIFA-Reihe unangefochten an der Spitze der Fußball-Simulationen im Videospielmarkt. Der einzige ernstzunehmende Konkurrent ist die japanische Reihe „Pro Evolution Soccer“. Doch im letzten Jahr hat Pro Evolution Soccer 2014 vieles falsch gemacht, wie die Entwickler auch selbst zugeben. Doch für den Nachfolger versprach man Verbesserungen und interessante Neuerungen. Ob PES 2015 den Fußball-Thron besteigen darf, erfahrt ihr in unserem Review.

Fußball in all seinen Variationen

Taktische Aufstellungen sind natürlich wichtig.

Taktische Aufstellungen sind natürlich wichtig.

In diesem Jahr hat sich Konami schon vor der Weltmeisterschaft Mario Götze als Star des Spiels ausgesucht. Eine glückliche Wahl, denn seit seinem Tor im Finale des Turniers gehört er zu den bekanntesten Sportlern der Welt. Doch eigentlich passt Götzes offensiver Stil nicht unbedingt zum Spielstil von Pro Evolution Soccer. Im Gegensatz zum Tor-Spektakel der FIFA-Reihe legt man bei der Pro-Evolution-Soccer-Reihe den Fokus auf andere Aspekte. Aufbau-Spiel und Defensive spielen hier eine größere Rolle als das Toreschießen.

Bevor das Gameplay analysiert wird, sollten allerdings die verschiedenen Features des Spiels betrachtet werden. Natürlich kann man bei PES 2015 einfache Freundschaftsbegegnungen spielen, doch für die Simulations-Enthusiasten gibt es einige interessante Modi. Wer Interesse an den verschiedenen europäischen Ligen des Fußballs hat, kann in diesen Kontrolle über einen Klub übernehmen und diesen zur Meisterschaft führen.

Das Highlight ist hier sicherlich die UEFA Champions League, in der nur die besten Fußballklubs von Europa mitspielen dürfen. Zum Bedauern aller deutschen Fußball-Fans fehlt aber natürlich, wie jedes Jahr, die deutsche Bundesliga. Diese Tatsache ist einfach ein großer Nachteil im Vergleich zur FIFA-Reihe, der so manche Kaufentscheidung definitiv entschieden hat. Immerhin sind vier deutsche Klubs aufgrund ihrer Teilnahme bei der Champions League im Spiel enthalten: der FC Bayern München, FC Schalke 04, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Zudem sind viele Nationalmannschaften spielbar, so dass unsere Weltmeister-Mannschaft in all ihrer Glorie spielbar ist.

Live-Updates werden auch geboten.

Live-Updates werden auch geboten.

Unglaublich beliebt in Sportspielen ist seit einigen Jahren der „Ultimate Team“-Modus, in dem man Spieler, wie bei einem Kartenspiel, nach und nach sammelt und sich seine eigene Mannschaft aufbaut. Bei Pro Evolution Soccer 2015 nennt sich dieser Modus „myClub“. Die Entwickler haben allerdings nicht einfach den Modus von anderen Spielen übernommen, sondern ihre eigenen Ideen implementiert. Interessanterweise darf man bei diesem Modus die Dienstleistungen von Agenten in Anspruch nehmen. Mithilfe von besonders fähigen Agenten kann man bessere Spieler zu günstigeren Preisen erhalten. Außerdem kann man durch die Kombination von mehreren geschickten Agenten Elitespieler verpflichten. Doch natürlich kosten diese Agenten Spielgeld, welches man durch erfolgreiches Absolvieren von Matches erhält. Diese Matches sind zu Beginn noch sehr einfach, werden jedoch im Verlauf des Modus immer schwieriger.

Weiterhin kann man verschiedene Trainer aus der realen Welt verpflichten, welche jeweils ihren eigenen taktischen Stil besitzen. Besonders interessant ist, dass die Fußballspieler besser spielen, wenn ihr Stil zur Taktik des Trainers passt. Doch es ist fraglich, ob es immer weiter Spaß macht, gegen irgendwelche Fantasie-Mannschaften ohne Persönlichkeit oder Vereinsgeschichte zu spielen.

Weiterhin gibt es einen „Werde Zur Legende“-Modus, in dem man einen eigenen Spieler erstellt und – wie der Name schon vermuten lässt – diesen zu einem Elite-Spieler ausbildet. Wer also schon immer mal Top-Torjäger beim FC Bayern München sein wollte, kann hier seinen Traum ausleben. Natürlich hat Konami auch zahlreiche Online-Modi eingebaut, mit denen man auf verschiedenste Weisen gegen Spieler aus der ganzen Welt antreten kann. Wer selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gegen den Computer problemlos gewinnt, wird daher nur Online auf ebenbürtige Spieler treffen.

Ein glanzloses Unentschieden

Live-Updates werden auch geboten.

Live-Updates werden auch geboten.

Am wichtigsten ist aber natürlich das Gameplay dieser Fußballsimulation. Leider kann Pro Evolution Soccer 2015 bei diesem Aspekt nicht ganz punkten. Die Grundmechaniken des Spiels funktionieren passabel und können für einigen Spielspaß sorgen. Besonders aufregend sind die Dribbelfähigkeiten der verschiedenen europäischen Elite-Spieler, doch das richtige Fußballfieber kocht nur selten auf. Die Steuerung der Spieler ist zu unkontrolliert und ungenau. Im Vergleich zur FIFA-Reihe fallen daher einige Defizite auf. Die CPU der Mitspieler agiert nicht so, wie die eigene Spielweise es verlangt. Die Laufwege der eigenen Mitspieler sind nicht die, die ein Champions-League-Spieler wählen würde. Es fehlt an der taktischen Finesse, die man aus der Liga kennt.

Die Präsentation des Spiels kann diese Defizite leider auch nicht wettmachen. Im Gegensatz zur direkten Konkurrenz bei EA kommt nie so eine wirkliche Stadionstimmung auf. Die Fußball-Arenen wirken kahl und leblos, was durch ein verpixeltes Publikum und eine müde Sound-Kulisse nicht verbessert wird. Weiterhin ist die Präsentation der Übertragung des Spiels nicht realistisch genug. Als Besitzer einer PlayStation 4 würde man sich über eine realistische Berichterstattung vor und nach einem Spiel freuen.

Weiterhin ist auch die sonstige Grafik des Spiels nicht zufriedenstellend. Man erkennt zwar die digitalen Modelle der Fußballspieler an ihren Gesichtern, doch lebendig wirken sie nicht. Das macht – wie bei so vielen Aspekten – die FIFA-Reihe leider besser. Leider ist das Spiel von einigen merkwürdig langen Ladezeiten geplagt, die die Spielfreude vermindern. Immerhin wird die Menü-Führung durch einen modernen und hippen Soundtrack untermalt, zu dessen Interpreten Bands wie „Bastille“ und „Linkin Park“ zählen.

Fazit

Um die Frage aus der Einleitung zu beantworten: Nein, Konami schafft es in diesem Jahr leider nicht, die FIFA-Reihe vom Thron der Fußball-Simulationen zu stoßen. Zu viele Defizite beim Gameplay und der Präsentation verhindern, dass richtiger Fußball-Spaß aufkommt. Zwar können einige der vielen Modi Spieler langfristig unterhalten, doch beim direkten Konkurrenten FIFA erhält man einfach ein besseres Gesamtpaket. Doch das Grundgerüst steht zumindest bei Konami und kann unterhalten. Wenn man weiter an Gameplay und Präsentation arbeitet, können die Japaner in zwei oder drei Jahren vielleicht einen FIFA-Killer produzieren.

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Gameplay: Spaßiges Dribbling, aber zu wenig Taktik im Gameplay. Fehlerhafte Mitspieler-KI.

Grafik: Mangelhafte Stadion-Atmosphäre, akzeptable Spieler-Modelle.

Sound: Moderner Soundtrack, aber müde Sound-Kulisse.

Sonstiges: Viele interessante Modi, aber merkwürdig lange Ladezeiten.