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Im Test! Ragnarok Odyssey Ace

Ein wenig überraschend kam die Ankündigung von Ragnarok Odyssey Ace für den europäischen Markt. Zwar war schon seit Ende 2013 bekannt, dass die PlayStation 3 und die Vita mit dem Action-RPG bedacht werden, aber in weniger als zwei Wochen bestätigte man einen Release-Termin und brachte das Spiel in den hiesigen Handel, der in diesem Fall aus dem PlayStation Network besteht.

Ragnarok Odyssey Ace ist die Erweiterung von Ragnarok Odyssey, welches exklusiv für die Vita im Jahre 2012 in Japan erschienen ist und bietet mehr Monster, Dungeons, Items und vieles mehr. Das Original hatte seiner Zeit mit durchwachsenen Kritiken zu kämpfen. Schaffen es die Erweiterungen nun, das Spiel aus der Mittelmäßigkeit zu holen? Die Antwort ist: Nein!

Die Story von Ragnarok Odyssey Ace ist einzigartig. Insgesamt 30 Stunden verbringt man mit den „Storyquests“ auf der Suche nach etwas ganz bestimmtem, nur um am Ende festzustellen, dass man es niemals finden kann. Dabei handelt es sich selbstverständlich um die Story selbst. Denn diese ist weder vorhanden noch angedeutet. Klar, hier und da sind einige bekannte, japano-stereotypische Charaktere, wie die königstreue Kriegerin und das Hausmädchen, aber nichts was diese zu sagen haben führt den Spieler zu einem großen Ziel.

Kämpfen, töten, sammeln, bauen: 24/7
Kämpfen, töten, sammeln, bauen: 24/7

Vielmehr lässt sich das Spiel in folgenden Worten zusammenfassen: „Da sind Monster, töte sie! Sammle Items, baue damit!“ Dahinter steckt weder viel Sinn noch ein höher gestecktes Ziel, aber genau das hat dieses Spiel dringend nötig. Betrachtet man sich die Gesamtspieldauer von über 60 Stunden wird schnell klar, dass hier Inhalt benötigt wird, um die Motivation weit oben zu halten. Und eben diese Motivation hätte eine spannende Story bieten können, besonders da Ragnarok Odyssey an die nordische Mythologie angelehnt ist. Aber hier wird vergebens gesucht. Damit haben sich die Entwickler von Game Arts keinen Gefallen getan.

Ragnarok Odyssey Ace ist sowohl für die PlayStation 3 als auch für die PlayStation Vita zu haben. Zwischen den Versionen gibt es keine nennenswerten Unterschiede, bis auf einen: Die Grafik. Auf dem kleinen Bildschirm der Vita wirken die Welten und Charaktere wesentlich schärfer. Die Farben strahlen und der typische Ragnarok Online-Charme kommt ab und zu mal heraus. Somit haben die Entwickler auf der Vita ein weitaus runderes Bild gezaubert als auf der PlayStation 3. Bei dieser scheint es so, als hätten sie einfach die Vita-Version genommen und so lange am Bild gezerrt, bis es auf einen großen Bildschirm passt.

Schwammige und hässliche Texturen sind an allen Ecken und Enden zu finden. Leichte Slowdowns und Kantenflimmern stehen auch auf der Tagesordnung. Bei der Portierung wurde nur sehr wenig Sorgfalt an den Tag gelegt. Auch beim Design wurde nicht viel Zeit und Kreativität investiert. Die Umgebungen sind fade, eintönig und kommen nicht annähernd an die Konkurrenz heran, die in diesem Fall aus Monster Hunter, God Eater und Soul Sacrifice besteht. Flache Wiesen wechseln sich mit glatten Steinen und inspirationslosen Gebirgen und Höhlen dauerhaft ab.

Wer die Wahl hat greift zur hübscheren Vita-Version!
Wer die Wahl hat greift zur hübscheren Vita-Version (US)!

Auf der Vita wird zwar noch ab und zu dank strahlenden Farben und schärferen Umgebungen eine schöne Atmosphäre geschaffen, aber was dem Design den endgültigen Todesstoß verpasst ist Tatsache, dass man jeden Ort bis zum Umfallen wieder besucht. In kürzester Zeit wandert man durch identische Dungeons und metzelt die selben Gegner immer und immer wieder. Wer die „Story“ oder wirklich jeden Quest abschließen möchte, braucht eine gehörige Portion Geduld, die weit über dem liegt, was einem Spieler zugemutet werden sollte.

Beim Monster- und Charakterdesign sieht es ähnlich aus. Zwar haben beide Designs einige schöne Akzente, aber im großen und ganzen liegt man auch hier meilenweit hinter der Konkurrenz. Zu Beginn des Spiels kann man sich aus einer überschaubaren Anzahl von Frisuren, Gesichtern und Körpern den eigenen Charakter zusammenstellen. Was diese Charaktere jedoch von denen eines Monster Hunters unterscheidet, ist der eigene Ragnarok-Stil. Schräge Frisuren, Kulleraugen und einiges an Abstrusem wird geboten um ein Japano-Individuum zu erschaffen. Luft nach oben ist aber noch mehr als genügend da.

Im Laufe des Spiels bekommt man immer wieder neue Ausrüstung, die der Charakter anlegen kann. Hier hätte man sich ebenfalls etwas mehr Mühe geben können. Die Rüstungs-Designs sind oft inspirationslos und nach dem Ablegen sofort vergessen. Was jedoch beeindruckend aussieht sind die Waffen, mit denen die Charaktere kämpfen. Gigantische, bunte Schwerter, komplex verzierte Bögen und fette Drill-Hämmer stehen auf der Tagesordnung und wissen zu begeistern.

Design von Mensch und Monster könnte zum größten Teil besser sein.
Design von Mensch und Monster könnte zum größten Teil besser sein.

Leider ist das bei weitem nicht genug. Auch am Monsterdesign hätte man mehr arbeiten sollen. Den Großteil seiner Spielzeit verbringt man damit, 08/15-Monster zu besiegen und das wie am Fließband. Nur selten gibt es schönere Feinde und nur ganz selten gibt es gigantische Bossgegner, die das Highlight von Ragnarok Odyssey Ace darstellen. Sie sind groß, schön designt und heben sich eindeutig von der Masse ab. Es macht einfach Spaß gegen diese Gegner zu kämpfen und sie nach einem langen, harten Kampf zu Boden stürzen zu sehen.

Generell ist das Visuelle bei weitem nicht das, was es hätte sein können. Weder der einzigartige Charme von Ragnarok Online, noch das schöne Design der MMO-Vorlage spiegeln sich in diesem Spiel wieder. Einige Male blitzen diese zwar auf, aber ansonsten ist das Ergebnis sehr enttäuschend.

Soundtechnisch spiegelt sich das Bild der Grafik wieder. In Sachen Musik wissen einige Kompositionen von Kumi Tanioka zu überzeugen und teilweise auch zu begeistern, aber oftmals hat man sich auch im Ton vergriffen und auf Dauer stört man sich an einigen Musikstücken. Dieses Problem kann zwar dadurch umgangen werden, wenn man die Lautstärke auf Null reduziert, aber das ist auch nicht der Sinn der Sache. Die Effekte im Kampf und im Feld sind ebenfalls durchwachsen. Zwar stört man sich an diesen nicht besonders, aber herausragend oder zumindest organisch wirken diese auch nicht.

DAs Gameplay macht Spaß, aber leider nicht annähernd so lange wie das Spiel dauert.
Das Gameplay macht Spaß, aber leider nicht annähernd so lange wie das Spiel dauert.

Nun zum Löwenanteil, dem Gameplay. Wie bereits mehrfach erwähnt lehnt sich Ragnarok Odyssey Ace an Spielen wie Monster Hunter an. Man trifft in der Stadt auf Personen, die Quests anbieten, die darin bestehen entweder eine bestimmte Anzahl von bestimmten Monstern zu töten, oder Items zu sammeln, auf deren Weg man Monster tötet, oder die man nur bekommt, wenn man bestimmte Arten von Monstern tötet. Viel mehr wird nicht geboten. Man tötet sich durch einen Haufen Monster, bekommt Items und Materialien und daraus macht man sich neue Rüstungen, um stärkere Monster bekämpfen zu können und so weiter. Also hat man sich nicht allzu weit von seinen MMO-Wurzeln entfernt.

Ebenso wie bei einem MMO bietet Ragnarok Odyssey Ace einen Koop-Modus. Hier kann man mit seinen Freunden zusammen große Monster bekämpfen. Zwar geht das auch mit KI-Kameraden, aber diese sind nicht besonders intelligent. Wer die Chance hat, sollte auf jeden Fall mit menschlichen Partnern spielen. Diese Zusammenarbeit kann nämlich anders als das eigentliche Spiel länger bei Laune halten. Denn bei einigen Gegnern ist Teamwork gefragt und zusammen macht einfach alles mehr Spaß. Interessantes Extra: Es wird Cross-Play und Cross-Save geboten. Also kann man auch auf der Vita mit Freunden spielen, die an der PlayStation 3 sitzen. Und Speicherstände kann man auch von einem zum anderen problemlos übertragen.

Anders als bei der Konkurrenz geht es hier sehr japanisch zu.
Anders als bei der Konkurrenz geht es hier sehr japanisch zu.

Bevor man in die Monster-verseuchte Welt geworfen wird, muss man, zusätzlich zum Aussehen, auch den Kampfstil wählen. Hier stehen nun sechs Klassen zur Auswahl. Darunter Klassiker wie Krieger, Magier, Hunter. Je nach dem, für was man sich entscheidet, wird die Hauptwaffe und die wenigen einzigartigen Fähigkeiten eines Charakters bestimmt. Mal unterscheiden sich die diese mehr und mal weniger. Aber wenn man die Nase voll von seiner Wahl hat, dann macht es Game Arts einem ganz leicht. Die Klasse lässt sich nämlich im Laufe des Spiels nach Belieben ändern. Die Überlegung, die hinter dieser Möglichkeit steht, ist durchaus nachvollziehbar, aber die Fähigkeit, diese nach Belieben und zu jeder Zeit zu wechseln, nimmt ihnen das Besondere und man verliert schnell die Lust mit einer Klasse das Maximum zu erreichen.

Das Kampfsystem an sich ist simpel und lädt, besonders bei den Nahkampf-Klassen, zu heftigem Button-Mashing ein, was leider ziemlich oft zum Erfolg führt. Zu Beginn macht es noch Spaß, sich durch die Monsterhorden zu schnetzeln, aber die Luft ist bereits nach kurzer Zeit draußen. Taktik und genaues Nachdenken ist nur bei den großen Bossgegnern gefragt und das ist viel zu selten. Und die oben genannte essentielle Motivation wird seltsamerweise komplett aus diesem Spiel genommen.

Was treibt einen Spieler dazu, Hunderte von Stunden in einem Spiel zu verbringen und sich zu Tode zu grinden? Das Levelsystem. Die Zahl, die neben einem Charakter steht. In Fast allen MMOs verbringt man Tage über Tage damit, Monster zu töten um ein neues Level zu erreichen, neue Orte zu besuchen und neue Fähigkeiten zu erlernen. Bei Ragnarok Odyssey Ace entreißt man das Herzstück dieses Gedankens. Es wird komplett auf ein Levelsystem verzichtet.

Motivation, motivation, motivation...so müsste eigentlich das Motto von RO lauten.
Motivation, Motivation, Motivation… so müsste eigentlich das Motto von Ragnarok Odyssey lauten.

Man kämpft und tötet sich durch unzählige Monster und bekommt nur Items. Keine Erfahrungspunkte oder Ähnliches. Dieser wichtige, belohnende Faktor gibt einem Spiel die nötige Motivation um weiterzuspielen. Und diese Motivation fehlt hier gänzlich. Einzig und allein durch sehr rare Bosskämpfe, stärker werdende Rüstungen und die sogenannten ACE-Karten, mit denen man seine Rüstung essentiell verbessert, kann man seinen Charakter verstärken und das ist bei weitem nicht genug.

Außerdem reihen sich noch eine weitere Anzahl von Problemen in die Gameplay-Linie. Die Kamera und das Lock-On-System. Beide tun nicht das, was sie eigentlich sollten. Die Kamera driftet oft an Orte, die für das Geschehen am unpraktischsten sind und das Zielsystem verhindert präzises Angreifen, besonders wenn man sich gegen Horden von Monstern stellt und eigentlich ein anderes Monster im Visier hat. Hier ein guter Rat: Einfach darauf verzichten!

Ragnarok Odyssey Ace funktioniert leider nicht so wie es eigentlich sollte. Es wurden viele fragwürdige Design-Entscheidungen getroffen, allen voran das Auslassen eines Levelsystems. Zudem wird sich nicht an der reichen Vielfalt der Marke Ragnarok bedient, was dem Spiel sehr gut getan hätte. Grafisch kann es sich nur auf der Vita sehen lassen und selbst auf dem kleinen Handheld hat man bereits besseres gesehen. Design und Sound halten sich ebenfalls auf einem mittelmäßigen Niveau. Wer ein Faible für Monster Hunter hat, einen ernsten Ton und düstere Designs nicht mag, der kann Ragnarok Odyssey Ace gerne eine Chance geben. Besonders, wenn man mehrere Freunde hat, welche diese Vorlieben teilen. Aber all jene, die nicht mit dem Monster Hunter-Prinzip warm werden, sollten einen großen Bogen um dieses Spiel machen.

Story: Nicht vorhanden. Geh in die Welt, töte und sammle. Das fasst es ungefähr zusammen. Schade, denn eine gute Story kann über Stunden motivieren.

Grafik: Auf der Vita, wird ein rundes, buntes Bild gezaubert, das man sich gerne ansieht. Auf der PS3 hingegen wird dieses kleine Bild auf einen großen Bildschirm gezwungen, das geht gar nicht. In Sachen Design ist ebenfalls noch meilenweit Luft nach oben.

Sound: Soundeffekte sind Mittelmaß und der Soundtrack hat Höhen und Tiefen. Wobei die Tiefen ganz schwer ins Gewicht fallen.

Gameplay: Repetitive Missionen. Töten, sammeln, bauen, töten, sammeln, bauen, töten, sammeln, bauen. Zu Beginn noch spaßig, aber nach kurzer Zeit sinkt die Motivation auf Null und das bei über 60 Stunden Gesamtspielzeit. Dazu kommt ein unausgereiftes Kampfsystem, dessen Kamera und Zielsystem die größten Feinde im Spiel sind.

Sonstiges: Monster Hunter und Co. machen dasselbe, nur sehr viel besser und spektakulärer. Der Japano-Charme wird zwar nur hier geboten, aber ob das genug ist, muss jeder Spieler für sich entscheiden. Wer sich dafür entscheidet mit Freunden zu spielen, der hat auf jeden Fall mehr Spaß daran.