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Im Test! Tekken Tag Tournament 2

Mit Tekken Tag Tournament 2 geht eine der bekanntesten Fighting-Serien in eine neue Runde. Fast drei Jahre mussten Tekken-Fans hierzulande auf einen neuen Ableger warten und bekommen jetzt zunächst ein Spin-Off präsentiert. Ist es also nur ein Spiel für eingefleischte Fans oder erwartet uns hier ein echter und würdiger Nachfolger? Wie sieht der Story-Modus aus und können auch Neulinge mit diesem Teil in die Tekken-Serie einsteigen?

Round one: Fight!

Tekken Tag Tournament 2

Wie bereits im namentlichen Vorgänger Tekken Tag Tournament vor zwölf Jahren, aber auch in Spielen wie der ‘Capcom vs.’-Reihe und Dead or Alive steigt man bei Tekken Tag Tournament 2 nicht alleine in den Ring. Das ist zwar auch möglich, allerdings ist der Kampf mit zwei Kämpfern gegen zwei weitere doch die schönste Veränderung zur Hauptserie. Will man doch lieber alleine in den Kampf ziehen, kann man mehr Schläge einstecken und wiederum auch kräftiger austeilen. Der eigentliche Sinn hinter dem Begriff “Tag” ist jedoch der Team-Gedanke. Steigt man gemeinsam in den Ring, kann man zwischen den beiden gewählten Kämpfern hin und her wechseln und jeder hat seine eigene Lebensanzeige. So kann man clever taktieren und gelegentlich den Spieler wechseln.

Hat man beispielsweise ein paar Schläge und Tritte kassiert, leert sich logischerweise der Lebensbalken immer mehr. Allerdings verschwindet er nicht mit jedem Schlag direkt, sondern färbt sich zu einem gewissen Teil auch immer rot ein. Geht also die Energie eines Kämpfers zur Neige, kann man ihm eine Pause gönnen und mit dem zweiten weiterkämpfen. In dieser Zeit regeneriert sich der rote Bereich des ausgewechselten Spielers, während der andere möglichst lange weiterkämpft, um Zeit zur Erholung zu verschaffen. Ein Wechsel bietet sich außerdem an, wenn die Energieleiste des Partners aufleuchtet (“Zorn”). Das passiert vor allem dann, wenn der andere gerade so richtig vermöbelt wird. Als Ausgleich hat der eingewechselte Kämpfer nun einen kurzzeitigen Stärkeschub und teilt mehr Schaden aus.

Das alleine ist aber noch nicht alles, denn die Tag-Kombos ermöglichen es jetzt auch, dass beide Kampfpartner gleichzeitig auf dem Bildschirm sind und in einer Kombo auf den Gegner einschlagen oder wahlweise -treten. Auch Würfe lassen sich mit dem Partner in sogenannten “Tag throws” abstimmen, um den Gegner gemeinsam zu Fall zu bringen. Gerade Neulinge lassen sich durch solche Moves beeindrucken, die aber nicht schwer zu verinnerlichen sind. Zwei bis drei Tasten gleichzeitig drücken genügt um solch eine Kombo einzuleiten.

Tekken Tag Tournament 2

Etwas, das bei der Sache wirklich richtig schade ist, aber so auch schon im Vorgänger zu finden war, ist die Tatsache, dass der Kampf direkt vorbei ist, wenn die Lebensleiste eines der beiden Kämpfer geleert wurde. Alleine weiterkämpfen ist nicht möglich, sondern die Runde ist verloren. Gerade Liebhaber von Dead or Alive oder den ‘Capcom vs.’-Spielen könnten sich daran stören. Man kann dies auch in den zahlreichen Menüs nicht einstellen, lediglich im Team-Modus kann man auch weiterkämpfen, selbst wenn der Partner zu Boden geht. Online und im Arcade-Modus ist dies aber leider nicht möglich. Den Spielspaß trübt diese Tatsache jedoch in keiner Weise, sondern erfordert einen noch genaueren Blick auf den Lebensbalken und lässt einen um die einzelnen Kämpfer zittern, wenn sie gerade in einer Kombo-Reihe verprügelt werden.

Aller Anfang ist höllisch schwer!

Wer noch nie ein Tekken gespielt hat, sollte auf keinen Fall direkt online gehen. Selbst wenn ein Mut machendes “Beginner” beim Gegenüber aufleuchtet, hat das nicht zu bedeuten, dass da ein Anfänger in den Weiten des Internets das Gamepad in der Hand hält. In den meisten Fällen sitzen geübte Zocker daran, die womöglich schon zehn Kämpfer auf das höchste Level gespielt haben und sich nun entschieden haben, mit einem anderen Charakter zu spielen. Selbst lokal im Arcade-Modus werdet ihr schnell an eure Grenzen stoßen. Der erste Gang sollte daher also ins Kampflabor gehen.

In diesem bekommt ihr in einem sehr gut gemachten, abwechslungsreichen, sehr witzigen und natürlich überzogenen Tutorial samt eigener Story alles Nötige erklärt, was ein Frischling wissen muss. Ihr spielt hierbei den Roboter “Combot”, der zur Marktreife gebracht werden will und dank eines Zwischenfalls nochmal sämtliche Bewegungsabläufe studieren muss. Eingeleitet mit von Hand gezeichneten, aber animierten Zwischensequenzen und fetziger Musik, die Lust auf mehr macht, übernehmt ihr die Kontrolle und startet euer Training:

Tekken Tag Tournament 2

Angefangen bei wirklich banalen Steuerungsmanövern, hin zu wichtigem Know-How über hohe, mittlere und tiefe Schläge/Tritte, vorbei an Link (aus Zelda) ähnlichen Superhelden zu denen ihr euch den Weg vorbei an Minen bahnen müsst, bis hin zu den großen Kombos ist hier alles dabei. Auch wenn ein dicker Japaner mit Kopf voraus aus dem Nichts erscheinen sollte und euch Schaden zufügt, solltet ihr euch nicht wundern. Das gehört alles dazu und macht das Training so witzig. Auf dem Weg zum ultimativen Kampfroboter sammelt ihr außerdem Geld und Schraubenschlüssel, mit denen ihr Combot mit immer mehr Kombos aller zur Verfügung stehender Kämpfer ausrüsten könnt. Je besser ihr einen Abschnitt absolviert, desto mehr Moves werden euch zur Auswahl gegeben.

Jedes Ende hat eine Story?

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: TTT2 hat keine echte Story. Eine sinnvolle Story rund um die angekündigten 59 Charaktere (aktuell 49 plus zwei weitere per DLC, wenn man vorbestellt hat) zu zimmern, wäre wohl schlicht unmöglich. Zudem treffen hier mehrere Generationen (tot oder lebendig) aufeinander und man hat die freie Auswahl aus allen einst als “Klon” erschaffenen Charakteren (zum Beispiel Eddy/Christie/Tiger, Baek und Hwoarang) sowie einer Horde Mitglieder der Mishima-Kazama-Sippe. So bekommt man die größte Anzahl an Kämpfern geboten, die es je in einem Tekken Spiel gab. Diese sind auch sofort von Anfang an verfügbar, was einem das Freischalten abnimmt. Schade.

Dafür bekommt man für jeden Charakter, mit dem man den Arcade-Modus beendet hat, ein Endvideo geboten, das man sich auch immer wieder in der Video-Galerie anschauen kann. Diese sind gewohnt abgedreht und teilweise sehr schräg und bieten genug Anreiz, mit jedem Charakter den Arcade-Modus durchzuspielen. Dies ist für Anfänger jedoch gar nicht so leicht zu schaffen. Es erfordert schon eine gehörige Portion Können, die vier Final Stages zu bewältigen, die leider immer genau gleich sind. Hat man es aber geschafft und bekommt ein durchgeknalltes Video zu sehen, schmeckt der Sieg gleich noch süßer; außerdem lassen sich so neue Gegenstände freischalten, mit denen ihr eure Kämpfer ausrüsten könnt.

Auf’s Maul?

Den wahren Ruhm erlangt man aber wohl nur online. Dort kann man sich auch direkt in ein schnelles Spiel gegen einen menschlichen Gegner stürzen. Während nach einem passenden Gegner mit passender Internetverbindung gesucht wird, kann man noch ein wenig am Dummy (Mokujin) an seinen Moves feilen, bis schließlich der Kampf losgeht. Das kann schon mal einige Zeit dauern und ab und zu schlägt die Verbindung leider auch fehl. Zwar ohne, dass der Kampf überhaupt geladen wurde, aber logischerweise beginnt nun die Suche nach einem Mitstreiter von vorne. Die Kämpfe selbst gestalten sich aber extrem flüssig und komplett lag-frei. Dafür nimmt man eine etwas längere Suche doch gerne in Kauf.

Gewinnt man den Kampf sogar, ist dies eine schnelle Art um Geld zu verdienen, das man benötigt um neue Kleidungsstücke für seinen Charakter zu kaufen. Aber auch wenn man verliert, bekommt man ein wenig Trostgeld spendiert. Gelegentlich erscheint (wie auch im Arcade-Modus) aber auch eine “Lucky Box”, die euch mit etwas mehr Geld entlohnt. Damit lassen sich aber nicht nur Kleidungsstücke erwerben, sondern auch ganz neue, mehr oder weniger ernstzunehmende Waffen, die sich dann auch durch eine Tastenkombination benutzen lassen.

Tekken Tag Tournament 2

Ihr wolltet schon mal mit einer Handgranate euer Gegenüber wegsprengen oder mit Pistole, Ananas, Tulpe oder Messer eurem Feind zu Leibe rücken? Alles kein Problem! Eure Kämpfer lassen sich sogar soweit verfremden, dass es für ungeübte Spieler schwer sein könnte, zu erkennen, gegen wen man gerade kämpft, auch wenn die Charakter-Portraits vor dem Kampf gezeigt werden. Das Anpassungsmenü ist etwas umständlich und mit langen Ladezeiten verbunden, bringt aber trotzdem Spaß und lässt eure Lieblingscharaktere auch online in neuem Glanz erstrahlen.

Egal ob Sieg oder Niederlage, lokal oder online, ihr habt immer die Möglichkeit euch eure Kämpfe noch einmal als Replay anzuschauen. Erstaunlich viele Wiederholungen stehen euch hierbei noch weit in die Vergangenheit zur Verfügung, ihr könnt aber auch die ganz wichtigen gesondert abspeichern.

Ansonsten kann man online natürlich einen Blick auf die Bestenliste werfen. Will man in dieser auch einmal selbst vertreten sein, führt kein Weg an den Ranglistenspielen vorbei, bei denen es hart zur Sache geht. Hierfür sollte man schon einige Kombos verinnerlicht haben, um nicht selbst das Opfer selbiger zu werden.

Fazit

Tekken Tag Tournament 2

Tekken Tag Tournament 2 bietet ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten und wird Fans der Reihe nicht enttäuschen. Das Kampfsystem ist fordernd und geht gut von der Hand. Neulinge bekommen aber leider so gut wie keine Infos zu all den Charakteren oder der ja durchaus vorhandenen Hintergrundgeschichte. Das schmälert den Prügelspaß allerdings nicht, vor allem wenn man sich mit einem oder sogar bis zu drei Freunden lokal den Schädel einschlägt.

Alleine kann der Arcade-Modus selbst auf “leicht” schnell zum Geduldstest werden und so ist es um so erfreulicher, dass mit Combot ein unterhaltsames Tutorial integriert wurde. Zwar kann man keine Charaktere freischalten, was bedauerlich ist, dafür gibt es jedoch Gegenstände aller Art freizuspielen, mit denen man seinen Lieblingskämpfer ausrüsten kann. Das ist alles in allem etwas umständlich gelöst, aber einmal abgespeicherte Outfits sind dafür sofort abrufbar. Wer online mithalten will, sollte sehr viel Zeit zum Üben übrig haben, denn auch hier verliert man ungeübt sehr viele Kämpfe. Das kann für Anfänger schon sehr frustrierend sein und man muss sich sprichwörtlich durchboxen. Dafür bleibt es ein echtes Tekken und wird so die Fans der Reihe sehr glücklich machen.