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Im Test! Project Zero 2: Wii Edition

Wenn man euch nach guten Survival-Horror-Videospielen fragt, dann fallen euch sicherlich erst einmal direkt Resident Evil oder Silent Hill ein. Aber wie sieht es mit Project Zero (oder in USA Fatal Frame) aus? Der Entwickler der Spiele-Reihe ist Temco und das Original Project Zero 2: Crimson Butterfly erschien 2004 für die Playstation 2 und 2005 für die Xbox. Doch woran mag es liegen, dass Project Zero neben den anderen Serien etwas untergeht?

Vielleicht liegt es an der Waffe, mit der ihr euch durch die Geschichte schlagt, denn diese macht Project Zero im Survival-Horror Bereich wirklich einzigartig. Ihr kämpft nicht mit Nahkampf-oder Schusswaffen gegen eure Gegner, sondern ihr haltet eine Kamera in den Händen und müsst Fotos schießen, um zu Überleben. Das mag vielleicht im ersten Moment sehr banal klingen, jedoch bemerkt man relativ schnell, wie stark die bedrohliche Atmosphäre dadurch beeinflusst wird. Ob das Remake des PS2-Originals heute immer noch schocken kann oder ob es sich so spannend wie ein Kindergeburtstag spielt, erfahrt ihr nun in unserem Review.

Die Dunkelheit lauert überall…

Friedliche Zeiten für die beiden Schwestern...

Eines Tages begeben sich die beiden Zwillingsschwestern, Mio und Mayu Amakura, in den Wald und wollen noch einmal ihre Heimat besuchen. Diese soll durch den Bau eines Dammes geflutet werden. Die beiden ruhen sich am Wasser aus und versprechen sich gegenseitig im Laufe eines Gesprächs, immer für einander da zu sein. Obwohl Mayu die ältere von beiden ist, nimmt Mio die Beschützerrolle ein, denn Mayu wirkt nicht nur zerbrechlicher, sie hinkt seit einem Unfall aus Kindertagen. Noch immer fühlt Mio sich Schuldig für diesen Zwischenfall und passt seitdem auf ihre Schwester auf. Doch ein purpurfarbener Schmetterling erregt Mayus Aufmerksamkeit.

Mio merkt erst zu spät, dass ihre Schwester dem Schmetterling immer tiefer in den Wald folgt. Da sie auf ihr Rufen nicht reagiert, läuft Mio ihrer Schwester nach, bis die beiden sich in einem verlassenen Dorf wiederfinden. Es ist auf der Landkarte nicht markiert und der Weg nach draußen wird den beiden versperrt. Nun muss Mio sich an ihr Versprechen halten und ihre Schwester zu beschützen. Denn durch ihr Wesen reagiert sie sehr empfindlich auf die spirituelle Welt und ein fremdes Wesen will Besitz von ihr ergreifen. Wird es Mio gelingen, ihre Schwester vor Unheil zu bewahren und einer grausamen Opfer-Zeremonie zu entgehen?

Und niemand hört eure Schreie…

Schockierende Momente für Mio und Mayu.

Sobald ihr das verlassene Dorf betretet, werdet ihr sehr schnell bemerken, dass die düstere Atmosphäre des Spiels durch sehr viele Schock-Momente deutlich geprägt wird. Doch gerade dieser Gruselfaktor macht Project Zero 2: Wii Edition so einzigartig. Selbst harmlose Szenen können ganz schnell ihr Gesicht verändern. So steht Mio vor einem Haus und man sieht Mayus Hand auf ihren Schultern ruhen, bis Mayu an der Kamera vorbeigeht, doch die Hand verbleibt an der Stelle. Also Mio dies bemerkt und sich umdreht, ist natürlich niemand zu sehen. Dies ist nur ein kleines Beispiel, doch im Laufe der Geschichte werdet ihr noch auf viele Szenen stoßen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Anders als im Original seht ihr die Umgebung aus der Third-Person Ansicht, ihr werft immer einen Blick auf Mios Rücken, über die ihr hauptsächliche die Kontrolle habt. Auf der Suche nach einem Weg in die Freiheit erkundet ihr die leerstehenden Häuser, seht in der Ferne verschwommene Gestalten, es ertönen plötzlich Schreie und Gegenstände fallen aus den Schränken, doch keine Menschenseele scheint in diesem Dorf zu leben, ihr seid auf euch allein gestellt und als Ausrüstung dient zunächst nur eine Taschenlampe. Mit dieser kann man nicht nur die dunklen und engen Gänge beleuchten, sondern man entdeckt auch Gegenstände. Liegt ein Gegenstand in eurer Nähe, erscheint ein Gegenständeglühfaden auf eurem Bildschirm und wenn ihr direkt vor diesem steht, könnt ihr ihn aufheben. Jedoch sammelt man die Items nicht einfach auf, man muss die A-Taste solange gedrückt halten, bis Mio den Gegenstand in den Händen hält. Diese lange Prozedur hat den Sinn, dass euch jederzeit dabei eine Geisterhand aus dem Nichts angreifen kann. Lässt man den Gegenstand nicht los, wird Mio von dieser Hand gepackt und verliert kostbare Lebensenergie.

Bitte recht scheußlich lächeln!

Bitt einmal für das Foto lächeln!

Natürlich könnt ihr euch gegen die Geister wehren. Doch hier helfen keine herkömmlichen Waffen gegen die spirituellen Wesen, deswegen kämpft ihr mit der Camera Obscura. Mit dieser macht ihr Fotos von den Geistern, dadurch werden diese Wesen gebannt und verschwinden. Die Kamera zeigt euch mittels des Geisterglühfadens an, ob sich eine Präsenz in eurer Nähe befindet und ob diese freundlich gesinnt ist (blaue Aura) oder ob sie euch angreifen wird (rote Aura). Der Geisterglühfaden besteht aus vier Abschnitten. Dadurch wird euch angezeigt, ob sich die Präsenz vor, hinter oder seitlich von euch befindet. Blaue Erscheinungen geben euch Hinweise auf Rätsel oder es handelt es sich um Geister, die entweder schnell verschwinden oder an der Stelle gebunden sind. Schafft ihr es, von ihnen ein Foto zu schießen, gibt es einen Eintrag in die Geisterliste und Punkte. Dagegen werden euch rote Erscheinungen immer angreifen.

Aktiviert ihr die Camera Obscura seht ihr alles aus der First-Person Ansicht. Kämpft ihr gegen einen Geist, verwendet ihr die Wii-Fernbedienung, um die Kamera zu bewegen. Habt ihr euren Gegner im Sucher, könnt ihr entweder sofort ein Foto machen oder ihr wartet ab, bis sich genug Geisterkraft gesammelt hat, um mehr Schaden zu machen. In besonderen Momenten leuchtet eine Lampe oben am Bildschirm und in diesem Moment könnt ihr ein tödliches Foto (Fatal Frame) schießen. Ein solches Foto macht nicht nur eine Menge Schaden, sondern bringt viele Punkte und lässt einen Kombo zu, mit diesem ihr bis zu zwei weiteren Fotos direkt schießen könnt.

Natürlich bleiben die Geister nicht freundlich stehen und lächeln in die Kamera, ihr müsst ständig in Bewegung bleiben, denn nach einem Foto verschwindet der Gegner und taucht an einer anderen Stelle wieder auf. Schafft es ein Gegner Mio zu packen, müsst ihr die Wii-Fernbedienung und das Nunchuk schütteln, damit ihr euch aus diesem Griff befreien könnt. Dabei müsst ihr schnell reagieren, damit Mio so wenig Schaden wie möglich nimmt. Um die angeschlagene Lebensenergie von Mio zu regenerieren, findet man im Dorf Items, die man mit Bedacht einsetzen sollte.

Und kommt nicht auf die Idee, euch hinter einer Wand zu verstecken! Geister können alles durchdringen und ihr seid nirgendwo sicher. Befindet sich ein Geist direkt in eurer Nähe, leuchtet der Geisterglühfaden besonders stark und die Wii-Fernbedienung vibriert kräftig. Leider fällt hier ein negativer Punkt von Project Zero 2: Wii Edition auf. Natürlich bietet sich die Steuerung per Fernbedienung gerade für das Spiel an. Doch leider hapert es ein wenig an der Umsetzung. Mio kann sich nicht wirklich drehen, wenn sie die Kamera bedient und zudem hakt die Steuerung manchmal, sodass vor allem Kämpfe gegen mehrere Feinde gleichzeitig etwas frustig werden können.

Die Camera Obscura-Euer Freund und Helfer

Verstärkt eure Kamera.

Nur mittels der Kamera seid ihr in der Lage die Geister zu bannen. Dabei ist es wichtig, gute Fotos von euren Gegnern zu machen, denn je besser ein Foto ist, umso mehr Punkte erhaltet ihr dafür. Gute Fotos sind zum Beispiel tödliche Fotos oder Gruppenaufnahmen. Im Laufe des Spiels findet ihr Objektive und Verbesserung, mit denen ihr die Camera Obscura ausrüsten könnt. Ihr könnt bis zu drei verschiedene Objektive anbringen. Diese könnt ihr, wenn ihr einen Gegner anvisiert habt, auslösen, um ihn zu verlangsamen oder einen größeren Schaden zu bewirken. Die Punkte, die ihr nach einem Kampf erhaltet, werden dazu verwendet, die Kamera und die Objektive aufzuwerten.

Zu Beginn habt ihr einen Standardfilm, der zwar unendlich verfügbar ist, jedoch nur eine schwache Bannkraft und eine lange Nachladezeit besitzt. Im verlassenen Dorf werdet ihr immer wieder auf andere Filme stoßen, die unterschiedliche Eigenschaften besitzen, doch nicht unendlich zur Verfügung stehen. Später findet ihr ein Geisterradio, dass zusätzlich zu den Notizen, die im ganzen Dorf verstreut sind, Hinweise gibt, was in diesem Dorf geschehen ist. Findet ihr Erze, könnt ihr diese abspielen. Dann lauscht ihr grausigen Stimmen, die aus der Wii-Fernbedienung ertönen. Leider ist die Qualität schlecht. Zwar sorgt das Rauschen für eine gruselige Atmosphäre, doch man versteht nicht sehr viel. Zum Glück kann man mitlesen, was in der Aufzeichnung gesagt wird.

Eine gruselige Atmosphäre dank Grafik und Sound

In diesen Gängen lauert das Grauen.

Das Intro begrüßt uns mit einer wirklich wunderbaren Grafik. Die Gesichter der Zwillinge, die Umgebung und die Effekte des fließenden Wassers zeugen von einer guten Videoqualität und lassen das Herz eines jeden Wii-Besitzers höher schlagen. Doch nach diesem Intro folgt eine schlagartige Ernüchterung, wenn man die In-Game Grafik sieht. Die Texturen sind sehr verwaschen, manche Stellen wirken sehr verpixelt. Für die Synchronisation wurden britische Sprecher genommen. Für Spiele wie Xenoblade Chronicles oder The Last Story mag das vielleicht noch passen, aber durch die asiatische Umgebung und Namen wirkt diese Tonspur doch etwas fehl am Platz. Die Musik und die Soundeffekte unterstützen die gruselige Atmosphäre des Spiels gewaltig.

Für einen Spieldurchgang benötigt man ca. 10-12 Stunden. Neben der Vervollständigung der Geisterliste, warten neue Schwierigkeitsgrade nach dem ersten Durchgang sowie neue Enden. Zu dem Hauptspielt gibt es noch den Geisterhaus-Modus. Hier gilt es, in verschiedenen Häusern Aufgaben zu erledigen und dabei so wenig Angst wie möglich zu zeigen. Anders als im Hauptspielt bewegt ihr euch automatisch, wenn ihr die A-Taste gedrückt haltet. Mit der Fernbedienung könnt ihr euch umsehen, doch hier stellt sich die paradoxe Spielweise in den Weg. Bewegt ihr das Nunchuk oder die Fernbedienung, wird dies als Angst gewertet.

Je mehr ihr euch bewegt, desto mehr Angst entwickelt sich und überschreitet ihr dabei eine Grenze, seid ihr tot. Während ihr in einem Haus nur durchgehen müsst, schießt ihr in anderen Häusern Fotos oder sucht auf der Flucht nach Gegenständen. Leider drückt die paradoxe Steuerung den Spielspaß, den auch das gemeinsame spielen mit einem Freund, nicht wirklich verbessern kann.

Besitzt ihr das Zeug zum Geisterjäger?

Eines vorweg: Project Zero 2: Wii Edition ist nicht für Leute mit schwachen Nerven geeignet. Während der gesamten Zeit jagt ein Schock-Moment den nächsten, ob Mio nun durch ein Fenster späht und auf einmal ein Geist auftaucht, plötzlich eine Gestalt hinter euch erscheint oder euch durch das Haus jagt, ihr steht immer unter Stress und ihr seid nirgendwo sicher. Doch wer eine gruselige Atmosphäre mag, dem kann ich das Spiel wärmstens empfehlen. Leider trüben die Wehrmutstropfen, wie die verwaschene Grafik und die hakelige Steuerung der Camera Obscura den Spielfluss, aber diese Punkte werden mit einer sehr gut erzeugten Atmosphäre und eine sehr spannende Geschichte entschädigt.

Wii-Besitzer mit starken Nerven können bedenkenlos zugreifen, das Hauptspielt hat eine annehmbare Zeit von ca. 10-12 Stunden, dazu kann man neue Enden sehen, was vielleicht ein Argument für Kenner des Originals ist, die neue Version einmal anzusehen. Der Geisterhaus-Modus ist eine nette Beigabe, aber leider wegen der paradoxen Steuerung nicht viel mehr. Auch wer den ersten Teil der Serie nicht kennt, kann Project Zero 2: Wii Edition spielen, da es sich um zwei verschiedene Geschichten handel, sind keine Vorkenntnisse nötig. Zwar bestehen einige Verwandtschaften, aber man wird die Geschichte gut mitverfolgen können.

 

Story: Es geht um noch mehr, als bloß um die Flucht der Zwillinge aus dem Dorf. Immer mehr wird man die Parallelen zwischen den Zwillingen und des Vorfalls im Dorf entdecken. Nur leider befindet sich ein großer Teil der Geschichte auf Notizen, die überall im Dorf versteckt sind. Daher wird man im ersten Durchgang wohl nicht in den vollen Genuss kommen.

Gameplay: Verwendung der Camera Obscura ist ein besonderes Spielelement, doch leider ist die Umsetzung der Steuerung nicht ganz gelungen. Manchmal klemmt die Steuerung und kann zu Frustmomenten führen. Dafür bietet das Spiel sehr spannende Kämpfe.

Sound: Wunderbare Soundeffekte, die eine gruselige Horror-Atmosphäre noch mehr unterstützen, dabei kommen die Töne und Schreie aus den Lautsprechern und aus der Wii-Fernbedienung.

Grafik: Wunderbare grafisch umgesetzte Cut-Szenen. Die In-Game Grafik wirkt dagegen leider verwaschen.

Sonstiges: Vier verschiedene Spiel-Modi, mehrere Enden und die Vervollständigung der Geisterliste sorgen für eine längere Spielmotivation. Der Zusatz Geisterhaus ist eine nette Beigabe, aber besitzt leider eine paradoxe Steuerung.