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Yoshitaka Amano: Gedanken zur Kunst von Final Fantasy

Über die Jahre haben schon sehr viele Künstler an der Final-Fantasy-Serie gearbeitet. Einer, der euch natürlich sofort einfallen wird, ist Yoshitaka Amano – zeichnet er doch die Logos für jeden Titel. Zudem verdanken wir ihm den einzigartigen visuellen Stil, welcher viele Monster und Charaktere unterscheidet.

GameInformer hatten während des Besuchs bei Square Enix Japan die Möglichkeit, sein Büro zu besuchen, um mit ihm über den Entstehungsprozess, bestimmte Illustrationen und den Stellenwert von Final Fantasy in seiner Kunst zu sprechen. Nachfolgend findet ihr die Gedanken, die Amano dazu mitteilte.

Eldenring Rectangle

Zum Beginn einer neuen Illustration für Final Fantasy:

Die Arbeit beginnt, sobald die Bitten herangetragen werden, es gibt also nicht all zu viele Dokumentationen als Grundlage. Die Informationen, mit denen wir arbeiten müssen, nehme ich und interpretiere sie selbst und versuche, diese einzubauen und kreiere daraus eine Illustration. Natürlich sind Hauptcharaktere sehr wichtig. Selbst, wenn wir in der Entwicklung voranschreiten, ändern sich wichtige Aspekte nicht signifikant.

Zur Illustration von Final Fantasy VI:

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Ich bin mir nicht sicher, ob ich damals entschieden habe, Terra zu nutzen, oder ob dies eine Vorgabe war. Sie war damals allerdings einer der ersten weiblichen Hauptcharaktere der Serie, das war schon prägnant und stach heraus. Damals wurden nur die Silhouetten gezeichnet; heute sieht man die eigentlichen Gesichter und Linien. Zuvor war es grob vereinfacht und änderte sich über die Jahre hin zu Illustrationen.

Zum Kreieren von Kunst, nicht Logos:

Da das Logo zu einem bestimmten Grad monochrom ist, illustriere ich das Logo nicht wirklich. Ich mache es eher so, dass es ein Einzelstück wird. Es macht keinen Spaß, solange wir es nicht kreieren. Unabhängig von der Aufgabe spielt dies eine wichtige Rolle in meinen Augen, wenn ich diese Illustrationen zeichne.

Zu den Illustrationen von Final Fantasy VII und XI:

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Das schwierigste Logo war das von Final Fantasy XI, weil es so viele Charaktere gibt. Es war auf einem riesigen Blatt. Es war also sehr mühsam. Ich muss aber auch Final Fantasy VII erwähnen. Es basierte auf dem Meteor und als ich es mir anschaute, war ich nicht sicher, ob dies die finale Illustration werden würde – ob es Kunst wird. Ich zeichnete viele unterschiedliche Varianten und Konzepte; es gibt nicht viele Fälle, in denen man steinähnliche Objekte immer wieder und wieder zeichnet! Ich war nicht wirklich sicher, ob es gut oder schlecht ist, also sagte ich am Ende “Hier, ihr entscheidet”.

Zum Arbeiten basierend auf Text:

Anstatt Visuals zu erhalten, geht es mehr um textbasierte Informationen wie Alter und die Rolle, die sie spielen. Ich bin kein Character-Designer, sondern ein Illustrator. Es gibt also mehr Fälle, in denen ich basierend auf Text arbeite, welchen ich vom Team bekomme.

Das bringt mich auf etwas, was ich in der Vergangenheit kreiert habe. Es gibt einen Science-Fiction-Roman aus der Perspektive eines Roboters, welcher sich die Menschen anschaut und beobachtet. Im Text gibt es Details über die Menschen. Sticht man sie, bluten sie. Sie haben zwei Augen. Solche Details. Was interessant war, ist, dass sie als schwache, lebende Exemplare dargestellt werden und so etwas kann man basierend auf Text zeichnen… Alles, was im Text geschrieben wird, erweitert deine Vorstellungen wohingegen ein Visual das Ende ist.

Zur Illustration von Final Fantasy XII:

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Damals waren mein Büro und das von Square Enix recht weit entfernt. Vielleicht eine Stunde oder so. Ich zeichnete ein weiteres Stück, während der Stellvertreter von Square Enix auf dem Weg war, um die Stücke abzuholen – und jenes, welches ich in dieser Stunde zeichnete, wurde am Ende gewählt!

Wenn wir Aufgaben bekommen, bedeutet das nicht, dass es das Beste ist, dies formal und genau zu machen. Damals nutzten wir japanische Tinte und sie war wie Wasserfarbe, also hat man diese Pinselstriche. Das ist das Merkmal und der Stil von dieser Illustration. Es hatte diesen zukunftsorientierten Pinseleffekt  und das ist etwas, was nur entstehen kann, wenn es nicht geplant ist. Das war vielleicht das, was damals für Final Fantasy XII von Nöten war und kam als etwas Erfrischendes herüber. Manchmal geht es also nicht um das Folgeleisten; Dinge kommen manchmal spontan.

Zur Beständigkeit der Final-Fantasy-Serie:

Einfach gesagt, sind der Markenname Final Fantasy und seine Geschichte das, was alles verbindet. Es ist wie eine Modemarke; wer auch immer der Designer ist, Louis Vuitton und Gucci sind immer noch Louis Vuitton und Gucci. Jeder, der einem Final-Fantasy-Projekt beitritt, tritt dem Namen bei und es ist deren Aufgabe, bei der Entwicklung und beim Wachsen zu helfen. Sie sind also ein Teil davon, die Geschichte fortzuführen und helfen, dass es sich weiterentwickelt. Es ist die Verantwortung von jedem Einzelnen, die die Möglichkeit haben, ein Teil zu sein. Final Fantasy selbst ist also wie eine Art lebendes Wesen.

Zur Illustration von Final Fantasy IV 3DS:

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Das wurde für die Portierung neu geschaffen. Es war kein Konzept, das vom Original existierte. Diese Illustration ist eine, die ich gezeichnet habe, aber die Designer bei Square Enix haben das Bild und das Logo zusammengefügt. Jedes Mal, wenn ich es anschaue, sieht es so cool aus. Die Designer haben einen sehr guten Job beim Zusammenfügen gemacht. Das war ursprünglich Kunst mit Tinte, aber nun gibt es etwas Rot – dies wurde vom Designer gemacht. Die Farbgebung ist sehr cool. Ich persönlich mag diese dunklen, Boss-artigen Charaktere und gehe eher in diese Richtung von Illustrationen. Es ist eine Form, die ich sehr mag.

Zu seiner Reaktion über die angepasste Illustration von Final Fantasy XV:

Amano (Mitte rechts) trifft sich mit Square Enix für eine Illustration zum "Uncovered: Final Fantasy XV"-Event einschließlich Final-Fantasy-XV-Director Hajime Tabata (ganz rechts)
Amano (Mitte rechts) trifft sich mit Square Enix für eine Illustration zum „Uncovered: Final Fantasy XV“-Event einschließlich Final-Fantasy-XV-Director Hajime Tabata (ganz rechts)

Den Eindruck, den ich hatte, war “Oh, es wird nach all dieser Zeit endlich realisiert”.

Die Auswirkungen von Final Fantasy auf seine Karriere:

Als Erstes ist es das, wodurch ich berühmt wurde! [lacht] Ich habe viele verschiedene Arbeiten gemacht, aber selbst bei meinen persönlichen Arbeiten geht es auf mich als Artist zurück. Wenn ich darüber nachdenke, was für mich als Artist wichtig ist, fallen mir die Stücke ein, die ich für Final Fantasy kreiert habe.

Es gibt ein interessantes Buch, welches die moderne Kunstgeschichte von Japan zeigt und eins meiner persönlichen Stücke befindet sich darin. Man kann mehrere bekannte Final-Fantasy-Charaktere und Illustrationen sehen.

Daher ist Final Fantasy in meiner Karriere sehr wichtig. Nicht nur als Name, sondern in Bezug auf visuelle Stücke und Ausdruck von Kunst. Schaut euch zum Beispiel Andy Warhol an, wie er Marilyn Monroe nutzt oder andere berühmte Leute als Ausdruck von Kunst – für mich treten diese Charaktere als mein eigener Ausdruck in meiner persönlichen Kunstform hervor.

via GameInformer