Im Test! Harvest Moon: Dorf des Himmelsbaumes

Mit Harvest Moon: Dorf des Himmelsbaumes bringt Natsume erneut im Alleingang einen Ableger der Serie in den Handel. Lohnt sich ein Blick für die Farmer?
Titel Harvest Moon: Dorf des Himmelsbaumes
Nordamerika 8. November 2016
Natsume
Europa 2. Juni 2017
Rising Star Games
System Nintendo 3DS
Getestet für Nintendo 3DS
Entwickler Natsume
Genres Simulation
Texte
Japan Nordamerika 

Nachdem Harvest Moon: Das verlorene Tal bei den Fans der Harvest-Moon-Serie keine Begeisterung auslösen konnte, folgt nun ein weiterer Titel aus dem Haus Natsume. Mit Harvest Moon: Dorf des Himmelsbaumes versucht die Firma abermals, die Elemente der Farmsimulation und Terraforming miteinander zu verbinden.

Seitdem Natsume ohne Beteiligung des Originalentwicklers Marvelous seine eigenen Spiele aus der Reihe gestaltet, haben sich aus der ursprünglichen Idee zwei Serien entwickelt. Marvelous vertreibt über die eigene Tochter XSEED unter der Bezeichnung Story of Seasons die produzierten Titel. Im ersten Versuch scheiterte Natsume, denn viele Sachen störten die Fans. Wie wirkt das zweite Projekt auf uns?

Erreicht Natsume die gewohnte Qualität, die wir aus der ursprünglichen Serie kennen oder vergrößert sich die Kluft auf einen Abstand bis zum Himmel? Wir haben Harvest Moon: Dorf des Himmelsbaumes für euch getestet.

Das verdorrte Land der Erntegöttin

Früher war das Dorf des Himmelsbaumes ein fruchtbares Land. Die Leute waren zufrieden und vielleicht von dem Glück über die erfolgreichen Ernten zu sehr verwöhnt. Sie hörten auf, an die Gunst der Erntegöttin zu glauben. Dieser Vorgang schwächte die Kräfte der Göttin und das Land vertrocknete. Die Menschen zogen in die Stadt, das Land bot keinen Boden mehr, um ihre Nahrungsquellen anzubauen. Sogar das Wasser verdunstete.

Zum Glück gelangt ihr eines Tages an diesen Ort. Eine Stimme erzählt euch von dieser Tragödie und bittet euch, der Erntegöttin zu helfen. Ihr müsst dafür sorgen, dass die Bewohner wieder in das Dorf kommen und mit ihrem Glauben die Göttin stärken. Wird es euch gelingen, die Fruchtbarkeit des Landes wiederherzustellen?

Mit Terraforming zur fruchtbaren Erde

Zu Beginn stellt euch das Spiel vor die Auswahl, ob ihr euer Abenteuer auf der Farm als Mädchen oder als Junge erleben wollt. Weitere Anpassungen, wie eine individuelle Frisur oder die Gestaltung von anderen körperlichen Merkmalen, sind nicht möglich. Habt ihr die schwierige Entscheidung getroffen, landet eure Figur an einem vertrockneten Ort und wird von der Erntegöttin freundlich empfangen.

Sie bittet euch, das öde Land zu bewirtschaften, damit die ehemaligen Bewohner in das Dorf zurückkehren. Damit euch das Vorhaben gelingt, stattet sie euch mit wichtigen Werkzeugen aus. Noch ist das Dorf leer, doch sobald ihr beginnt, das erste Feld zu pflügen, Samen zu säen und den Bereich zu bewässern, kehrt langsam neues Leben in das Dorf des Himmelsbaumes ein. Die Kräfte der Erntegöttin sind erst dann wieder vollständig erholt, wenn ihr alle sieben Himmelsbäume wiederbelebt habt.

Seid ihr mit Herzblut an der Wiederbelebung der Göttin beschäftigt?

Seid ihr mit Herzblut mit der Wiederbelebung der Göttin beschäftigt?

Als Vertreter der Harvest-Moon-Serie nutzt der Titel die typischen Elemente einer Bauernhofsimulation. Ihr baut auf einem, zunächst unwirtschaftlichen, Boden Felder an, um Ernteprodukte zu erhalten. Sobald eine bestimmte Familie in das Dorf zieht, seid ihr in der Lage, Kühe, Schafe oder Hühner zu kaufen.

Weitere Einnahmequellen sind das Fangen von Fischen sowie der Abbau von Erzen in den Minen. Diese Erzeugnisse verkauft ihr an den Händler Sam oder an andere Personen im Dorf, die ein Geschäft betreiben.

Das Land, welches ihr bewirtschaftet, vergrößert sich im Spielverlauf. Jeder belebte Baum bringt euch ein neues Stück Land sowie einen Erntewichtel, der euch bei euren täglichen Aufgaben nach Wunsch unterstützt. Pro Tag helfen euch, nach Belieben, zwei der Wichtel.

Eine große Besonderheit in diesem Spiel ist die Funktion, das Land zu verändern. Mit einer Schaufel grabt ihr nach Erde, wodurch ein Loch entsteht oder ein Feld nach unten sinkt. An einer anderen Stelle nutzt ihr die gewonnene Erde, um ein Loch zu füllen oder Stufen zu bauen, um höhere Plattformen zu erreichen. Sobald ihr einen Hammer besitzt, könnt ihr den felsigen Untergrund bearbeiten. Durch diese Technik baut ihr Brücken, die euch über einen Fluss bringen, oder vergrößert eine Wasserstelle.

»Während die ersten Aufgaben noch angenehm in ihrer Bearbeitung sind, ziehen sich die letzten beiden Questreihen in die Länge.«

Ein Vorteil der Spielmechanik liegt darin, dass ihr nicht in das Inventar gehen müsst, um ein Werkzeug auszusuchen. Das erledigt ein Bearbeitungsmenü für euch. Möchtet ihr den Boden pflügen oder die Umgebung mithilfe von Erde verändern, betätigt ihr einfach die dazugehörige Taste, die auf dem unteren Bildschirm angezeigt wird. Steht ihr nach dem Pflügen vor einem Feld, sucht ihr die Samen zum Verteilen aus. Danach könnt ihr direkt gießen und nach Bedarf das Feld düngen.

Bewegt ihr euch in der Umgebung, seht ihr auf dem unteren Bildschirm eine Karte, die markiert, wo sich die Bewohner und eure Tiere gerade befinden. Passt euch der gezeigte Ausschnitt nicht, verschiebt ihr mit dem Stift die Stellung der Karte.

Insgesamt klingt das System bequem, doch es hat seine Tücken. Gelegentlich kommt man mit den Tasten durcheinander und wenn ihr nicht auf die aktuelle Aktionsbeschriftung achtet, dann düngt ihr das Feld oder sät Samen, die ihr nicht ausstreuen wolltet. Zwar kann die Figur springen, dennoch klappt die Ausführung nicht immer reibungslos, sodass man für einen Sprung oft mehrere Versuche benötigt. Das Problem ist vor allem dann nervig, wenn man unter Zeitdruck steht.

Flache Bewohner braucht das Land

Ein Blick auf das Dorf, welches ihr mit Leben füllen werdet.

Ein Blick auf das Dorf, welches ihr mit Leben füllen werdet.

Wie bereits erwähnt, ist das Dorf zu Beginn leer. Wenn ein neuer Bewohner einzieht, bemerkt ihr dies durch einen Traum. Viele wichtige Ereignisse werden vorher durch einen Traum angezeigt. Mit den Bewohnern führt ihr Gespräche, wobei die Inhalte der Dialoge kaum variieren.

Selbst größere Events werden nur spärlich kommentiert. Ihr könnt ihnen keine Geschenke geben. Stattdessen baut ihr die Freundschaften auf, indem ihr ihre Aufgaben erfüllt oder sie an ihren Geburtstagen ansprecht. Wenn ihr möchtet, geht ihr später mit eurem Wunschpartner eine Beziehung ein und gründet eine Familie.

Durch die Erfüllung der Hauptmissionen lasst ihr die Handlung voranschreiten. Während die ersten Aufgaben noch angenehm in ihrer Bearbeitung sind, ziehen sich die letzten beiden Questreihen in die Länge. Sie sind unnötig verschachtelt. Selbst wenn ihr an einem Notfall arbeitet, benötigt ihr mehrere Wochen im Spiel, sofern ihr seltene Gegenstände auftreiben müsst.

Sehr unlogisch wirkt ein Event, in dem eine Person einen Unfall hat. Ein Angehöriger begibt sich zur Unfallstelle und will dort bleiben, bis Rettung eintrifft. Diese ist mit seltenen Gegenständen verbunden, zudem seid ihr auf die Fähigkeiten der angehörigen Figur angewiesen. Sobald sich diese wieder in ihren Laden begibt, um euch zu helfen, spricht sie nicht mehr über die verunglückte Person.

Auch andere Eigenschaften der Bewohner stören den Spielfluss. Eine Familie hält sich gern in euren Ställen auf. Wenn ihr die Tiere versorgt, stehen sie euch im Weg. Dazu kommt, dass die Tiere selbst etwas verbuggt reagieren. Sobald sie mehreren Hindernissen im Stall ausweichen müssen, finden sie ihre Futterstelle nicht. Ist das Vieh hungrig, könnt ihr es schlecht melken, wodurch die Arbeitskette unterbrochen wird. Landet ihr in einer solchen Situation, hilft es immer, wenn ihr den Stall kurz verlasst.

»Wenn ihr kein großes Pech beim Suchen der Questgegenstände habt und an den Hauptmissionen fleißig arbeitet, seid ihr spätestens im ersten Winter fertig.«

Als Einrichtungen neben dem Haus und den Ställen gibt es eine Windmühle und ein Düngerlager, die ihr vorher bauen müsst. Die Mühle produziert Mehlsorten oder Tierfutter. Sobald ihr diesem Gebäude einen Auftrag gegeben habt, beginnt es mit der Tätigkeit, wobei immer nur eine Aktivität stattfindet. Das heißt, ihr könnt nie gleichzeitig zwei verschiedene Getreidesorten bearbeiten.

Für alle Arbeiten wird die Ausdauer eurer Figur kaum verbraucht. Selbst wenn ihr den ganzen Tag hart schuftet, benötigt ihr selten oder gar keine Nahrung. Selbstgekochte Gerichte solltet ihr deshalb verkaufen. Die Qualität der Erzeugnisse verbessert ihr durch die Düngung und durch die Beachtung der richtigen Jahreszeit. Alle Samen könnt ihr ganzjährig anbauen, doch nur in der passenden Saison wachsen die verbesserten Versionen.

Aus Bauer wird verrückter Wissenschaftler

Interessant ist das System der Mutation. Baut ihr eine Sorte zu einer ganz anderen Jahreszeit an (zum Beispiel eine Sommerpflanze im Winter), kann daraus eine ganz neue Sorte entstehen. Auch ein zusammengemischter Dünger sowie die Bodenbeschaffenheit und die Höhenlage sind Faktoren, um das Ergebnis zu verändern. Erst nach Beendigung der Hauptgeschichte steht euch die volle Vielfalt an Samen zur Verfügung. Ab diesem Zeitpunkt könnt ihr nach Belieben experimentieren und eine Stärke des Titels nutzen.

Mit viel Hingabe wird euer Hof bald ebenso aussehen.

Mit viel Hingabe wird euer Hof bald ebenso aussehen.

Selbst beim Fangen von Fischen müsst ihr einige Sachen ausprobieren. An den Stegen findet ihr andere Arten, als wenn ihr später auf einem Boot in ein größeres Gewässer fahrt. Ändert ihr die Form einer Wasserstelle, werdet ihr auch einen anderen Fang machen. Für viele Nebenmissionen benötigt ihr spezielle Produkte, sodass euch der Titel stundenlang unterhält, sofern ihr mit den Macken zurechtkommt.

Ein Spieljahr dauert im Schnitt 40 Stunden. Wenn ihr kein großes Pech beim Suchen der Questgegenstände habt und an den Hauptmissionen fleißig arbeitet, seid ihr spätestens im ersten Winter fertig. Kleine Festivals lockern den Alltag auf. Selbst zu Beginn werdet ihr kaum Schwierigkeiten haben, bei den Wettbewerben zu gewinnen.

Sobald euch das Spiel für bereit hält, bekommt ihr einige Tage vor dem Event Besuch von der Person, die sich um die Organisation kümmert. Erst dann erhaltet ihr die Möglichkeit, euch an dem entsprechenden Tag anzumelden.

Je öfter ihr eine bestimmte Tätigkeit ausführt, desto höher steigt die dazugehörige Stufe. Im Gegensatz zu Harvest Moon: Das verlorene Tal werden die Werkzeuge mehrmals verbessert, sodass ihr schneller eine größere Fläche bearbeiten könnt. Auch die Ernte eines Feldes läuft fließender ab. Eure Figur sammelt alle Produkte ein und hält nur eines in die Höhe. Neben Regen erwarten euch weitere Wetterphänomene wie Nebel oder Stürme, die einen großen Teil eurer Ernte vernichten können.

Beim Melken ganz nah an der Kuh

Es ist schön, dass die Dorfbewohner helfen wollen, nur meistens stehen sie im Weg.

Es ist schön, dass die Dorfbewohner helfen wollen, nur meistens stehen sie im Weg.

Die Harvest-Moon-Serie setzt wieder auf 3D-Charaktermodelle. Ihre Gestaltung sieht ordentlich aus, nur die animierten Geschichtsausdrücke wiederholen sich oft und passen nicht immer zur jeweiligen Situation. Dazu fehlt es den Figuren an Details. Den Charme der gezeichneten Portraits aus Story of Seasons erreichen die Modelle nicht. Je nach Jahreszeit ist die Dorfumgebung anders gestaltet. So verfärben sich die Bäume im Herbst, im Winter liegt Schnee. Beobachtet man die Umgebung, wirken die Farben zum Teil verwaschen.

Eure Feldumgebung ist detailliert gebaut, nur die Bewegung der Flussläufe ist sehr grob und kann nach längerer Zeit Kopfschmerzen bereiten, sofern man konzentriert die Schatten der Fische beobachtet. Es gibt einige Grafikfehler, die eure Figur in ein Hindernis laufen lassen. Das fällt vor allem beim Melken auf, wenn der Charakter in einer Kuh verschwindet.

Nicht sehr abwechslungsreich klingen die Melodien, die ruhig gestaltet sind und eine Idylle erzeugen sollen. Jede Saison hat ihr eigenes Stück, was nach einigen Stunden je nach Geschmack nervig klingt. Es gibt keine Vertonung, dafür sind die Bildschirmtexte auf Deutsch gehalten.

Noch kein Meister ist vom Himmel gefallen

Für mich ist Harvest Moon: Dorf des Himmelsbaumes ein Fortschritt im Vergleich zu Harvest Moon: Das verlorene Tal. Neben der reinen Farmwirtschaft macht es Spaß, das Land nach seinem Belieben zu verändern und verschiedene Mutationen der Samen zu entdecken. Doch noch hat Natsume die Qualität von Marvelous nicht erreicht. Ganz im Gegenteil, eingefleischte Fans der Story-of-Seasons-Reihe werden wenig Freude mit dem Titel haben, da einige Fehler den Spielspaß trüben.

»Es gibt einige Grafikfehler, die eure Figur in ein Hindernis laufen lassen. Das fällt vor allem beim Melken auf, wenn der Charakter in einer Kuh verschwindet.«

Die Dialoge sind einfallslos geschrieben und auch die Persönlichkeiten der Dorfbewohner sind flach gehalten. Außer der Suche nach seltenen Erzen oder Fischen gibt es keine großen Herausforderungen. Auch die Festivals gewinnt man als Anfänger. Was für Freude sorgt, sind die individuelle Formung der Spielwelt und die Erforschung der Mutationen, die von den Samen ausgehen. Aus den pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen werden nur Gerichte gekocht. Es gibt keine weiteren Möglichkeiten zur Produktion. Um besondere Gegenstände herzustellen, müsst ihr die Hilfe der Dorfbewohner in Anspruch nehmen.

Sucht ihr eine Bauernhofsimulation, um euch vorwiegend mit der reinen Ernte zu beschäftigen, könnte euch der Titel gefallen. Möchtet ihr auf sympathische Figuren, härtere Wettbewerbe und längerkettige Produktionslinien nicht verzichten, solltet ihr euch einen anderen Vertreter aus diesem Genre aussuchen.

Story: Helft der Erntegöttin, ein vertrocknetes Land wiederzubeleben.

Gameplay: Mischung aus Farmsimulation und Terraforming.

Grafik: Ordentliche 3D-Charaktermodelle mit wiederholenden Gesichtszügen, nicht sehr detailliert, Bewegung des Wassers ist anstrengend für die Augen.

Sound: Melodien bieten kaum Abwechslung und wirken nach einiger Zeit nervig.

Sonstiges: Nach der Geschichte eröffnen sich neue Möglichkeiten, DLC-Angebot.