Im Test! Birthdays the Beginning

Der Vater von Harvest Moon, Yasuhiro Wada, präsentiert seinen zweiten Titel. Sorgt der Titel für die Wiedergeburt seiner ehemaligen Stärke?
Titel Birthdays the Beginning
Japan 19. Januar 2017
Arc System Works
Nordamerika 09. Mai 2017
NIS America
Europa 12. Mai 2017
NIS America
System PlayStation 4, PCs
Getestet für PlayStation 4
Entwickler ToyBox Games
Genres Simulation
Texte
Japan Nordamerika 
Vertonung

Erklingt der Name Yasuhiro Wada, denken sicherlich viele von euch an die Serie Harvest Moon. Inzwischen kümmert sich der Schöpfer der beliebten Bauernhof-Simulation um Projekte seiner eigenen kleinen Firma, die sich Toybox Games nennt.

Sein erstes Werk war HomeTown Story. Deutlich sah man Anleihen aus der Harvest-Moon-Reihe. Man kümmert sich nicht um einen Bauernhof, sondern betreibt einen kleinen Laden, sucht nach Objekten, die man an die Kunden verkaufen kann und legt die Preise fest. Unser damaliger Test fiel für den Titel mittelmäßig aus, sympathische Idee, die allerdings nicht aus der Masse raus sticht und sich nicht von Harvest Moon abhebt.

Inzwischen hat Toybox Games den zweiten Titel produziert, der kurz nach seiner Enthüllung in Japan bereits eine Bestätigung einer Lokalisierung für den Westen erhielt. Birthdays the Beginning kann als „Sandkasten-Lebens-Simulation“ bezeichnet werden. Durch die Veränderung der Umwelt erschafft man Lebensräume für die Flora und Fauna, wobei die Evolution durchschritten wird.

Kann uns dieses Videospiel mehr überzeugen als das erste Projekt der Firma oder handelt es sich um eine misslungene Geburt? Wir haben eine eigene Welt kreiert, bis zur Geburt der Menschheit und sind von dieser Reise zurückgekehrt. Hier schildern wir euch unsere Erlebnisse.

Die Erde ist ein Würfel

Stellt euch vor, ihr findet während eines Spaziergangs eine geheimnisvolle Höhle, die ihr neugierig betretet. Im Inneren erwarten euch keine dunklen Gänge, sondern eine Welt, die am Anfang der Evolution steht. Nun bittet euch eine fremdartige Kreatur, ihr zu helfen, dieser Welt Leben einzuhauchen. Würdet ihr euch auf dieses Abenteuer einlassen, auch wenn es bedeuten würde, eure Welt für einige Zeit zu verlassen?

In Birthdays the Beginning könnt ihr auf dieses Angebot gefahrlos eingehen, denn schließlich bleibt ihr wohlbehalten in eurer Wohnung und kontrolliert die Entstehung einer Fauna und Flora bequem über PlayStation 4 oder über einen Computer. Ihr beginnt im ersten Kapitel mit einer kleinen Erde, die sich in einem Würfel befindet. Um das Leben zu regulieren, erhöht oder senkt ihr die Bodenfelder, um die Temperatur einzustellen, Meere und Flüsse, sowie Gebirge zu erschaffen. Beginnen wir nun mit dem ersten Schritt der Evolution.

Am Anfang waren die Stromatolithen

Bis eure Welt ähnlich aussieht, werden viele Jahrhunderte vergehen.

Bis eure Welt ähnlich aussieht, werden viele Jahrhunderte vergehen.

Das Wesen, welches sich als Navi vorstellt, dient euch als Navigator durch die vier Hauptepisoden des Spiels. Es erklärt euch die grundlegende Steuerung und gibt euch Tipps, wie ihr die nächste Mission erfüllen könnt. Zu Beginn gibt es kaum Leben in dieser Welt. Die ersten Stromatolithen tauchen auf, dann die ersten Quastenflosser.

Sobald ihr den Gegenstand Ursuppe verwendet, erwacht Cylcomedusa zum Leben und schon beginnt der Kampf der Evolution. Eure Ziele bestehen darin, entweder eine bestimmte Art zu erschaffen oder die Anzahl einer gewissen Lebensform auf eine angegebene Zahl zu erhöhen.

Um diese Aufträge zu lösen, müsst ihr die Welt umformen. Jede Bodenplatte entspricht einem Feld, das ihr erhöhen könnt, um Hügel oder später Gebirge entstehen zu lassen, oder senkt, um Flüsse oder Meere zu erzeugen. Je mehr Berge die Welt enthält, desto kühler ist die durchschnittliche Temperatur der Erde. Viele Flüsse oder tiefe Meere sorgen hingegen für eine Erwärmung. Nicht zu vergessen ist die Feuchtigkeit der Böden, da auch dieser Parameter eine Auswirkung auf die Geburt und spätere Anpassung der Lebewesen hat. Je mehr Wasser sich in der Gegend befindet, desto feuchter ist die Umgebung.

Die Welt bearbeitet ihr im Mikromodus, wobei ihr beachten solltet, dass jede Aktion TP verbraucht. Zuerst steht euch nur eine geringe Anzahl an Punkten zur Verfügung, die durch Gegenstände oder einen Besuch im Makromodus, zu dem wir noch kommen, aufgefrischt werden. Auf der niedrigen Stufe könnt ihr nur eine kleine Anzahl an Feldern gleichzeitig bearbeiten. Je höher die Stufe ist, umso größer wird die Fläche, an der ihr Einschnitte vornehmt.

»Wo um Himmelswillen versteckt sich das Tier oder die Pflanze im Gewusel?«

Sobald die Temperatur der Welt durch eine Veränderung der Oberfläche wechselt, wird euch das Spiel die aktuelle Gradzahl anzeigen. Seid ihr zufrieden mit den Anpassungen, wechselt ihr in den Makromodus. In diesem Modus erholen sich eure TP, zudem vergeht die Zeit, die als Würfeljahre angegeben wird. Möchtet ihr die Jahrhunderte schneller vergehen lassen, steht es euch frei, den Vorgang auf Kosten von TP zu beschleunigen.

Eine Anzeige auf der rechten Seite listet die Veränderung der Organismen auf. Entsteht ein neues Lebewesen, werdet ihr darüber informiert, sowie über das Aussterben einer Gattung. Das Problem dabei ist, dass ihr keinen Überblick über alle Organismen erhaltet, sondern nur über die Typen, die eine enorme Veränderung erleben. Wir haben während des Tests auch keine Möglichkeit gefunden, eine größere Liste aufzurufen.

Sobald eine neue Pflanze oder Tierart im Würfel entsteht, solltet ihr von dem Makromodus wieder in den Mikromodus wechseln. Wenn es euch gelingt, von der neuen Art ein Foto zu machen, wird das Lebewesen in der Bücherei als Eintrag aufgenommen. Je mehr Organismen ihr durch diesen Vorgang einfangt, umso höher steigt euer Level. Allerdings ist es gar nicht so einfach, die neuen Kreaturen in der Welt zu entdecken. Eine Minikarte soll euch helfen, den Ort aufzuspüren, allerdings ist die Darstellung sehr unübersichtlich.

Ob dieser Baum lange überleben wird?

Ob dieser Baum lange überleben wird?

Auf der kleinen Karte, die wir nicht vergrößern konnten, sind entdeckte Pflanzen grün, gefundene Tiere rot, Gegenstände gelb und neue Arten, die ihr noch nicht fotografiert habt, rosa markiert. Zuerst hebt sich die Farbe nicht sehr von gelb und rot auf der Karte ab, zudem seht ihr im späteren Spielverlauf unzählige Punkte, wobei der Überblick schnell verloren geht.

Eine weitere unangenehme Sache ist, wenn ihr einen eingetragenen Organismus sucht, um diesen weiterzuentwickeln oder seinen Bestand zu überprüfen, sofern er nicht in der kleinen Liste angezeigt wird. Wo um Himmelswillen versteckt sich das Tier oder die Pflanze im Gewusel? Die Sache, dass einige Avatare, die für die Pflanze oder das Tier stehen, ihren Platz wechseln, macht die Suche im 3D-Wimmelbild nicht einfacher.

Ihr müsst nun nicht befürchten, dass ihr über tausende Avatare einer Art im Würfel vorfindet, entsprechend zum Bestand. Die Anzahl der Avatare ist deutlich dezimiert. Zwar konnten wir keine Regel erkennen, aber auch wenn der Bestand über 100.000 geht, findet ihr nur etwa vier bis fünf Avatare auf der kleinen Welt.

Dauert euch ein Schritt der Evolution zu lange, könnt ihr einen Samen der Evolution verwenden, sofern er sich in eurem Besitz befindet. Mit diesem Gebrauch springt ihr direkt zur nächsten Weiterentwicklung. Ein Baum in der Bücherei zeigt euch an, welches Lebewesen ihr mit dem Samen kombinieren müsst, um die nächste Art zu erhalten. Daneben gibt es den Samen der Mutationen, der lediglich eine mutierte Form des Wesens erzeugt. Die Gegenstände tauchen immer wieder im Würfel auf, die ihr im Mikromodus aufsammelt. Neben den Samen gibt es Objekte, die euch bei der Beschaffung der Umwelt helfen oder sie erlauben euch, den Gencode einer Gattung zu speichern und diesen zu einem späteren Zeitpunkt einzusetzen.

Die strengen Regeln der Evolution werden im Spiel nicht befolgt. Sobald sich die Kreaturen angepasst haben, bleiben diese am Leben, sodass auch Dinosaurier neben den frühen Menschen existieren. Zwischen den Figuren, die den Würfel bevölkern, herrschen keine Interaktionen. Sie fressen sich nicht gegenseitig und nehmen sich auch nicht wahr. Wenn zwei Avatare aufeinanderstoßen, bleiben diese stehen und warten, bis sich eine Figur bewegt. Zwischendurch essen die Tiere sichtbar, Blätter oder kleine Keulen, die Animationen wirken sehr putzig. Eine kleine Ausnahme sind die Menschen, die zumindest mit der Umwelt etwas mehr interagieren.

»Ansonsten ist die Grafik sehr einfach gehalten, entspricht aber den Anforderungen für ein solches Spiel.«

Oft hatten wir den Eindruck, dass die Erscheinung der Avatare im Würfel zufällig erfolgt. Ihr habt keinen Einfluss auf den Platz der Entstehung und könnt die Figuren auch nicht umsetzen. Zum Beispiel mutieren Tiere, die für kältere Zonen geschaffen sind und landen dann nicht im Hochgebirge, sondern auf dem Land und gehen nach kurzer Zeit ein, wenn die Durchschnittstemperatur zu hoch ist.

Es ist nicht möglich, verschiedene Klimazonen zu erschaffen, alle Bereiche werden von der durchschnittlichen Temperatur beeinflusst. Zudem solltet ihr bei der Veränderung der Temperatur ein Feingefühl zeigen, denn zu hohe Schwankungen können einen Organismus schnell ausrotten. Befindet sich dieser am Anfang der Nahrungskette, droht die Gefahr, dass die restlichen Lebewesen aussterben.

Der Blick in die Bücherei.

Der Blick in die Bücherei.

Die vier Hauptepisoden sind in einem Fluss miteinander verbunden. Habt ihr ein Kapitel abgeschlossen, erfolgt eine Bewertung und ihr gelangt in die nächste Episode, wobei sich die Welt immer wieder vergrößert. Wir raten euch an, euren Spielstand auf mehreren Speicherständen zu sichern. Da man die einzelnen Kapitel nicht direkt anwählen kann, wächst ein unbeachteter Fehler mit der Zeit und kann dafür sorgen, dass zum Beispiel die Pflanzen aussterben.

Dieses Desaster haben wir extra für euch getestet. Sobald ihr die vier Episoden durchgespielt habt, was etwa 10 bis 15 Stunden Spielzeit in Anspruch nimmt, habt ihr Zugriff auf den freien Baumodus. Hier entscheidet ihr euch für eine Würfelgröße und erschafft nach Belieben, ohne jegliche Mission, eure Welt. Daneben gibt es noch Herausforderungen, die ihr spielen könnt. In diesem Fall müsst ihr einen Auftrag in einer vorgegebenen Zeit erfüllen.

Dinos zum Knuddeln

Wenn ihr bereits Bilder oder ein Video zu Birthdays the Beginning gesehen habt, ist euch sicherlich die knuddelige Optik aufgefallen. Die Tiere sind sehr bunt und niedlich, wodurch sie sich von den Böden abheben. Irritierend ist allerdings, dass die Böden mit Blumen bewachsen sind, die nur zu Dekoration dienen.

Somit findet man vor lauter „falschen“ Pflanzen gar nicht die Flora, die man neu erschaffen hat oder sucht. Ansonsten ist die Grafik sehr einfach gehalten, entspricht aber den Anforderungen für ein solches Spiel. Sie ist hübsch anzusehen, aber mehr erreicht die grafische Darstellung nicht. Das Menü fällt sehr spärlich aus und Hinweise zum Tutorial sucht man vergeblich.

Das Menü ist sehr spärlich gestaltet.

Das Menü ist sehr spärlich gestaltet.

Musikalisch gehört das Spiel zum Mittelmaß. Der Soundtrack dudelt vor sich hin, die Tiere hört man nur ab und an im Mikromodus, wenn man sich in ihrer Nähe befindet. Die Erhöhung und Senkung der Bodenfelder erzeugt rhythmische Töne, die bei einer längeren Bearbeitung der Welt leicht nervig sein können. Um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, sollte man vielleicht eigene Musik hören, da die Spielmusik nichtssagend ausfällt. Navi spricht zudem keine Sätze, sondern verursacht undeutliche Geräusche.

Eine langweilige Geburtstagsfeier

Es sollte Freude machen, seiner Kreativität in einer „Sandkasten-Lebens-Simulation“ freien Lauf zu lassen, allerdings sorgt der Titel nicht sofort für dieses Gefühl. Zuerst müsst ihr vier Hauptepisoden abschließen, um den freien Modus zu erreichen. Um wichtige praktische Sachen zu erlernen, hätten die Entwickler einen früheren Zugang zu diesem Modus geben sollen. Somit kann man die ersten vier Kapitel als ein größeres Tutorial ansehen, das allerdings nicht auf alle Punkte eingeht. Viele Sachen muss man für sich selbst entdecken und vielleicht ist immer noch nicht alles ganz klar, wenn man alle Missionen erledigt hat.

Ganz frei ist man mit der Erschaffung der Welt nicht. Man hebt und senkt die Böden, um die Temperatur einzustellen. Natürlich entstehen durch diese Veränderung Gebirge und Meere, aber es ist immer ein Gefühl der Einschränkung da. Die Darstellung der Minikarte ist nicht hilfreich, man findet bestimmte Organismen schlecht, vor allem kleine Eidechsen oder Mäuse, wenn sie sich in einem Beet von Blumen, die nur zur Dekoration dienen, befinden.

Zwar sind die Bildschirmtexte auf Deutsch übersetzt, jedoch steckt die Übersetzung voller grammatikalischer Fehler und auch die Rechtschreibung lässt stark vermuten, dass es sich um eine Arbeit handelt, die nicht korrekt ausgeführt oder durch ein Programm erstellt wurde. Die Schilderung einer Mission hat uns beim Testen zudem verwirrt, sodass wir gar nicht wussten, wie wir das Ziel erreichen können.

Wenn ihr ein Simulationsspiel mit einer deutlichen Tiefe oder einer Herausforderung sucht, eignet sich der Titel nicht für euch. Birthdays the Beginning richtet sich eher an ein jüngeres Publikum oder an Spieler, die ein solches Spiel für eine einfache und kurzweilige Ablenkung suchen. Die Spieldauer für die Hauptepisoden beträgt 10 bis 15 Stunden. Möchtet ihr im freien Modus alle Lebewesen entdecken, wobei ihr mit den verschiedenen Samen experimentieren und alle Herausforderungen meistern könnt, erhöht sich die Spielzeit etwa um den doppelten Umfang. Vor dem Kauf solltet ihr die Demo probieren, um zu testen, ob ihr mit der Steuerung zurechtkommt. Schließlich bleibt noch eine positive Anmerkung, dass es sich bei diesem Spiel um keinen Vollpreistitel handelt, für die PlayStation-4-Version zahlt ihr 39,99 Euro.

Story: Helft einem Wesen, eine neue Welt zu erschaffen

Gameplay: Simulationsspiel, ihr gestaltet die Umgebung durch das Heben und Senken von Feldern

Grafik: einfach gehaltene und knuddelige Optik, Darstellung der Minikarte zu klein und unübersichtlich, Dekorationen stören das Gesamtbild

Sound: sehr minimalistisch, Geräuschkulisse der Tiere unauffällig, Töne bei Veränderung der Umwelt klingen nervig

Sonstiges: freier Baumodus nach Abschluss der Hauptkapitel, verschiedene Herausforderung unter Zeitdruck