Im Test! Horizon Zero Dawn

Obwohl erst ein Viertel des Jahres vergangen ist, kann man schon jetzt zweifelsfrei von einem starken Jahr 2017 für Videospielfans sprechen. Ein Titel...

Obwohl erst ein Viertel des Jahres vergangen ist, kann man schon jetzt zweifelsfrei von einem starken Jahr 2017 für Videospielfans sprechen. Ein Titel, der maßlos dazu beigetragen hat, ist Horizon Zero Dawn, das Open-World-Rollenspiel mit Endzeit-Setting der besonderen Art. Die Geschichte von Aloy wird exklusiv auf PlayStation 4 erzählt und stammt vom niederländischen Entwicklerstudio Guerilla Games, das zuvor für die Killzone-Reihe verantwortlich war. Wieso Horizon Zero Dawn meiner Meinung nach ein Must-Have für alle PS4-Besitzer ist, erfahrt ihr im Test.

Als Spieler schlüpft ihr in die Rolle von Aloy, eine äußerst begabte Bogenschützin vom Nora-Stamm. In der Obhut ihres Ziehvaters Rost wächst sie als Ausgestoßene auf und möchte eines Tages vollwertiges Stammmitglied werden. Das Tutorial für die verschiedenen Gameplay-Elemente, die im Kampf und abseits dessen zum Einsatz kommen, erlebt man durch die Augen der kleinen Aloy als Kind. Dies ist eine schöne Art, den Spieler langsam mit der Welt, den Menschen, Gebräuchen, der Natur und den Maschinen vertraut zu machen. Letztere spielen eine große Rolle, da sie ähnlich wie Tiere die Welt durchstreifen, jagen und in Herden leben.

Das friedliche Zusammenleben der Menschen und Maschinen wird allerdings auf die Probe gestellt, da die Maschinen immer mehr von ihren üblichen Verhaltensmustern abweichen. Als erwachsene Aloy begibt man sich auf die Suche nach Antworten auf viele wichtige Fragen. Warum leben Maschinen auf der Erde? Warum wurde Aloy von ihrem Stamm verstoßen? Wer sind Aloys Eltern? Was hat es mit der Verderbnis auf sich?

Da wir Spoiler vermeiden wollen, verzichten wir hier auf eine Nacherzählung der Geschichte und versichern euch, dass die Story in Horizon all diese Fragen beantwortet und die Geschichte fesselnd erzählt wird. Im Laufe ihres Abenteuers setzt Aloy Puzzleteil für Puzzleteil zusammen und trifft auf ihrer Reise auf weitere Stämme, viele Freunde und Feinde, besucht imposante Städte und traditionelle Dörfer, Ruinen und moderne Kriegsstätten. Die gelungenen Nebenquests fügen sich nahtlos in die große Geschichte ein und drehen sich um eine Reihe glaubwürdiger NPCs, die euch verschiedene Aufgaben anvertrauen. Bei der Jagd aushelfen oder Items sammeln, die nur bestimmte Gegner nach dem Kampf fallen lassen, macht nur einen Teil der zusätzlichen Aufgaben aus. Neben solchen Standard-Nebenquests gibt es zahlreiche Aufgaben, die mit einer tiefgreifenden Geschichte zusammenhängen und euch Stück für Stück mehr über die Welt aus Horizon Zero Dawn verraten.

Aloy im Gespräch mit Erend vom Oseram-Stamm.

Die Unterhaltungen mit den NPCs machen Spaß, weil sie so gut wie nie langweilig sind oder sich um belanglose Dinge drehen, sondern interessante Hintergrundgeschichten zur postapokalyptischen Welt eröffnen. Die Figuren fühlen sich dabei echt an und überzeugen auch in puncto Design. Mimik und Gestik sind fast immer gut umgesetzt, wirken aber im Vergleich zu Spielen wie Uncharted 4 nicht ganz so schön animiert. Leider stört bei der deutschen Lokalisierung die meist nicht vorhandene Synchronität zu den Lippenbewegungen, die im Englischen deutlich besser funktioniert. Sowohl im Deutschen als auch im Englischen machen die Sprecher einen ausgezeichneten Job, sodass die Wahl der Sprache am Ende Geschmackssache oder von der Lippensychronität abhängig bleibt.

Natürlich haben sich die Entwickler auch bei der Darstellung der Protagonistin Aloy hinreichend Gedanken gemacht und es geschafft, ihrem Charakter Tiefe zu verleihen. Dass man Aloy bereits als Kind durch die geheimnisvolle Welt begleitet und von Anfang an mit den Konflikten konfrontiert wird, die sie als junge Erwachsene begleiten, trägt zur Identifikation mit ihr als Spieler bei. Dazu kommt, dass man in Gesprächen manchmal entscheiden muss, ob Aloy rational, verständnisvoll oder wütend reagieren soll. Das scheint zwar keine bedeutenden Auswirkungen auf das Geschehen zu haben, zeigt dennoch die unterschiedlichen Facetten der Protagonistin.

»Kaum ein Spiel der aktuellen Konsolengeneration sieht so eindrucksvoll aus.«

Für mich stellt Horizon Zero Dawn eines der bis dato beeindruckendsten PlayStation-4-Spiele dar, denn die offene Welt überzeugt nicht nur durch ihre technische Umsetzung, sondern auch durch ihre visuellen Reize. Kaum ein Spiel der aktuellen Konsolengeneration sieht so eindrucksvoll aus. Die Ausflüge mit Aloy durch Steppen, Eiswüsten, den Dschungel oder dichte Wälder machen nicht nur wegen des hohen grafischen Niveaus Spaß, sondern schaffen durch den enormen Detailgrad und dem dynamischen Tag- und Nachtwechsel ein in sich geschlossenes System, das immer wieder überrascht. Moderne Zivilisationen schließen an alte Ruinen vergangener Zeiten, in Schluchten findet man sich plötzlich in verfallenen Baustätten wieder, das Erklimmen von Bergen belohnt mit atemberaubenden Ausblicken, die man gerne festhalten möchte. Durch den Foto-Modus können diese Momente festgehalten werden, der darüber hinaus noch eine Menge Optionen zur Bearbeitung mit verschiedenen Filtern, Effekten oder Reglern für die Tageszeit bietet.

Die Welt ist nicht nur malerisch, sondern auch lebendig. Beispielsweise biegen sich Gräser biegen im Wind, Aloy hinterlässt Spuren im Schnee und Klimaeffekte wie Regen, Schneefall oder Sandstürme wirken sich auf die Umgebung aus. Dazu trägt auch der Soundtrack bei, der die Welt je nach Situation mit ruhigen Tönen, rhythmischen Stammesgesängen und immer wieder kehrenden Melodien begleitet, die im Kopf bleiben. Alles wirkt so, als wäre es über Jahrhunderte entstanden, wenn man vorbei an verfallenen Türmen, Überresten alter Zivilisationen und grasenden Maschinen schleicht. Letztere zählen zu einem der interessantesten Aspekte von Horizon Zero Dawn. Die futuristischen Maschinenwesen sind urzeitlichen Tieren nachempfunden und bevölkern neben den Menschen die Welt.

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Langhälse sind nützliche Aussichtsplattformen.

Ihr trefft auf Aloys Reise auf viele verschiedene Maschinenarten, die allesamt wundervoll animiert sind und ganz individuelle Verhaltensweisen an den Tag legen. Der gemütliche Spaziergang wird schnell zu einer aufregenden Jagd, denn die elektronische Fauna ist nicht nur friedlich gestimmt. Graser zählen eher zu den friedliebenden Maschinen, die rasch das Weite suchen, während Wächter Alarm schlagen, weshalb sich hier Schleichen und Verstecken als Taktik anbietet. Der Sägezahn ist einem Säbelzahntiger nachempfunden und stellt deshalb eine der gefährlicheren Maschinenarten dar, die man im Kampf besser auf Distanz hält. Genauso verhält sich das Schnappmaul, eine Art Alligator, das im Wasser lauert oder sich auf Klippen sonnt. Neben den üblichen Maschinen gibt es noch verdorbene Kreaturen, die stärker gepanzert und aggressiver sind. Sie können außerdem nicht überbrückt werden.

Mittels Überbrückung durch ihren Speer kann Aloy nämlich Maschinen zu ihren Verbündeten machen. Dabei ergeben sich je nach Maschinentyp unterschiedliche Möglichkeiten: Breitköpfe und Läufer bieten sich als Reittiere an, während Langhälse wie Türme erklommen werden können, um so die Karte weiter aufzudecken. Im Kampf eignen sich ebenfalls verschiedene Taktiken gegen die futuristischen Wildtiere. Grundsätzlich könnte man sagen, dass das Kämpfen in Horizon Zero Dawn auf Stealth und Fallen ausgelegt ist. Es bietet sich oft an, sich im hohen Gras zu verstecken und einzelne Gegner von ihrer Herde wegzulocken, um sie anschließend entweder mit dem Speer im Nahkampf oder mit zuvor präparierten Fallen zu erlegen.

»In Horizon Zero Dawn gibt es also eine Menge zu tun, aber vor allem gibt es eine Menge zu Sammeln.«

Wer möchte, kann aber auch offensiv vorgehen, was sich bei kleineren Gegnergruppen anbietet. Mit verschiedenen Bögen, Pfeilen, Seilwerfern und Schleudern gibt es viele Optionen, die Maschinen auszuschalten. Das Kämpfen macht vor allem deshalb Spaß, weil sich die Waffen schnell wechseln lassen und weil es eine so große Bandbreite an Möglichkeiten gibt, denn die Munition ist selbst noch einmal in verschiedene Arten unterteilt, die bestimmte Zusatzeffekte wie Elementarschäden bieten. Beim Scannen von Maschinen werden außerdem ihre Schwachpunkte als gelb markierte Stellen angezeigt, die unterschiedlich auf Beschuss mit beispielsweise Eis, Schock oder Feuer reagieren.

Sprengt man bestimmte Teile der Maschinen weg, lassen sie wertvolle Beute oder in manchen Fällen Kanonen fallen, die man selbst aufnehmen und einsetzen kann. Mit dem Fokus, einer besonderen Technologie, die sich in Aloys Besitz befindet, können außerdem die Laufwege der Maschinen markiert werden. Das ist vor allem beim Schleichen nützlich oder wenn man ein Gebiet vorab mit Bomben und Fallen präparieren möchte. Die Kämpfe sind durchaus fordernd, da die Gegner sehr schnell reagieren, sie nicht dauerhaft anvisiert werden und mit ihren Angriffen ordentlichen Schaden verursachen können. Die intelligenten Verhaltensmuster der Maschinen im Kampf versprechen vor allem im letzten Spielabschnitt spannende Aufeinandertreffen.

Als Beute gibt es verschiedene Ressourcen, die ihr bei Händlern gegen Scherben, die Währung in Horizon Zero Dawn, eintauschen oder mit weiteren Items in Upgrades oder Verbesserungen der Ausrüstung und Waffen investieren könnt. Stärkere Waffen lassen sich zudem oft nur mit bestimmter Beute im Inventar erwerben. Normale Verbrauchsressourcen findet man dagegen überall in der Welt und können als Crafting-Material dienen. Munition wie Pfeile oder Heiltränke lassen sich nämlich selbst herstellen, wenn sich genügend dafür benötigte Gegenstände im Inventar befinden. Das Craften ist dabei sehr simpel gelöst, passiert im Schnellmenü per Knopfdruck und ich habe es zu keinem Zeitpunkt als nervig empfunden.

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An zusätzliche Ressourcen und seltene Gegenstände gelangt ihr nicht nur im Laufe der Hauptstory und den Nebenquests, sondern auch durch das Erledigen von kleineren Aufträgen oder durch das Absolvieren von kniffligen Jäger-Herausforderungen. Dort könnt ihr eure Jäger-Fähigkeiten unter bestimmten Bedingungen wie einem Zeitlimit oder den gezielten Einsatz einer Waffe unter Beweis stellen. Im Spiel gibt es außerdem eine feste Anzahl an Banditenlagern, die geräumt werden wollen und bei Erfolg ordentliche Beute garantieren. Dabei geht ihr gegen menschliche Feinde vor, die sich in Dörfern verschanzen, allerdings dank ihrer schwachen KI keine besondere Herausforderung darstellen. Das Säubern von verdorbenen Zonen kann sich dagegen als schwieriger gestalten. Auch hier gibt es vorgegebene kleine Areale, die von verdorbenen Maschinen heimgesucht werden. Um die Zone zu reinigen, müssen alle Gegner besiegt werden. In Horizon Zero Dawn gibt es also eine Menge zu tun, aber vor allem gibt es eine Menge zu Sammeln. Wer ganze Sets aus Metallblumen, Banuk-Figuren und alten Gefäßen ergattert, die einzeln überall in der Welt verstreut sind, kann sich auf spezielle Belohnungen und Ausrüstungsgegenstände freuen.

Fazit

Horizon Zero Dawn ist ein erstklassiges Action-RPG, das man jetzt schon zu den Spiele-Highlights 2017 zählen darf. Horizon besticht auf den ersten Blick durch das erstklassige visuelle Design, bietet allerdings auch genug spielerische Tiefe und Inhalte, die viele Stunden Spielspaß garantieren. Neben der mitreißenden Hauptstory gibt es zahlreiche Nebenquests und -aufgaben, die die Hintergründe der Geschichte um Aloy und die geheimnisvollen Maschinen näherbringen. Wer abseits von japanischen (Rollen-)Spielen einen Ausflug in eine nie zuvor dagewesene postapokalyptische Welt wagen möchte, erlebt in Horizon Zero Dawn eine kreative Open World mit fesselnder Story.

Story: In der Rolle von Aloy, einer Ausgestoßenen ihres Stammes, gilt es, die Rätsel ihrer Herkunft und der sogenannten Verderbnis aufzudecken.

Gameplay: Die offene Welt kann nach Belieben erkundet werden und ist in unterschiedliche Areale eingeteilt. Die Kämpfe setzen sich aus einer Kombination von Stealth-Taktiken, Angriffen und Ausweichmanövern zusammen.

Grafik: Wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaften und hervorragende Animationen der Maschinen wissen zu begeistern.

Sound: Passend zur jeweiligen Situation erklingen ruhige Melodien, schnelle Stammesrhythmen oder Jagdgesänge. Besonders das Main Theme bleibt im Kopf.

Sonstiges: Im Foto-Modus lassen sich beeindruckende Bilder und Screenshots anfertigen.