Kolumne #5: Gedanken zur Nintendo Wii U

Ich bin ein Nintendo-Fan erster Stunde. Mit erster Stunde ist aber natürlich nicht gemeint, dass ich einst vor langer Zeit die japanischen Hanafuda-Karten gekauft...

von Max Fischer

Ich bin ein Nintendo-Fan erster Stunde. Mit erster Stunde ist aber natürlich nicht gemeint, dass ich einst vor langer Zeit die japanischen Hanafuda-Karten gekauft und gehortet habe, auf deren Stützpfeilern ein so großartiges Videospielunternehmen entstehen konnte. Nein, mit erster Stunde ist eher erster Kontakt mit dem Medium gemeint. Das begann alles mit dem „Super Nintendo“ bei einem Schulfreund, ging weiter mit dem ersten eigenen „Game Boy Color“, den ich mir im Urlaub von meiner Mutter erbettelt hatte und endete schließlich bei der „Wii“. Solch tolle Errungenschaften wie der „Nintendo 64“ oder der „GameCube“ seien nur am Rande erwähnt, was ihren außerordentlichen Glanz in meiner Vita absolut nicht schmälern soll.

Über „Zelda“ und „Mario“ bis zu „Fox McCloud“ mit seinen tapferen Fliegerassen dufte ich in den Genuss beinahe aller Perlen kommen, die damals wie heute Rang und Namen hatten und noch haben. Zahlreiche wunderbare Kindheitserinnerungen verweilen noch heute in unzähligen Speicherständen und mein erstes Pokémon werde ich so oder so nie vergessen (Bisasam). Und als ein solcher Nintendojünger, um jetzt auch die Brücke zum aktuellen Thema zu schlagen, blickt man selbstverständlich mit großer Freude, aber auch mit großer Sorgfalt auf jeden möglichen Meilenstein, denn „Big N“ aus der Hosentasche zaubert.

Es dauerte eine Weile, bis dieser nächste Generationssprung kam, um genau zu sein dauerte es so lange wie noch nie zuvor, doch dann erstrahlte das Teil umso heller, als es unter den brennenden Scheinwerfern der E3 vor zwei Jahren erstmals öffentlich vorgestellt wurde: Die Wii U, der stationäre HD-Aufsatz für Ihre Wii mit dem U dahinter und der berührungssensitiven Fernbedienung davor. Spaß, natürlich ist die neue Konsole kein lahmes Update (auch wenn der Name anderes vermuten lässt), sondern vielmehr der längst überfällige, technische Fortschritt, sowie der nächste, innovative Vorstoß. Nintendo bleibt sich treu, ob das die Fans auch machen, steht auf einem anderen Blatt. Die Umstände, die damals eine Wii so erfolgreich machten, sind nicht mehr gegeben, der Markt ist enger geworden, die Stammkunden teilweise vergrault und die rüstige Rentnerin weiß vermutlich nicht mal, dass es ein neues Gerät gibt.

Nintendo schaufelt sich langsam sein eigenes Grab, behaupten die einen. Nintendo hat die Marktlücke erkannt, behaupten die anderen. Fakt ist, es ist äußerst vermessen, schon zwei Monate nach Verkaufsstart solche absoluten Behauptungen aufzustellen. Fakt ist aber auch, dass sich abseits der praktischen Urteile (ich selbst habe die Wii U bisher nur kurz angetestet) jetzt schon theoretische Probleme und Chancen auftun, über die sich herrlich philosophieren lässt. Und genau um diese „Pros“ und „Contras“ soll es in den folgenden Abschnitten gehen, natürlich ohne Gewähr!

Das Herzstück der Wii U

Fangen wir, entgegen der oben angedeuteten Reihenfolge, mal mit den Problemen an. Da wäre einmal der Preis, der für die Hardware selbst zwar angemessen erscheint, im Vergleich mit der Playstation 3 und Xbox 360 aber definitiv zu hoch angesetzt ist. Warum sollte ich mir eine Wii U in mein Haus holen, wenn ich bereits eine der beiden anderen Konsolen habe? Das fragten sich vor und nach Verkaufsstart viele Konsumenten. Diese Bedenken entstanden natürlich nicht nur wegen dem Preis, sondern auch wegen dem Angebot an Spielen. Bei über der Hälfte der Launch-Titel handelte es sich um Portierungen bekannter Marken, die ich in bekannten Onlineversandhäusern für die anderen Systeme eigentlich geschenkt bekomme. Nintendo verlangt selbstredend den Vollpreis. Dass darauf keiner anspringt, darf das Unternehmen nicht wundern.

Zumal dieses Standbein in Zukunft auch einstürzen dürfte, sobald die Konkurrenz ihre neuen Werke auf den Markt bringt. Die einst technisch gleichwertige Wii U wird wieder auf ein Abstellgleis gestellt und mit lieblosem Schrott gefüttert. Die Wii ist dafür das beste Beispiel. Das größte Problem dürfte aber das Verkaufsargument „Nummer Eins“ sein: Das Gamepad! Nintendo ist, wie bereits oben angedeutet, schon jetzt nicht mehr allein in dieser „Nische“ daheim, denn neben Apple und weiteren Firmen, setzten auch die anderen Konsolenhersteller selbst auf Tablets und das sogenannte „Cross-Play“. Sollte hier Nintendo nur ein Anbieter unter vielen werden, was kann das Unternehmen seinem möglichen Publikum dann noch bieten?

So einiges, wenn man nicht ganz so pessimistisch in die Zukunft blickt, denn aus vielen der nun aufgezählten Probleme kann man auch eine Chance ziehen. Fangen wir noch mal bei dem Preis an. Natürlich schreckt dieser eingefleischte Videospieler ab, aber sobald Sony und Microsoft wieder in den Konsolenkrieg einsteigen, mit einem garantiert höheren Preis, kann Big N mit einer Preissenkung kontern und siehe da: „Die neue Konsole mit dem Gamepad“, wie sie so liebevoll in der Werbung genannt wird, macht sich als Zweitgerät wieder ganz gut. Aber das dachte man bei der „Fuchtel-Wii“ auch, bevor sie zum teuren Staubfänger wurde.

Bayonetta 2

Deswegen sind die Kunden jetzt vorsichtiger und es gibt nur eine Sache, die skeptische Videospieler mehr anmacht, als heiße Messe-Babes: Heiße Spiele. Nintendo hat einen mittlerweile riskanten, aber sehr richtigen Schritt hin zu den Core-Gamern gemacht. Sie sind sich ihrer Verantwortung gegenüber ihrer einstigen Bewunderer endlich bewusst und versuchen nun die Dritthersteller mit ihren einkommensstarken Zugpferden wieder mit ins Boot zu holen. So kann man hoffen, dass sich neben den Eigenproduktionen wie „Zelda“ und „Super Mario“ auch wieder andere starke Marken etablieren. Und wer weiß, vielleicht werden die Gerüchte um einen „Rare-Kauf“ ja doch wahr, zumindest im Bezug auf die Lizenzen und was die „Retro Studios“ und „Monolith Software“ in der Pipeline haben, kann man momentan ebenfalls nur erraten.

Es darf Nintendo jedenfalls nicht mehr nur um Innovation an sich gehen, nicht mehr nur um das kleine Wörtchen „Play“. Es muss um „Spieleinnovationen“, um das „Gameplay“ gehen. Es darf mich nicht interessieren, „wie“ ich spiele, sondern „was“ ich „wie“ spiele. Unter diesem Gesichtspunkt kann die Konsole Erfolg haben, auch gegen die Tabletkonkurrenz aus aller Welt, deren Ziel meist nur die einfache Bedienung und die möglichst breit gefächerte Funktionalität ist. Aber der einstige Kartenspielhersteller möchte mehr, mehr als die bloße Erfindung an sich, mehr als eine einsteigerfreundliche Bedienung: Man möchte dem Spieler eine neue Sehgewohnheit, eine neue Spielerfahrung liefern. Mit Tablet, mit Fernseher und zahlreichen Games, die dieses Konzept nicht nur hinnehmen, sondern auch erlebbar machen. Ob das gelingt, wird die Zukunft zeigen! Man könnte jedoch schon fast meinen, man hätte aus den Fehlern des Vorgängers gelernt.

Ich persönlich werde mir die Wii U zu gegebenem Zeitpunkt kaufen, nicht weil ich eh alles von dieser Firma hole (was ich übrigens nicht tue), nein, das wäre die falsche Moral von der Geschichte. Ich werde mir die Wii U holen, weil ich Nintendo mein Leben lang vertraut habe und die daraus resultierenden Freudensprünge die Tiefschläge mehr als übertroffen haben. Außerdem bin ich der Meinung, dass etwas mehr Vertrauen nicht nur der Zockergemeinschaft, sondern auch der gesamten Industrie gut zu Gesicht stehen würde.

von Max Fischer

 

Das war erst der fünfte Teil unserer neuen Kolumnen-Serie. Wollt ihr eine Kolumne auf jpgames.de veröffentlichen und eure Meinung zu einem aktuellen Thema zur Diskussion stellen? Oder einfach nur loswerden? Gern! Meldet euch bei tony@jpgames.de!

Tags: