1T1N1S #0 – Persona 3 Portable

Sicher sind wir nicht die Ersten, die Vlog und Review miteinander vereinen, doch mit unserer neuen Rubrik möchten wir nicht einfach nur trockene Rezensionen an...

Sicher sind wir nicht die Ersten, die Vlog und Review miteinander vereinen, doch mit unserer neuen Rubrik möchten wir nicht einfach nur trockene Rezensionen an den Mann bringen, auch unser eigenes Interesse, also das unserer Redaktion, soll nicht zu kurz kommen. Wir stellen euch abwechselnd diverse Titel vor – mal aktuelle, mal weniger aktuelle -, und das auch oft mit der Absicht zur Diskussion anzuregen.

Doch muss es nicht immer tiefschürfend zur Sache gehen. Oft wollen wir euch einfach nur Spiele ans Herz legen, die uns als Gamer, die wir nun mal auch sind, nachhaltig beeindruckt haben. Mit unserer neuen Rubrik möchten wir also ein kleines Experiment wagen. Diesmal seid also ihr gefragt. Euer Feedback entscheidet, was in Zukunft aus diesem Projekt wird. Und bevor wir es vergessen: Die Abkürzung 1T1N1S steht für “Ein Tisch, ein Nerd, ein Spiel“. So ein Maß an Kreativität muss erst einmal übertroffen werden!

Für das erste Video unserer neuen Rubrik haben wir uns die PlayStation Portable-Version zu Persona 3 geschnappt. Warum gerade Persona 3 Portable und nicht irgendein anderes japanisches Rollenspiel, das erklärt uns am besten LoboDreamZ, Mitglied unserer Redaktion und Off-Sprecher unserer Videos. Und wer überhaupt noch nie irgendwas von Persona gehört hat, der kann sich im unten stehenden Artikel schlau machen.

Vor ungefähr einem Jahr entdeckte ich eine Videospielreihe, die mich ohne Umwege in in ihren Bann zog. Ein Umstand, der in meinem Fall etwas ganz Besonderes gewesen ist, denn zu jenem Zeitpunkt verspürte ich den Drang, möglichst viele Spiele, in möglichst kurzer Zeit nachzuholen. Es geht hier um Spiele, die man zur Zeit ihrer Veröffentlichung und auch Jahre danach in den höchsten Tönen lobte, oder sie loben musste, weil es alle anderen eben auch getan haben. Dass man bei so einem schnellen Trip auch viele Titel links liegen lässt, bevor man überhaupt die zehn Stundenmarke geknackt hat, ist leider die bittere Wahrheit. Nur der Videospielgott höchstpersönlich weiß, wie viele potenzielle nostalgische Erinnerungen mir durch die Lappen gegangen sind, nur weil ich auf der Suche nach der schnellen Begeisterung gewesen bin.

Genau dann, als ich glaubte, nichts mehr zu finden, das mir den nötigen Reiz geben würde, stieß ich auf die Persona-Reihe. Dämonen sammeln, mit Dämonen plauschen, skurrile Charaktere, Schulwahnsinn, virtuelle Mädchen daten, Dungeons unsicher machen und wenn ihr glaubt, dass diese Aufzählung schon verwirrend genug ist, dann wartet erst das eigentliche Spiel ab. Bevor ich mir wegen Persona 3 Portable die Finger fusselig tippe, hier eine kleine Unterrichtsstunde in Sachen Persona.

Die Anfänge

Atlus veröffentlichte am 20. September, 1996 den ersten Teil der Personareihe für die PlayStation. Was damals als Spin-Off zu Shin Megami Tensei angedacht war, entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren als eigenständige Spielreihe, die sich im Osten und Westen zunehmender Begeisterung erfreuen darf. Wie auch schon die Hauptreihe, basiert Persona auf das Prinzip des Sammelns und Züchtens. Letzteres Wort müsste eigentlich mit “Fusionierens“ substituiert werden, aber halten wir es für alle doch erst mal simpel und verständlich. Persona macht im Grunde das, was Pokémon weltweit zum Kassenschlager gemacht hat: Es weckt den Sammeltrieb in uns. Bevor ich irgendwo in den Kommentaren lese, dass Persona nur ein Abklatsch von Pokémon ist: Das erste Spiel der Hauptreihe, Digital Devil Story: Megami Tensei, erschien 1987 für Japans Famicom, hat also schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel. Und bis auf das Sammeln und “Züchten“ irgendwelcher Viecher, teilen Pokémon und Persona keine größeren Gemeinsamkeiten, außer natürlich das Genre des JRPG.

Nur eine ungefähre Timeline. Bei über 40 Spielen auch kaum zu bewältigen. Danke an Jack F.

Das Gameplay

Dungeon-Alltag in Persona

Shin Megami Tensei, das bedeutet durch Dungeons kriechen wie in Wizardry. Keine übersichtliche Karte und ziemlich begrenztes Automapping, machen aus Persona ein Spiel für eingefleischte Fans des Genres. Ihr müsst euch also gegebenenfalls eigene Karten zeichnen, um in den labyrinthartigen Dungeons zurechtzukommen. Hinzu kommt, dass ihr, sobald ihr ein Dungeon betretet, in die Egoperspektive wechselt. Reichlich Sitzfleisch wird benötigt, denn durch eine hohe Random Encounter-Rate wird auch noch das letzte bisschen Freizeit aus eurem Kalender gestrichen. Persona 1 ist allerdings der erste und letzte Teil der Personareihe geblieben, der derart harte Geschütze gegen Fans leichterer Spielkost auffährt.

Das Kampfsystem der Personareihe basiert auf rundenbasiertes Zerschnetzeln von Gegnern. Es gibt normale Angriffe, wie zum Beispiel Schwerthiebe, die eher mäßigen Schaden anrichten, und natürlich die Angriffe eurer Personas, die quasi die Magic Spells aus bekannteren Genrevertretern ersetzen. Auch hier gibt es unterschiedliche Angriffs- und Personatypen, so dass von euch strategisches Geschick erfordert wird, um Feinde möglichst effektiv aus dem Weg zu räumen.

Aus drei mach eins – Fusion!

In Persona 1 und 2 wird das Kampfsystem noch durch Interaktionen mit Dämonen ergänzt, was zum einen neue Items und Geld einbringen kann, zum anderen aber umso wichtiger ist, um an neue Personas zu kommen. Diese fusioniert ihr dann zu noch stärkeren Personas, die mit höheren Levels und neuen Attacken ausgestattet sind.

Das Fusionieren ist einer der wichtigsten Elemente des Spieles, da Personas nur bis zu einem bestimmten Level stark genug sind und irgendwann aufhören neue Attacken zu erlernen. In den späteren Teilen der Serie fällt das Plaudern mit Gegnern zwar weg, der Sammelaspekt bleibt aber nach wie vor erhalten. Nach einem gewonnen Kampf könnt ihr durch eine Art Minispiel an neue Personas kommen, was im Vergleich zur alten Plauder-Methode deutlich schneller vonstatten geht.

Die Maskerade

Ich habe viele Rezensionen zu Persona gelesen, doch die wenigsten befassten sich mit der eigentlichen Bedeutung des Wortes und damit auch der Bedeutung im Spiel. Man liest immer wieder Sätze wie „Personas sind Wesen, die die Persönlichkeit des Helden widerspiegeln“, oder so ähnlich. Ist so natürlich richtig, leider wird das Thema mit Sätzen wie diesem aber gerade mal sanft angeschnitten, um sie bei der nächsten Gelegenheit im Keim zu ersticken. Kein Wunder, bietet jedes SMT-Spiel genug Stoff, um damit ganze Bücher voller Interpretationen zu füllen.

Doch was bedeutet Persona? Persona kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt nichts anderes als Maske. Im antiken Griechenland fand das Wort im Theater eine tragende Rolle. Darsteller trugen eine “Maske“, also Persona, um eine Rolle im Bühnenspiel zu verkörpern. Als Darsteller verdeutlichte man sich also, auf der Bühne eine völlig andere Person zu sein, als man Außerhalb dieser gewesen ist.

Fast 2000 Jahre später inspirierte diese Definition den Psychiater Carl Gustav Jung bei seinen Forschungen über das menschliche Ich. Jeder Mensch trägt eine Maske, die er anderen Menschen, bzw. der Gesellschaft, zeigt, um sein wahres Ich zu verbergen. Die verschiedenen Teile des Unterbewusstseins bezeichnete Jung als Animus und Anima, siehe rechtes Bild.

Hierbei fallen zwei Dinge auf, die in der Personareihe auf die ein oder andere Art thematisiert werden. Carl Gustav Jung bezeichnete die Persona als Schutz vor Umwelteinflüssen. Dies lässt sich auch auf die Spiele übertragen, denn dort werden die Personas benötigt, um sich gegen Dämonen und Shadows zur Wehr zu setzen. Aber das ist nur die offensichtlichste Verbindung. Jung beschrieb, dass die Persona das Gesicht ist, dass der Mensch bewusst seiner Umwelt zeigt, um in der Gesellschaft nicht aus der Reihe zu tanzen – oder Teil einer bestimmten Gesellschaftsklasse zu sein. Diese Anpassung kann Konflikte mit den unterbewussten Teilen Animus und Anima verursachen.

In Persona 4 steht diese Thematik ganz besonders im Vordergrund. Die Charaktere müssen sich ihrem wahren Ich stellen. Wurde das wahre Ich akzeptiert, erhielt der jeweilige Charakter die Macht sein Persona zu beschwören. Der namenlose Hauptcharakter besitzt gleich mehrere Personas, was vermuten lässt, dass der Held des Spiels viele verschiedene Masken trägt. Wenn man bedenkt, dass bisher alle Hauptprotagonisten der Personareihe eher schweigsame Genossen waren, ist die Sache mit den vielen Personas vielleicht ein Hilfsmittel, um dem Spieler die Möglichkeit zu geben, sein Unterbewusstsein in den Helden einzupflanzen.

Und Heute?

Mittlerweile dürfte Persona den meisten Genreliebhabern ein Begriff sein. Ob man es gespielt hat, oder nicht, verfolgt man als eifriger JRPG-Zocker News aus dem fernen Osten, so kommt man an das Aushängeschild von Atlus gar nicht mehr vorbei. Gerade Persona 4 hat in den letzten Monaten wieder für eine Menge Wirbel gesorgt. Erst gab es ein Musical, dann ein Remake für die Vita – Persona 4: The Golden dürfte die Vita in Japan zumindest aus der absoluten Versenkung gezogen haben -, eine komplette Animeserie und mit Persona 4: Arena sogar ein Beat ‘em Up für die heimischen Konsolen. Da grenzt es doch eigentlich fast schon an ein Wunder, dass den meisten deutschen Zockern bei dem Wort Persona eher langweiliger Lateinunterricht in den Sinn kommt. Sei’s drum – Mit dem wachsenden Erfolg des Franchise, dürfte sich dieser Zustand in baldiger Zukunft ändern.

Von LoBoDreamZ