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Im Test! Wo Long: Fallen Dynasty – Complete Edition

TitelWo Long: Fallen Dynasty Complete Edition
Japan07. Februar 2024
Koei Tecmo
Nordamerika06. Februar 2024
Koei Tecmo
Europa06. Februar 2024
Koei Tecmo
SystemPlayStation 4/5, Xbox Series, Xbox One, PC
Getestet fürPC (Steam)
EntwicklerTeam Ninja
GenresSoulslike
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Nordamerika Japan

Bereits vor langer Zeit hat bei mir die sogenannte Soulslike-Fatigue eingesetzt. Nach dem atemberaubenden Erfolg der Dark-Souls-Reihe wurde der Markt mit weiteren Genre-Ablegern wortwörtlich überschüttet. Heute kann man keinen Gamestore mehr durchsuchen, ohne von Soulslikes erschlagen zu werden. Daher habe ich mir eine Pause von dem Genre genommen, vor allem, da mein Favorit Bloodborne bereits früh in dieser Phase veröffentlicht wurde.

Doch auch die beiden Nioh-Spiele habe ich mit weitaus mehr Elan gespielt als die Dark-Souls-Reihe an sich. Ein gemeinsamer Nenner für diese drei Spiele zu finden ist nicht schwer. Ich mag meine Soulslike-Kampfsysteme schnell und dynamisch. Und was könnte eine bessere Ausrede sein, sich erneut in das Genre zu stürzen, als der Release der Complete Edition von Team Ninjas Wo Long: Fallen Dynasty, welches einst den prestigeträchtigen Award auf JPGames errungen hat?

Liebesdreieck

Wo Long: Fallen Dynasty eröffnet mit dem namenlosen Protagonisten, der sich inmitten des legendären chinesischen Kulturguts Romance of the Three Kingdoms ca. 300 n. Chr. wiederfindet. Hier werden in typischer Nioh-Manier historische Fakten und Personen mit einem mystischen Touch belegt.

Zusammen mit oder gegen diese realen Personen zieht der Protagonist in den Kampf, um einem bösen Zauberer, der die Weltherrschaft an sich reißen will, das Handwerk zu legen. An sich also eine simple Geschichte, gespickt mit einem Hauch Zauber und Realität. Leider beweist das Entwicklerteam damit einmal mehr, dass mitreißende Geschichten und memorable Charaktere nicht zu ihren Stärken zählen.

Für diejenigen, die nicht mit den historischen Fakten vertraut sind, werden viele der ähnlich klingenden chinesischen Namen und die Charaktere, welche die Bühne ebenso schnell wieder verlassen wie sie aufgetaucht sind, für mehr Verwirrung als Klarheit sorgen. Auch der Hauptcharakter bleibt bis zum Ende nur eine leere Hülle, die ausschließlich zum Kämpfen geeignet ist. Eine gute Erzählung oder emotionale Bindung ist so natürlich unmöglich. Da vermisst man schon den guten, alten, simplen Jack.

Das hat die Entwickler aber nicht davon abgehalten sauber inszenierte Zwischensequenzen in jede Mission zu stecken. Diese sehen teils sehr beeindruckend aus, aber die oben genannte emotionale Verbindung fehlt einfach. Gespart hat man offensichtlich auch nicht am Charaktereditor. Hier kann man sicherlich stundenlang damit verbringen, die verschiedenen Falten auf dem Gesicht einer alten, kleindimensionalen Dame mit einer Muskeldefinition wie Mr. Universe und einem beachtlichen Vorbau zu platzieren.

Das macht auf jeden Fall Spaß, aber der Preis, den man für einen eigens kreierten Charakter zahlt, ist nun mal meist seine zurückhaltende Rolle in der Geschichte.

Story mau, Optik wow

Storytechnisch bietet die Complete Edition von Wo Long: Fallen Dynasty natürlich auch die drei DLCs, die nach dem Release veröffentlicht wurden. Aber von dieser Perspektive sollten die drei Zusatzkapitel nicht betrachtet werden. Denn die ohnehin verwirrende und schwach erzählte Geschichte wird hier nur mehr und nicht besser. Die Stärke der DLCs und der eigentliche Sinn sind der Ausbau der Kampffertigkeiten, die Vorstellung neuer Waffen und selbstverständlich die knallharten Bosskämpfe. Von dieser Perspektive aus funktionieren die drei DLCs deutlich besser, dazu aber später mehr.

Optisch ändert eine Complete Edition selbstverständlich nicht viel an dem eigentlichen Spiel, aber technisch gibt es einige große Vorsprünge. Wer Wo Long: Fallen Dynasty zum Release gespielt hat, erinnert sich sicherlich an die vielen technischen Fehler und Probleme, welche einem flüssigen Spielablauf im Weg standen. Davon ist in diesem Gesamtpaket nichts zu spüren und selbst auf Steam Deck kann man ohne fallende Framerate bis zum Ende Spaß haben. Auch wurden die grafischen Pop-ups und Texturfehler ausgemerzt, was zu einem unverändert schönen Bild führt.

Wo Long: Fallen Dynasty besticht nämlich nach wie vor mit seinen optisch diversen Maps, die von der tiefsten Hölle bis zu den höchsten, verschneiten Berggipfeln führen. Diese Abwechslung und die detailreichen Areale sorgen dafür, dass einem beim Erkunden niemals langweilig wird. Und auch wenn andere Soulslikes deutlich größere Maps bieten, so sehen die meisten nicht so schön aus oder lassen sich nicht annähernd so befriedigend spielen wie Team Ninjas neustes Werk.

Auch die Charaktermodelle beeindrucken vor allem in den schön inszenierten Zwischensequenzen. Die üppigen Effekte und schnellen Animationen vollenden dann das Gesamtbild. Und so bleibt Wo Long: Fallen Dynasty auch heute noch eines der optisch schönsten Soulslikes.

Dreh voll auf

»Wer jedoch das perfekte Timing erst einmal verinnerlicht hat, wird nicht nur viel Spaß mit Wo Long: Fallen Dynasty haben, sondern auch wesentlich angenehmer durch die Kampagne kommen als durch die meisten anderen Soulslikes.«

In Sachen Sound konnte das Spiel schon am ersten Tag beeindrucken und das ist ebenfalls weiterhin der Fall. An Synchronisationen werden die typische englische und japanische geboten, aber auch die weitaus passendere chinesische. Diese wirkt initial zwar etwas befremdlich, sorgt jedoch für eine einzigartige und deutlich passendere Atmosphäre. Dasselbe lässt sich vom Soundtrack behaupten. In diesen ist nämlich viel Arbeit hineingeflossen. Ein episches Stück nach dem anderen wird dem Spiel vom gigantischen Orchester um die Ohren gehauen, sodass der Blutdruck passenderweise in die Höhe getrieben wird. Selbst außerhalb des Spieles hören sich die Stücke fantastisch an, was heutzutage leider eine Seltenheit ist.

Wo Long: Fallen Dynasty spielt sich wie eine gelungene Kombination aus Nioh und Sekiro. So oder so ähnlich haben die meisten Meinungen geklungen, als die Demo zum Spiel kurz vor dem Release veröffentlicht wurde. An dieser Aussage gibt es auch nichts auszusetzen, denn sie stimmt. Es ist ein unglaublich schnelles und dynamisches Spiel der Soulslike-Familie, welches sich auf das Parieren konzentriert. Während man zum Beispiel bei Dark Souls zu Beginn mehr Zeit hinter als vor einem Schild verbracht hat, legen es die Entwickler von Team Ninja darauf an, dass jeder Spieler sofort die Grundlagen versteht und meistert. Denn bereits der erste Bosskampf ist die größte Hürde im gesamten Spiel.

Selbst mit den optionalen Ausrüstungssets, die mit der Complete Edition einhergehen, wird dieser Kampf nicht viel leichter. Wer jedoch das perfekte Timing erst einmal verinnerlicht hat, wird nicht nur viel Spaß mit Wo Long: Fallen Dynasty haben, sondern auch wesentlich angenehmer durch die Kampagne kommen als durch die meisten anderen Soulslikes.

Gib mir den Boss!

Ich persönlich sehe das als absolute Stärke, denn wie anfangs erwähnt habe ich die Lust auf oftmals unfaire und knallharte Titel verloren. Wo Long: Fallen Dynasty ist dieser Balanceakt nach einigen Stunden fantastisch viel besser gelungen und es geht sogar so weit, dass man sich als Spieler wie eine unaufhaltsame Kampfmaschine fühlt. Trotzdem sind die Kämpfe nie zu einfach geworden, was dazu geführt hat, dass jede größere Auseinandersetzung stets befriedigend endete.

Zusammen mit den drei DLCs wurden eine Handvoll neuer Waffen und Gegnertypen vorgestellt. Erstere hatte das Spiel nicht unbedingt nötig, aber die Peitsche war ein interessanter Zusatz. Letztere jedoch waren bitter nötig, denn für seine Gegnervielfalt war Wo Long: Fallen Dynasty nun wirklich nicht bekannt.

Am Ende lebt das Spiel von den brachialen und harten Bosskämpfen, was auch der wichtigste Grund für die Anschaffung der Complete Edition ist. Denn was an Story fehlt, wird durch die fantastischen Bosskämpfe wieder wettgemacht. Hier liegt der wahre Spielspaß! Diskutieren könnte man jedoch über den Endkampf des letzten DLCs. Damit haben die Entwickler ein klein wenig zu weit über die Stränge geschlagen. Um diesen Boss zu erlegen sind weitaus mehr als nur Nerven aus Stahl und die Geduld eines Heiligen nötig.

Zu unscharf, zu langsam, zu schade

Wo Long: Fallen Dynasty ist auf Steam offiziell als Deck-kompatibel verifiziert. Das bedeutet, dass man es einfach runterladen und spielen kann, ohne zusätzliche Arbeit investieren zu müssen. Trotzdem gibt es einige Hürden. Wenn man das Spiel herunterlädt, dauert es zunächst einige Minuten bis der Speicherplatz reserviert wird und der eigentliche Download startet. Euer Steam Deck ist also nicht abgestürzt oder eingefroren, wenn ihr auf Herunterladen drückt.

Da das Spiel optisch so aufwendig ist, sind natürlich auch alle Optionen, mit Ausnahme der Textur-Qualität, auf niedrig zu stellen. Auf dem kleinen Bildschirm ist die optische Qualität so trotzdem noch gut genug und die 30 fps werden dauerhaft gehalten. Für die beliebten 40 fps bei 40 Hz reicht es leider nicht. Dennoch kann man so auf Steam Deck das Spiel komplett durchspielen, aber will man das auch?

Wo Long: Fallen Dynasty zählt du den wenigen Titeln, die mir auf Steam Deck trotz guter Performance nicht gefallen haben. Der kleine Bildschirm wird schnell mal von vielen optischen Elementen überladen, so dass die Gegner nicht gut zu lesen waren. Und wenn man damit schon Probleme hat, helfen die 30 fps nicht wirklich weiter. Da das Parieren im Vordergrund steht, geht es um Millisekunden an Reaktionszeit. Hier sind sowohl ein großer Bildschirm als auch ein scharfes Bild und eine hohe Bildrate unabdingbar.

Ja und Nein

Wo Long: Fallen Dynasty ist nach wie vor ein toller Ableger des Soulslike-Genres. Es ist schnell, dynamisch, knallhart und trotzdem nicht frustrierend. Wenn man erst einmal das Timing im Blut hat, läuft alles rund. Dazu sieht es gut aus und hört sich fantastisch an. Auch was die Performance angeht gibt es mittlerweile nichts mehr auszusetzen. Somit kann ich jedem Freund des Genres oder jedem, der daran interessiert ist, dieses Spiel ans Herz legen.

Mit der Complete Edition kommen die drei recht kurzweiligen DLCs hinzu. Großes Plus sind natürlich die damit zusammenhängenden brachialen Bosskämpfe, die neuen Waffen, Gegnertypen und Gottbestien. Leider ändern diese drei Zusatzkapitel nichts an der größten Schwäche des Spiels, nämlich der Geschichte. Vor allem als historischer Laie wird man weit zurückgelassen.

Auch wenn das Spiel für Steam Deck verifiziert ist und einigermaßen hübsch in 30 fps läuft, empfehle ich mit gebrochenem Herzen eine andere Plattform. Denn ein präzises Auge und schnellere Reflexe sind für Wo Long: Fallen Dynasty ein absolutes Muss.

 

Story

Mystische und übernatürliche Erzählung von chinesischem Kulturgut. Gut inszeniert, aber zu konfus, unmemorabel und mit einem viel zu passiven Protagonisten.

Gameplay

Schnell, dynamisch und hart. Tolles Soulslike mit interessanten neuen Systemen und viel Hilfe für Neulinge. Die Bosskämpfe sind natürlich der absolute Höhepunkt.

Grafik

Tolle Charaktermodelle und wunderschöne, vielfältige Areale machen aus diesem Spiel einen der schönsten Genre-Ableger.

Sound

Gut aufgelegte englische, japanische und sogar chinesische Sprecher. Zusammen mit den wuchtigen Soundeffekten und dem treibenden Soundtrack entsteht ein tolles Gesamtpaket.

Sonstiges

Zusammen mit den DLCs wird man mindestens 45 Stunden beschäftigt sein. Das ausufernde Lootsystem aus den Nioh-Spielen muss einem dafür aber gefallen.

Bildmaterial: Wo Long: Fallen Dynasty, Koei Tecmo, Team Ninja

1 Kommentar

  1. Als die Complete Edition angekündigt wurde, hatte ich gedacht, dem Spiel eine Chance zu geben, aber dass es die nicht physisch gibt ist schade.

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