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Im Test! Xenoblade Chronicles 3

TitelXenoblade Chronicles 3
Japan29. Juli 2022
Nintendo
Nordamerika29. Juli 2022
Nintendo
Europa29. Juli 2022
Nintendo
SystemNintendo Switch
Getestet fürNintendo Switch
EntwicklerMonolith Soft
GenresJRPG
Texte
Deutschland Nordamerika
VertonungNordamerikaJapan

Am 29.07.22 erschien hierzulande der dritte Teil der Xenoblade-Chronicles-Saga. Viele von euch werden den Titel bereits ihr Eigen nennen können, ihn bereits gespielt, ihn beendet haben. Mit Verzögerung kommt nun unser Test dazu, der auch gleichzeitig die bisherigen Stufen des Season-Pass beleuchten wird und um die zukünftigen Stufen erweitert werden soll. Folgt uns also auf eine Reise, in die der Redakteur bereits weit mehr als 200 Stunden Lebenszeit investiert hat. Ob es sich gelohnt hat oder ob der Titel nach wie vor ein paar Kanten hat, die es auszubügeln gilt, erfahrt ihr hier.

Ein immerwährender Konflikt

Ihr begleitet Noah, einen Soldaten, der auf dem Schlachtfeld die Seelen der gefallenen Kameraden segnend ins Jenseits begleitet. Mit seinen Kameraden erlebt er einen ewig andauernden Konflikt zweier Supermächte. Ein Konflikt ausgetragen zwischen Kolonien, zwischen Soldaten, die sich gegenseitig die eigene Lebensenergie entreißen, um das eigene Leben zu verlängern und das Überleben der Gruppe zu sichern.

Ein bizarrer Kampf um das eigene Leben, was nur einen Wimpernschlag währt. Ein Leben, dem ihr euch angepasst habt, das Normalität im Strudel des euch umgebenden Chaos bietet. Ein Leben, das ihr trotz allem als sinnhaft wähnt und nicht anzweifelt. Der Kampf als Lebenszweck im Angesicht des allgegenwärtigen Todes.

In diesem Chaos nehmt ihr eine Mission an, die euch wie gewöhnlich in den Kampf gegen feindliche Kolonien schickt. Jedoch soll euch diese Mission aus eurem „sicheren“ Kokon reißen. Mit der Einmischung einer dritten Partei werden die einstig anerkannten Machtverhältnisse auf den Kopf gestellt. Euer Leben, wie ihr es kennt, verliert sich in einer Jagd nach der Wahrheit und dem Sinn eurer eigenen Existenz. Eine Reise voller Überraschungen, Freud und Leid.

Ein Wechselbad der Gefühle und Qualität

Die Geschichte rund um Noah und seine Kameraden ist eine spannende, wechselhafte Erzählung mit interessanten Twists, die zum Teil vom Entwickler über weite Strecken wie Brotkrumen ausgestreut werden. So kann sich der Spieler im Vorfeld Gedanken über die nächsten Höhepunkte und deren mögliche Ausgänge machen. Natürlich bedient sich auch Xenoblade Chronicles 3 typischer Klischees und Tropes, aber das trägt zumeist eher zu Lachern bei als zu wirklicher Abneigung.

Manchmal jedoch handeln eure Helden etwas irrational auf einschneidende Situationen. Als wären manche Dinge gottgegeben, lässt dies die Figuren unbekümmert, obwohl diese gerade mit jeder Faser gegen die Gegebenheiten ankämpfen. Das wirkt stellenweise etwas unausgeglichen und fremd, an anderen Stellen wieder passend und in Bezug auf ihre Herkunft realistisch. Wirklich schön sind die vielen Eastereggs aus Xenoblade 1 und 2. Spieler der beiden Vorgänger werden in Teil 3 so einiges finden können.

Abseits der Hauptgeschichte erwarten euch viele Nebenquests, die sich auch nochmal in verschiedene Kategorien unterteilen. Hierbei schwankt die Qualität der Inszenierung beständig. Während einige Quests besonders rund wirken, fallen andere wiederum in der Qualität ab und wirken tatsächlich nur als hübsches Beiwerk. Dabei ist es irrelevant, ob es sich hierbei um Helden- oder Subquests handelt. Schade, denn über weite Strecken sind die kleinen Geschichten recht interessant geschrieben.

Gleiches gilt für die Hauptgeschichte. Diese ist über weite Teile imposant geschrieben, hat stellenweise aber auch ihre Längen. Die Antagonisten sind in die Hauptgeschichte gut eingebunden, verlieren in den Nebenmissionen aber leider an Wert, da es zumeist der dramaturgischen Elemente der Hauptgeschichte fehlt. So verkommen viele nur als reine Statisten, die es zu bekämpfen gilt. Wie gesagt viele, nicht alle. Doch ein Spiel besteht ja nicht nur aus der Story, sondern auch aus anderen Segmenten. Schauen wir uns als Nächstes mal den Sektor des Gameplays an und wie sich der Titel in dieser Sparte schlägt.

ATB mit Extras

Wie in jedem Rollenspiel ist der Kern des Gameplays das Kampfsystem und die Mechaniken, die drumherum aufgebaut werden und das gesamte Spiel mit Zielen neben der Geschichte befüllen. Sei es hierbei Crafting, das Sammeln von Gegenständen oder das eigene Häusle bauen. Doch fangen wir von vorne an, beim Kampfsystem.

Beim Kampfsystem handelt es sich um eine Variante des Active-Turn-Based-Systems. Gerade zu Beginn des Spiels laden sich eure Fähigkeiten nach einer gewissen Zeit nach Einsatz wieder auf. Jede Fähigkeit hat dabei ihren eigenen Zeitrahmen. Dieser wird wichtig, sobald ihr im Spiel die zweite Form des ATBs freigeschaltet habt. Sobald euch die Möglichkeit geboten wird, Kampfklassen zu wechseln, erhaltet ihr ein zweites Skillset, das sich im späteren Verlauf auch mit dem anderen verknüpfen lässt und so Kombinationsangriffe, sogenannte Fusion Arts, freischaltet.

Dabei unterscheidet sich die Art und Weise, wie sich die Skills aufladen. Während die eine Variante, wie bereits erwähnt, einen Timer hat, werden andere Skills durch Aktionen aufgefüllt. Genauer gesagt durch eure automatischen Angriffe, die ihr zwischen den Skillphasen einsetzt. Die richtige Kombination aus beiden erhöht die schnelle Verfügbarkeit eurer Fusionsfähigkeiten. Zusätzlich besitzen eure Fähigkeiten noch weitere Effekte. Richtig aneinandergereiht könnt ihr den Gegner so durch kurze Kombos lähmen, in die Luft werfen und von dort zurück auf den Boden der Tatsachen bringen.

Während des Einsetzens eurer Fähigkeiten wird auch eine klassenspezifische Spezialfähigkeit aufgeladen, die unterschiedlich in den Kampf eingreift. Diese aufzuladen kann je nach Klasse unterschiedliche Bedingungen besitzen. Als Beispiel kann man die typischen Angriffsklassen in Xenoblade Chronicles 3 benennen, die ihre Spezialfähigkeit schneller aufladen können, wenn sie ihre Angriffsfähigkeiten aus bestimmten Richtungen abfeuern, zum Beispiel im Rücken des Gegners.

Limitangriffe und Ouroboros-Form

»Bei all den Menüleisten und Effekten in den Kämpfen kommt es gar manches Mal, dass ihr die Übersicht verliert. Nichtsdestotrotz macht das Kämpfen in Xenoblade Chronicles 3 eine Menge Spaß.«

Daneben füllt sich eine weitere Leiste, die, wenn einmal gefüllt, mächtige Kettenangriffe auf den Gegner herabregnen lässt. Dies muss man sich folgendermaßen vorstellen: Sobald die Leiste gefüllt und die Kette aktiviert wurde, wechselt man in ein separates Kampfmenü. Die Zeit wird hierbei verlangsamt und ihr müsst auswählen, welche eurer Helden angreifen sollen. Ziel ist es, eine Anzeige auf mindestens 100 %, bis zu einem Maximum von 200 %, zu füllen, um einen Spezialangriff ausführen zu können. Je höher ihr die Leiste treibt, desto mehr, aber maximal drei der verwendeten Helden können in der nächsten Runde wieder eingesetzt werden, um weitere Angriffsfolgen zu verketten.

Das Ganze gipfelt dann letztlich in der Ouroboros-Form, in der man mächtige Angriffe innerhalb einer bestimmten Zeit einsetzen kann. Hierfür verbinden sich zwei Figuren zu einer höheren Wesensform, der Ouroboros. Dies kann in brenzligen Situationen nützlich sein, um angeschlagene Charaktere kurzzeitig aus dem Geschehen zu entfernen, aber trotzdem Schaden auszuteilen oder zu heilen. Die Form hält dabei nicht ewig an, auch hier existiert ein Timer, der langsam abläuft. Einmal außer Acht gelassen, könnt ihr aufgrund von Überhitzung nicht gleich wieder in diese Form wechseln.

Die Form der Ouroboros kann wiederum auch in die Kettenangriffe mit eingebracht werden, um den Gegner noch schneller zu besiegen. Gerade auf Leicht führt diese Form dazu, dass ihr Gegner fast sofort K. o. macht. Man merkt, dass gerade diese Form zu stark ist und eigentlich erst wirklich auf Schwer sich vollständig entfalten kann. Zusätzlich könnt ihr durch das Erlernen neuer Fähigkeiten diese Form verstärken oder das Zeitlimit für den Einsatz erhöhen. Punkte erhaltet ihr durch das Bekämpfen von Gegnern. Bei all den Menüleisten und Effekten in den Kämpfen kommt es gar manches Mal, dass ihr die Übersicht verliert. Manchmal ist weniger doch mehr. Nichtsdestotrotz macht das Kämpfen in Xenoblade Chronicles 3 eine Menge Spaß.

Von legendären und einzigartigen Monstern

Die Welt in Xenoblade Chronicles 3 ist von mannigfaltigen Kreaturen bewohnt und natürlich stehen euch auch gegnerische Kolonien im Weg. Eure Widersacher werden dabei in drei Hauptkategorien unterteilt. Normaler Schmutz, den ihr einfach beiseitekehrt, legendäre Monster, die ihr anhand ihres blauen Banners und ihrer Größe erkennt, und den einzigartigen Gegnern, teils wahre Giganten ihrer Spezies, ausgezeichnet mit einem roten Namensbanner. Jede dieser Stufen kann es in normaler und seltener Ausführung geben.

Dies hat letztlich aber nur Auswirkung darauf, welche und wie viele Gegenstände ihr nach einem Kampf erhaltet. Ansonsten unterscheiden sich gerade die letzten beiden Kategorien durch ihre Nehmerqualitäten. Wirklich interessant sind aber eigentlich nur die einzigartigen Monstern, da ihr später von diesen, verzeiht den Final-Fantasy-Ausdruck, „Blaumagie“ für eine Kampfklasse erhalten könnt.

Helden und der Klassenkampf

Wie bereits kurz erwähnt, ist Xenoblade Chronicles 3 ein klassenbasiertes Spiel. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Hauptklassen – den Angreifer, den Tank und den Heiler. Diese können sich aber je nach definierter Aufgabe weiter unterscheiden. Zu Beginn stehen euch dabei nur wenige Klassen zur Verfügung und auch der Wechsel der Klassen wird euch erst nach und nach zugänglich gemacht. Mit der Zeit könnt ihr Story-bedingt aber auch durch aktives Suchen neue Klassen freischalten. Diese Klassen manifestieren sich in Helden – besondere Charaktere, die ihr in der Geschichte rund um Xenoblade Chronicles 3 finden könnt.

Einmal eurem Team hinzugefügt, kämpfen sie für euch als Gastcharakter und vererben einem eurer Helden diese Klasse. Durch aktives Nutzen der neuen Klasse und den neuen Helden können eure anderen Teammitglieder diese mit der Zeit ebenfalls lernen. Jede Klasse verfügt über unterschiedliche Skills und passive Fähigkeiten. Ein paar zusätzliche Fähigkeiten schaltet ihr durch das Aufsteigen innerhalb der Klasse frei. Zu Anfang unterliegt ihr allerdings einem Limit und könnt die Klasse nicht vollständig ausreizen.

Erst mit dem Absolvieren der jeweiligen Heldenquest könnt ihr diese Schranke entfernen und alle Fertigkeiten erlernen. Der Vorteil hier liegt in der Anpassung eurer Klassen. Einmal erlernte Fertigkeiten könnt ihr auf andere Klassen schieben und so die Vielseitigkeit eurer Klasse erhöhen, aber auch hier gibt es Grenzen, da die Fähigkeiten, die verschoben werden können, vordefiniert sind. Ein Tank mit Heilfähigkeiten, kein Problem.

Natürlich hat auch dieses System seine Grenzen in der Nutzbarkeit, es vereinfacht euch die Kämpfe aber ungemein. Bei all diesen Elementen und Mechaniken verliert man naturgegebenermaßen schnell den Überblick oder vergisst stellenweise etwas. Hierfür hat Monolith Soft wieder jede Menge Hilfen, Tutorials und einen kleinen Kampfsimulator zur Wiederholung der Übungen bereitgestellt. Wie immer wird man gefühlt von der Menge erschlagen, dies scheint ein bleibendes Merkmal japanischer Rollenspiele zu sein und wird wohl auch in Zukunft so bleiben.

Sammeln, Craften, Kochen oder Nebentätigkeiten mit Makeln

Was gibt es jedoch abseits der Mainstory, den Subquests und den Kämpfen zu entdecken? Leider nicht so viel. Ab einer gewissen Zeit kommen das Kochen und das Erschaffen von Edelsteinen hinzu. Beides kann man jetzt nicht wirklich als Minigames bezeichnen und sind eher zweckdienlicher Tand, um dem Sammeln von Gegenständen einen größeren Nutzen zu geben. Diese beiden Systeme bieten euch neue Buffs, die entweder temporär oder dauerhaft wirken.

Beim Kochen fallen diese zeitbegrenzt aus, die Boni unterscheiden sich auch je nach Mahlzeit. Bestimmte Mahlzeiten erhöhen zum Beispiel die Anzahl fallengelassener Gegenstände oder ihr erhaltet mehr Klassenpunkte für besiegte Gegner. Das ganze Kochsystem ist aber recht minimalistisch gehalten. Ihr sucht im Prinzip nur die Rezepte und profitiert von den festgelegten Boni. Ich hätte mir hier ein etwas komplexeres System in Form eines Minispiels gewünscht, bei dem Mananas viel gepriesene Kochkünste erst so richtig zum Tragen kommen. Mir fehlt hier also etwas mehr Tiefe, die auch den kleinen Nopon etwas mehr hervorhebt.

Gleiches kann man eigentlich über das Craften der Edelsteine sagen. Ihr sammelt eigentlich nur die vielen verschiedenen Rohmaterialien ein und drückt am Ende eine Taste, um den Edelstein zu erschaffen. Diese können in einen von bis zu drei Slots eingesetzt werden und verbessern die Fähigkeiten der jeweiligen Klasse.

Beide Elemente, das Craften und das Kochen, sind somit eigentlich nur dafür ausgelegt, um einen Verwendungszweck für die vielen verschiedenen Gegenstände zu haben, die euch das Spiel im Sekundentakt vor die Füße wirft. Ihr werdet wirklich nahezu zugemüllt, auch wenn ihr nicht einmal auf der Jagd nach Gegenständen seid. Etwas mehr Tiefgang und Abwechslung wäre hier wünschenswert gewesen. Wer darauf keine Lust hat, der kann mittels Nopon Coins, einer sammelbaren Währung, das ganze Sammeln von Gegenständen umgehen beziehungsweise auf zwei Gegenstände reduzieren. Allerdings sind die späteren Edelsteinrezepte recht kostspielig.

Wer von euch den Season-Pass gekauft hat, bekommt noch den Challenge-Modus dazu, doch dazu später mehr. Darüber hinaus besteht zwar noch die Möglichkeit, die Kolonien weiterzuentwickeln. Dies basiert aber auch hier fast nur auf dem Erledigen von Nebenquests. Ein bis zwei Minispiele gibt es allerdings tatsächlich zu entdecken, ihr könnt ja in den Kommentaren schreiben, ob ihr diese gefunden habt. Xenoblade Chronicles 3 definiert sich also hauptsächlich durch die verschiedenen Quests und die Geschichte selbst und weniger um das Drumherum wie Minispiele.

Gegenstände, Gegenstände Gegenstände

»Es werden sich einige an den matschigen Texturen und den scharf geschnittenen Felsen im Spiel stören. Dennoch liefert Monolith eine wirklich ansehnliche Welt.«

Meine größte Kritik fällt also dem Sammeln und dem Nutzen der Gegenstände zu. Egal ob Rohmaterialien oder Accessoires zum Ausrüsten. Man wird gefühlt erschlagen. An jeder Ecke, in jedem Flusslauf und in jeder Nische gibt es Gegenstände zu entdecken. So ist es nicht verwunderlich, dass ihr bereits nach kurzer Spielzeit vermutlich Unmengen von ihnen habt. Damit kommen dann auch die Probleme. Ihr scrollt euch durch endlose Listen von Gegenständen.

Es gibt zwar so etwas wie Kategorien und ihr könnt euch auch eine Favoritenliste erstellen, aber je weiter ihr in das Spiel vordringt, desto unübersichtlicher wird das ganze System. Im Hinblick auf die Accessoires mag die hohe Anzahl noch okay sein, gerade hier kann man durch die verschiedenen Effekte viel kombinieren. Jedoch gerade für das Kochen und Craften hätte man wohl mit deutlich weniger Gegenständen haushalten können. Der Entwickler hatte hier wohl direkt ein Einsehen und legt dem Spieler mit den Nopon Coins eine Alternative vor, die sich auf das Grinden von nur zwei Gegenständen begrenzt. Zumindest grindet und sammelt man in einer wunderschönen und weitläufigen Welt.

Wunderschön auf Entfernung, Matsch aus der Nähe

Womit wir auch schon bei der visuellen Ausgestaltung des Spiels angekommen sind. Hier, und dabei müssen wir ehrlich sein, darf niemand ein State-of-the-Art-High-End-Wunder erwarten. Schon die Leistung im Vergleich zu anderen Systemen lässt dies nicht zu. So werden sich einige an den matschigen Texturen und den scharf geschnittenen Felsen im Spiel stören. Dennoch liefert Monolith eine wirklich ansehnliche Welt. Gerade aus der Entfernung wirkt alles wie aus einem Guss.

Ich habe mich des Öfteren dabei ertappen dürfen, wie ich einfach nur in der Gegend rumstand und meinen Blick in die Ferne hab schweifen lassen. Monolith Soft konnte so vieles an Atmosphäre aufbauen, im Verbund mit dem ruhigen Soundtrack, den Violinen, die sich sacht mit der Gischt des Meeres vermischen. Ein beruhigendes Schauspiel. Was allerdings nicht geht, sind die, wenn auch selten auftretenden, Abstürze und Anfälle von Bildstottern, die kurz vorher mit dem Absturz einhergehen. Das reißt einen wiederum komplett aus dem Spiel raus, was sehr schade ist, denn der Entwickler weiß, wie man gutes Worldbuilding macht und wie man eine grafisch homogene Welt aufbaut.

Schöner Soundtrack und gute Sprecher

Der Soundtrack in der dritten Auskopplung der Xenoblade-Chronicles-Reihe stammt aus den Händen mehrerer Künstler. So floss unter anderem die Erfahrung von Yasunori Mitsuda mit ein, der unter anderem auch schon Stücke für die Shadow-Hearts-Reihe entwickelt hatte. Gerade das Flötenspiel hat in Xenoblade Chronicles 3 ein starkes Segment eingenommen, passend zum tiefgreifenden Flötenspiel von Noah und Mio, den beiden Protagonisten.

Besonders angetan haben es mir, neben den sonst eher ruhigen Liedern, die man in den unterschiedlichen Arealen zu hören bekommt, die Battle-Themes. Gerade in den ersten Bosskämpfen haben mich diese mitgerissen und in den Bann gezogen und selbst nach nunmehr 200 Stunden Spielzeit können mich diese beeindrucken. Etwas, was mir im Gedächtnis bleiben wird.

Auch auf der sprachlichen Seite kann man punkten. Sowohl die japanische als auch die englische Synchronisation wissen zu überzeugen, wobei ich selbst eher die englische Synchronisation in diesem Fall bevorzugt habe. Man macht mit den Sprechern beider Sprachen allerdings nichts falsch.

Season-Pass

Kommen wir noch kurz zum Season-Pass von Xenoblade Chronicles 3. Bisher wurden zwei der vier Stufen veröffentlicht. Während die erste Stufe nur ein paar Items waren, um euch den Start ins Spiel zu erleichtern, fügt Monolith Soft mit der zweiten Stufe ein paar Neuheiten hinzu. Zum einen ist dies ein neuer Heldencharakter für eure Kämpferliste und zum anderen der Challenge-Modus, darüber hinaus fehlen uns auch noch zwei Stufen, die dann hier später nachgetragen werden.

Ino ist die erste künstlich hergestellte Klinge in Xenoblade Chronicles 3 und der stolz aller Nopon. Sie ist von ihrem Fähigkeitenbaum ähnlich aufgebaut wie die Ouroborusfusionen und verinnerlicht die Rolle eines Angreifers. Stimmlich, muss ich sagen, war dies tatsächlich der erste Charakter, der mir auf die Nerven ging. Ich mochte aber den kleinen Schwank hin zu den Blades aus Xenoblade Chronicles 2. Mit ihr bekommt ihr zusätzlich noch eine Helden- und eine Aufstiegsquest und ja – das war es auch schon zu Ino.

Der zweite Part der DLC-Stufe ist, wie bereits erwähnt, der Challenge-Modus. Ein Modus, in dem ihr gegen bestimmte Monster nach bestimmten Regeln kämpfen müsst. Eine nette Dreingabe, die hinsichtlich der Belohnungen vielen Spielern ab dem mittleren Teil der Geschichte nicht mehr wirklich was bringt, da diese bereits bessere Ausrüstung bekommen haben. Dennoch ist dies wenigstens eine zusätzliche Aktivität, die man abseits der Geschichte nun erleben kann und die das Spiel noch ein wenig in die Länge zieht.

Sonstiges

Bei all dem Erkunden verliert man gerne mal die Zeit oder bleibt stehen und hört sich ein wenig die Tracks im Spiel an. Dank einer Autospeicherfunktion, die nach wichtigen Ereignissen oder einem Szenenwechsel eintritt und der Möglichkeit, überall zu speichern, ist man zumeist auch vor leidigem Spielstundenverlust sicher. Jedoch vergisst man gerne mal im Fokus zu speichern oder man hält sich in einem Gebiet auf, ohne dass die Autospeicherfunktion einspringt, und gerade in diesen Situationen passiert es. Das Spiel stürzt ab und kehrt zum Konsolenmenü zurück.

Wie bereits zuvor erwähnt, kann dies in Xenoblade Chronicles 3 durchaus passieren. Es passiert selten, ist dann aber umso ärgerlicher. Hierbei handelt es sich um einen Memory-Leak-Fehler, der sich kurz vorher durch heftiges Bildstottern und dem Verzerren der Musik ankündigt. Daraus resultiert dann entweder ein Absturz oder es geht normal weiter. Der Fehler kann komplett zufällig auftauchen oder sich im ganzen Spiel nicht ein einziges Mal manifestieren. In meinen 220 Stunden Spielzeit ist dies bisher sieben Mal passiert. Ärgerlich, dass bis dato der Fehler nicht bereinigt wurde.

Was letztlich bleibt

Was soll ich, kann ich, nun zusammenfassend zu Xenoblade Chronicles 3 sagen? Ja, es hat Defizite in der Grafik und die Geschichte hat durchaus ihre Längen, aber ich wurde und werde immer noch phänomenal unterhalten. Seit nun mehr als 220 Stunden bewege ich mich durch den Titel langsam, aber stetig auf das Finale zu. Ein Grund auch, wieso das Review erst so spät erscheint. Xenoblade Chronicles 3 erfindet die Formel seiner Vorgänger nicht neu, weiß aber mit seinen Reizen nicht zu geizen und kann Spieler im Schnitt für 60 bis 100 Stunden begeistern. Manche, die es übertreiben, landen halt etwas weiter weg vom Schnitt.

Abseits der wirklichen schönen Geschichte und Nebenquests hätte ich mir ein wenig mehr Tiefgang gewünscht und auch die Abstürze müssten nicht sein. Im Review mag dies alles sehr kritisch klingen, die Geschichte wie das Kampfsystem konnten die Makel zumindest für mich komplett ausgleichen. Ich kann Xenoblade Chronicles 3 zumindest jedem JRPGler wärmstens empfehlen. Ich widme mich derweil dem Abenteuer und sehe euch beim nächsten Test wieder, sollte ich bis dahin den Titel abgeschlossen haben.

 

Story

Mitreißende Geschichte mit ein paar Längen und vielen Nebenquests. Abseits davon gibt es wenig bis keine Aktivitäten, die weder Kämpfen noch das Absolvieren von Handlungssträngen beinhalten.

Gameplay

Tiefgreifendes Kampfsystem, das durch seine verschiedenen Komponenten und den Sammelfaktor bezüglich Rohmaterialien etwas überdimensioniert wirkt, aber dennoch Spaß macht.

Grafik

Trotz der etwas altbackenen Texturen schafft es Monolith Soft, eine immersive und große Welt zu erschaffen, die in verschiedene Zonen unterteilt ist. Man ertappt sich des Öfteren dabei, stehenzubleiben und in die Ferne zu blicken. Unschöne Abstürze trüben das Bild.

Sound

Ein malerischer Soundtrack, der in seiner ruhigen Art und Weise einen zum Träumen verleitet und in den Kämpfen in Raserei verfallen lässt. Die Tracks sind wunderschön arrangiert und bleiben lange im Gedächtnis. Daneben gibt es zwei Tonspuren zur Wahl, sowohl Englisch als auch Japanisch.

Sonstiges

Der Season-Pass erweitert das Spiel um zusätzliche Gegenstände, Helden und einen neuen Modus. Bisher wurde die Hälfte des Season-Passes (2/4) veröffentlicht.

Bildmaterial: Xenoblade Chronicles 3, Nintendo, Monolith Soft

22 Kommentare

  1. Für mich ist xenoblade 3 das Spiel des Jahres. Ich wusste von Anfang an was mich da erwarten wird. Nur vom Soundtrack war ich enttäuscht. Gerade nach Torna, welches meinen Geschmack sowas von traf, dachte ich bei dem Punkt am wenigsten, dass es mich so kalt lassen würde.

    Jetzt kommt aber ein rant, den ich mir viel zu lange angestaut habe.
    Aber bei einem war ich mir sicher: Die Story wird Trash. Sorry, aber xenoblade 3 leidet unter den exakt selben Problemen wie jedes xenoblade, dem writing. Bei Teil 2 wurde es den meisten bewusst, bei X ist es am schlimmsten vertreten und bei 3 hat es mich einfach nur noch genervt.
    Die Story fühlt sich an, als wäre sie von jemanden geschrieben, der sich 10 Minuten mit Philosophie befasst hat und 10 Stunden mit Anime gucken. Denn genau das kriegt man aufgetischt. Anime Story telling. Einfach non Stop Charaktere die ihre Fresse nicht halten können. Es gibt keinen Gedanken den man haben kann, der nicht von irgendeinem Charakter rauskommen wird. Bei der Story braucht man kein Hirn, denn die Charaktere werden für dich denken, reden und reden und reden und reden. Da 95% der Story Twists aber sowas von extrem vorhersehbar sind, macht es die ganze Sache nur noch schlimmer. Weil man etwas ja nicht 1 oder 2 Mal in Details andeuten kann. Nein, es muss per-ma-nent angedeutet werden, damit wirklich JEDER weiß was kommen wird.

    Nein. Ich brauche kein "Mann, das ist schrecklich" wenn ein Charakter über ein Schlachtfeld läuft.
    Es gibt etwas das nennt man "Show, don't Tell". Das ist sowas wie eine goldene Regel. Bei xenoblade wird sowas von hart darauf geschissen, dass ist einfach nur krank.

    Ich könnte sehr viele Stellen in der Story rauspicken und ganz ins Detail erklären, warum es so kacke ist, aber ich will einfach nur den Frust loswerden.

    Es gibt haufenweise Aspekte an der Story, die NieR Automata auch behandelt. Und drei Mal dürft ihr raten, welches der beiden Spiele 100 Mal besser mit den Thematiken umgeht. Alleine daran sieht man einfach wenn jemand Ahnung von Story telling hat und sich ernsthaft mit etwas auseinander gesetzt hat. Das schlimmste ist einfach nur, dass ich Automata sogar schwächer finde als den ersten NieR, zumindest was die Story angeht.
  2. AkiraZwei schrieb:


    Da 95% der Story Twists aber sowas von extrem vorhersehbar sind, macht es die ganze Sache nur noch schlimmer. Weil man etwas ja nicht 1 oder 2 Mal in Details andeuten kann. Nein, es muss per-ma-nent angedeutet werden, damit wirklich JEDER weiß was kommen wird.
    Also ich weiss nicht. Entweder bin ich zu dumm, dass ich Story Twists nicht erraten kann oder ich möchte einfach nicht daran nachdenken und philosophieren und laufe mit Scheuklappen durch die Welt. Ist vermutlich eher letzteres. Ich möchte einfach nicht spekulieren. Ich habe auch nie erraten können
    Spoiler anzeigen
    wer oder was Z wirklich ist.

    Ich respektiere jeden der gleich auf die Dinge kommt, aber ich denke nicht, dass es für jeden vorhersehbar ist.
  3. Meine 2 Cent:

    Ich bin Anhänger der Xeno-Reihe (und von Takahashi's Ideen) seit Xenogears. Die Xenoblade Reihe hat seit einiger Zeit für mich Final Fantasy als beste JRPG-Reihe abgelöst. Und wenn wir ehrlich sind, gibt es nichts Vergleichbares.
    Final Fantasy steckt seit gefühlt zwanzig Jahren in einer qualitativen Identitätskrise, ein neues Dragon Quest erscheint vielleicht alle 5-10 Jahre (und bietet dann auch immer wieder das Selbe), die Tales Reihe glänzt seit PS3 Zeiten mit repetitiven Tropes... andere große Reihen fallen mir spontan nicht mehr ein. Hier und da gibt es ein Nier, ein Octopath Traveler, und die Trails Reihe funktioniert auch ganz gut... Aber große JRPG-Reihen gibt es fast nicht mehr.

    Mit Xenoblade 3 war ich rundum zufrieden! Das Spiel hat Mängel, das ist ganz klar. Aber man spürt den typischen Xeno-Vibe, und das reicht mir.

    Der Unterschied zu den Vorgängern: Diesmal ist beim Plot eher weniger die Lore im Vordergrund. Der Fokus der Narrative liegt eindeutig im Zusammenspiel der Gruppe und den persönlichen Entwicklungen. Und hier glänzt dieser Teil im Vergleich zu den Vorgängern. Bei Teil 1 hielt sich beides die Waage. Teil 2 hatte eine ausgezeichnete Lore, aber furchtbare Charaktere.
    Der Fokus auf der "Character-driven" Narrative schreckt vielleicht viele ab. Aber es ist eben eine Art eine Geschichte zu erzählen.

    Trotzdem sollte man die Lore nicht unterschätzen. Vieles wird angedeutet, vieles muss man sich selbst zusammenreimen, über vieles kann spekuliert werden.
    Thematisch allerdings gibt es wirklich sehr viele Überschneidungen mit Xenogears und Xenosaga. Immer wenn es darum ging, habe ich wie ein Fanboy mit der Zunge geschnalzt.

    Zum Antagonisten (Achtung, heavy Spoiler)

    Spoiler anzeigen


    Die Consuls werden nur mit dem ersten Buchstaben ihres Namens angesprochen.
    Z könnte demnach Zanza sein. Die Ziele sind erschreckend ähnlich. Jedenfalls die Idee dahinter. Ich denke, aus dem Grund haben es die Entwickler bewusst vermieden, Z in direkten Zusammenhang mit Zanza zu stellen.

    Wenn ich die anderen Xeno-Teile und deren Thematik betrachte (und sogar X miteinbeziehe) halte ich es durchaus für möglich, dass Z eine Personifizierung der Korrumpierung von Origin's Programmierung (dem eigentlichen Ziel der Arche) ist, entstanden aus der kollektiven Verzweiflung der digitalisierten Personen auf der Arche. Z ist demnach nichts weiter, als ein Computer-Virus.

    Diese Ideen sind mir sofort in den Kopf geschossen, thematisch sind wir dann wieder Xenogears, Xenosaga und Xenoblade 1. Und das finde ich verdammt faszinierend.

    Ob dies von den Entwicklern so gedacht war oder nicht, spielt für mich keine Rolle. Aber die Reihe lässt diese Interpretation offen, und mir reicht dass an Narrative oder Story.



    Ob ich Teil 3 auf die selbe Stufe wie die Vorgänger heben würde... ich weiß es nicht.
    Teil 1 hat eine super Story, super Charaktere, eine schön erkundbare Welt, aber ein schwaches Kampfsystem.
    Teil 2 hat eine phänomenale Story, aber furchtbare Charaktere, schwächere Erkundung, ein furchtbares Gacha-System, aber ein super Kampfsystem.
    Teil 3 hat eine schwächere Story als Teil 1 und 2, die besten Charaktere und die beste Erkundung der Reihe, ein super Kampfsystem...
    Der OST ist bei allen Spielen göttlich und ohne Konkurrenz...
    X finde ich auch super...

    Ach, ich liebe alle Xeno-Spiele!
    I'm the girl with the gall!
  4. Beim ersten XBC (am 3DS bei mir) dachte ich auch: Das ist so wie Final Fantasy sein müsste.

    Ansonsten sind die Trails of Spiele eigentlich mein Favorit.
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