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Im Test! The Centennial Case: A Shijima Story

TitelThe Centennial Case: A Shijima Story
Japan12. Mai 2022
Square Enix
Nordamerika12. Mai 2022
Square Enix
Europa12. Mai 2022
Square Enix
SystemNintendo Switch, PlayStation 4, PlayStation 5, PCs via Steam
Getestet fürPlayStation 5
Entwicklerh.a.n.d., Square Enix
GenresFMV-Mystery-Abenteuer
Texte
Deutschland Nordamerika
VertonungNordamerika Japan

Square Enix hat es geschafft. Während die Triple-A-Gaming-Industrie immer weiter danach eifert, Spiele mit so realitätsnaher Grafik wie möglich zu entwickeln, hat sich das Unternehmen der schlausten Methode bedient und 90 % eines Spiels mit Kamera und Schauspielern aufgenommen. Mit The Centennial Case: A Shijima Story bietet Square Enix ein Krimi-Mysterium im Full-Motion-Video-Gewand, welches hierzulande als digitaler Titel seit dem 12. Mai 2022 für Nintendo Switch, PlayStation 4/5 sowie PCs via Steam verfügbar ist. Wir haben das interaktive Mystery-Abenteuer genauer angeschaut und der Schriftstellerin Haruka Kagami bei der Lüftung der Geheimnisse der Shijima-Familie beigewohnt.

Eine etwas andere Familie

Eines Tages erhält Krimiautorin Haruka Kagami eine Anfrage von Zellforscher Eiji Shijima, der Haruka und ihre Lektorin Akari Yamase um einen Gefallen bittet. Auf dem Grundstück der traditionsreichen Shijima-Familie wurde ein unter einem Kirschbaum vergrabenes Skelett entdeckt.

Unter dem Vorwand, die langjährige Geschichte der Familie in einem Werk festzuhalten, wird Haruka auf das Shijima-Anwesen eingeladen. Dort soll sie die Identität des Skeletts herausfinden und zudem auch der sogenannten „Toki-Frucht“ nachforschen – eine Frucht, die bei Verzehr ewiges Leben gewährt und sich auf dem Grundstück der Familie befinden soll.

Somit stehen Haruka, Akari und Eiji vor diversen Mysterien, die gelüftet werden müssen. Dem Versprechen des ewigen Lebens durch die Toki-Frucht steht die Tatsache entgegen, dass in der Shijima-Familie in den letzten hundert Jahren diverse Todesfälle eingetreten sind. Nicht nur die Vergangenheit birgt Tragödien, auch in der Gegenwart kommt es am Tag der Familienzeremonie zu einem Vorfall auf dem Shijima-Anwesen – doch wie hängen all diese Fälle zusammen?

Der Pfad der Logik führt zur Wahrheit

Um an das Ziel zu gelangen und die Fälle des Spiels zu lüften, läuft The Centennial Case immer wieder drei Phasen durch. Im Szenarioteil erleben wir die Geschichte in Videoform, bis ein Vorfall geschieht und alle verdächtigen Personen bezüglich Alibi und anderen Informationen vernommen wurden.

Ab und an tauchen besondere Hinweise auf, die per Knopfdruck in die Hinweissammlung aufgenommen werden können. Werden diese verpasst, tut dies dem Ganzen keinen Abbruch – für den anschließenden Logikteil werden verpasste Hinweise automatisch hinzugefügt. Das manuelle Sammeln ist im Endeffekt nur für Achievements gut.

»In der Zeit, in der ich die Hypothesen aufstellte, habe ich manchmal aufgrund der Menge der Annahmen bereits vergessen, welche Hypothesen ich überhaupt am plausibelsten finde.«

Im Logikteil stehen wir in Harukas Schuhen vor einer Vielzahl an rätselhaften Fragen, die als hexagonale Formen auf einem Pfad abgebildet werden. Wie hat sich der Vorfall abgespielt? Wer ist der Täter und wie ging dieser vor? Um sich durch die Vielzahl an Hinweisen zu navigieren und nicht Stunden im Logikteil verbringen zu müssen, besitzt jedes Fragefeld mehrere und jedes Hinweisfeld eines von vielen Mustern. So lassen sich Fragen und dazugehörige Hinweise einfacher zusammenbringen. Durch diese etwas langwierige Zuordnung entstehen diverse Hypothesen, die zur Lösung des Falls beitragen können. Doch natürlich erweisen sich nicht alle Hypothesen als richtig.

100 Thesen

Genügend Hypothesen aufgestellt? Nun wird die Deduktion abgeschlossen und es startet der Auflösungsteil. Haruka konfrontiert die verdächtigten Personen, indem sie in einem Dialog aufgestellte Hypothesen an der korrekten Stelle auswählt. Wer im Logikteil nur das Minimum an Hypothesen aufgestellt hat, wird merken, dass die Nachwuchsdetektivin auch ohne die Annahmen ins verbale Gefecht gehen kann, die sie zur Wahrheit führen. Wird einmal eine falsche Hypothese angebracht, gibt es so gut wie immer Schelte von den Verdächtigten – amüsant dargebracht, im Kontrast zur sonst recht ernsten, aber passenden Atmosphäre des Spiels.

Ausnahmsweise darf eine andere Option ausgewählt werden, doch öfter führt eine falsche Hypothese direkt zu einem Endbildschirm. Hier kann ein Tipp spendiert werden oder Spieler kehren zur erneuten Überlegung zum Logikteil zurück. Direkt wieder in den Dialog einsteigen ist nicht, da muss erst wieder im Logikteil die Deduktion abgeschlossen werden, was auf PlayStation 5 dank der SSD immerhin maximal zehn Sekunden in Anspruch nimmt – auf anderen Plattformen sehr wahrscheinlich länger.

Einen Wermutstropfen sehe ich hier in der Aufteilung des Spiels in die Phasen. Zuerst sind Filmsequenzen und die darin verborgenen Hinweise zu beobachten. Danach wird einige Zeit dafür verwendet, Hypothesen aufzustellen. Meines Erachtens dauerte jeder Logikteil durch das Zuordnen von Fragen- und Hinweisfeldern zwischen zehn und zwanzig Minuten, da Spieler nicht unvorbereitet in die auflösenden Dialoge gehen wollen und somit am besten alle möglichen Hypothesen aufgestellt werden sollten, von denen manche aber nicht benötigt werden.

In der Zeit, in der ich die Hypothesen aufstellte, habe ich manchmal aufgrund der Menge der Annahmen bereits vergessen, welche Hypothesen ich überhaupt am plausibelsten finde. So ging ich manchmal verwirrt und auf gut Glück auf den Auflösungsteil zu. Das Ganze könnte vielleicht besser gestaltet werden, wenn die Auswahl an notwendigen Hypothesen fix während der Dialoge aufgestellt werden, um sie dann den Verdächtigten darzubieten.

Filmreife Leistung

Um ein besonderes Spiel wie The Centennial Case entwickeln zu können, haben sich unter anderem Koichiro Ito (Autor der Live-Action-Visual-Novel „428: Shibuya Scramble“), Yasuhito Tachibana (Produzent des Netflix-Dramas „The Naked Director“) und Yuki Hayashi (Soundtrack-Komponist diverser japanischer Filme, Anime- und regulärer Serien) für dieses Projekt zusammengefunden.

Ito bringt die Praxiserfahrung der Entwicklung eines Live-Action-Spiels ein, Tachibana wirkt bei The Centennial Case als Scenario Director und Cinematograph mit und nahm die schön anzusehenden Filmsequenzen des Spiels mit der Kamera auf. Die Schauspieler legen eine hervorragend authentische Leistung hin und stellen in den verschiedenen Fällen des Spiels auch unterschiedliche Charaktere dar. Abseits der Filmsequenzen werden neben Bildern auch vereinfachte 3D-Szenen mit Mannequins zur Nachstellung der Hypothesen und Theorien verwendet. Ein zielführendes Mittel, um so die Tathergänge neutral darzustellen.

Hayashi untermalt die diversen Filmszenen und Spielsequenzen gelungen mit seinem musikalischen Talent. Vertont ist das Spiel auf Japanisch und Englisch, wobei die erste Option aufgrund von Lippensynchronität die deutlich bessere Wahl ist. Texte gibt es auch auf Deutsch, die einen sehr guten Eindruck machen und sorgfältig übersetzt wirken.

Ohne viel von der Erzählung vorwegnehmen zu wollen, entzückte mich diese mit ihren Andeutungen, Täuschungen und gut durchdachten Wendungen. Das Entwicklerteam hat hier eine gute Balance getroffen. Aufmerksame Augen sowie gute Gedächtnisse werden womöglich schon vor Ende der Geschichte alle Hinweise kombiniert haben – und sich gewiss belohnt fühlen, wenn alles so verläuft, wie gedacht.

Ich bin durchaus Mystery-Fan, bei der Fülle an Hinweisen konnte ich mich aber nur an die für mich wichtigsten Hinweise erinnern. Die Lüftung des finalen Mysteriums haute mich dann vom Hocker: Die Indizien waren alle da, sie mussten nur richtig gedeutet werden. Das Gefühl, wenn es wie Schuppen von den Augen fällt und große Euphorie den Kopf bei der Auflösung der letzten Geheimnisse füllt. Das Erreichen für mich nur wenige Spiele und The Centennial Case ist sicherlich eines davon.

Bitte mehr davon

„Ich würde gerne meine Erinnerung an diese Geschichte verlieren, damit ich sie von null auf erleben kann!“ Dieser Gedanke kommt nur selten bei mir auf, zuletzt bei 13 Sentinels: Aegis Rim. The Centennial Case: A Shijima Story reiht sich als neuester Eintrag auf meiner Liste ein. Das geheimnisvolle Detektiv-Abenteuer im Full-Motion-Video-Gewand überzeugt bei etwa zwölf Stunden Spielzeit durch die wahrlich interessante Geschichte, künstlerische Filmsequenzen, sehenswerte Schauspielleistung und eine passende musikalische Untermalung.

An der Implementierung der Gameplay-Elemente kann ruhig noch geschraubt werden, doch die derzeitige Form ist vollkommen brauchbar. Fans von Krimis und Mystery-Geschichten sollten sich The Centennial Case: A Shijima Story nicht entgehen lassen. Liebend gerne würde ich ein weiteres Spiel aus diesem Guss sehen. Vielleicht entsteht dieses sogar eher früher als später, denn Producer Junichi Ehara hat bereits Ideen für eine Fortsetzung. Weitere Informationen hierzu und mehr gibt es in unserem Interview mit den Entwicklern!

 

Story

An der Seite von Krimiautorin Haruka Kagami gilt es, die Mysterien rund um die geheimnisumwobene Shijima-Familie zu lüften: unerklärliche Tode von Familienmitgliedern über Jahre verteilt, ein vergrabenes Skelett auf dem Familienanwesen und eine Frucht, die ewiges Leben gewährt…

Gameplay

Neben dem aufmerksamen Betrachten von Videosequenzen und Dialogen zwischen Charakteren müssen Hinweise gesammelt und die Täter der jeweiligen Vorfälle entlarvt werden.

Grafik

Prima inszenierte Filmsequenzen im Szenarioteil und Auflösungsteil treffen auf zweckmäßige 3D-Clips der Theorien im Logikteil. 

Sound

The Centennial Case wird hervorragend untermalt von einem Soundtrack aus der Feder von Yuki Hayashi.

Sonstiges

Achievement-Jäger können versuchen, jede Hypothese aufzustellen, fehlerfrei durch die Auflösungen zu kommen und alle Hinweise zu sammeln. Vergesst nicht, den Epilog anzusehen!

Bildmaterial: The Centennial Case: A Shijima Story, Square Enix, h.a.n.d.

5 Kommentare

  1. Danke für den Test. Das liest sich doch dann schonmal sehr gut. Mein Interesse für das Spiel ist damit um einiges gestiegen. Schade das es nicht Physisch gibt, sonst hätte ich es mir sofort geholt, so warte ich darauf das ich es wenigsten für ca. 40€ bekomme.
  2. Ist das mit der fehlenden physischen Version schon fest? Wenn es nicht auf Disc/Modul erscheint, werde ich wohl leider passen müssen, obwohl mich das Spiel echt reizt.
  3. Guter Test jetzt hab ich ja keine Wahl als es mir zu kaufen. Es bleibt ja leider für mich nix anderes übrig als retail :(
  4. Vielen Dank für diesen Test!

    Das Gefühl, wenn es wie Schuppen von den Augen fällt und große Euphorie den Kopf bei der Auflösung der letzten Geheimnisse füllt. Das Erreichen für mich nur wenige Spiele und The Centennial Case ist sicherlich eines davon.
    Schon allein damit hat man mich.
    Habe bisher noch gehadert, aber alle hier angesprochenen positiven Aspekte wissen mich jetzt endgültig zu überzeugen und ich werde es mir definitiv holen. Vielleicht sogar retail.. ^^
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