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Im Test! Life is Strange: True Colors

TitelLife is Strange: True Colors
Japan10. September 2021
Square Enix
Nordamerika10. September 2021
Square Enix
Europa10. September 2021
Square Enix
SystemPCs, PS4 & 5, Xbox One & Series X/S, Google Stadia, Nintendo Switch (später 2021)
Getestet fürPC-Steam
EntwicklerDeck Nine Games
GenresAdventure
Texte
Deutschland Nordamerika 
VertonungDeutschland Nordamerika 

Mit Life is Strange: True Colors brachte das Entwicklerteam Deck Nine ihren zweiten Titel aus dem Life-is-Strange-Universum am 10. September 2021 auf den Markt. Weil ihr erstes Spiel Before the Storm als Prequel zu Life is Strange fungiert, stellt True Colors ihre erste eigene Geschichte dar, die sich mit den Haupttiteln messen muss.

Neue Veröffentlichungspolitik?

Hierbei wurde das ganze Spiel auf einmal veröffentlicht. Dies bedeutet, dass sich alle fünf Kapitel der Hauptgeschichte ab dem Erscheinungsdatum spielen lassen. Einen ähnlichen Weg ging bereits auch Dontnod Entertainment am Ende des vergangenen Jahres, als sie Tell Me Why innerhalb von vier Monaten veröffentlichten und sich bei Twin Mirrors direkt vom episodischen Format verabschiedeten. Im Vergleich dazu erschienen die fünf Kapitel von Life is Strange 2 in einem Zeitraum von über 14 Monaten.

»Bei True Colors hat die gleichzeitige Veröffentlichung aller Kapitel definitiv zu einem besseren Spielerlebnis geführt, bei dem man sich von der Geschichte fesseln lassen kann.«

Diese Änderung gefällt mir sehr gut und ich hoffe, dass sie für zukünftige Spiele dieser Art beibehalten wird, selbst wenn es eine längere Zeit bis zur Erstveröffentlichung der Spiele dauert. So kann man sich meiner Meinung nach viel intensiver in die Geschichte investieren, ohne ständig den Faden zu verlieren. Selbst wenn ein Kapitel aus Life is Strange 2 besonders spannend ausfiel und mit einem Cliffhanger endete, so nützte das wenig, wenn man nach einigen Monaten ernüchtert den nächsten Abschnitt startete.

An dieser Stelle würde ich somit definitiv zum Abwarten raten, um alle Kapitel an einem Stück spielen zu können – oder eben auf eine andere Veröffentlichungspolitik hoffen. Bei True Colors hat dies nämlich definitiv zu einem besseren Spielerlebnis geführt, bei dem man sich von der Geschichte fesseln lassen kann und bei jedem neuen Kapitel noch emotional aufgeladen vom letzten ist.

Willkommen in Haven Springs

»True Colors bietet nun innerhalb der Reihe das erste Mal eine deutsche Sprachausgabe. Diese ist meiner Meinung nach gelungen umgesetzt.«

Nun möchte ich euch jedoch das fiktive Bergdorf Haven Springs aus Colorado näher vorstellen. Dort spielt sich nämlich die gesamte Coming-of-Age-Geschichte von True Colors ab. Ihr schlüpft dabei in die Rolle von Alex Chen, welche zu Beginn der Handlung aus einem Kinderheim heraus einreist, um ein neues Leben anzufangen. Dabei unterstützt wird sie von ihrem Bruder Gabe, welchen sie seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hat, und dessen Freunden. Wie es sich für ein Life-is-Strange-Spiel gehört, läuft dies nicht reibungslos ab und ihr findet euch schnell in einem dramatischen Abenteuer wieder. Den Rest findet ihr aber am besten selbst heraus, da die Geschichte hier abermals zum wichtigsten Element des Spiels gehört.

Soviel sei noch gesagt: Wie die anderen ProtagonistInnen der Reihe (mit Ausnahme von Chloe aus Before the Storm) besitzt auch Alex besondere Kräfte, welche sowohl Handlung als auch Gameplay beeinflussen. Alex besitzt eine übernatürliche Empathie, anhand welcher sie stärkere Gefühle ihrer Mitmenschen nicht nur selbst fühlen, sondern auch die Ursache dafür nachvollziehen kann.

Die Farbenwelt der Emotionen

Diese Fähigkeit ist meiner Meinung nach interessant umgesetzt, sowohl als Handlungs-, aber auch als Gameplayelement. Alex’ Fähigkeiten kommen dabei regelmäßig zum Einsatz. An manchen Stellen sind sie das Schlüsselelement der Handlung, während sie an anderen Stellen zum Lösen kleiner Rätsel beitragen. Ihr könnt sie jedoch auch zum tieferen Eintauchen in die Spielwelt nutzen, indem ihr in die Emotionen eurer Mitmenschen reinhört oder auch zum Sammeln von Erinnerungen. Wie in den Vorgängern gibt es auch in True Colors eine Sammelaufgabe in den einzelnen Kapiteln. Hier könnt ihr euch emotional aufgeladene Objekte genauer anschauen, welche die damit verbundenen Erinnerungen eurer Mitmenschen zeigen.

Alex’ außergewöhnliche Empathie ist dabei nicht nur aus erzählerischer Sicht interessant, sondern bietet an gewissen Stellen auch visuell einiges. Damit übertreffen ihre Fähigkeiten meiner Meinung nach die Telekinese aus Life is Strange 2 oder auch die Kraft der Gedankenübertragung aus Tell Me Why. Die Zeitmanipulation von Max bleibt jedoch weiterhin unangefochten an der Spitze, sei es nun spielerisch oder dramaturgisch.

Interessanterweise bietet euch hier das Spiel nun die Möglichkeit, bei den Einstellungen die sogenannte Entscheidungsanzeige auszuwählen. Wenn ihr diese aktiviert, erscheint ein Hinweis, sobald ihr eine Dialogentscheidung trefft, welche einen Einfluss auf die Geschichte hat. Diese Entscheidung könnt ihr dann entweder bestätigen oder überdenken. Dies erinnerte mich etwas an Max’ Fähigkeiten aus dem allerersten Spiel und ich finde es schön, dass diese Möglichkeit in True Colors wieder offengelassen wird, da einige SpielerInnen diese Option zu schätzen wussten.

Die Merkwürdigkeiten des Lebens – ein Vergleich

An dieser Stelle möchte ich einen direkteren Vergleich zu den Vorgängerspielen der Reihe (sowie Tell Me Why durch die ähnliche Art des Erlebnisses) machen. Gleichzeitig möchte ich von der stark subjektiven Note des Abschnittes warnen – die Bevorzugung von und Abneigung zu gewissen Titeln entspricht hier meinem eigenen Geschmack.

Zu Beginn möchte ich nämlich direkt klarstellen, dass auch True Colors nicht an den ersten Teil der Reihe für mich rankommt. Nach den vielen, damals stärker enttäuschenden Titeln von Telltale Games, schlug das erste Life is Strange wie eine Bombe ein: Eine spannende Coming-of-Age-Geschichte mit einem interessanten Twist, welche eine starke Immersion bot. Max, Chloe und Rachel stellten abwechslungsreiche Protagonistinnen dar, welche sich nicht lediglich Stereotypen fügten.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Life is Strange: True Colors würde ich jedoch vor die restlichen Titel zusammen mit Before the Storm positionieren, da mir das letztere Spiel durch die eben erwähnten Charaktere ebenfalls gut gefiel und Chloes «Fähigkeit», ihr Umfeld in verbalen «Kämpfen» zu überzeugen, überraschenderweise unterhaltsam umgesetzt war. Mit der anderen Veröffentlichungspolitik geht True Colors nämlich definitiv einen Schritt in die richtige Richtung.

Zwar gehen Rück- und Ausblicke am Anfang und Ende der jeweiligen Kapitel verloren, was jedoch einen geringen Preis für das flüssige und somit immersivere Erlebnis darstellt. Das Erlebnis von Life is Strange 2 hat durch diesen Punkt stark gelitten. Die Telekinese war dabei als Fähigkeit ebenfalls weniger spannend ausgewählt und bot visuell nicht viel. Bei Tell Me Why fehlte es hingegen an Spieldauer und -umfang, da es nur drei Kapitel beinhaltete und wenig von der Spielwelt abseits der Charaktere und ihrem Haus gezeigt wurde.

True Colors kommt hier wieder näher an den Kern der Reihe. Da ihr euch durch das Bergdorf Haven Springs bewegt, lernt ihr dieses mit seinen lokalen Ortschaften kennen. So ist es meiner Meinung nach besser zu fassen als die einzelnen Gebiete in Life is Strange 2 und wird auch nicht schnell langweilig wie das Haus aus Tell Me Why. Was alle Spiele – wie True Colors – bieten, ist der spannende Umgang mit wichtigen gesellschaftlichen Themen.

Schöner Inhalt = Schöne Verpackung?

»Wenn ihr die Vorgänger aufgrund ihrer Grafik gemieden oder gefeiert habt, wird sich bei diesem Teil wohl wenig ändern.«

True Colors stellt also einen gelungenen Ableger der Reihe dar. Doch hat sich auch technisch etwas getan? Hier möchte ich direkt auf eine Neuerung aufmerksam machen. True Colors bietet nun innerhalb der Reihe das erste Mal eine deutsche Sprachausgabe. Diese ist meiner Meinung nach gelungen umgesetzt und braucht sich nicht hinter der englischen Synchronisierung zu verstecken. Beide sind sehr gut gelungen. Auditiv bietet auch True Colors musikalische Einspieler, welche teilweise auch durch die musikalisch begabten ProtagonistInnen geschuldet sind. Diverse Musikstücke erwarten euch ebenfalls, deren Qualität es selbst zu bewerten gilt.

Visuell unterscheidet sich True Colors wenig von seinen Vorgängern – es bringt eine neue farbige Note mit sich, welche Alex’ Fähigkeiten geschuldet ist. Wenn ihr die Vorgänger aufgrund ihrer Grafik gemieden oder gefeiert habt, wird sich bei diesem Teil wohl wenig ändern. Hier ist mir lediglich aufgefallen, dass mein Spiel in der Mitte bei manchen Stellen stockte und einmal auch effektiv abstürzte.

Das stelle sich vor allem als ärgerlich heraus, weil ich die Szenen bis zu diesem Punkt nicht überspringen konnte. Diese fehlende Möglichkeit zum Überspringen, gemischt mit einer automatischen Speicherfunktion, die sich nicht immer klar zeigt, ist nicht ideal für einen Titel dieser Art – aber auch kein Dealbreaker. Es wäre dennoch schön, wenn sich die Reihe auch in diesem Punkt verbessert, nachdem die Problematik der Veröffentlichungspolitik bereits so gelungen angegangen wurde. Ebenfalls aufgefallen ist mir, dass manche Texturen nachladen mussten.

Mehr Inhalte? Collectibles, Lesestoff, DLC

Soviel zum Hauptspiel. Wem das Durchspielen der Geschichte nicht genügt, kann auch noch mehr Zeit in Life is Strange: True Colors investieren. Die Erinnerungen in den emotional aufgeladenen Gegenständen habe ich ja bereits vorgestellt. Ihr könnt aber auch wie in den Vorgängern viel durch Texte in Form von SMS, Blogposts oder Alex’ Tagebuch mitbekommen.

Diese optionalen Texte sind auch hier gelungen und tragen einiges zur Immersion bei. Noch gar nicht erwähnt habe ich hingegen Arcade-Spiele, welche ebenfalls in Haven Springs versteckt sind. Eines ähnelt dabei verdächtig Donkey Kong, während das andere sich eher an einer Variante von Pong orientiert. Hier könnt ihr versuchen, die Highscores zu knacken oder wer es ganz entspannt haben will, kann sich ein ruhiges Plätzchen suchen, auf dem Alex über die Geschehnisse reflektiert.

Wer mit Alex immer noch nicht genug von Haven Springs bekommt, kann sich auf den 30. September freuen. Dann erscheint der DLC «Wavelengths», bei dem ihr in die Rolle von Steph schlüpfen könnt, welche euch neben True Colors aus einem Vorgängerspiel bekannt vorkommen könnte. Wavelengths fungiert dabei als Prequel zum eigentlichen Spiel und ist Teil der Deluxe Edition oder kann separat ergattert werden.

Eine Rückkehr zum wahren Erlebnis?

True Colors ist ein gelungener Ableger der Life-is-Strange-Reihe, der nicht ganz an deren Höhepunkt gelangt, aber definitiv einen Schritt in die richtige Richtung geht. Der Abschied von der problematischen Veröffentlichungspolitik ist genauso willkommen wie die Rückkehr zu alten Wurzeln durch den Schauplatz des Dorfes Haven Springs. Die Coming-of-Age-Geschichte bietet viele schöne Momente, welche sowohl erzählerisch als auch spielerisch gelungen sind.

Neu kommt eine gelungene deutsche Synchronisation hinzu, welche sich nicht hinter der bereits gewohnten englischen zu verstecken braucht. Neben der Geschichte erwarten euch gewohnte Sammelaufgaben, welche euch wie weitere Lesestoffe tiefer in Alex’ Welt hineinziehen. Life-is-Strange-Fans bekommen also neues Futter, während ich Unentschlossenen immer noch den ersten Teil ans Herz legen würde, wobei auch True Colors definitiv einen guten Einstieg in die Reihe darstellen würde. Abgesehen von kleineren Verbindungen für die Fans stehen alle Teile für sich.

 

Story

Alex beginnt ein neues Leben bei ihrem Bruder in Haven Springs.

Gameplay

Typisch für Life is Strange. Dialoge führen, Entscheidungen treffen, Welt erkunden und kleinere Rätsel lösen.

Grafik

Farbenfrohes Life-is-Strange-Erlebnis. Haut technisch niemanden von den Socken, bietet aber einen bekannten Stil.

Sound

Gelungene Musik für das Ambiente, manchmal mit Liedern unterlegt. Kommt auf den eigenen Geschmack an.

Sonstiges

Deutsche Synchro!

Bildmaterial: Life is Strange: True Colors, Square Enix, Deck Nine Games

8 Kommentare

  1. Das Spiel kostet eigentlich überall 59,- €, daher frage ich mich, wo du gesehen hast, dass es 70,- € kostet? Selbst die PS5-Version ist nicht zu diesem Preis zu finden. Und der Vergleich mit einer Visual-Novel hinkt auch irgendwo, da diese in der Regel deutlich weniger Interaktivität bieten und gleichzeitig die Produktionskosten, je nach Titel, etwas geringer sein dürften, als das bei LiS der Fall sein dürfte.

    Was du letztlich bereit bist, für den Titel auszugeben, bleibt nachwievor deine Sache, aber das mit den 70,- € stimmt halt einfach nicht.
  2. bei uns im Expert hatte ich erst am Fr die PS5 Edition in der Hand für 69,95. Und selbst wenn die UVP 60€ ist (wie ich es gerade auch im psn Store sah) sind mir 60€ ebenfalls noch zu viel für diese Art Spiel.

    Willst du jetzt diese Art Spiel ein eigenes Genre zuordnen? Interaktive Adventure? Bist du damit zufriedener?
  3. Eigentlich gehören diese Spiele in die Kategorie "Adventure". Kannst du zum Beispiel auch auf den jeweiligen Shop-Seiten überprüfen. Und so abwegig ist das nicht, nur dass der Rätsel-Anteil im Vergleich zu anderen Vertretern des Genres (zum Beispiel klassischen Point & Click-Adventures) stark zurück gefahren wurde und man sich mehr auf Dialoge und Entscheidungen stützt. Baphomets Fluch damals war übrigens auch sehr stark mit Dialog-Rätseln gefüllt. Klassische Kopfnüsse gab es kaum und dennoch bleibt es ein Adventure, um mal ein älteres Beispiel aufzuführen.

    Es ist im Übrigen doch okay, wenn dir auch 60,- € noch zu viel für das Spiel sind. ;)
  4. Allein weil es deutsche Stimmen hat, würd ich es schon spielen. Nur wie stark und oft wird man drauf hingewiesen, welche Ausrichtung sie hat. Wenn es wie bei Teil 1 ist, dann ok. Nur ka wie es dieses mal ist. Weil so nen Thema brauch ich nicht, wenn es zu stark vertreten ist.
  5. Danke für den Test, das Spiel habe ich auf jeden Fall auf meiner Liste, aber etwas nach hinten geschoben. Wird auf jeden Fall irgendwann gespielt ^^.
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