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Im Test! NEO: The World Ends with You

TitelNEO: The World Ends with You
Japan27. Juli 2021
Square Enix
Nordamerika27. Juli 2021
Square Enix
Europa27. Juli 2021
Square Enix
SystemPlayStation 4, Nintendo Switch
Getestet fürPlayStation 4
EntwicklerSquare Enix, h.a.n.d
GenresAction-RPG
Texte Deutschland Nordamerika Japan
VertonungNordamerika Japan

2007 ließ Square Enix DS-BesitzerInnen auf eine „wundervolle Welt“ los, wie der Titel des Action-Rollenspiels „Subarashiki Kono Sekai“ versprach. Ein knappes Jahr später schaffte es das in Kooperation mit Jupiter entwickelte Spiel auch in den Westen. Mit einem etwas bedrückenderen Titel eröffnete uns „The World Ends with You“ das virtuelle Shibuya, um uns in einem Spiel ums Leben zu beweisen. Dabei nahm der Titel Bezug auf diverse Aspekte der japanischen Jugendkultur, begeisterte mit einer einnehmenden Geschichte und überraschte mit innovativen Gameplay-Ideen und jeder Menge Coolness in Bild und Ton.

Kein Wunder also, dass The World Ends with You im Laufe der Zeit zum RPG-Geheimtipp avancierte, der bis heute eine enthusiastische Fangemeinde um sich schart. Eben jene Fans hatten es nach Veröffentlichung des Spiels nicht leicht. Denn im Folgenden galt für die Marke allem voran eines: Funkstille. Hoffnungen auf einen Nachfolger beantwortete Square Enix ernüchternd mit Portierungen auf mobile Endgeräte und später Nintendo Switch.

Immerhin: Der „Final Remix“ brachte neue Inhalte mit sich, die neue Fragen aufwarfen und verdächtig unbeantwortet ließen. Die Hoffnung loderte also vorsichtig wieder auf und entflammte in lauter Freude, als Square Enix zum Ende des letzten Jahres einen vollwertigen Nachfolger ankündigte: „NEO: The World Ends with You“.

Jetzt ist es also so weit und „NEO“ erscheint am 27. Juli 2021 für PlayStation 4 und Switch – eine PC-Version soll im Laufe des Jahres folgen. Ob das neue Abenteuer an die Qualität des Originals anknüpfen kann, verrät euch der folgende Test.

Runde 2 im Spiel der Reaper

Ein gewöhnlicher Tag im belebten Shibuya, dachte sich Rindo – aber weit gefehlt. Als der Teenager in den Besitz eines mysteriösen Pins gelangt, überschlagen sich die Ereignisse. Inmitten der lebendigen Shibuya-Kreuzung, werden er und sein guter Freund Fret Zeugen eines wilden Spektakels. Groteske Bestien jagen nach Menschen, die sich mit allerhand effektreichem Feuerwerk zur Wehr setzen. Seltsam nur, dass es sonst niemanden zu interessieren scheint. Was die beiden verwirrten Freunde zunächst noch als aufwändige Filmarbeiten interpretieren, stellt sich rasch als der gefährliche Alltag im sogenannten „Spiel der Reaper“ heraus.

Von diesem Pin hätte Rindo besser mal die Finger gelassen.

In ebendieses scheinen Rindo und Fret nichtsahnend hineingestürzt zu sein. Bald eröffnet sich ihnen, dass sie nicht mehr Teil des gewohnten Shibuya, sondern vielmehr in einer alternativen Version ihres Heimatviertels unterwegs sind – dem Underground (kurz: UG). Der UG fungiert dabei quasi als letzte Instanz zwischen der Welt der Lebenden und dem Jenseits. Und gleichzeitig als Schauplatz für das nebulöse Spiel der Reaper.

Geht man siegreich aus diesem hervor, geht es zurück in den Realground (kurz: RG) – der echten Welt. Verlierer sehen hingegen ihrer Auslöschung entgegen. Hinter dem perfiden Spiel stehen vordergründig die namensgebenden Reaper, angeführt von Spielleiter Shiba. Der charismatische Sadist konfrontiert die TeilnehmerInnen sieben Tage lang mit verschiedenen und nicht selten gefährlichen Aufgaben. Wir schlüpfen also in die Rolle von Rindo – unser Leben im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Spiel stehend. Ohne einen anderen Ausweg in Sicht, stürzen wir uns ins Gefecht.

Spielplatz Shibuya

Auf der Suche nach Antworten streifen wir durch die Straßen von Shibuya und lernen nach und nach unsere Fähigkeiten kennen, die uns für das Spiel der Reaper zur Verfügung stehen. Unsere Mitmenschen aus dem RG nehmen uns beispielsweise nicht wahr – wir „scannen“ sie hingegen nach Belieben. Zwischen alltäglichem Gedankensalat finden wir in ihren Köpfen so auch regelmäßig Hinweise für unsere täglichen Aufgaben. Diese präsentieren sich nämlich gern mal in Form von Rätseln oder Schnitzeljagden. Besonders knifflig fallen die kleinen Kopfnüsse dabei aber nie aus. Simple Zahlenrätsel wechseln sich mit Fehlersuchbildern und ähnlichen Denksport-Spielchen ab. Klingt doch nett und gar nicht so gefährlich wie eingangs beschrieben?

Das ändert sich schnell, wenn wir den „Noise“ begegnen. Das sind die eingangs erwähnten Biester, die sich uns – im Laufe unseres Abenteuers – in zahlreicher Form in den Weg stellen. Von flinken und bissigen Vierbeinern über bullige Bären bis hin zu Haien, die drohend durch den Asphalt schwimmen – die Feindesriege ist bunt und vielseitig.

Natürlich lassen wir uns nicht einfach von den wilden Biestern verspeisen, sondern zeigen selbstbewusst die eigenen Krallen. Für den Kampf stehen uns nämlich diverse Pins zur Verfügung, die uns mit speziellen Fertigkeiten versorgen. Wir schleudern so wahlweise Feuerkugeln auf unsere tierischen Widersacher, schlagen mit Energieklingen zu, setzen sie mit Ketten fest oder verminen das Kampfgebiet mit Sprengstoff – nur um eine Handvoll Beispiele zu nennen.

So weit, so gewohnt – zumindest wenn man mit dem Vorgänger vertraut ist. Gleichzeitig dürfte das Kampfsystem eine der größten Neuerungen im Vergleich zum Erstling darstellen, ohne seine Wurzeln zu leugnen. Und so viel sei schonmal verraten: Der Neuanstrich des Kampfsystems steht „NEO“ wirklich gut.

Kämpfe mit Neuanstrich

»Der Kernaspekt der simultanen Steuerung mehrerer Figuren bleibt in „NEO“ erhalten. Genau genommen, übernehmen wir nun über weite Strecken sogar die Kontrolle über mehr als zwei Charaktere.«

The World Ends with You begeisterte seinerzeit vor allem mit seinem innovativen Ansatz, zwei Figuren gleichzeitig und unabhängig voneinander im Kampf zu steuern. Wir erinnern uns: Via Stylus entfesselten SpielerInnen – auf dem Touchscreen eines DS – die Angriffe des Protagonisten und befehligten parallel – via Tasteneingabe – seinen Partner auf dem zweiten Bildschirm. Die Nintendo-DS-Zeiten sind allerdings vorbei und damit auch die Zeiten des wilden Touchscreen-Gefummels. Der Kernaspekt der simultanen Steuerung mehrerer Figuren bleibt in „NEO“ aber dennoch erhalten. Genau genommen, übernehmen wir nun über weite Strecken sogar die Kontrolle über mehr als zwei Charaktere. Das klingt erstmal chaotisch, klappt in der Praxis aber erstaunlich gut.

Gemeinsam ins Getümmel.

Wie genau funktioniert das? Wir statten jedes Teammitglied mit jeweils einem Pin aus. Diese bestimmen dabei neben der Art und Stärke der Angriffe auch die Art ihrer Ausführung. Das bedeutet: Jedes Teammitglied belegt – je nach ausgewähltem Pin – eine Eingabetaste unseres Controllers. Manche Fähigkeiten erlauben dabei etwa ihren mehrfachen Einsatz durch wiederholtes Drücken der Quadrat- oder Dreieck-Tasten. Andere Pins lassen uns mächtige Angriffe durch das Halten der L2- oder R2-Tasten entfesseln. Wieder andere Pins laden sich durch Halten der L1- oder R1-Tasten auf, ehe wir sie gebündelt auf den Feind loslassen. Haben wir im Kampf das Limit eines Pins erreicht – also quasi seine „Munition“ aufgebraucht – bedarf es einer kurzen Regenerationszeit, ehe er wieder zur Verfügung steht.

Klingt erstmal simpel und ist es im Kern auch. Trotzdem kann das parallele Haushalten der Fähigkeiten eingangs erstmal überfordern und zu wildem Buttonmashing einladen. Ist aber auch völlig okay, denn das bringt uns – zumindest anfangs – auch ans Ziel.

Kontrolle im Chaos

Keine Sorge, es bleibt natürlich nicht beim unbeholfenen Malträtieren des Controllers. Im Gegenteil: Je mehr wir die Mechaniken verstehen und verinnerlichen, desto besser stellen wir uns kontinuierlich im Kampf an. So sehr wir nämlich mit dem Haushalten unserer Angriffe beschäftigt sind, sind sie nahezu das Einzige, was unserer Aufmerksamkeit bedarf. Feinde werden etwa automatisch anvisiert und unsere TeamkameradInnen umkreisen sie ebenso automatisiert. Starten wir Angriffe, schnellen unsere ProtagonistInnen zudem selbstständig zum Ziel. Neben des Timings unserer Angriffe, müssen wir also lediglich das Verhalten unserer Feinde im Auge behalten, um bei einem Gegenangriff zum Ausweichsprung via X-Taste ansetzen zu können.

Erreicht unsere „Groove“-Anzeige 100 %, entfesseln wir saftige Spezialangriffe.

Stichwort Timing: Dieses ist – vor allem im weiteren Spielverlauf – von größter Relevanz. Entladen wir unsere gesamte Feuerkraft zu Beginn noch wahllos auf Feinde, machen wir uns schon sehr bald mehr Gedanken um die zeitige Abstimmung unserer Angriffe. Prügeln wir nämlich mit einem Angriff erfolgreich mehrfach auf einen Feind ein, erscheint der sogenannte „Dreh auf!“-Zähler. Dieser eröffnet uns einen kurzen Zeitraum, in dem wir zu einem Folgeangriff durch ein weiteres Teammitglied eingeladen werden. Gelingt uns dies vor Ablauf des Zählers, treiben wir die „Groove“-Anzeige in die Höhe. Und wenn diese bei 100 % angelangt, starten wir einen saftigen Spezialangriff.

Haben wir den Dreh einmal raus, reihen wir Kombos aneinander, jonglieren Feinde durch die Lüfte und lassen sie so im besten Falle gar nicht mehr zu Wort kommen. Ein abschließender Ergebnis-Bildschirm bewertet im Anschluss unsere Leistung auf Basis der benötigten Zeit und des eingesteckten Schadens. Je nachdem, wie gut wir uns angestellt haben, werden wir mit einem Rang bewertet, der die Menge an Pin-Punkten bestimmt, die wir erhalten. Das sind Erfahrungspunkte für unsere Pins, die folglich im Level aufsteigen und sich gegebenenfalls sogar in neue Pin-Variationen transformieren.

Prügeln nach eigenen Vorlieben

Gewöhnliche Erfahrungspunkte gibt es aber natürlich auch. Mit jedem Stufenaufstieg verbessern sich unsere Werte wie Lebenspunkte, Angriff und Verteidigung. So stürzen wir uns gestärkt in die nächste Herausforderung. Oder auch nicht! Uns steht es nämlich ebenso offen, auf unsere Fähigkeiten zu vertrauen und die eigene Stufe nach Belieben herabzusetzen. Das reduziert unsere Lebenspunkte, belohnt uns bei erfolgreichen Kämpfen aber mit einer erhöhten Pin-Fundrate.

Wir passen den Schwierigkeitsgrad und unsere eigene Stufe stets nach Belieben an.

Noch nicht herausfordernd genug? Im Laufe unseres Abenteuers schalten wir zusätzliche Schwierigkeitsgrade frei, zwischen denen wir jederzeit rotieren können. Wechseln wir von „Normal“ zu „Schwer“, schlagen die Noise härter zu und wir stecken mehr ein. Liegen sie aber einmal im Dreck, erbeuten wir umso seltenere Pins von ihnen. Natürlich winkt aber auch ein einfacher Schwierigkeitsgrad, der uns zwar weniger Beute, aber entspanntere Konfrontationen beschert.

Während uns die Noise im Zuge der Handlung häufig überfallen, können auch wir jederzeit vom Gejagten zum Jäger werden. Scannen wir die Straßen von Shibuya, zeigen uns rote Symbole den Standort unserer biestigen Widersacher an. Kommen wir diesen zu nahe, verfolgen sie uns und bitten bei Kontakt zum Kampf. Locken wir gleich mehrere Noise an, kommt es zu einer Kampfserie, die je nach Länge ebenfalls die Fundrate von Pins in die Höhe treibt.

Diese ineinandergreifenden Mechaniken zur individuellen Anpassung des Schwierigkeitsgrades gestalten sich äußerst spannend und wahnsinnig unterhaltsam. Regelmäßig erwischen wir uns dabei, mit verschiedenen Einstellungen zu experimentieren und die Systeme auszureizen. Immerhin wollen wir möglichst viele, starke Pins erbeuten, dabei aber möglichst nicht den Löffel abgeben.

Satte HeldInnen sind glückliche HeldInnen

Damit wir auch auf niedrigen Stufen für hitzige Kämpfe gewappnet sind, stehen uns noch weitere Türen offen. Wir decken uns etwa mit neuer Ausrüstung ein, die wir natürlich nicht beim Schmied unseres Vertrauens erwerben, sondern in den angesagten Modeboutiquen Shibuyas. Lederjacken, Sneaker, Caps und lässige Accessoires stellen die Ausrüstung von „NEO“ dar. Und diese versorgen uns folgerichtig mit den nötigen Boni für Leben, Angriff und Verteidigung.

Jedes schmucke Kleidungsstück verfügt ferner über eine individuelle Fähigkeit. So erfreuen wir uns an praktischen Boni wie dem Widerstand gegen Rückstöße, das automatische Aufladen von Angriffen, die Auffrischung von Lebenspunkten im Kampf und viele mehr. Allerdings profitieren wir nur von diesen Extras, wenn wir genügend Style besitzen. Diesen erhöhen wir im Zuge von Stufenanstiegen mitsamt der gängigen Werte.

Lässt das nächste Level-up allerdings mal wieder auf sich warten, schneien wir in eines der vielen Restaurants oder Cafés von Shibuya. Die Auswahl ist riesig: Von Ramen und Curry über Takoyaki und Gyūdon bis hin zu Mochi und Boba-Tea. Es ist für jeden etwas dabei. Die vielen Gerichte warten mit unterschiedlichen, permanenten Boni für unsere Werte auf. Und gleichzeitig mit unterschiedlichem Kalorienwert. Ein üppiger Teller an „Gegrilltem Alligator“ versorgt uns etwa mit einem satten Plus auf alle Werte, stopft uns aber auch ordentlich die Mägen. Sind wir übersättigt, gilt es einige Kämpfe zu bestreiten, ehe sich der Hunger erneut meldet. Somit ist auch sichergestellt, dass wir uns nicht innerhalb kürzester Zeit zu unaufhaltbaren Kampfmaschinen hochfuttern.

Mit köstlichen Speisen verbessern wir unsere Werte permanent. Guten Appetit!

Jedes Teammitglied hat übrigens favorisierte Speisen. Versorgen wir sie mit dem Essen ihrer Wünsche, besteht die Chance auf einen „Schlemmerbonus“, der unsere Werte noch weiter hochschraubt. Na dann, guten Appetit!

Actionreicher Teamsport

Satt und glücklich geht es zurück auf die Straßen von Shibuya. Das Spiel der Reaper meistert sich immerhin nicht von allein. Vor allem, weil wir – als die „Wicked Twisters“ – nicht das einzige Team im UG sind, das um die Spitze buhlt. Da wäre etwa noch die „Deep River Society“ – eine Gruppe nerdiger Fluss-Enthusiasten. Die „Pure Hearts“ treten hingegen als technikversierte Social-Media-Influencer auf, während sich die „Variabeauties“ als modeverliebte Fashion Victims präsentieren. Und zu guter Letzt wären da noch die „Ruinbringer“ – das wohl erfolgreichste Team im Spiel der Reaper.

Neben den „Wicked Twisters“ versuchen sich auch andere Teams im Spiel der Reaper.

Schlagen wir uns vorrangig mit den Noise herum, kommt es vereinzelt auch zum Zusammenprall mit unseren Rivalen. Im Zuge der „Shibuya Slams“ liefern wir uns Revierkämpfe mit unseren MitspielerInnen. Dabei gilt es, die verschiedenen Gebiete von Shibuya unter die eigene Flagge zu stellen, indem wir uns anderen Teams im Kampf stellen. Die Konfrontationen erfolgen dabei im selben Stile wie gegen unsere weniger menschlichen Widersacher.

»Schlagen wir uns vorrangig mit den Noise herum, kommt es vereinzelt auch zum Zusammenprall mit unseren Rivalen. Im Zuge der „Shibuya Slams“ liefern wir uns Revierkämpfe mit unseren MitspielerInnen.«

Hier und da geraten wir im Zuge der Handlung zudem in scheinbar aussichtslose Situationen – kein Wunder, bei all dem Trubel. Das kann etwa ein mächtiger Bossgegner sein, der uns den Garaus zu machen droht. Praktisch also, dass Rindo über ein individuelles Psych verfügt, das ihn die Zeit zurückdrehen lässt. So arbeiten wir uns nochmal mit Köpfchen durch Schlüsselmomente des vergangenen Tages, um uns der Situation letztlich aus einer gestärkten Position heraus zu stellen.

Die Zeit drehen wir dabei nicht nach Belieben zurück, sondern nur im Zuge vorgegebener Story-Events. Trotzdem verleihen all diese Ideen dem – im Kern recht simplen – Gameplay-Loop frischen Wind und die nötige Abwechslung.

Unterwegs im sozialen Netzwerk

Geht es gerade mal nicht wild zur Sache, können wir beim Stadtbummel übrigens nach potenziellen Hilfesuchenden Ausschau halten. Hier kommen dann auch die individuellen Psychs unserer Teammitglieder zum Einsatz. Fret hilft vergesslichen Passanten etwa mit seiner Fähigkeit „Erinnern“ wieder auf die Sprünge. Mithilfe von Nagis „Mentaler Invasion“ hingegen schlüpfen wir in die Köpfe von Menschen, die von Noise geplagt werden. Im Rahmen dieser Invasionen bekämpfen wir besonders hartnäckige Noise, die uns beispielsweise kontinuierlich Lebenspunkte entziehen oder deutlich härter zuschlagen.

Über unser soziales Netzwerk investieren wir FP in neue Fähigkeiten.

Haben wir in den Köpfen unserer gequälten Mitmenschen aufgeräumt, kassieren wir in der Regel sogenannte Freundschaftspunkte. Und diese investieren wir – na klar – in unserem sozialen Netzwerk! Das bedeutet natürlich nicht, dass wir auf Twitter und Co. herumturnen – vielmehr müsst ihr euch dieses System als Fähigkeitenbaum vorstellen. Dieser füllt sich nach und nach mit verschiedenen Bekanntschaften, die wir im Laufe unseres Abenteuers machen. In jeden dieser Kontakte können wir Freundespunkte investieren, um verschiedene Fähigkeiten, Gegenstände oder sogar Mechaniken freizuschalten.

Wir erweitern etwa das Menü unserer Lieblingsrestaurants, erhöhen die Anzahl an Noise, die für eine Kampfserie angelockt werden können, oder schalten gar weitere Schwierigkeitsgrade frei. Der Vielfalt an Belohnungen wegen, linsen wir entsprechend auch regelmäßig gespannt in unser Smartphone, wenn wir mal wieder eine neue Bekanntschaft gemacht haben.

Frisches Abenteuer mit Bezügen zum Original

Begeisterte The World Ends with You seinerzeit mit einem innovativen Gameplay-Ansatz, machte seine Story einen ähnlich großen Teil der Faszination aus. Wie verhält es sich diesbezüglich also mit seinem Nachfolger?

»„NEO“ erzählt eine spannende neue Geschichte mit frischen Charakteren. Rindo und seine GefährtInnen präsentieren sich als liebenswerte Gruppe mit tollen Dynamiken.«

„NEO“ erzählt eine spannende neue Geschichte mit frischen Charakteren. Rindo und seine GefährtInnen präsentieren sich als liebenswerte Gruppe mit tollen Dynamiken. Vor allem die (vielen) Dialoge gestalten sich hier über weite Strecken sehr gelungen. In schick in Szene gesetzter „Visual Novel“-Manier lassen diese uns die Charaktere – trotz einiger Klischees – ans Herz wachsen. Aber auch außerhalb der ProtagonistInnen-Riege begeistern diverse Nebencharaktere mit ihren Eigenheiten, Charme und Humor.

Die Handlung von „NEO“ setzt übrigens drei Jahre nach den Geschehnissen des Originals an und nimmt entsprechend Bezug auf diverse bekannte Ereignisse und Figuren. NeueinsteigerInnen dürfen aber durchaus trotzdem einen Blick auf den Titel wagen. Viele Bezüge erklären sich im Verlauf und machen auch bei fehlender Kenntnis des ersten Ablegers einen großen Teil der erzählerischen Spannung aus. Seid ihr allerdings bereits mit „The World Ends with You“ (und dem „Final Remix“-exklusiven Inhalt „A New Day“) vertraut, profitiert ihr immens von diversen Momenten im Nachfolger.

„NEO“ präsentiert sich übrigens ähnlich umfangreich, wenn nicht umfangreicher als das Original. Eiligen SpielerInnen wird es vermutlich möglich sein, den Titel in rund 30 Stunden durchzuspielen. Verbeißt man sich zusätzlich in Nebenaktivitäten, die Optimierung des Teams und die Jagd nach verschiedenen Pins und Klamotten, dürfte der Zähler schnell aufs Doppelte ansteigen. 100-%-JägerInnen könnten am Ende sogar auf eine dreistellige Stundenangabe blicken.

Technisch solide, künstlerisch herausragend

Bleibt noch zu klären, wie sich „NEO“ technisch anstellt. Optisch lebt der Titel definitiv von seiner anregenden Art Direction. Aufbauend auf den visuellen Konzepten des Vorgängers, ergänzt „NEO“ das verdrehte Shibuya um diverse frische Ideen. Setzte das Original noch auf gezeichnete 2D-Hintergründe, verfrachtet der Nachfolger die bekannte Welt in die dritte Dimension. Klingt erstmal unspektakulär, vor allem im Jahr 2021. Wenn sich allerdings die Hochhäuser im Hintergrund mit Verlagerung der Kameraperspektive krümmen, verzerren und damit einen Fischaugen-ähnlichen Effekt erzeugen, wissen die ungewohnten Bilder zu begeistern.

Dieser lässige Umgang mit dem eigenen Artstyle ist aber auch nötig. Bricht man „NEO“ nämlich technisch herunter, reißt es in Hinblick auf die Auflösung keine Bäume aus. Zum Test stand uns übrigens die PlayStation-4-Version des Titels zur Verfügung. Die lief stets zuverlässig mit sauberen 60 Bildern pro Sekunde (auf PS4 Pro und PS5).

Auch hinsichtlich der Ladezeiten gibt es Luft nach oben. Für sich genommen, gestalten diese sich nicht besonders ausufernd. Allerdings kommt es in relativ hoher Frequenz zu kleinen Wartezeiten. Sei es beim Wechsel zwischen den verschiedenen Gebieten Shibuyas, beim Start in einen Kampf oder dem Wechsel zu folgenden Konfrontationen im Rahmen einer Kampfserie. Nicht besonders elegant, aber auch kein Beinbruch.

Ein einzigartiger Soundtrack

Wir fassen nochmal zusammen: Ein innovatives Kampfsystem und eine fesselnde Story machten die Faszination von The World Ends with You aus. Ein weiterer Aspekt machte den Dreiklang seinerzeit allerdings rund: die Musik. Für „NEO“ kehrt Takeharu Ishimoto als Komponist zurück und untermalt unser Abenteuer im schrillen Shibuya mit einem einmal mehr facettenreichen Soundtrack. Der wilde Mix umfasst dabei gänzlich neue Songs und Arrangements beliebter Stücke aus dem Original.

Erneut kombiniert Ishimoto gekonnt diverse Genres, die von Hip Hop über Rock und Pop bis zu elektronischen Klängen reichen. Und natürlich wartet auch wieder eine entsprechend bunte Riege an InterpretInnen darauf, ihr Talent zum Besten zu geben. Während sicher nicht jeder Track jedem zusagen dürfte, unterstreicht der einzigartige Soundtrack das schrille Shibuya-Abenteuer zweifelsohne erstklassig.

Der positive Eindruck setzt sich letztlich auch in Hinblick auf die Leistungen der SprecherInnen fort. „NEO“ bietet sowohl eine englische als auch japanische Tonspur – beide begeistern mit enthusiastischem Einsatz der SprecherInnen und transportieren die Stimmung des Titels gekonnt.

Noch immer eine wundervolle Welt

Satte 14 Jahre nach Veröffentlichung des Originals ist es nun also endlich so weit. Mit NEO: The World Ends with You kehren wir ins schrille Shibuya zurück, um einmal mehr am nebulösen Spiel der Reaper teilzunehmen.

Drei Jahre nach den Ereignissen des ersten Spiels erleben wir ein spannendes, neues Abenteuer an der Seite von frischen Charakteren, die uns schnell ans Herz wachsen. Aber auch auf Figuren und Ereignisse des Erstlings wird umfangreich Bezug genommen, was vor allem für Fans äußerst belohnend ausfällt. Trotzdem: Auch für NeueinsteigerInnen lohnt sich ein Blick auf „NEO“ – viele Bezüge zum Erstling machen nämlich auch bei fehlender Kenntnis des Originals einen großen Teil der erzählerischen Spannung aus.

In gewohnt cooler Manier rätseln und kämpfen wir uns also durch die Straßen des beliebten Einkaufsviertels und erfreuen uns an gelungenen, frischen Neuansätzen. „NEO“ verpasst dem innovativen Kampfsystem des Originals etwa einen selbstbewussten Neuanstrich, ohne seine Wurzeln zu leugnen. In effektreichen (und unheimlich spaßigen) Keilereien befehligen wir die Mitglieder unseres mehrköpfigen Teams parallel und avancieren schon bald zum versierten Kombokünstler.

All das vor einer technisch zwar lediglich soliden, aber künstlerisch umso wertvolleren Kulisse und zu den abwechslungsreichen und unverwechselbaren Klängen des herausragenden Soundtracks von Takeharu Ishimoto.

Das Warten hat sich gelohnt. NEO: The World Ends with You knüpft an die einzigartige Erfahrung des Erstlings an, bietet die gewohnt coole Unterhaltung und führt dabei Konzepte und Ideen konsequent fort. Für Fans bedarf es keiner Überzeugungsarbeit – Neulingen sei ein Blick auf dieses tolle Action-RPG aber ebenfalls empfohlen. Vorausgesetzt ihr könnt mit Setting und Stil etwas anfangen.

 

Story

In der Rolle von Teenager Rindo stürzen wir nichtsahnend in das nebulöse Spiel der Reaper. Eine frische, neue Geschichte mit belohnenden Bezügen zum Original.

Gameplay

Wir rätseln und kämpfen uns durch die Straßen von Shibuya. Das frisch neuangestrichene Kampfsystem begeistert, ohne seine innovativen Wurzeln zu leugnen.

Grafik

Technisch lediglich solide, präsentiert sich „NEO“ mit einem gewohnt herausragenden Artstyle und kreativen, visuellen Einfällen.

Sound

Takeharu Ishimoto kehrt für „NEO“ mit einem einmal mehr einzigartigen Soundtrack zurück. Diverse Genres und InterpretInnen liefern einen bunten Mix an passenden Songs. Die SprecherInnen begeistern zudem sowohl auf der englischen als auch japanischen Tonspur.

Sonstiges

Interessierten NeueinsteigerInnen sei ein Blick auf „NEO“ empfohlen – auch ohne Vorkenntnisse des Originals. Es lohnt sich!

Bildmaterial: NEO: The World Ends With You, Square Enix

6 Kommentare

  1. Ich habe beide Demos gespielt (Switch und PS4 Pro) und mir gefällt das Game auf Sonys Konsole deutlich besser. Die Ruckler halten sich auf der Switch beim Kämpfen zwar in Grenzen, haben mich persönlich aber durch das Erkunden der City durchgehend mit Werten unter 30 FPS begleitet und gestört. Auf PlayStation ruckelt es hier und da ebenfalls, was sich jedoch im Vergleich deutlich zurückhaltender verhält. Werde ich mir zulegen, sobald eine PS5 ins Haus getrudelt ist, dann sollten auch die letzten Stotterer verschwunden sein.
  2. Danke für den Test!
    Bin auch erfreut, dass es so gut hier "weg kommt"! Freue mich auch schon drauf.
    Sollte ich so viel Spass mit dem Titel haben, wie der Test vermuten lässt, werde ich den Vorgänger in der Remix Version noch nachholen! :D
    Da ich die Demo auf der Switch ok fand, habe ich es mir dafür geholt ^^
  3. Ich weiss momentan echt nicht ob ich es mir kaufen soll. Ich habe die Demo gespielt und die Extreme Jugendsprache "Opfer" etc hat mich schon etwas gestöhrt. Auch wenn es warscheinlich für das Setting passend ist.

    Vielleicht probier ich es nochmal mit englischen Texten. Aber die Deutsche lokalisierung fand ich als alter Mann doch ziemlich anstrengend.
  4. schöner Test. Ich muss jetzt noch knapp 1 std warten bis ich endlich loslegen kann. Warte so lange auf dieses Spiel. Leider hat mein Vertrauen durch den Final Mix eben nen enormen Knacks bekommen da die portierung der Steuerung auf der Switch mit dem Controller ein einziger Graus war und ich es recht schnell abgebrochen habe. Die Demo auf der PS4 hat mir richtig gut gefallen und auch die neue Steuerung ist wirklich geschmeidig. Da mittlerweile auch ne PS5 ins Haus geflattert ist freu ich mich schon das Game in der bestmöglichen Performance zu spielen.

    Ich hoffe aber das der Soundtrack noch etwas zulegt. In der Demo war der schon gut aber da war bisher noch kein wirklich Markantes Stück bei was direkt im Ohr bleibt.
  5. ElPsy schrieb:

    Sehr schöner Test. Freut mich das es so gut ankommt und ich kann es auch schon kaum abwarten es in nächster Zeit zu spielen, vor allem da mein größter Kritikpunkt, das Kampfsystem, sehr stark verbessert wurde. Ein frage bezüglich der Story hätte ich aber noch
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    Gibt es irgendwelche hinweise in diesem Spiel, die es im entferntesten mit Kingdom Hearts verbinden könnten?

    Spoiler anzeigen
    Nein gibt es nicht. The World Ends With You hat allgemein bis auf die Entwickler und ein Cameo absolut rein gar nichts mit Kingdom Hearts zu tun.
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