PS4 Test

Im Test! Ghosts ’n Goblins Resurrection

TitelGhosts ’n Goblins Resurrection
Japan01. Juni 2021 (25. Februar Nintendo Switch)
Capcom
Nordamerika01. Juni 2021 (25. Februar Nintendo Switch)
Capcom
Europa01. Juni 2021 (25. Februar Nintendo Switch)
Capcom
SystemPlayStation 4, Nintendo Switch, Xbox One, PCs
Getestet fürPlayStation 4
EntwicklerCapcom
GenresRun and Gun, Platformer
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung

Capcom wirft die Zeitmaschine an und bringt uns zurück in die glorreichen Zeiten, wo Spiele noch kurz, aber so schwer waren, dass man Tage, Wochen oder ein ganzes Leben damit verbrachte, es endlich zu beenden. Ghosts ’n Goblins ist eine dieser Spielereihen, deren brutale Natur auf die Existenz der Spielhallen zurückzuführen ist. Ein Spiel, so hart, so unerbittlich, nur dazu da, um SpielerInnen den letzten Cent aus den Taschen zu ziehen.

Ein wahres Erfolgskonzept in den 80ern, aber auch in den Jahren darauf, denn allein in den Spielhallen sollte der Schrecken nicht bleiben. Verschiedene Konsolenports und Ableger sollten folgen und die Spielerschaft an die Konsolen fesseln. Wer sich erfolgreich gegen einen mentalen Zusammenbruch erwehren konnte, der durfte sich mit seinem Ruhm brüsten und erklomm die Sphäre der selbsternannten Elitären. Ein Phänomen, was man nun gern mit Dark Souls verbindet und teils den größten menschlichen Abschaum zutage führte.

Mit Ghost ‘n Goblins Resurrection steht nun nach über zehn Jahren der neueste Ableger bereit. Ableger nur bedingt, denn vieles wirkt recht identisch zum Originaltitel, allerdings mit neuem grafischen Anstrich und spielerischen Modifikationen. Für mich und für viele Fans der Reihe ein Grund zur Freude. Es gibt ja heutzutage nicht schon genug Spiele zum Aufregen. Lasst uns unsere Freizeit auch noch kräftig gegen den Baum fahren. Oh Freude, ach du schönes Leid! Lass mich dich umarmen und meinen Controller mit einem beherzten Schwung aus dem Fenster werfen.

Die Unterhose ist zurück!

Friedhof-Dates, Erdbeerunterhose und langsam wie eine Schnecke. Das ist Arthur, der Held der Geschichte. Ein absoluter Traummann, der mit einer stummen, wunderschönen Prinzessin liiert zu sein scheint. Solch‘ zauberhafte Wesen erregen Luzifers Lüste ebenso wie die des nächsten Kerls, also wird diese schnurstracks entführt und natürlich so lange in Ruhe gelassen, bis der lahme Ritter seinen erdbeerbestickten Hintern zu ihr bewegt. Ein unglaublich moderner sowie bahnbrechender Plot und mehr als ausreichend Motivation, sich in ein verdammt nervenzerfetzendes Abenteuer zu stürzen.

Neben seiner durchaus sexualisierenden Natur ist Arthurs Unterhose auch ein serientypisches Gameplay-Element, denn wird unser Held von etwas getroffen, so verliert er immer ein Stück seiner Rüstung. Schlussendlich steht er nur noch in Unterhose da, bevor er mit dem nächsten Treffer sofort zu einem Skelett wird – immer schön die Unterhosen anbehalten, Leute! Ghosts ‘n Goblins Resurrection lässt den Ritter je nach Schwierigkeitsgrad entgegen der alten Ableger sogar nur einzelne Teile der Rüstung verlieren, bis es letztendlich nackig ins Grab geht. Nicht so spaßiger Fakt hier: Das Spiel ist dadurch natürlich nicht zwangsläufig einfacher…

Ein neues Feature in Resurrection sind die Feen, die sich in den verschiedenen Abschnitten verstecken und gegen Zauber und passive Fähigkeiten eingetauscht werden können. Diese Feen sind meist unsichtbar, sofern man nicht einen gut platzierten Sprung vollzieht oder eine bestimmte Stelle mit der Waffe abwirft. Ähnlich sind auch versteckte Truhen in den Levels untergebracht worden. Einfach zum Schlapplachen, wenn sich die versteckte Belohnung dann auch noch als bösartiger Zauberer herausstellt, der Arthur in allerhand nutzlose Tierformen verwandelt. Tränen der Freude, besser kann man es nicht ausdrücken.

Dürfen es noch mehr Gegner sein?

»Ein neues Feature in Resurrection sind die Feen, die gegen Zauber und passive Fähigkeiten eingetauscht werden können.«

Auch wenn sich Ghosts ‘n Goblins Resurrection tatsächlich recht nah am Original bewegt, was Umgebungen und Gegner betrifft, so fühlte man sich einfach genötigt, das Spiel auf ein neues Level der Frustration zu heben. Auf dem „normalen“ Schwierigkeitsgrad, der sich „Ritter“ schimpft, findet man schon in puncto Gegnermassen um einiges mehr als noch in den guten alten 80ern. Durch verschiedene Gameplay-Anpassungen schafft man allerdings, ungefähr einen ähnlichen Schwierigkeitsgrad wie damals beizubehalten. Und ja, selbst wenn dieser Text auf salzigste Weise den Rachen hinunterläuft, so muss man ehrlich zugestehen, dass spielerisch die Atmosphäre des Originals perfekt eingefangen wurde.

Auch findet man nach kniffligen Passagen ein kleines Checkpoint-Fähnchen, was man nach dem Ableben Arthurs als neuen Anfangspunkt auswählen kann. Schön, dass diese Option nicht die standardmäßig ausgewählte ist und man diese erst manuell auswählen muss. Drückt man nämlich einmal zu schnell weiter, so darf man den ganzen Abschnitt noch einmal machen. Das ist kein Fehler im Spiel, denn ich bin mir hier absolut sicher, dass die Entwickler gerade in diesem Moment den größten Spaß ihres Lebens haben.

Ein wenig verwirrend sind allerdings die deutschen Übersetzungen der Schwierigkeitsgrade. Hier geht es von „Knappe“ hoch zu „Edelmann“, welches dann unverständlicherweise die schwierigste Option darstellt. Einen fetten, nach Gold stinkenden Edelmann im Kopf und schnell findet man sich in der Hoffnung auf eine ruhige Nummer in der schlimmsten Horrorshow der Videospielkarriere wieder. Absolutes Verständnis für jeden, der nach diesem Alptraum die Karriere an den Nagel hängt. Stirbt man oft genug, kann man aber auch den Schwierigkeitsgrad senken lassen, falls es der falsche Stolz zulassen sollte. Ganz ehrlich, lasst es zu! Der Stolz ist eine Lüge, umarmt eure Unfähigkeit.

Herr, ich habe gesündigt

Man mag es zwar nicht glauben, aber ja, ich habe Ghosts ‘n Goblins damals sehr gemocht und die Spiele auf NES und SNES sogar nach größten Anstrengungen beenden können. Die Zeiten sind nun definitiv vorbei! Ich bin wahrscheinlich einfach ein zu professioneller Spieletester geworden, denn das Spiel habe ich bisher nur auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad beendet. All die Jahre dachte ich immer, hey, du bist lediglich ein Typ, der in seiner Freizeit auch mal einen Text schreibt, aber nein! Meine Professionalität wurde bewiesen und ich strotze nur so vor Stolz.

Spaß beiseite, Ghost ‘n Goblins Resurrection reiht sich nahtlos in die Serie ein und zeigt heutigen SpielerInnen, womit wir damals konfrontiert wurden. Es ist tatsächlich eine Freude, so etwas zu sehen, auch wenn es natürlich an der Zugänglichkeit mehr als hapert. Der einfachste Schwierigkeitsgrad bietet zwar ebenso seine Herausforderungen, allerdings hat man hier das „Game Over“ gänzlich entfernt und, wie abzusehen, bekommt man auch nicht das „wahre“ Ende zu Gesicht.

Alte Level lassen sich praktischerweise immer wieder neu spielen. Das macht das umfassende Spielerlebnis zwar nicht wirklich erträglicher, aber man hat jederzeit die Möglichkeit, versteckte Feen und Schätze zu finden. Vielleicht findet sich ja doch ein hilfreicher Zauber im Feenbaum, der den Grind letztlich rechtfertigen kann. Ich für meinen Teil werde sicherlich ab und an wieder einen Blick riskieren und ein Level abschließen, allerdings nicht mehr so ehrgeizig wie damals. Hätte mich für die Switch-Version entscheiden sollen.

Neuer alter Look

»Grafisch und musikalisch trifft Ghosts ‘n Goblins Resurrection einfach den richtigen Nerv.«

Grafisch und musikalisch trifft Ghosts ‘n Goblins Resurrection einfach den richtigen Nerv. Alle bekannten Gegner sind vorhanden und lassen sich wiedererkennen. Selbst die Bosse sind den alten Versionen wie aus dem Gesicht geschnitten. Das etwas modernere Design nimmt dem Spiel nichts an Charme und lässt das nostalgische Herz zufrieden weiterschlagen. Zwar macht man letztlich keine Luftsprünge, was das grafische Auftreten betrifft, jedoch ist die aufgehübschte Darstellung vollkommen ausreichend für die Klientel des Spiels.

Zahlreiche bekannte Stücke finden sich ebenfalls im Repertoire von Resurrection. Ein wahres Fest für die Ohren, wenn neben dem Blut der geplatzten Hirnadern die Nostalgie vollends überhandnimmt. Die Stücke sind allerdings auch für Nicht-Nostalgiker eine willkommene und gelungene Untermalung des Spielgeschehens, auch wenn man womöglich mit anderem beschäftigt ist als Musik zu hören.

Schön ist ebenso, dass man sich auch die Mühe gemacht hat, das Spiel in zahlreiche Sprachen zu lokalisieren. Für diesen Test habe ich mich auf die deutsche Lokalisierung konzentriert und selbst wenn das Spiel allgemein nicht viel Text zu bieten hat, so übersieht man dennoch nicht die ein oder andere seltsame Formulierung oder kleine Fehler. Neben dem irreführenden „Edelmann“-Schwierigkeitsgrad, findet man auch noch Sinnfehler in der Erklärung zur Steuerung, die Waffenwechsel erwähnt, aber eigentlich den Wechsel zwischen den Zaubern meint. Bei so wenig Text hätte man hier ruhig noch einen Blick riskieren dürfen.

Get the Knife!

Ghosts ‘n Goblins Resurrection ist eine recht gelungene Hommage an die Anfänge der Reihe, die nahezu perfekt den Frust und den Irrsinn des Spiels und dessen Schwierigkeitsgrad einfangen kann. Es macht tatsächlich keinen großen Unterschied, ob man nun mehrere Schwierigkeitsgrade und mehr Checkpoints in das Spiel macht, wenn es mit einem zusätzlichen Haufen an Gegnern ausstaffiert ist, die Arthurs Unterhosen zerbersten lassen.

Klar ist, dass Ghosts ‘n Goblins absolut nicht für jeden gedacht ist und wohl viele eher einen großen Bogen um dieses Spiel machen sollten. Ja, es gibt den einfachsten Schwierigkeitsgrad, der sicherlich für ambitionierte Casual-SpielerInnen gedacht ist. Allerdings bringt das letztendlich nicht das volle Erlebnis, was nur für die Härtesten auf dem Friedhof geeignet sein wird.

Nichtsdestotrotz belebt Capcom eine recht beliebte klassische Serie wieder und das mit recht viel Liebe zum Detail, selbst wenn diese Liebe dem Sadismus näherliegt, als man glauben mag. Tokuro Fujiwara, der Vater der Serie, bleibt für mich auch mit diesem Titel ein wirklich liebenswerter Bastard. Danke für den erhöhten Blutdruck.

 

Story

Arthurs Unterhose.

Gameplay

Run and Gun mit Abstechern zur Bullet Hell… Bis auf die Möglichkeit, neue Zauber freizuschalten, bleibt man dem alten Gameplay treu.

Grafik

Aufgehübscht und scharf. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Absolut ausreichend für Fans der Serie.

Sound

Viele bekannte Lieder, die auch heute noch sehr gut in die Atmosphäre des Spiels passen.

Sonstiges

Deutsche Lokalisierung mit kleineren Fehlerchen. Vier mehr oder minder unerbittliche Schwierigkeitsgrade.

Bildmaterial: Ghosts ’n Goblins Resurrection, Capcom

1 Kommentar

  1. Schöner Test! Hebt auch für mich heraus, dass ich es trotz einfachen Schwierigkeitsgrad es wohl lassen werde. Meine Frust Toleranz ist einfach nicht mehr sehr hoch, und ich werde wohl einfach alt, wie gerade beim erst mals gestarteten Demon Souls merke. Aber schön, dass es es so eine original getreue und hübsche Umsetzung bekommen hat!
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