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Angespielt! The Great Ace Attorney Chronicles

Phoenix Wright! Bei diesem Namen dürften viele „Visual Novel“- und „Adventure“-EnthusiastInnen aufhorchen. Im Rahmen der „Ace Attorney“-Serie begleiteten sie den passionierten Strafverteidiger immerhin über Jahre bei seinen Fällen. Ryunosuke Naruhodo hingegen? Dieser Name dürfte unter SpielerInnen hierzulande schon eher Stirnrunzeln auslösen. Dabei beweist der junge Mann ein ganz ähnliches Talent für die Juristik. Oder sollte ich eher sagen „bewies“?

Ryunosuke Naruhodo stellt nämlich den Protagonisten der beiden Ableger „The Great Ace Attorney: Adventures“ und „The Great Ace Attorney 2: Resolve“ dar. Und diese spielen während der japanischen Meiji-Zeit und der viktorianischen Ära Englands im 19. Jahrhundert. „The Great Ace Attorney“ lässt SpielerInnen also quasi in die Rolle eines Vorfahren von Phoenix Wright schlüpfen.

Allerdings war das bislang lediglich japanischen SpielerInnen vorbehalten. In den Westen schafften es die 3DS-Ableger von 2015 und 2017 nämlich nicht. Bis jetzt! Mit „The Great Ace Attorney Chronicles“ kommen nun nämlich auch westliche SpielerInnen zum Zug. Die Neuauflage enthält beide Spiele – inklusive diverser Bonus-Inhalte – und erscheint am 27. Juli 2021 für PlayStation 4, Switch und PCs.

Wir hatten bereits jetzt die Gelegenheit, einen ausführlichen Blick auf den ersten Teil der Sammlung zu werfen – „The Great Ace Attorney: Adventures“. Die Vorabversion bot uns dabei Zugriff auf drei Fälle aus Ryunosuke Naruhodos erstem Abenteuer und damit genügend Raum für allerhand Ermittlungs- und Gerichtssaal-Action. Wie unser erster Eindruck ausfällt, erfahrt ihr im folgenden Vorschaubericht.

Unverhofftes Gerichtsdebüt

Der erste verfügbare Fall präsentiert uns den Einstieg ins Spiel. Und dieser gestaltet sich äußerst unangenehm für unseren Protagonisten. Der junge Student Ryunosuke Naruhodo steht nämlich kurz davor, zum ersten Mal einen Gerichtssaal von innen zu sehen. Nur leider eben in der Rolle des Angeklagten. Der Vorwurf: Er habe einen britischen Gastprofessor seiner Universität in einem Restaurant erschossen.

Zur falschen Zeit am falschen Ort.

Als wäre die Situation nicht schon brenzlig genug, findet die Gerichtsverhandlung vor dem Hintergrund statt, dass es erst kürzlich zum Freundschaftsvertrag zwischen dem Britischen Reich und Japan kam. Da macht es sich natürlich nicht gut, wenn ein britischer Professor auf japanischem Boden gewaltsam sein Leben lässt. Die japanische Regierung strebt also eine umgehende Klärung des Falls an und unser ratloser Protagonist droht zum Sündenbock zu werden.

Zum Glück steht ihm sein guter Freund Kazuma Asogi zur Seite. Eigentlich selbst Student, genießt dieser zusätzlich einen renommierten Ruf als Strafverteidiger. Und selbstverständlich bietet er Ryunosuke seine Hilfe an. Im Folgenden feiern wir also – gemeinsam mit Kazuma – unseren Einstand als Nachwuchs-Verteidiger. Wird schon schiefgehen!

Nachwuchsanwalt Naruhodo

Im Rahmen unserer Gerichtspremiere werden wir an die grundlegenden Systeme des Titels herangeführt. KennerInnen der Serie dürften sich dabei – trotz frischer Kulisse – schnell wie zuhause fühlen. Wir lauschen den Aussagen ulkiger ZeugInnen, nehmen diese ins Kreuzverhör und attackieren Unregelmäßigkeiten in ihren Äußerungen. Unsere Position untermauern wir dabei natürlich mit der Präsentation passender Beweise. Dazu untersuchen wir unsere Beweisakte und nehmen allerhand Dokumente, Gegenstände und Fotografien genau unter die Lupe.

Wie schon in der Hauptserie gestaltet sich dieses Suchen nach Schlupflöchern sehr unterhaltsam.
Liegen diese zu Beginn noch klar auf der Hand, schleudert uns selbst der Einstiegsfall im Verlauf erste Kopfnüsse entgegen. Umso befriedigender, wenn wir diese dann im Zuge des einen oder anderen Geistesblitzes lösen.

Die Jury entscheidet

Wie bereits angesprochen, durften wir neben dem Fall zum Spieleinstieg noch zwei weitere Fälle bestreiten. Für diese führt es uns aus der japanischen Heimat hinaus in die weite Welt. Genauer gesagt ins viktorianische London. Auf britischem Boden angekommen, vertraut man uns die Verteidigung des bekannten Philanthropen und Geschäftsmannes Magnus McGilded an. An Bord eines Omnibusses soll dieser einen Ziegelbrenner erstochen haben.

Die Jury entscheidet über das Schicksal unseres Mandanten….

Im Zuge dieses Falls lernen wir eine frische, neue Mechanik kennen. Wir setzen uns nämlich nicht nur mit ZeugInnen auseinander, sondern ebenso mit einer sechsköpfigen Jury. Alle Mitglieder dieser Jury genießen ein Stimmrecht, das sie im Zuge der Verhandlung wahlweise für das Urteil „Schuldig“ oder „Nicht Schuldig“ einsetzen. Kommt die Jury zu einem geschlossenen, einstimmigen Ergebnis, ist die Verhandlung beendet. Es liegt also an uns, sie von der Unschuld unseres Mandanten zu überzeugen.

Droht die „Waage der Gerechtigkeit“ zu unseren Ungunsten auszuschlagen, ist noch nicht alle Hoffnung verloren. Immerhin steht uns ein letzter Notnagel in Form der „Summation Examination“ offen. Im Rahmen dieses Verfahrens bitten wir die Jury um eine Rechtfertigung ihres Urteils. Diese Aussagen vergleichen wir daraufhin miteinander, um mögliche Unzulänglichkeiten und Widersprüche aufzudecken. So überzeugen wir die Jurymitglieder im besten Falle, ihr Urteil zu revidieren. Und erkaufen uns damit wertvolle Zeit zur sauberen Aufklärung des Falls. Ein spannendes und unterhaltsames neues Element, das die Struktur der Gerichtsverhandlungen gelungen auffrischt.

In berühmter Gesellschaft

Für den dritten Fall der Vorabversion bleiben wir im kalten London. Wir übernehmen die Verteidigung von Soseki Natsume. LiebhaberInnen älterer japanischer Literatur könnten nun möglicherweise die Ohren Spitzen. Die Figur basiert nämlich tatsächlich – mit künstlerischen Freiheiten – auf dem berühmten, japanischen Schriftsteller der Meiji-Zeit. In unserem Fall droht der noch junge Natsume allerdings vielmehr traurige Berühmtheit zu erlangen. Man bezichtigt den sonderbaren Stipendiaten nämlich des versuchten Mordes an einer Frau.

Unser poetischer Mandant beweist seinen Hang zur Theatralik.

Bevor es in den Gerichtssaal geht, durchstreifen wir allerdings erstmal die Straßen von London im Rahmen unserer Ermittlungen. Wir suchen den Tatort auf, sprechen mit ermittelnden Beamten und untersuchen Natsumes bescheidene Bleibe – alles in gängiger Point-and-Click-Manier. Dabei treffen wir nicht zuletzt auf eine zweite Berühmtheit: Sherl-, ich meine Herlock Sholmes. Dieser genießt einen renommierten Ruf als scharfsinniger Meisterdetektiv.

So scharfsinnig wie angenommen stellt sich der angebliche Meisterdetektiv in der Praxis allerdings nicht heraus. Beim sogenannten „Tanz der Deduktion“ lauschen wir nämlich – auf der Suche nach Hinweisen – Sholmes’ Herleitungen. Und die gestalten sich äußerst skurril. Hinter einem verwüsteten Zimmer vermutet er etwa einen (angeblichen) als Haustier gehaltenen Löwen. Klingt… naheliegend? Unsere Aufgabe in diesen Abschnitten ist es, die fantasievolle Deduktion unseres berühmten Kollegen geradezurücken. Dazu suchen wir am Ort des Geschehens nach Hinweisen, die eine logischere Erklärung untermauern. Auch diese Passagen tragen unterhaltsam zu einer abwechslungsreichen Spielerfahrung bei. Zumal sie sehr humorvoll inszeniert sind.

Skurril, humorvoll, charmant

Das lässt sich übrigens auf die gesamte Laufzeit der Vorabversion von The Great Ace Attorney Chronicles übertragen. Wir erfreuen uns an liebenswerten, skurrilen und vor allem humorvollen Figuren, deren Charakterzüge stets passend von einem umfangreichen Satz an amüsanten Animationen untermalt werden. Protagonist Ryunosuke steht etwa stramm, um seine Aufregung zu verbergen. Wenn da nicht sein nervös umherschnellender Blick wäre. Oder er erschreckt sich, wenn er plötzlich mit vermeintlichem Selbstbewusstsein auf den Tisch schlägt.

Ähnlich verhält es sich mit den weiteren Figuren, die wir kennenlernen. Sei es der berüchtigte Staatsanwalt Barok van Zieks, der nicht von ungefähr an einen transsylvanischen Grafen erinnert und sich gern mal ein Glas Rotwein einschenkt. Oder der kauzige Meisterdetektiv Herlock Sholmes, der einen Ermittlungsschauplatz schnell mal zu einer Bühne für seine „Auftritte“ umfunktioniert.

Natürlich kommt dem Titel hier auch zugute, dass die in den verfügbaren Fällen präsentierten Geschichten ebenfalls durchweg unterhaltsam ausfallen. Lediglich die eine oder andere Wendung mutet abstrus an – selbst im Kontext der überzeichneten Inszenierung. Das tut dem Spaß aber keinen Abbruch.

Wendungen gibt es übrigens so einige. Genau genommen wendet sich das Blatt sogar alle paar Minuten und überzeugt uns ein ums andere Mal vom Gegenteil, wenn wir mal wieder das nahende Ende eines Falles prophezeien. Gute vier bis fünf Stunden sind wir so jeweils mit einer Geschichte beschäftigt.

The Great Ace Attorney Chronicles bietet übrigens lediglich englische Texte. Aber keine Sorge: allzu komplex gestalten sich die Inhalte nicht. Von der englischen und japanischen Sprachausgabe kriegen wir zudem nur gelegentlich etwas im Rahmen der wenigen – schick inszenierten – Zwischensequenzen mit. Davon ab findet keine Vertonung statt. Die Worte der Figuren werden ausschließlich durch das gängige Textgedudel angedeutet. Vielleicht ja dann beim nächsten Ableger!

Endlich wieder vor Gericht

Endlich schaffen es die „The Great Ace Attorney“-Spiele auch in die westlichen Gefilde und ermöglichen uns damit erstmals in die Fußstapfen des Nachwuchsanwalts Ryunosuke Naruhodo zu schlüpfen. Die Vorabversion von The Great Ace Attorney Chronicles gibt uns dabei schon einen ausführlichen Eindruck, wo die Reise hingeht.

In der Rolle des talentierten Nachwuchsanwalts widmen wir uns unterhaltsamen Fällen in einer interessanten, neuen Umgebung. Das Japan der Meiji-Zeit, das viktorianische London sowie die vielen neuen Charaktere verleihen der beliebten Serie frischen Wind. Damit einhergehend begrüßen wir unterhaltsame neue Mechaniken, wie Konfrontationen mit einer Jury oder spezielle Ermittlungen an der Seite des „Meisterdetektivs“ Herlock Sholmes. Diese Einlagen sorgen für die nötige Abwechslung zum Gerichtsalltag. Natürlich wird aber auch bei The Great Ace Attorney nicht auf knifflige Kopfnüsse im Rahmen der klassischen Verhandlungen verzichtet. Und selbstverständlich gestalten sich unsere Geistesblitze genauso befriedigend wie in Vergangenheit.

Die charmante und humorvolle Inszenierung rundet den tollen Ersteindruck ab. Wir erfreuen uns an einer Bandbreite amüsanter Animationen, die die skurrile Riege an Charakteren gelungen unterstreichen. Schade nur, dass sich die Sprachausgabe auf die wenigen – schön animierten – Zwischensequenzen beschränkt und die vielen Texte nur von monotonem Gedudel untermalt werden.

Trotzdem: Nach guten 12 bis 15 Stunden an der Seite von Ryunosuke bin ich sehr angetan von The Great Ace Attorney Chronicles und sehe der Veröffentlichung am 27. Juli 2021 vorfreudig entgegen.

Bildmaterial: The Great Ace Attorney Chronicles, Capcom

6 Kommentare

  1. Ach, da mache ich mir keine Sorgen. Capcom hat mit MHR und vielen anderen Spielen zuletzt gezeigt das sie selbst eine Switch perfekt ausreizen ohne Probleme. Capcom ist da der letzte Hersteller wo ich für Konsolen mit Problemen rechnen würde. Zumal es ja hier um Ports von DS/3DS Spielen geht. Wenn die aktuellen Kisten das nicht packen weiß ich auch nicht mehr. :D
  2. Die Ace Attorney-Spiele sind ja auch nicht gerade als "Leistungsfresser" bekannt, also wenn das auf der Switch nicht läuft, müsste das schon echt schlecht geportet worden sein (schönen Gruß an AI: The Somnium Files, wo es wirklich deutliche Performance-Probleme gab). Ich bin jetzt aber auch mal optimistisch :)

    Freue mich auch schon sehr auf die Spiele, meine Vorbestellung steht schon seit ein paar Wochen und ich könnte mir vorstellen, dass ich auch direkt Day 1 anfange ^^
  3. Fur0 schrieb:

    Ach, da mache ich mir keine Sorgen. Capcom hat mit MHR und vielen anderen Spielen zuletzt gezeigt das sie selbst eine Switch perfekt ausreizen ohne Probleme. Capcom ist da der letzte Hersteller wo ich für Konsolen mit Problemen rechnen würde. Zumal es ja hier um Ports von DS/3DS Spielen geht. Wenn die aktuellen Kisten das nicht packen weiß ich auch nicht mehr. :D

    Bei der Aussage wäre ich aber auch ganz ganz vorsichtig. Schau dir mal die Ports von RE4-6 an. Also schön und flüssig sehen auf der Switch auch anders aus. Und das sind auch "nur" ps2 bzw 3 Spiele.
  4. Yurikotoki schrieb:

    Interessantes angespielt! Schürt die Vorfreude auf den Teil! Ihr habt sicher aus der PC Version einen Einstieg erhalten? Oder sind Aussagen zur technischen Umsetzung auf Konsolen möglich?
    Entschuldige die späte Antwort!
    Wir hatten eine Vorabversion für Nintendo Switch zur Verfügung.
    Lief einwandfrei, keine Performance-Probleme, wirkte alles sehr sauber und rund. Dürfte sich mit der PS4-Version entsprechend ähnlich verhalten.
    Wir werden uns dem Thema beizeiten sicher noch etwas ausführlicher (im Rahmen eines Testberichts) widmen . :)
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