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Im Test! Rune Factory 4 Special

TitelRune Factory 4 Special
Japan25. Juli 2019
Marvelous
Nordamerika25. Februar 2020
XSEED Games
Europa28. Februar 2020
Marvelous Europe
SystemNintendo Switch
Getestet fürNintendo Switch
EntwicklerMarvelous
GenresRPG, Action, Simulation
Texte
Deutschland
VertonungNordamerika Japan

Bereits vor sechs Jahren erschien mit Rune Factory 4 der vierte Teil der Reihe für Nintendo 3DS, die gut und gerne mit anderen Farming-Simulationen wie Harvest Moon oder Stardew Valley verglichen wird. Zu Beginn lassen sich viele Parallelen nicht von der Hand weisen: Ihr besitzt eine Farm, auf der ihr Pflanzen anbauen und Tiere pflegen könnt. Doch durch besondere Aspekte wie den Dungeons oder dem immens ausgebauten Crafting-System hebt sich Rune Factory aus der Masse an Farming-Simulationen hervor.

Es darf wieder gedatet werden!

Da war die Überraschung nicht groß, als Rune Factory 4 Special für Nintendo Switch angekündigt wurde und Fans der Reihe völlig aus dem Häuschen waren. Was die Edition so „special“ macht, fragt ihr? Nun, die Entwickler kündigten bereits im Vorfeld an, zwei neue Modi ins Spiel zu integrieren – den Frischverheirateten-Modus und einen Modus namens „Eine weitere Episode“.

Aber auch so haben zahlreiche Neuerungen den Weg ins Spiel gefunden, wie etwa ein noch härterer Schwierigkeitsgrad oder eine neue Benutzeroberfläche, die für den Wechsel von zwei zu nur einem Bildschirm optimiert werden musste. Wir haben uns die Special-Version zur Brust genommen und können euch nun aus erster Hand berichten, ob sich selbst als Besitzer von Rune Factory 4 für Nintendo 3DS die Anschaffung der Special-Edition lohnt.

Plötzlich Prinzessin

Doch erst folgt eine Einführung für alle, die nicht wissen, wobei es sich um Rune Factory 4 handelt. Eine kurze Beschreibung konntet ihr bereits in der Einleitung nachlesen: Ein Mix aus Harvest Moon und RPG-Dungeon-Abenteuern. Zu Beginn eures Abenteuers habt ihr die Wahl zwischen einer männlichen und einer weiblichen Hauptfigur. Diese Wahl hat einen Einfluss darauf, welche Stadtbewohner ihr später heiraten könnt, denn weibliche Hochzeitskandidaten können nur von einer männlichen Hauptperson vom Markt genommen werden. Natürlich könnt ihr eurer Figur auch einen Namen geben und einen Geburtstag bestimmen.

Nach dem Prolog beginnt dann auch schon euer Leben als frisch gekürte Prinzessin oder als frisch gekürter Prinz. Denn schon am ersten Tag, an dem ihr von einem Luftschiff gestoßen werdet und euch mit Gedächtnisverlust vor einem imposanten Winddrachen wiederfindet, beginnt euer royales Leben. Innerhalb der nächsten Spielstunde erlebt ihr nämlich etwas, dem das Wort „Tutorial“ nicht gerecht wird.

Euch wird eine royale Pflicht nach der anderen in euer Hirn geballert. Neulingen der Reihe könnte es somit extrem schwerfallen, dem Ganzen zu folgen. Denn euer Alltag gestaltet sich als vollgeladen. Euer Morgen beginnt damit, dass euer persönlicher Butler euch weckt. Im Anschluss gilt es, sich um eure Tiere und Pflanzen zu kümmern. Hinter eurem Zimmer findet ihr nämlich so etwas wie eine Art Bauernhof, der gehegt und gepflegt werden möchte.

Hacken, gießen, pflügen

Das Feld muss täglich gepflegt werden.

Auf einem riesigen Acker könnt ihr zunächst mit einer Hacke Felder graben, um anschließend verschiedenste Saaten zu verteilen. Dabei müsst ihr darauf achten, dass gerade die Saison für das ausgestreute Gemüse, Obst oder verschiedenste Blumen herrscht, ansonsten kann eure Saat ganz schnell vertrocknen. Jede Pflanzenart hat dabei ihr ganz eigenes Wachstumstempo, auf das ihr ebenfalls achten solltet. Außerdem sollte der Zeitpunkt der Aussaat insofern bedacht werden, als dass ihr planen könnt, an welchem Tag ein erntereicher Tag zu erwarten ist. An solchen Tagen fliegen nämlich süße Geisterwesen über den Bildschirm, die euch anzeigen, dass euch heute eine fette Beute erwartet. Nach dem Aussäen wollen die Pflanzen natürlich auch gehegt und gepflegt werden, indem ihr sie täglich gießt.

Das Wasser für die Gießkanne könnt ihr aus dem benachbarten Brunnen gewinnen. Doch nicht nur mit Wasser, auch mit verschiedenen Düngern könnt ihr eure Pflanzen verwöhnen. So könnt ihr beispielsweise ihre Qualität verbessern oder sie vor Taifunen schützen, der viele Steine und Gräser auf euer Feld weht. Doch auch außerhalb der Taifun-Saison findet ihr täglich neue Steine und Sträucher auf eurem Feld wieder, die ihr entfernen müsst, um neues Gut anbauen zu können. Das kann auf Dauer ziemlich anstrengend und nervenaufreibend sein, da ihr auch noch anderen königlichen Pflichten nachkommen müsst. So könnt ihr eure Monster für euch arbeiten lassen, die Feldarbeit übernehmen.

Gut vorbereitet ist halb gewonnen

Ihr habt richtig gehört – eure Monster! Denn während eurer Streifzüge durch das Land begegnet ihr den unterschiedlichsten Gegnern, die ihr aber mit den passenden Geschenken ganz schnell zu euren Freunden machen könnt. Nach dem Anfreunden und der Namensvergabe könnt ihr die Viecher dann reiten, mit in den Kampf nehmen oder eben in die heimische Monster-Farm schicken, in der sie für euch täglich Items produzieren, die ihr verkaufen oder für andere Zwecke nutzen könnt. Dabei gibt es nicht nur die aus anderen Farming-Simulationen typischen Schafe und Kühe, sondern auch exotische Monster, die euch ihr besonderes Fell oder Pflanzenstränge hinterlassen können. Aber auch die Monster wollen täglich gestriegelt und liebgehabt werden, also überlegt euch gut, wie groß ihr euren heimischen Fuhrpark an Monstern ausbauen wollt.

Netter Fanservice, aber kein Muss.

Mit den gewonnenen Lebensmitteln und Monster-Items könnt ihr euch dann an ein riesiges Crafting-System wagen, das euch quasi unzählige Möglichkeiten bietet, eure Items sinnvoll zu verwenden. Mit der Zeit könnt ihr euch euer Heim nämlich wohnlicher einrichten, indem ihr euch eine Küche oder Fertigungstische anschafft. In der Küche können so beispielsweise an zahlreichen Küchenutensilien unterschiedlichste Gerichte gekocht werden, die ihr entweder zur Heilung selbst verzehren oder zum Steigern der Freundschaft mit anderen Bewohnern verschenken könnt.

Mit jedem neuen Gericht beziehungsweise Rezept, das ihr durch das Verspeisen von Rezeptbroten erlernen könnt, steigt euer Level in der jeweiligen Fertigungsabteilung. Ihr könnt mit der Zeit immer komplexere und bessere Gerichte, Medizin, Werkzeuge, Ausrüstung oder Waffen für eure Abenteuer herstellen. Aber auch die Materialien, die ihr für das jeweilige Rezept benötigt, werden immer anspruchsvoller. Komplexer wird das Ganze zudem dadurch, dass ihr eure Ausrüstung und Waffen sogar noch verbessern könnt. So könnt ihr jegliches gefundenes Material dazu verwenden, um zusätzliche Effekte auf eure Ausrüstung zu packen oder die bereits vorhandenen Werte zu verstärken.

Täglich neue Pflichten

Das Leben in Rune Factory 4 Special wird durch einen Tages- und Nachtrhythmus bestimmt. Auf eurem Nachttisch findet ihr ein Tagebuch, in welches ihr jederzeit schreiben könnt, um euer Spiel zu speichern. Dies kann beispielsweise kurz vor dem zu Bett gehen geschehen. Ein Jahr im Spiel ist in vier Monate verteilt, die man auch optisch und akustisch wiedererkennen kann. Im Frühling ist die Natur von hellgrünen Tönen bestimmt, während im Winter das Stapfen durch den Schnee die Jahreszeit dominiert. Jeder Monat hat eine bestimmte Anzahl an Tagen, an denen bestimmte Feste oder Geburtstage stattfinden können.

Das Essen ist nicht das Einzige, was heiß ist!

Die Feste in Rune Factory 4 heben sich besonders deutlich von anderen Farming-Simulationen ab, da ihr hier nicht nur euer Schaf präsentiert und dämlich wartet, bis der Bürgermeister euer Schaf „begutachtet“ hat. Hier könnt ihr selbst aktiv am Geschehen teilnehmen. Es gibt beispielsweise Feste, an denen ihr zwei Monster mit in den Kampf nehmen und gegen andere Teams, die aus einem anderen Stadtbewohner und seinen zwei Monstern bestehen, antreten könnt. Bei anderen Festen müsst ihr andere Bewohner mit Rüben bewerfen oder ein riesiges Schaf verkloppen, das seine wertvolle Wolle fallen lässt. Hier wird einiges an Abwechslung geboten, was bei anderen Farming-Simulationen deutlich fehlt.

Habt ihr eure täglichen Pflichten als Prinzessin erfüllt, so verdient ihr eine entsprechende Anzahl an Prinzessinnen-Punkten. Diese könnt ihr investieren, um neue Feste stattfinden zu lassen oder um Teile eurer Farm und euer Lager zu erweitern. Mit diesen können aber auch Lizenzen erworben werden, die euch überhaupt erst zum Kochen oder zur Luftschiff-Schnellreise berechtigen. Auch könnt ihr eine Lizenz erhalten, um euren eigenen Laden zu eröffnen, in dem ihr Items teurer verkaufen könnt, als wenn ihr sie lediglich in eure Versandkiste legt. Des Weiteren können weitere Touristen in eure Stadt gelockt werden, was sich durch die Präsenz nichtssagender Personen ausdrückt, die plötzlich in eurer Stadt umherlaufen.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

»Ein ganz wichtiges Kernelement von Rune Factory 4 Special sind die Beziehungen zu den anderen Stadtbewohnern.«

Ein ganz wichtiges Kernelement von Rune Factory 4 Special sind die Beziehungen zu den anderen Stadtbewohnern. Diese leben in eurer Stadt und gehen den unterschiedlichsten Berufen nach. Jones und seine Frau Nancy betreiben beispielsweise das örtliche Krankenhaus, in dem ihr euch wiederfindet, nachdem eure LP zur Neige gegangen sind. Das witzige Gimmick dabei ist, dass wenn Nancy gerade ihre Schicht hat, ihr nichts für die Behandlung zahlen müsst. Doktor Jones hingegen verlangt einen echt frechen Preis, was mich manchmal das Spiel hat neustarten lassen, nachdem ich die zu zahlende Summe sah.

Andere Personen helfen euch, indem sie beispielsweise das örtliche Bad betreiben, in dem ihr euch für wenig Geld vollständig heilen könnt. Der Koch Porco bietet euch Gerichte sowie die bereits erwähnten Rezeptbrote an, während andere Personen Läden betreiben, in denen ihr Lebensmittel, Möbel oder Saat kaufen könnt, an manchen Tagen sogar mit dicken Rabatten. Die Stadt und ihre Bewohner wirken in Rune Factory 4 Special viel lebendiger im Gegensatz zu anderen Simulationen, was auf eine Vielzahl an Faktoren zurückzuführen ist.

Die Charaktere sind unverwechselbar.

Die Bewohner haben beispielsweise einen geregelten Tagesablauf, doch dieser ist nicht immer der gleiche. Ihr könnt also nicht erwarten, Person X um 8:00 Uhr morgens immer an der gleichen Stelle anzutreffen (es sei denn, sie ist ein Langschläfer und liegt zu dieser Zeit noch im Bett). Auch die Dialoge, die ihr mit den Personen erlebt, unterscheiden sich täglich und ändern sich nicht erst wie in anderen Simulationen mit der Freundschaftsstufe. Insgesamt könnt ihr die Stadtbewohner auf ein Freundschaftslevel von 10 bringen, was ihr durch einen täglichen Plausch oder Geschenke, die den Bewohnern besonders gefallen, erreichen könnt. Dabei müsst ihr allerdings auch auf die Wesen der Personen achten, denn nicht jede Person mag die gleichen Geschenke. Ein Fisch kann bei einem Bewohner beispielsweise riesigen Ekel auslösen, während andere den Fisch mit Kusshand entgegennehmen.

Die Charaktere in Rune Factory 4 wirken auch durch ihr Design nicht beliebig austauschbar. Jeder Charakter hat ein einzigartiges Aussehen und eine gut einzuordnende Persönlichkeit. Unter den einzelnen Bewohnern gibt es natürlich auch noch unterschiedliche Beziehungen, was sie noch lebendiger wirken lässt. So gibt es beispielsweise Fehden wie zwischen den ewigen Rivalen Dylas und Doug, während andere Bewohner wie Xiao Pai und Lin Fan eine intakte Mutter-Tochter-Beziehung führen. Ab und an werden sogar bestimmte Events ausgelöst, in denen ihr die Bewohner und ihre Beziehungen zueinander näher kennenlernen könnt. In solchen Stadt-Events sind meistens mehrere Personen involviert. Besonders cool ist, dass die einzelnen Bewohner auf Abenteuer mitgenommen werden und diese euch im Kampf unterstützen können.

»Während wir uns in der 3DS-Version noch mit englischen Texten abmühen mussten, können wir in der Special-Edition deutsche Texte genießen.«

Insgesamt ist Rune Factory 4 sehr textlastig ausgelegt. In den Gesprächen mit den Bewohnern erscheint ein Dialogfeld, an dessen Rand die Avatare der Gesprächspartner in diversen animierten Posen erscheinen. Daran lässt sich sehr gut die Stimmung des Gegenübers ablesen. Ist der Gesprächspartner errötet, so wisst ihr, dass diesem vielleicht etwas peinlich ist. Während wir uns in der 3DS-Version noch mit englischen Texten abmühen mussten, können wir in der Special-Edition deutsche Texte genießen. Hier sind mir während meines Durchgangs keine Fehler aufgefallen, hier wurde also ordentliche Übersetzungsarbeit geleistet. Die Sprachausgabe bleibt hingegen bei einer Wahl zwischen Englisch und Japanisch. Erwartet bei der Sprachausgabe aber keine vollständigen Sätze, mit der Wahl entscheidet sich meistens nur, ob euch morgens ein „Ohayou Gozaimasu“ oder ein „Good Morning“ entgegen geschmettert wird. Zudem sagen die Bewohner bei bevorstehenden Festen beispielsweise, dass morgen ein Fest stattfindet. Ganze Sätze werden also nicht vertont.

Ein Ring, sie zu knechten

Mit der Zeit vergrößert sich die Auswahl.

Doch zu einigen Bewohnern könnt ihr natürlich eine besonders innige Beziehung aufbauen. Euch stehen pro Geschlecht sechs gegengeschlechtliche Figuren zur Auswahl, die ihr heiraten und mit denen ihr Kinder zeugen könnt. Beim ersten Vorstellen der Person gibt es sogar ein kleines animiertes Video, in dem euch die vollständige Erscheinung der Person nähergebracht wird. Meine Wahl fiel dabei auf den Fuchs-Priester Leon, der in meinen Augen mit seinem heißen Sixpack und der braun gebrannten Haut den anderen Weicheiern die Show stahl. Aber die Wahl liegt natürlich ganz bei euch! Eine besondere Ausnahme bietet hier allerdings Doug, der erst mit dem Fortschreiten der Story zu einem höheren Freundschaftslevel gezwungen werden kann.

Habt ihr mit dem Liebhaber eurer Wahl ein Freundschaftslevel von 8 erreicht, könnt ihr diesen eure Liebe gestehen. Am nächsten Morgen erwartet ihr dann die freudige Antwort: Ja, ihr könnt mit dieser Person eine Beziehung führen! Nun steht euch die Option eines Dates zur Auswahl, an denen ihr mit fortschreitender Anzahl unterschiedliche Orte auswählen könnt, an denen ihr mit eurem Liebsten Zeit verbringt. Dies steigert das Freundschaftslevel noch einmal viel schneller, sodass ihr nach etwa drei Dates recht zügig das letzte Level erreichen könnt.

Nun sollte eigentlich alles wie bei anderen Farming-Simulationen ablaufen: Schenkt eurem Liebsten einen Verlobungsring, stellt vorher sicher, dass ihr ein Doppelbett errichtet habt, und schon kann das Eheleben losgehen. Zu früh gefreut! Denn in Rune Factory 4 Special könnt ihr euren Liebsten nur zum Gemahl oder zur Gemahlin nehmen, nachdem ein bestimmtes Event zur Person getriggert wurde. Wann dieses Event stattfindet, ist leider Zufall. So kann eine Ewigkeit vergehen, bis ihr eurem Liebsten oder eurer Liebsten einen Antrag machen könnt, was auf Dauer ganz schön frustrierend sein kann.

Was macht die Special-Edition so speziell?

»Wer von seinem Herzblatt nicht genug bekommen kann, der kann sich dem neuen Frischverheirateten-Modus in der Special-Edition widmen.«

Wer von seinem Herzblatt nicht genug bekommen kann, der kann sich den neuen Modi in der Special-Edition widmen. Zum einen gibt es den Frischverheirateten-Modus. Habt ihr eine Person im Spiel geheiratet, schaltet ihr die dazugehörige Episode in diesem besonderen Modus frei. Es erwartet euch eine zusätzliche Stunde an frischem Content zu eurem Herzblatt und ihr lernt die Person noch ein wenig genauer kennen. Auch sind hier die Avatare animierter als noch im eigentlichen Spiel, denn es wippen beispielsweise Haare oder die Kleidung beim Sprechen. Zudem sind die Sätze hier vollständig vertont, so könnt ihr die Charaktere noch intensiver erleben. An Gameplay wird euch eine Reihe an Dialogen und andere kleine Segmente angeboten.

Ein weiter Modus, den ihr euch im Nintendo eShop herunterladen könnt, ist der „Eine weitere Episode“-Modus. Verpasst ihr den Download bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, müsst ihr euch die Episoden für rund fünf Euro kaufen. Hier bieten sich ebenfalls kleine Episoden zu den einzelnen Charakteren, die ihr im Spiel heiraten könnt. Doch anders als im Frischverheirateten-Modus erwarten euch in diesem Modus keine Dialogfenster oder spielbare Segmente, sondern lediglich bilderbuchartig gestaltete Bilder, in denen das Leben der einzelnen Personen nach der Hochzeit beschrieben wird.

Frechheit!

Mir stand bisweilen nur die Episode zu Ventuswill zu, bei der – Achtung, Spoiler! – zu sehen ist, was für ein glückliches Eheleben sie als Mensch führt. Mitsamt Kindern, Partner und mehr. Bei diesem Modus hatte ich mich eigentlich auf eine Spielzeit wie im Frischverheirateten-Modus eingestellt, doch bereits nach zehn Minuten ist die gesamte Episode vorbei. Bei Ventuswill gab es lediglich zwei Bilder zu sehen, die statisch im Hintergrund als Kulisse dienten. Das war es. Diesen Modus würde ich als reinen Fanservice beschreiben, der die fünf Euro für die Meisten nicht wert sein wird. Der Frischverheirateten-Modus hingegen ist ein wirklich nettes Add-on, das zum erneuten Kaufgrund für Rune Factory 4 werden könnte.

Fehlende Komfortfunktionen

Die Benutzeroberfläche hat ebenfalls eine Frischekur erhalten. Durch den Wechsel von Nintendo 3DS auf Nintendo Switch fiel ein Bildschirm weg, was allerdings gut kompensiert werden konnte. Der Touchscreen kann problemlos im Menü auf der Plus-Taste verwendet werden, um Items hin- und herzubewegen und wirkt so der Unübersichtlichkeit und dem Altertum des Menüs ein wenig entgegen. Die Karte, auf der der Live-Standort der Bewohner zu finden war, kann nun mit ZL eingeblendet werden. Dabei könnt ihr entscheiden, ob die Karte komplett ausgeblendet, teilweise eingeblendet oder starr als fester Bestandteil eurer Benutzeroberfläche fungieren soll. Die Texte sind immer in ausreichend lesbarer Schriftgröße, abgesehen von den Beschreibungen der Items in Shops, die am unteren rechten Bildschirmrand zu finden sind, wenn ihr entsprechend Items auswählt.

Allerdings lässt auch die Special-Edition einige Funktionen missen, die das Spielen etwas komfortabler gestaltet hätten. So könnt ihr beispielsweise Items in eurem Menü nicht aufteilen, sondern müsst jedes Mal den bis zu neun Items großen Stapel in die Hand nehmen. Das ist insofern schade, als dass man nur in 9er-Paketen entscheiden kann, ob man ein Item verkaufen oder behalten möchte. Lediglich Ausrüstungsgegenstände werden einzeln im Menü aufgelistet, was allerdings auf Kosten der Übersicht geht. Eine ebenfalls lebenserleichternde Funktion, die ich mir gewünscht hätte, ist das Verrücken von Möbeln. So ist es vielmehr Zufall, wo euer Möbelstück landet, das ihr gerade platzieren wollt. Nicht selten landen Möbelstücke so in der Wand oder in anderen Möbeln.

Kämpferisches Können

Was in diesem Test noch gar nicht näher behandelt wurde, sind die verschiedenen Dungeons, in die euch das Abenteuer schickt. Hier erwarten euch unterschiedlichste Monster, die euch ans Leder wollen. Die Dungeons beherbergen dabei keinerlei Rätsel, ihr müsst euch lediglich von Raum zu Raum kämpfen, um am Ende einem Bossgegner gegenüberzutreten. Das einzige Rätsel, das ihr erwarten könnt, sind Schalter, die euch bestimmte Wegbereiche versperren. Ansonsten sind eure grauen Hirnzellen eher nicht gefordert.

»Die Dungeons selbst sind zwar designtechnisch unterschiedlich und schön gestaltet, generell aber eher langweilig aufgrund ihres schlauchförmigen Aufbaus.«

Als Abenteurer habt ihr verschiedene Waffentypen zur Auswahl, die sich auch deutlich in eurem Kampfstil widerspiegeln. Ein großes Langschwert lässt euch beispielsweise behäbige, aber starke Treffer austeilen. Mit Doppelklingen hingegen seid ihr flinker auf dem Bildschirm unterwegs, aber teilt dafür nicht so einen immensen Schaden aus. Je nach Element der Waffe könnt ihr euren Gegnern sogar noch größeren Schaden austeilen oder sie aus Versehen heilen.

Das Kampfsystem an sich ist aber selbst mit flinken Waffen wie den Doppelklingen sehr starr. Ihr habt keine Möglichkeit, Ausweichrollen oder Ähnliches zu vollführen. Ihr könnt lediglich mit der Waffe schlagen oder euch bewegen. Damit müsst ihr gut timen, wann ihr einen Treffer setzen wollt, denn es kann sein, dass in dieser Zeit der Gegner schon zu einem Angriff ansetzt, dem ihr dann nicht mehr ausweichen könnt. Eine zusätzliche Ausweichfunktion würde das Ganze etwas dynamischer gestalten und die Kämpfe nicht so klobig wirken lassen.

Angeln als entspannte Alternative.

Was ebenfalls zu diesem Gefühl beiträgt, ist die Tatsache, dass die Waffe nur sehr umständlich gewechselt werden kann, falls ihr euch für eine andere Taktik entscheidet. Ihr müsst die L-Taste drücken und euch dann durch eine Leiste wuseln, die mit all euren Ausrüstungsgegenständen vollgestopft ist. Auch das Öffnen des Menüs per Plus-Taste gibt nicht unbedingt eine bessere Übersicht. Ein Quick-Menü wäre hier besser gewesen, in dem Favoriten gespeichert werden können. Andererseits passt das behäbige Wechseln der Waffe eigentlich zum undynamischen Kampfstil. Auf vier zusätzlichen Tasten könnt ihr Spezialattacken und Magie ablegen, die das behäbige Kampfsystem etwas aufwerten. Mit diesen Attacken könnt ihr beispielsweise Sprintangriffe oder Feuerbälle aus der Distanz vollführen, um etwas Bewegung in den Kampf zu bringen und die Position beziehungsweise den Standort eurer Figur voll ausnutzen zu können.

Ein Nest voller Monster

Die Dungeons selbst sind zwar designtechnisch unterschiedlich und schön gestaltet, vom Aufbau her aber eher langweilig aufgrund des beschriebenen „Sich von Raum zu Raum bewegen“-Systems. Ihr habt es lediglich mit einer Art Schlauchsystem zu tun, in dem ihr navigieren könnt. Generell fällt aber auf, dass die Grafik im Vergleich zum 3DS-Titel etwas verbessert wurde, aber immer noch nicht dem heutigen Standard entspricht. Die Monster sind ebenfalls klasse designt, wiederholen sich aber ab und an in anderen Farben.

Die Dungeons können beliebig oft wiederholt werden, allerdings spuckt jeder Dungeon nur beim ersten Durchgang die wirklich wertvollen Belohnungen aus. Es macht also oft keinen Sinn, einen Dungeon erneut zu betreten. Vor jedem Dungeon steht zudem der empfohlene Level, mit dem ihr diesen gut absolvieren könnt.

Der Schwierigkeitsgrad in Rune Factory 4 Special ist sehr moderat. Bereits auf dem Schwierigkeitsgrad „Normal“ müsst ihr grinden, um Bosse zu besiegen. Erst auf dem Schwierigkeitsgrad „Leicht“ könnt ihr problemlos über Bossmonster hinwegsehen und das Spiel zügig beenden. Mit dem in der Special-Edition neu hinzugekommenen Hölle-Schwierigkeitsgrad konnte ich persönlich nichts anfangen, aber für ausgefuchste Veteranen sollte er unendlich viele Stunden Spielspaß (oder eher Qualen?) bringen.

Drei Arcs zu einer Story vereint

Falls ihr bereits nach zehn Spielstunden die ersten Credits sehr, lasst euch nicht verwirren! Denn zu diesem Zeitpunkt habt ihr nicht einmal die Hälfte der Story durchgespielt. Insgesamt ist Rune Factory 4 Special in drei Arcs unterteilt, die es zu bestreiten gilt. Im Postgame erwarten euch neue Dungeons, Gegnertypen und mehr. Es wird auch möglich sein, Doug endlich als Heiratskandidaten freizuschalten, da sich die weitere Geschichte unter anderem um seine Vergangenheit dreht. Aber auch weitere Belohnungen, die im Keller eurer Wohnung aufgereiht sind, motivieren zum Langzeitspielspaß.

Die Feste sind wirklich abwechslungsreich.

Wer weitere Beschäftigung sucht, der kann beispielsweise auch Anfragen von Eliza bearbeiten. Hier beauftragen euch die Stadtbewohner mit Quests, die wirklich lohnenswerte Belohnungen versprechen. So könnt ihr beispielsweise neue Saat in den Shops freischalten oder erhaltet nützliche Items zur Feldarbeit. Allerdings ist es hierbei nervig, dass nur eine Quest auf einmal angenommen werden kann, wobei es auf der Minus-Taste doch ein extra Menü gibt, in dem die Quests aufgereiht sind. Zwar ebenso unübersichtlich wie schon beim Menü, aber immerhin. Die Welt an sich bietet ebenfalls noch Schmankerl zu entdecken wie jahreszeitenspezifische Felder, Seen und mehr, um sich die Zeit zu vertreiben.

Eine weitere Möglichkeit wäre es, eure Fähigkeiten zu erhöhen. Wie schon erwähnt, könnt ihr beispielsweise Crafting-Fähigkeiten erhöhen, indem ihr mehr Items der jeweiligen Kategorie herstellt. Das Gleiche gilt für Waffenarten, Werfen, ja selbst fürs Laufen: Was ihr einsetzt, verbessert sich mit der Zeit.

Ein Königreich für eine Prinzessin?

Selbst diese immense Textlänge wird dem Spiel einfach nicht gerecht. Es gibt zahlreiche Aktivitäten und eine weitreichende Story, die euch für ewig viele Spielstunden an eure Konsole binden wird. Durch den zusätzlichen Frischverheirateten-Modus, einige Verbesserungen und einen neuen Schwierigkeitsgrad sollten selbst Veteranen gewillt sein, erneut Geld für den Titel auszugeben. Allerdings ist auch Rune Factory 4 nicht perfekt und es gibt zahlreiche fehlende Funktionen, die etwas an Komfortabilität für den Spieler einbüßen.

Auch das Kampfsystem zählt vielleicht nicht zu den stärksten, die die Videospielwelt jemals gesehen hat, doch in Anbetracht der vielen Möglichkeiten, die das Spiel bietet, sollte dies leicht zu verschmerzen sein. Denn wer hat nicht davon geträumt, seine Liebsten auf Spielen wie Harvest Moon oder Stardew Valley auf Abenteuer mitnehmen zu können, um Monster in unterschiedlichsten Territorien bekämpfen zu können? Somit kann ich Rune Factory 4 Special uneingeschränkt allen Spielern empfehlen, die sich eine Kombination aus ruhigem Alltagsfarmen und etwas Action ersehnt haben!

 

Story

Als Prinz oder Prinzessin mit Gedächtnisverlust müsst ihr euch um die Stadt sorgen, in der ihr nach einem Luftschiffunfall landet.

Gameplay

Neben dem Betreiben einer Farm müsst ihr Monster in Dungeons bekämpfen und nebenbei eure große Liebe finden.

Grafik

Zwar sind geringfügige Verbesserungen zur 3DS-Version zu erkennen, diese rechtfertigen aber nicht den altbackenen Grafikstil.

Sound

Die gleichen Sounds wie aus der 3DS-Version, die nicht lange im Gedächtnis bleiben, aber sich gut in die Situation einfügen. Dafür ist die Vertonung der Charaktere besonders im Frischverheirateten-Modus sehr gut gelungen!

Sonstiges

Die Neuerungen der Special-Edition sind zwar größtenteils Fanservice, lohnen sich aber auch für einen Neukauf von Besitzern der 3DS-Version.

Bildmaterial: Rune Factory 4 Special, Marvelous, XSEED Games

9 Kommentare

  1. Frontier auf der Wii hatte mich extrem abgeschreckt. Ich wusste erst viel zu spät über diese komische „Runey“-Mechanik Bescheid und hatte mich immer über die faulende Ernte in den Dungeons gewundert, was die Expeditionen wegen niedriger Ausdauer zur Qual werden ließ. Als ich endlich hinter das Geheimnis dieser fliegenden Wichte gekommen war, war es aber auch schon zu spät. Um eine ausreichende Verteilung der Viecher zu sichern, hätte ich etliche Jahreszeiten im Spiel vergehen lassen müssen. Ohne die Runeys hätte mir Frontier mehr gefallen als Oceans/Tides of Destiny.
  2. Lando schrieb:

    Ohne die Runeys hätte mir Frontier mehr gefallen als Oceans/Tides of Destiny.
    Daran erinnere ich mich gar nicht mehr.. bzw. doch.. das war das mit dem komischen Staubsauger Gedöns, oder? Man ist das lange her. Wenn man von ner recht kurzen Anspielsession von Teil 1 absieht, war Frontier mein erstes RF.. vermutlich habe ich es deshalb so positiv in Erinnerung.

    Die Hauptserie habe ich erst Jahre nach beenden von Oceans, bzw. als ich die DE Version nach 4 Jahren platiniert hatte (lange Pausen) für mich entdeckt, wo ich dann 1, 2 und 3 am Stück durchgenudelt habe ^^
  3. Genau, Frontier war der Teil mit dem Runeys-absorbierenden Staubsauger-Item. :)

    Hätte es in dem Titel dieses „Feature“ nicht gegeben, hätte ich ihn noch vor Oceans platziert. In Frontier fand ich die Grafik stimmiger, ebenso die Atmosphäre, und die Charaktere haben mir eher zugesagt als im PS3-/Wii-Ableger mit dem riesigen Golem.

    Zur Zeit spiele ich Rune Factory 4 Special auf der Switch - und es macht süchtig. Für mich hat das Game den ersten Platz meiner persönlichen Rune Factory-Charts erklommen. Der Grafik merkt man zwar den 3DS-Ursprung an, aber alles andere find ich super. Gameplay, Atmosphäre, Charaktere - und sogar den Humor. Stellenweise nimmt sich das Game selbst auf die Schippe.
  4. Lando schrieb:

    Genau, Frontier war der Teil mit dem Runeys-absorbierenden Staubsauger-Item. :)

    Hätte es in dem Titel dieses „Feature“ nicht gegeben, hätte ich ihn noch vor Oceans platziert. In Frontier fand ich die Grafik stimmiger, ebenso die Atmosphäre, und die Charaktere haben mir eher zugesagt als im PS3-/Wii-Ableger mit dem riesigen Golem.

    Zur Zeit spiele ich Rune Factory 4 Special auf der Switch - und es macht süchtig. Für mich hat das Game den ersten Platz meiner persönlichen Rune Factory-Charts erklommen. Der Grafik merkt man zwar den 3DS-Ursprung an, aber alles andere find ich super. Gameplay, Atmosphäre, Charaktere - und sogar den Humor. Stellenweise nimmt sich das Game selbst auf die Schippe.
    Stimme dir in vielen Punkte zu, das Gameplay ist mit Abstand das Rundeste, es läuft flüssig von der Hand. Kein Vergleich zu den sperrigen 1 + 2 /Frontier Teilen.

    Aber was mich ein wenig stört, es ist viel zu schnelllebig. Bin jetzt im 23. Frühling und habe schon 3 Bosse gelegt*. Wenn ich so an Frontier zurück denke, wo ich locker über 100 Stunden dran saß.. (Ingame Uhr stoppt bei 99:59) Es hat mich Tage gekostet, neue Dungeons zu entdecken und dann da erstmal Fuß zu fassen.

    *und ich habe mir für meine Verhältnisse viel Zeit gelassen.
  5. Ja, das stimmt. „Akt 1“ ist wirklich sehr leicht, den hatte ich noch im Sommer abgeschlossen. Bin jetzt allerdings im zweiten, und ohne viel spoilern zu wollen: Hier fangen die Schwierigkeitsspitzen erst an. Selbst einfaches Leveln bringt nicht viel. Auch auf „Normal“ nicht. Man muss sich Gedanken machen, welche Medizin man braut, welche Rüstung und Waffen mit welchen elementaren Attributen ausgestattet werden sollen, offensive Magie und gezähmte Monster zu nutzen wird deutlich bedeutender, und so weiter. Sonst macht man entweder kaum noch Schaden oder kassiert zu viel.

    Mich hat der plötzliche Anstieg der Schwierigkeit etwas überrollt, muss ich ehrlich gestehen. Bin zur Zeit viel mit der Waffen-/Rüstungsherstellung und deren Verbesserungen am Herumprobieren.
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