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Im Test! Pokémon Schwert und Schild

TitelPokémon Schwert (Testversion)
Japan15. November 2019
Nintendo
Nordamerika15. November 2019
Nintendo
Europa15. November 2019
Nintendo
SystemNintendo Switch
Getestet fürNintendo Switch
EntwicklerGame Freak
GenresRPG
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonungnicht vorhanden

Als Testversion wurde uns von Nintendo Pokémon Schwert zur Verfügung gestellt.

Mehr als 30 Jahre ist es nun schon her, dass die ersten Pokémon-Spiele für Nintendos Game Boy erschienen sind. Die Taschenmonster eroberten den Videospielemarkt im Sturm und ziehen seither mit jeder neuen Edition zahlreiche Spieler in ihren Bann. Auch wenn das Motto „Schnapp‘ sie dir alle!“ ab der dritten Generation mit Rubin und Saphir nicht mehr offiziell verwendet wird, ist es doch für viele nach wie vor fester Bestandteil des Erlebnisses.

Auch ich kann mit Stolz sagen, dass ich in Pokémon Ultrasonne und Ultramond die stolze Anzahl von 807 Pokémon zusammengetragen habe. Viele dieser Pokémon habe ich von der einen Generation in die nächste übertragen. So hat beispielsweise mein Kyogre eine lange Reise von Pokémon Saphir über Platin, Weiß bis hin zu Y und schließlich zu Mond hinter sich und hat für seine Treue sogar ein spezielles Band bekommen.

Dass man seine treuen Gefährten immer mit in das neueste Abenteuer nehmen kann, wird von Spielern hoch geschätzt. Umso größer ist da natürlich der Schock, als es plötzlich für Pokémon Schwert und Schild heißt, dass der Großteil dieser alten Freunde keine Einreisegenehmigung in die Galar-Region erhalten hat. Game Freak hat eine handverlesene Auswahl an alten Pokémon in Schwert und Schild integriert.

Der Rest darf seine Tage in Alola oder auf dem im nächsten Jahr erscheinenden Lagerungssystem Pokémon Home fristen, bis die nächsten Spiele erscheinen. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass man den Fokus auf neue Funktionen und Spielmechaniken legen wollte. Wir sind für euch in die Galar-Region gereist und haben überprüft, ob trotz „Dexit“ Pokémon Schwert und Schild mit ihren Neuerungen überzeugen können.

Nachwuchstrainer gesucht

Pokémon Schwert beginnt wie alle Spiele der Hauptreihe: Der Professor erscheint auf dem Bildschirm und führt mich in die fantastische Welt der Pokémon ein. Nur, Moment, das ist gar kein Professor! Der Herr mit den gut frisierten Haaren stellt sich als Ligapräsident Rose vor und kündigt mit Begeisterung einen Schaukampf zwischen dem Champ Delion und seinem Rivalen Roy an. Ich sehe, wie Delions Glurak zu gigantischer Größe heranwächst, als es plötzlich an der Tür klingelt. Ich pausiere die Videoübertragung auf meinem Smart-Rotom und begrüße meinen Freund und Nachbarn Hop, der mich aufgeregt zu sich nach Hause einlädt.

So schnappe ich meinen Rucksack und trete hinaus in die wunderschöne Galar-Region. Mich begrüßen sattgrüne Felder, Windmühlen und überwachsene Steinhäuser. Wollys rollen über die Weide und Smettbos flattern am strahlend blauen Himmel. Ich bleibe einen Moment stehen und bewundere die Szenerie. Die Alola-Region aus Pokémon Sonne und Mond war ja schon schön, aber die Galar-Region hat es mir sofort angetan. Klar, für ein HD-Spiel, welches man auf einem großen Fernseher spielen kann, könnten die Texturen noch etwas klarer sein, gerade in Nahaufnahmen. Doch das Gesamtbild stimmt und schöner hat ein Pokémon-Spiel nie ausgesehen. Ich reiße mich von der Landschaft los und treffe mich mit Hop, um mir die Überraschung anzusehen, die sein Bruder Delion mitgebracht hat.

Und was für eine Überraschung das ist! Der Champ präsentiert uns die drei Starter-Pokémon, von denen wir uns eins aussuchen dürfen. In einer kleinen Zwischensequenz tollen die drei herum und präsentieren dabei ihre individuellen Persönlichkeiten. Ich überlege nicht lange und entscheide mich für Memmeon, den Wasser-Starter. Kurz darauf erhalten Hop und ich unser Empfehlungsschreiben, mit dem wir an der Arena-Challenge teilnehmen dürfen. Mit Memmeon, extra Taschengeld und den ersten Pokébällen im Gepäck beginne ich meine Reise.

Komfortables Reisen in der Galar-Region

Mit der Geschwindigkeit eines Marathonläufers flitze ich über die erste Route. Endlich mal ein angenehmes Lauftempo! Die erste Begegnung mit einem wilden Pokémon lässt auch nicht lange auf sich warten. In Galar kann man auf zwei Arten Pokémon antreffen. Einige ploppen wie in Pokémon Let’s Go Evoli und Pikachu sichtbar in der Welt auf, während manche wiederum im raschelnden Gras versteckt sind. Diese zwei Arten der Begegnung sind entscheidend bei der Vervollständigung des Pokédex, da viele der Taschenmonster nur auf eine der beiden Weisen gesichtet werden können.

Ich bin erstaunt, wie viele unterschiedliche Pokémon es direkt auf der ersten Route gibt. Die fünf Pokébälle, die meine Mutter mir heimlich zugesteckt hat, sind schnell aufgebraucht. Auch der Vorrat an Bällen, den Delion mir gegeben hat, geht schnell zur Neige. Nicht lange nach dem Spielstart erhalte ich zum Glück eine tragbare PC-Box, mit der ich überall und jederzeit auf meine Boxen zugreifen kann, ohne an den PC im Pokémon-Center gehen zu müssen. So kann ich schnell mein Team umgestalten, wenn ich mal ein anderes Pokémon ausprobieren möchte.

»Die Tutorials sind kurz gehalten und viele davon lassen sich sogar überspringen. Veteranen werden nicht wieder die Pokémon-Schulbank drücken müssen.«

Direkt fällt mir auf, wie komfortabel Pokémon Schwert doch ist. Die Tutorials sind kurz gehalten und viele davon lassen sich sogar überspringen. Veteranen werden nicht dazu gezwungen, sich mal wieder anzusehen, wie man ein Pokémon fängt. Eine langatmige Erklärung über den Pokédex und die Funktionsweise von Pokémon-Centern gibt es auch nicht. Ein „Nein“ auf die Frage „Soll ich dir das erklären?“ bedeutet diesmal auch wirklich „Nein“.

Ich kann meine Pokémon über das Pokémon-Menü heilen und muss nicht vorher ins Beutel-Menü gehen. Auch die Reihenfolge meiner Pokémon oder von ihnen getragene Items lassen sich mit ein paar einfachen Klicks anpassen. Items, die ich zum ersten Mal finde, werden direkt mit einer Erklärung angezeigt, sodass ich nicht jedes Mal in den Beutel gehen und den Effekt des Items nachlesen muss.

Nützliche Funktionen für Neulinge und Veteranen

Über die Einstellungen können Soundeffekte, Musik und Pokémon-Geräusche individuell angepasst werden. Es lassen sich sogar Zwischensequenzen und die Anzeige sowie Vergabe von Spitznamen ausschalten. Und für die Vergesslichen lässt sich auch das automatische Speichern aktivieren, sodass der Spielfortschritt regelmäßig gesichert wird, ohne dass man selbst daran denken muss.

Das Spiel zeigt im Menü auch direkt die aktuelle Aufgabe an, sodass man selbst nach einer längeren Spielpause noch genau weiß, was man als Nächstes tun soll. Unterstützt wird dies von der Karte, die diesmal einen eigenen Menüpunkt bekommt, da sie gleichzeitig als Schnellreisefunktion dient. Auf der Karte wird der nächste Zielort mit einer Fahne gekennzeichnet und bereits besuchte Orte können per Krarmor-Taxi angesteuert werden.

Auch die Kämpfe gegen wilde Pokémon und Trainer bieten vor allem für Neulinge nützliche Funktionen. Per Schnelltaste lassen sich ähnlich wie in Ultrasonne und Ultramond nämlich Informationen über die kämpfenden Pokémon aufrufen. Dort werden Statusveränderungen und Typ eines Pokémon angezeigt. Letzteres aber nur, sofern man schon einmal ein Pokémon derselben Art bekämpft hat. Dann wird bei den Attacken auch angezeigt, wie effektiv diese auf das gegnerische Pokémon sind. Bei den eigenen Pokémon werden zusätzlich noch die Fähigkeit und das getragene Item angezeigt.

Pokébälle lassen sich per Schnelltaste auswählen, was das Fangen von Pokémon wesentlich beschleunigt, da man nicht die Extraklicks über den Beutel tätigen muss. Nach jedem Kampf und jedem gefangenen Pokémon erhält das komplette Team Erfahrungspunkte. So lassen sich Pokémon schnell leveln, ohne dass man jedes einzeln hochtrainieren muss. Dazu kommt noch die neue Funktion „Empfohlene Pokémon“ im Pokédex, mit der man sieht, welche Pokémon man noch nicht im aktuellen Gebiet gefangen hat. Durch all diese kleinen Optimierungen ist die Reise durch Galar durchweg entspannt.

Auf Safari in der Naturzone

Ein Kernaspekt von Pokémon Schwert und Schild ist die Naturzone, die man schon nach der zweiten Stadt erreicht. In diesem riesigen Gebiet, das sich durch die Mitte Galars zieht, tummeln sich zahlreiche wilde Pokémon. Welche das sind, ist abhängig von Tageszeit und Wetterlage sowie in welchem Teil der Naturzone man sich gerade aufhält. Neugierig wie ich bin, bringe ich Stunden damit zu, die gesamte Naturzone abzulaufen, um mir alle Pokémon anzuschauen. Enttäuscht muss ich aber feststellen, dass ich nicht alle direkt fangen kann. Es ist nicht möglich, einen Pokéball auf ein Pokémon zu werfen, dessen Level eine bestimmte Schwelle übersteigt. Diese Schwelle ist abhängig von der Anzahl der Orden, die man besitzt. Da ich zu dem Zeitpunkt keinen einzigen Orden hatte, durfte ich nur Pokémon bis Level 20 fangen und musste dem Onix auf Level 26, das mich direkt am Eingang zur Naturzone begrüßt hat, Lebewohl sagen.

»Pokémon-Nester sind über die ganze Naturzone verteilt und enthalten die sogenannten Dyna-Raids, die man mit drei weiteren Spielern oder NPCs bestreiten kann.«

Nachdem ich also alles gefangen habe, was ich schon fangen kann, widme ich mich als Nächstes den Pokémon-Nestern. Diese hexagonalen Steinformationen sind über die ganze Naturzone verteilt und enthalten die sogenannten Dyna-Raids. Hier lässt sich das Dynamax-Phänomen zum ersten Mal nach dem Intro live erleben. Dynamaximierte Pokémon wachsen zu enormer Größe an und erhalten dabei einen Kraftschub, ähnlich wie bei der Mega-Entwicklung aus älteren Spielen. Mit etwas Glück findet man sogar seltene Gigadynamax-Pokémon, die ein anderes Aussehen aufweisen, wenn sie dynamaximiert sind.

Die Raids sind wie in Pokémon Go mit Sternen markiert, um ihren Schwierigkeitsgrad anzuzeigen. Gekämpft wird mit drei weiteren Spielern oder ersatzweise mit NPCs. Besiegt man das wilde Pokémon innerhalb der vorgegebenen Bedingungen, kann man einen Fangversuch starten. Dieser gelingt in den meisten Fällen auch, nur bei den Gigadynamax-Pokémon ist die Chance frustrierend gering. So kann es passieren, dass man auch nach mehreren Gigadynamax-Raids noch kein einziges dieser seltenen Pokémon gefangen hat.

Dutzende Raids später gönne ich meinen Pokémon beim Camping eine Pause. Im Camp laufen die Pokémon frei herum und ich kann mit ihnen spielen oder sie bekochen. Die Reaktionen der Pokémon auf die Spielsachen fallen ganz individuell aus und sind wirklich putzig anzusehen. Hat man die Animation allerdings einmal gesehen, wird diese Art der Interaktion mit den Pokémon schnell langweilig. Ähnlich ist es mit dem Kochen. In einem kurzen Minispiel rühre ich Zutaten für ein Curry zusammen, das ich dann gemeinsam mit meinen Pokémon esse. Bei einem gelungenen Curry bekommen meine Pokémon Boni wie zusätzliche Erfahrungspunkte oder werden komplett geheilt. Die Boni sind zwar lohnenswert, aber das Minispiel läuft immer gleich ab, wodurch auch hier schnell die Luft raus ist.

Online-Funktionen – Sind sie zu stark, ist deine Nintendo Switch zu schwach

Ein Pluspunkt ist allerdings, dass man auch lokal oder online mit anderen Spielern zusammen kochen kann. Auf die gleiche Weise kann man auch mit anderen Spielern an Raids teilnehmen, Kämpfe austragen sowie Pokémon und Ligakarten tauschen, die an Sammelkarten zu Fußball oder Baseball erinnern. Es gibt zwei Tauschmöglichkeiten, den Zaubertausch und den normalen Tausch. Der Zaubertausch ist ähnlich wie der Wundertausch, nur wesentlich komfortabler, da man einfach ein Pokémon aus der Box auswählt, das man tauschen möchte und das Spiel dann im Hintergrund nach einem Tauschpartner sucht. In der Zeit kann man also ganz entspannt weiterspielen.

Der normale Tausch hingegen ist deutlich komplizierter als in den 3DS-Teilen. Es ist nicht mehr möglich, gezielt nach Freunden oder Passanten zu suchen. Stattdessen startet man eine Tauschanfrage an alle Spieler in der Nähe oder online, oder man legt ein Passwort fest, sodass nur jene den Tausch annehmen können, die das Passwort kennen. Möchte man also mit Freunden tauschen, ist eine zweite Form der Kommunikation nötig, um das Passwort weiterzugeben. Auch gibt es keine globale Tauschstation mehr, in der man gezielt nach einem bestimmten Pokémon suchen kann, welches ein anderer Spieler zum Tausch anbietet.

Stellt man in der Naturzone eine Online-Verbindung her, kann man dort auch andere Spieler sehen. Interagiert man mit ihnen, erhält man kleine Geschenke wie Beeren oder wertvolle Items, die man verkaufen kann. Es wird aber schnell spürbar, wie die Online-Funktion innerhalb der Naturzone das Spiel in die Knie zwingt. Ich erlebte extrem starke Einbrüche in der Leistung, es ruckelt bei jedem neuen Trainer, der in der Landschaft auftaucht.

Auch die Verbindung zu Raids erweist sich teilweise als schwierig. Manchmal warte ich die drei Minuten ab, die das Spiel vorgibt, ohne dass ein einziger Spieler beitritt, selbst bei starken Raids. Andersherum kann es aber passieren, dass ich keinen Raids beitreten kann, obwohl die Spielersuche des anderen Spielers noch läuft. Einmal war das Spiel sogar so überfordert, dass es komplett abgestürzt ist und ich es neu starten musste. Dafür, dass so viel Fokus auf dem Online-Aspekt des Spiels liegt, gibt es hier also noch einiges, das zu wünschen übrig lässt.

Gute Stimmung im Stadion

Nach acht Spielstunden und dreißig gefangenen Pokémon erreiche ich mit einem viel zu überlevelten Team schließlich Turffield, die Stadt mit der ersten Arena. Bevor ich den Arenaleiter herausfordern kann, lerne ich erst ein wenig über die Geschichte der Galar-Region und was diese mit dem Dynamax-Phänomen zu tun haben könnte. Dann darf ich endlich die Arena betreten. Bevor ich dem Leiter gegenübertreten kann, muss ich allerdings erst die Arena-Mission bestehen.

Diese Missionen wirken wie eine Mischung aus der Inselprüfung, wie sie in Sonne und Mond vorkommt, und den traditionellen Arena-Rätseln aus älteren Spielen wie Pokémon Schwarz und Weiß. Wo sich einige der Missionen erfrischend innovativ anfühlen, gibt es allerdings auch solche, die nicht gerade spannend sind. Enttäuschenderweise sind es gerade die letzten paar Arena-Missionen, die erstaunlich eintönig sind. Es fühlt sich ein wenig so an, als sei den Entwicklern die Zeit ausgegangen.

Die erste Mission hat mich jedenfalls gut unterhalten und kurze Zeit später laufe ich auf den Platz des Stadions ein. Hier zeigt sich die wahre Stärke des Spiels. Die Atmosphäre ist wirklich atemberaubend für ein Pokémon-Spiel. Ich werde von laut jubelnden Zuschauern begrüßt. Gelassen tritt mir der Arenaleiter gegenüber und der Kampf beginnt. Wir senden unsere Pokémon in den Kampf und die Menge jubelt, die Musik dreht richtig auf und mit ihr die Stimmung im Stadion.

Der ganze Kampf versprüht eine Energie, die mich sofort mitreißt. Das Ganze steigert sich noch, wenn der Arenaleiter sein letztes Pokémon in den Kampf schickt. Die Musik ändert sich dynamisch und wird noch prominenter, die Zuschauer stimmen laut mit ein und dann dynamaximieren unsere Pokémon zu ihrer riesigen Größe und füllen das ganze Stadion aus. Noch nie hat mein Herz in einem Pokémon-Spiel so hoch geschlagen. Der Moment war absolut fantastisch und ist in jedem weiteren Arenaleiterkampf ein Highlight für mich.

Das Beste kommt zum Schluss?

So reise ich nach und nach in jede Stadt, sammle Orden, Ligakarten, Fans und erkämpfe mir das Recht, am Champion-Cup teilzunehmen. Gelegentlich treffe ich auf andere Teilnehmer der Challenge und auch die Arenaleiter laufen mir häufiger über den Weg und geben unterstützende Ratschläge. Durch diese häufigen Interaktionen fühlt sich Galar lebendig an und es ist schön zu beobachten, wie die Charaktere sich im Laufe des Spiels persönlich weiterentwickeln. Und alles erstrahlt in kräftigen Farben und erzeugt zusammen mit der Musik eine durchweg tolle Stimmung. Keines der Musikstücke ist schlecht, allerdings sind einige davon wenig einprägsam.

Immer wieder zwischendurch bekomme ich kleine Storyhäppchen hingeworfen, mit denen das Spiel versucht, eine Geschichte aufzubauen. Potentiell ist diese Geschichte auch sehr interessant, allerdings ist es insgesamt zu wenig, um mein Interesse zu halten. Auf drei Minuten Story folgen wieder Stunden an Gameplay, in denen ich das zuvor Gesagte schon fast wieder vergessen habe. Wirklich in Schwung kommt die Geschichte erst gegen Ende des Spiels und bis dahin konnte ich als Spieler nicht genug Bezug dazu aufbauen, um mich wirklich mitreißen zu lassen.

Allgemein wirkt das letzte Drittel des Spiels unausgewogen. Während die Routen am Anfang noch abwechslungsreich waren, sind sich die letzten paar sehr ähnlich und bieten optisch zu wenig Abwechslung. Durch die Story, die jetzt erst richtig einsetzt, fühle ich mich teilweise stark aus dem Spielfluss gerissen, da sie von Aufgaben abhält, auf die ich mich mental eingestellt hatte. Nach etwas mehr als dreißig Spielstunden endet mein Abenteuer in Galar und lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück.

Man lernt nie aus

Ich könnte noch ewig über Pokémon Schwert und Schild schreiben. Doch sich eine Meinung über die Spiele zu bilden, war nicht leicht. Man merkt den Spielen an, dass es an Entwicklungszeit gefehlt hat. Das Tempo der Story ist holprig und erst im Postgame bekommen wir einen gut erzählten Story-Strang. Dafür mangelt es aber insgesamt an Inhalt, der einen über die Hauptspielzeit hinaus beschäftigt. Die Online-Funktionen sind teilweise katastrophal schlecht, vor allem in der Naturzone. Das Balancing wird potentiell durch die Raids in Mitleidenschaft gezogen, da man dort Bonbons ansammelt, mit denen man Pokémon schnell auf absurd hohe Level treiben kann.

Insgesamt haben die Spiele aber einen positiven Eindruck bei mir hinterlassen. Ich habe keine Sekunde lang den alten Pokémon hinterhergetrauert. Vielmehr bringt die Kürzung des Pokédex frischen Wind in die Reihe, vor allem aus kompetitiver Sicht. Game Freak hat eine gute Auswahl an Pokémon zusammengestellt und viele der neuen Pokémon habe ich direkt ins Herz geschlossen. Gerade die Kämpfe gegen die Arenaleiter waren ein absolutes Highlight, nicht zuletzt dank der großartigen Musik.

Am meisten aber haben mir die vielen kleinen Details im Spiel gefallen. Werkzeuge am Wegrand neben den Feldern, Pokémon überall in den Städten verteilt, bunte Werbeplakate in den Großstädten, umherwuselnde Menschen. All das macht Galar optisch interessant und lebendig. Pokémon Schwert ist tatsächlich auch das erste Pokémon-Spiel, in dem ich mich für die Charaktere interessiert habe, da sie durchweg involviert waren und sich im Verlauf des Spiels weiterentwickelt haben. Die Richtung, die Game Freak mit Pokémon Schwert und Schild eingeschlagen hat, gefällt mir sehr gut und ich hoffe, dass die Mankos in den nächsten Spielen (durch etwas mehr Entwicklungszeit) ausgemerzt werden können.

 

Story

Interessante Geschichte mit Potential, die es aber nicht schafft, richtig in Schwung zu kommen.

Gameplay

Ganz klassisch nach Pokémon-Tradition, mit einigen Quality-of-Life-Changes. Die neue Dynamax- und Raidfunktion macht Spaß und hält lange beschäftigt.

Grafik

Für ein Switch-Spiel eher im Mittelfeld angesiedelt. Das Gesamtbild stimmt jedoch, vor allem Dank vieler kleiner Details und bunter Animationen.

Sound

Der abwechslungsreiche Soundtrack mit starken Highlights wie der Arenaleiter-Musik erzeugt eine durchweg stimmige Atmosphäre.

Sonstiges

Online-Funktionen in der Naturzone sorgen für Ruckler und Spielabstürze, das Tauschsystem ist wesentlich schlechter als in alten Teilen.

Bildmaterial: Pokémon Schwert und Schild, Nintendo, The Pokémon Company / Game Freak

4 Kommentare

  1. Kann das Fazit grösstenteils auch so unterschreiben, nachdem ich das Spiel vor einigen tagen durchgespielt habe. :)
    Mir sind da schon Schwächen aufgefallen, vorallem die extrem uninteressante Geschichte die mich dazu brachte viele Dialoge zu skippen, zum Beispiel die ganzen Zwischentreffen mit "Hop", wir haben es verstanden, der will dann halt wieder einen Kampf und labert darüber wie er immer besser wird.^^

    Aber trotz den Mängeln hatte ich einfach riesigen Spass mit dem Spiel, konnte nicht aufhören zu spielen, also hat das Spiel an sich ja schon vieles richtig gemacht.
    Das Gameplay, das Sammeln und das ganze Feeling ist einfach immer noch das gleiche, es macht einfach Bock.
    Denke bei mehr Entwicklungszeit hätte man hier einen richtigen Klassiker liefern können und nicht einfach nur ein weiteres gutes Pokemon Spiel.

    Würde mich auch freuen wen Gamefreak sich endlich mal traut überhaupt eine richtige Story einzubauen, die nicht nach diesem gleichen Shema abläuft, mit ein paar Plottwists und mehr Charakteren die sich in ihrer Art unterscheiden. Warum immer dieses "Ach am Ende haben wir uns alle lieb".^^

    Schönes Review aufjedenfall, kann ich nur weiter empfehlen.
    Auch schön das die hervorragende Musik angesprochen wurde, da war ich richtig überrascht, vorallem die Arenamusik.
  2. @Aruka
    Was mich noch mehr überrascht hat war die Musik von Rose weil so Chormusik ist was untypisches für Pokemon und die fand ich richtig klasse.
    Von der Story her war aber dafür der Kampf mit den Legendären richtig episch gemacht und finde das war der beste Legendäre Kampf seit einem Pokemon Spiel.
    Mit Olivia und Rose hätte man halt viel mehr machen können und so als böses Liebespärchen vlt darstellen. Bisher gab es eigentlich eh nur G-Cis und Zyrus als so richtige Bösewichter.
    Die anderen sind alle immer zum guten bekehrt worden und jeder will eigentlich gutes für die Pokemon und will sie befreien und macht trotzdem böse Sachen was nicht wirklich zusammenpasst.
    Die einzigen waren eigentlich Team Rocket immer die wirklich nur böse Absichten hatten und Pokemon gestohlen und gequält haben aber Giovanni blieb trotzdem am Ende dann nicht wirklich böse.

    So eine Art Team Rocket die Leute und Pokemon entführen, verletzen und Schaden in Städten anrichten würde ich mir mal wünschen und das es zwei Bosse sind so ne Art Liebespärchen oder Mann und Frau und die auch böse bleiben und sogar das Legendäre Pokemon dann missbrauchen und es gegen den Spieler einsetzen.

    So in der Art würde ich mir mal ein Gegnerteam wünschen^^
  3. Flynn schrieb:

    @Aruka
    Was mich noch mehr überrascht hat war die Musik von Rose weil so Chormusik ist was untypisches für Pokemon und die fand ich richtig klasse.
    Von der Story her war aber dafür der Kampf mit den Legendären richtig episch gemacht und finde das war der beste Legendäre Kampf seit einem Pokemon Spiel.
    Mit Olivia und Rose hätte man halt viel mehr machen können und so als böses Liebespärchen vlt darstellen. Bisher gab es eigentlich eh nur G-Cis und Zyrus als so richtige Bösewichter.
    Die anderen sind alle immer zum guten bekehrt worden und jeder will eigentlich gutes für die Pokemon und will sie befreien und macht trotzdem böse Sachen was nicht wirklich zusammenpasst.
    Die einzigen waren eigentlich Team Rocket immer die wirklich nur böse Absichten hatten und Pokemon gestohlen und gequält haben aber Giovanni blieb trotzdem am Ende dann nicht wirklich böse.

    So eine Art Team Rocket die Leute und Pokemon entführen, verletzen und Schaden in Städten anrichten würde ich mir mal wünschen und das es zwei Bosse sind so ne Art Liebespärchen oder Mann und Frau und die auch böse bleiben und sogar das Legendäre Pokemon dann missbrauchen und es gegen den Spieler einsetzen.

    So in der Art würde ich mir mal ein Gegnerteam wünschen^^
    Jo sehe ich auch so, einfach mal was anderes, es muss ja keine Ab18 Story werden, aber einfach ein wenig mehr Varianz. :)
    Oder der Anfangsrivale der sich den Gegnern gegen Ende richtig anschliesst aus Frust dauernd zu verlieren, oder der zu illegalen Substanzen greift um seine Pokemon zu stärken, also quasi Pokemon-Steroide.^^
    Naja keine Ahnung, aber man könnte sich ruhig an anderen JRPGS bedienen, es gibt ja genug Elemente die man auch so in anderen JRPGs findet die immer wieder cool sind, deswegen mögen wir das Genre schliesslich unter anderem. Ich erwarte ja nichts revolutionäres.
  4. Marnie/Mary ist für mich das knuffigste Persönchen, dass es bisher in einem Pokémon-Spiel gab. :> Schade, dass man ihre Persönlichkeit nicht ein wenig ausgeschmückt/erweitert hat. Scheint ein Charakter mit Potential zu sein.
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