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Im Test! A.O.T. 2: Final Battle

Titel A.O.T. 2: Final Battle
Japan 26. November 2015
Koei Tecmo
Nordamerika 18. Oktober 2016
Koei Tecmo America
Europa 21. Oktober 2016
Koei Tecmo Europe
System PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch, PC
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler Omega Force
Genres Action-RPG
Texte
Deutschland
Vertonung Japan

Bildmaterial: Attack on Titan 2: Final Battle, Koei Tecmo / Omega Force

Schreiende Menschen, Erdäpfel, nackte abnorme und genitallose Riesen. All das und noch mehr konnten die Entwickler von Omega Force bereits in zwei offiziellen Attack-on-Titan-Spielen auf den Bildschirm zaubern. Erst im März letzten Jahres erschien, das aus lizenztechnischen Gründen seltsam benannte, A.O.T. 2 für PlayStation 4, Xbox One, PCs und Nintendo Switch.

Dort konnten Spieler die Geschichte der ersten beiden Anime-Staffeln auf eine ganz neue Weise erleben. Anstatt Eren und seiner blutrünstigen Crew zu folgen, konnte man einen eigenen Charakter erstellen und mit diesem die Anfänge von Attack on Titan durchleben.

Mittlerweile ist die dritte Staffel der weltweit sehr beliebten Serie erschienen und die Entwickler haben sich, anstatt einen dritten Ableger daraus zu machen, dazu entschieden, A.O.T. 2 ein großes Add-on zu spendieren, das den Namen auch wirklich verdient hat.

Final Battle kann digital als Erweiterung zum originalen Spiel erworben werden, was selbstverständlich nur für diejenigen gilt, die A.O.T. 2 bereits ihr Eigen nennen. Alle anderen erhalten eine komplette Edition, die sowohl das originale Spiel als auch die Erweiterung beinhaltet.

Dieses Review konzentriert sich hauptsächlich auf die vielen neuen Inhalte. Wer gerne einen genaueren Blick auf das Gameplay und den Storymodus wünscht, wird hier in unserem Review fündig. Neben zwei komplett neuen Modi, welche an sich schon viele Stunden weiteres Vergnügen mit sich bringen, beinhaltet die Final-Battle-Erweiterung neue Waffen, Charaktere, Feinde und damit auch große Gameplay-Veränderungen.

Staffel 3 mal anders

Attack on Titan 2: Final Battle

Der wohl wichtigste Modus ist der oben angekündigte Storymodus, der die dritte Staffel beinhaltet. Doch wer glaubt, er könne diese, wie die anderen Staffeln, mit seinem eigens kreierten Charakter erleben, der irrt sich.

Der sogenannte Charakterepisodenmodus folgt den Hauptcharakteren Levi, Eren, Mikasa und Armin und erzählt die Geschichte so, wie sie auch im Anime erscheint.

Einerseits ist es schade, dass man somit einen komplett separaten Abschnitt hat, der eigentlich direkt an die Geschichte von A.O.T. 2 anschließt, aber überhaupt nicht mit diesem verbunden ist. Andererseits haben sich viele Spieler gewünscht, die Geschichte so zu erleben, wie sie auch im Anime ist.

Wer ohne Kenntnisse der ersten beiden Staffeln oder zumindest des originalen Storymodus hier eintaucht, wird große Schwierigkeiten haben, den Charakteren und Ereignissen zu folgen. Doch selbst als Fan ist es oft nicht leicht. Die einzelnen Episoden werden kurz gehalten und destillieren nur das absolut Nötigste an Informationen, sodass es oft schwer fällt, dem Geschehen zu folgen.

Die Erzählung wirkt stark abgehackt und verwirrend. Cutscenes rangieren zwischen Artworks, sich unterhaltenden Köpfen und vorgerenderten Zwischensequenzen, die natürlich speziell in den emotionalen Momenten ihren vollen Impakt entfalten. Diese sind äußerst eindrucksvoll und erwecken nicht selten den Wunsch, den Anime noch einmal anzuschauen.

»Besonders beeindruckend sind die Kämpfe gegen Menschen, die ebenfalls die neuen Fernkampf-Waffen benutzen.«

Verbunden werden diese Episoden mit Gameplay-Missionen, welche die neuen Waffen, die sogenannte “Showdown-Ausrüstung“, vorstellen und ebenfalls die Geschichte vorantreiben. Zu den neuen Waffen gehört das „Anti-personnel Omni-directional Mobility Gear“, also in kurz ein Fernkampf-System, welches eine Schusswaffe an jeder Hand beinhaltet.

Mit diesem kann der Spieler immer noch wild durch die Lüfte schwingen und sich an den gruseligen Titanen festhaken. Anstatt mit den Schwertern die einzelnen Körperteile anzuvisieren und abzuhacken, kann man nun aus der Ferne feuern. Doch auch hier müssen Timing und Position stimmen, um das Maximum an Schaden auszuteilen.

Bam Bam Bam

Zudem werden verschiedene Arten von Munition bereitgestellt, die unterschiedliche Effekte auf die Feinde haben. Unter anderem gibt es Explosions-Munition, die großen Feldschaden anrichtet, und Zertrümmerungs-Munition, welche sich besonders für gigantische Titanen eignet, die mehrere Schwachstellen haben.

Durch die größere Distanz bietet diese Form des Kampfes ein wenig mehr Schutz und Sicherheit. Nichtsdestotrotz sieht es weiterhin spektakulär aus und macht Spaß. Die verschiedenen Waffen-Systeme lassen sich einfach wechseln und bieten so ein wenig mehr Variation, die dem originalen Spiel sehr gefehlt hat.

Besonders beeindruckend sind die Kämpfe gegen Menschen, die ebenfalls diese Fernkampf-Waffen benutzen. Diese hektischen Momente sind zwar von purer Verwirrung, einer schrecklichen Kamera und Einbrüchen der Framerate geplagt, können aber durch ihre Schnelligkeit überzeugen. So in etwa könnte es sich anfühlen, wenn man wirklich mit einem 3D-Gear unterwegs wäre. Und auch hier gilt: es bietet eine mehr als willkommene Abwechslung zur Nonstop-Titan-Meuchelung im Hauptspiel.

Das zweite neue Waffensystem ist der “Donnerspeer“. Mit dieser mächtigen Waffe können die Titanen mit der stahlharten Panzerung besiegt werden. Hat man einen Gegner ins Visier genommen, kann man ihn von weitem mit den Speeren bewerfen. Diese richten einen verheerenden Schaden an und können besonders mit richtigem Timing während einer Schlacht das Blatt zu Gunsten des Spielers wenden.

Over 9000!

Selbstverständlich wäre A.O.T. 2: Final Battle kein richtiges japanisches Spiel ohne eine Art Limit-Break für die neuen Waffen. Hat sich eine Leiste am Bildschirmrand gefüllt, kann man beide Sticks drücken, um in den Showdown-Ausrüstungs-Modus zu gelangen. Statt den üblichen Klingen hat der Kämpfer dann den “Donnerspeer“ und anstatt der beiden Schusswaffen eine Gatling-Gun in der Hand.

Der zweite große Modus, der in Final Battle seine Premiere feiert, ist der Gebietseroberungs-Modus. Hier gilt es, seinen Kommandanten aus den vielen spielbaren Charakteren zu wählen und ein neues Regiment zu gründen, dessen einzige Aufgabe es ist, Titanen zu vernichten und damit Mauer Maria zurückzuerobern. Man wechselt dafür zwischen zwei Phasen.

Während der Regimentsbasen-Phase befindet man sich in der eigenen Basis, baut diese aus, unterhält sich mit seinen Kameraden und rekrutiert neue Kämpfer. In der Gebietseroberungs-Phase befindet man sich auf dem Feld, säubert eine Region nach der anderen und sammelt notwendige Materialien.

Mit diesen Materialien kann man seine Basis ausbauen und dadurch seine Chancen verbessern, mit der wichtigen Mission voranzukommen. Zudem kann die Verbindung zu den Kameraden gesteigert werden, wenn man mit diesen öfters in den Kampf zieht.

Reihen wir Worte aneinander

»Die Ladezeiten halten sich während der neuen Spiel-Modi in Grenzen und die Musik überzeugt auch hier auf ganzer Linie.«

Es gilt also, das perfekte Team zu schaffen, um aus jeder Mission so viele Gelder und Materialien wie möglich zu ziehen. Mit diesen wird die Basis immer weiter ausgebaut, sodass man die infestierten Regionen einfacher befreien kann. Das alles muss jedoch mit Bedacht angegangen werden, denn man hat nur eine bestimmte Anzahl von Zügen in einer Region.

Am eigentlichen Gameplay ändert der Gebietseroberungs-Modus nicht viel, doch es macht wirklich Spaß, sein eigenes Team zusammenzustellen und die Basis wachsen zu sehen. Ohne es zu bemerken, investiert man viele Stunden in diesen Modus, weil die Strategie hinter den Zügen sehr motivierend ist.

Glücklicherweise werden alle Reichtümer und Materialien, die man in diesen beiden neuen Modi sammelt, auch in den bereits bestehenden Modi zugänglich. Dadurch hat man neben der Abwechslung und den weiteren Stunden Spielspaß wieder etwas mehr Motivation, wieder in den eigentlichen Storymodus einzutauchen oder im “anderen Modus“ die härteren Missionen anzugehen. Die Ladezeiten halten sich während der neuen Modi in Grenzen und die Musik überzeugt auch hier auf ganzer Linie.

Natürlich gibt es neben all diesen größeren Veränderungen auch die üblichen neuen Inhalte. Von Kostümen über Gesten bis hin zu neuen Charakteren im Hauptspiel ist alles vertreten. Das ändert zwar nichts am Gameplay und verlängert auch nicht unbedingt die Spielzeit, aber Fans des Anime und der Spiele werden sich dennoch darüber freuen und ihren Spaß haben.

Womit jedoch kein Fan seinen Spaß haben wird, ist die mehr als fragwürdige Preispolitik von Koei Tecmo. A.O.T. 2: Final Battle wird im Handel und als komplette Edition für 50 bis 60 Euro zu erwerben sein.

Hat man jedoch letztes Jahr zum Release den Vollpreis bezahlt oder sich im Laufe der Zeit das Spiel bereits zugelegt, was die größten Fans sicherlich getan haben, dann muss man ganze 49,99 Euro zahlen.

Das macht in keinster Weise Sinn und ist ein schrecklicher Weg, den Fans für ihre Unterstützung zu danken. In kürzester Zeit wird es günstiger sein, das komplette Spiel inklusive der Erweiterung zu kaufen, als nur die Erweiterung herunterzuladen. Die neuen Inhalte sind zwar groß genug, um Final Battle ganz klar als Add-on und nicht als DLC zu markieren, aber bei weitem nicht groß und anspruchsvoll genug, um alleine zum Vollpreis angeboten zu werden. Zwei neue Modi sind dafür bei weitem nicht genug!

Bitter nötig, aber unverschämt

»Das Final-Battle-Upgrade-Pack hat es in sich. Geboten werden ein neuer Story-Modus, der die Geschehnisse aus der dritten Staffel des Anime zusammenfasst, und ein strategischer Rückeroberungs-Modus, der sehr viele Stunden Spielspaß mit sich bringt. Hinzu kommen neue Waffensysteme, Charaktere und Kostüme. Jeder neue Schritt bringt einen kleinen Boost für das originale Spiel mit sich und das Wichtigste: Final Battle hat das, was A.O.T. 2 am meisten nötig hatte. Eine kleine Portion Abwechslung.

Jeder, der noch nicht in die Welt von A.O.T. 2 eingetaucht ist, sollte unbedingt zur Final-Battle-Fassung greifen. Gerne würde ich auch den vielen Fans, die bereits A.O.T. 2 ihr Eigen nennen, die gleiche Empfehlung aussprechen. Das kann ich jedoch nicht. Für die gebotenen Inhalte 49,99 Euro zu verlangen ist eine Unverschämtheit den Fans gegenüber. Schlimmer wird es, wenn man sich klar macht, dass Hauptspiel plus Upgrade nur wenige Euro mehr kosten, was sich in ganz naher Zukunft mit absoluter Sicherheit zum Leidwesen der A.O.T.-2-Besitzer verändern wird.«

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