Im Test! Sekiro: Shadows Die Twice

Das neuste Werk von FromSoftware in Zusammenarbeit mit Activision unter der Lupe! Im alten Japan übernehmen Spieler die Rolle des einarmigen Wolfes.
Titel Sekiro: Shadows Die Twice
Japan 22. März 2019
FromSoftware
Nordamerika 22. März 2019
Activision
Europa 22. März 2019
Activision
System PS4, Xbox One, PC
Getestet für PS4
Entwickler FromSoftware
Genres Action-Adventure
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Deutschland Nordamerika Japan

Bildmaterial: Sekiro: Shadows Die Twice, Activision / FromSoftware

Der Entwickler FromSoftware, bei Fans bekannt für Demon’s Souls, die Dark-Souls-Reihe und Bloodborne, hat mit Sekiro: Shadows Die Twice ein neues Kapitel in der Firmengeschichte aufgeschlagen. Unter anderem mit einem japanischen Setting beschreitet man zusammen mit Publisher Activision neue Wege und schickt sich an, vieles anders zu machen.

Unter der Regie von Hidetaka Miyazaki sollte zunächst ein neuer Ableger der Ninja-Stealth-Serie Tenchu entstehen, daraus entwickelte sich doch schnell etwas Eigenes. Geblieben ist jedoch das Setting.

Wir tauchen somit ein in die Sengoku-Zeit des späten 16. Jahrhunderts, eine kriegerische Epoche, in welcher sich viele lokale Herrscher brutal gegenseitig bekämpften. Dabei dürfen aber auch übernatürliche Elemente nicht fehlen, dennoch wähnt man sich ins alte Japan zurückversetzt. Samurai-Krieger, Pagoden und Tempel sorgen für den Rahmen für den Kampf um Leben und Tod sowie die Wiederherstellung der Ehre.

Ehre, Rache und Tod

In Sekiro: Shadows Die Twice schlüpfen wir in die Rolle von Sekiro, dem einarmigen Wolf, welcher seine Ehre verloren hat und auf Rache sinnt. Dabei handelt es sich um einen fixen Charakter, welcher eine eigene Stimme hat und sich auch an Dialogen beteiligt. Eine Klasse kann man in diesem Einzelspieler-Action-Adventure mit Rollenspielelementen nicht wählen. Wir sind ein Samurai und widmen uns also der Schwertkampfkunst.

Seine Ehre verliert Sekiro, da er Kuro, den göttlichen Erben und Nachkommen einer alten Blutlinie, nicht beschützen konnte. Da er bei seiner Aufgabe als Shinobi versagt hat, ist Kuro in die Fänge des Ashina-Clans geraten, welcher sich die Kraft des göttlichen Erben im sich anbahnenden Krieg zunutze machen will. Sekiro nimmt nach einer kurzen Einführungssequenz also den Kampf an, um Kuro zu befreien.

Die Geschichte präsentiert sich dabei in Sequenzen und Dialogen, welche eine stimmige Rahmenhandlung ergeben. Der Fokus liegt klar auf der Erkundung und dem Kampf, dennoch hat man nun relativ klare Ziele vor Augen. Eine tiefgehende Geschichte sollte man dennoch nicht erwarten, aber die Ausgangslage präsentiert sich ansprechend und hält mit den Themen Ehre, Rache und Tod bei der Stange.

Schatten sterben zwei Mal

»Mit Schnee malerisch angezuckerte Pagoden, Tempel und eine schöne Berglandschaft im Hintergrund sorgen von Anfang an für eine exzellente Atmosphäre.«

Auf seiner Mission profitiert Sekiro von der Auferstehungsmacht, welche ihm von Kuro gewährt wird. Sekiro kann nämlich buchstäblich zwei Mal sterben, denn nach einem Tod kann er flugs wieder ins Spiel zurückkehren und so sogar den Gegner überraschen. Beliebig nutzbar ist die Auferstehung natürlich nicht, für die nochmalige Nutzung muss man zunächst wieder Gegner besiegen, sonst trifft auch Sekiro der Tod.

Diese Macht kommt jedoch mit einem Preis daher, denn mit der Drachenfäule breitet sich eine rätselhafte Krankheit immer weiter aus. Auch die Chance auf göttliche Hilfe wird dadurch reduziert, welche Sekiro zu einem Prozentsatz vor den normalen Konsequenzen eines Todes bewahrt. Hier verliert man nämlich in der Regel das halbe Geld und die Hälfte der Erfahrungspunkte bis zum nächsten Level. Ohne göttliche Hilfe kann man diesen Verlust nicht verhindern.

Der Tod ist nicht das Ende dank Auferstehungsmacht.

Hat man genug Erfahrung gesammelt, erhält man automatisch einen Fähigkeitspunkt zugesprochen, welcher nicht mehr verloren gehen kann, auch wenn er noch nicht investiert wurde. Außerdem kann man Geldbeutel kaufen oder finden, welche als Verbrauchsgegenstände ebenfalls beim Tod im Inventar verbleiben. Allzu große Frustmomente sollten durch diese Strafen also nicht entstehen. Nach dem Tod landet man wieder beim letzten Wegpunkt, Figur des Bildhauers genannt, wo man auch rasten und reisen kann. Dabei erscheinen alle gewöhnlichen Gegner wieder und Verbrauchsgegenstände werden aus dem Lager automatisch aufgefüllt, wenn diese vorhanden sind.

Prepare to Samurai

Neben übernatürlicher Hilfe muss der Spieler jedoch vor allem auf seinen Umgang mit dem Samurai-Schwert zählen. Dabei muss in Auseinandersetzungen strategisch vorgegangen werden, denn alle Gegner und Sekiro selbst besitzen neben der Vitalität auch eine Haltungsleiste. Ist die Haltungsleiste dabei gefüllt und der Gegner somit aus der Balance, kommt es in einem kurzen Zeitfenster beim nächsten Angriff zum Todesschlag. Dieser leert den Vitalitätsbalken auf einen Streich mit einer blutigen Animation.

Bosse können nur auf diese Art besiegt werden, aber der Lebensbalken des Gegners ist auch in diesen Kämpfen zentral. Je kürzer dieser nämlich ist, desto langsamer erholt sich die Haltung wieder. Eine oft angewandte Taktik wird es also sein, erst die Vitalität etwas zu reduzieren und dann den Haltungsschaden langsam in die Höhe zu treiben, bis ein Todesschlag fällig wird. Zudem sind gegen Bosse oft mehrere Todesschläge nötig. Normale Gegner kann man auch durch das Leeren der Vitalität bezwingen.

Haltung bewahren!

Nicht entdeckt zu werden ist von Vorteil.

Während man die Vitalität durch direkte Treffer reduziert, gibt es für Haltungsschaden mehrere Optionen. Neben besagten Treffern kommt man hier auch voran, wenn ein Gegner einen Schlag abblocken kann. So kann man sich im Gegenzug aber auch nicht einfach stur hinter seinem Block verschanzen. Wird der Block aber genau im richtigen Moment ausgeführt, kann man Angriffe parieren, was die eigene Haltung intakt lässt und den Gegner dafür umso mehr aus der Balance bringt.

Zusätzlich hat man die Möglichkeit, durch einen Ausweichschritt einer Attacke zu entgehen oder in die Luft zu springen. Ersteres nützt bei Stoßangriffen, Letzteres bei Rundumschlägen. Die falsche Ausweichtechnik führt jedoch zu einem Treffer. So entwickelt sich im Idealfall ein Wechselspiel zwischen eigenen Angriffen, Paraden und Ausweichmanövern, welches letztendlich zum Sieg führt. Eine zu passive Kampfeinstellung kann jedoch dazu führen, dass die Haltung von starken Gegnern nicht durchbrochen werden kann und sich der Kampf so in die Länge zieht.

Rot heißt Gefahr

Es folgt ein starker Angriff.

Das ist aber noch nicht alles, denn viele Gegner haben einen oder mehrere besonders gefährliche Angriffe auf Lager, welche sich durch ein rotes Symbol ankündigen. Diese kann man nicht blocken, hier ist also die richtige Reaktion aus Sprung, Ausweichschritt oder Flucht gefragt, sonst wird man massiven Schaden erleiden. Hat man richtig reagiert, ergibt sich oft die Gelegenheit zum sofortigen Gegenangriff. Hier hilft auch die erlernbare Technik Mikiri-Konter, welche Stoßangriffe abwehrt und beim Gegner großen Haltungsschaden verursacht.

Es ist somit unabdingbar, einen Gegner zunächst zu beobachten und seine Angriffsmuster zu durchschauen. Angriffe sollten zuerst auch einfach nur geblockt werden, bis man sich mit dem Timing für eine Parade wirklich sicher ist, denn komplett ungeblockte Treffer führen recht schnell zum Tod.

Ein Shinobi kennt viele Tricks

Stahl auf Stahl, bis die Funken sprühen.

Zum Glück haben nicht nur die Gegner einige Tricks im Ärmel, sondern auch Sekiro selbst. Die bereits erwähnten und durch Kampferfahrung erworbenen Fähigkeitspunkte kann man in Fähigkeitsbäumen für aktive und latente (passive) Kampfkünste ausgeben. Eine aktive Kampfkunst kann dabei ausgerüstet werden, die latenten sind immer aktiv und gewähren beispielsweise Boni auf die Heilung. Dazu steht die heilende Kürbisflasche zur Verfügung, welche anfangs eine Verwendung ermöglicht, was jedoch durch gefundene oder gekaufte Kürbissamen aufgewertet werden kann. An einer Figur des Bildhauers füllt sich die Kürbisflasche wieder auf. Neue Fähigkeitsbäume werden durch Esoteriktexte freigeschaltet, aber diese muss man auch zuerst finden.

Der einarmige Wolf hat mit seiner Armprothese jedoch eine weitere Trumpfkarte. Durch verschiedene Module erhält man so Zugriff auf diverse Angriffstechniken wie einen Flammenwerfer oder eine Axt zum Zertrümmern von Schilden. Durch Materialien und Geld können diese Module zudem weiter verstärkt werden. Module und Materialien muss man ebenfalls zunächst finden. Der Einsatz der Prothese und gewisser Kampftechniken ist zudem durch Geistembleme beschränkt, welche jedoch großzügig verteilt werden und zudem günstig gekauft werden können. Aber so kann man diese nicht pausenlos einsetzen.

All diese Möglichkeiten laden dazu ein, Taktiken gegen die einzelnen Gegner zu entwickeln und so jede Herausforderung zu meistern. Dazu bietet sich zu Beginn auch ein untoter Sparringspartner an, welcher als Kampftutorial fungiert. Es ist sehr zu empfehlen, diesem einen Besuch abzustatten. Ausgerüstete Kampftechniken und Prothesenmodule kann man übrigens bequem im Pausenmenü auswechseln, auch mitten in einem Kampf.

Ab in die 3. Dimension

Überspitzt formuliert hat FromSoftware mit Sekiro: Shadows Die Twice die 3. Dimension entdeckt, denn man kann nicht nur springen, sondern sich auch mit einem Enterhaken an bestimmten Punkten emporschwingen und hohe Wände hinaufklettern. So wird die Erkundung der Areale beschleunigt und in Kämpfen kann man sich auch mal rasant aus dem Staub machen. Kämpfe gegen größere Gegnergruppen können nämlich schnell ins Auge gehen.

»Man kann in Sekiro nicht nur springen, sondern sich auch mit einem Enterhaken an bestimmten Punkten emporschwingen und hohe Wände hinaufklettern.«

Dennoch lohnt es sich, die Gebiete genau zu erkunden, denn sonst verpasst man unter Umständen nützliche Prothesenmodule und Kürbissamen. Auch etliche Mini-Bosse kann man auslassen, jedoch sind diese eine Quelle für Gebetsperlen, wobei man mit vier Stück die Haltung und Vitalität dauerhaft erhöhen kann. Manchmal erhält man nach Bossen auch neue Fähigkeiten. Große Endgegner steigern hingegen die Angriffskraft, womit auch schon alle Statuswerte erwähnt wären.

Wenn man sich vorsichtig bewegt, kann man zudem schleichen und Gegner aus dem Hinterhalt erledigen. Die Stealth-Komponente ist also ein wichtiger Aspekt, aber offene Kämpfe kann man nicht wie in einem Schleichspiel komplett umgehen, aber bis man entdeckt wird, kann man schon einmal die Gegner dezimieren. Aus der Distanz können Gegner auch manchmal belauscht werden, was interessante Informationen aller Art ergeben kann, beispielsweise Schwachpunkte eines kommenden Gegners.

Die Atmosphäre überzeugt

Das Japan der Sengoku-Epoche wird in Sekiro: Shadows Die Twice sehr gut eingefangen. Mit Schnee malerisch angezuckerte Pagoden, Tempel und eine schöne Berglandschaft im Hintergrund sorgen von Anfang an für eine exzellente Atmosphäre. Leichter Schneefall stellt außerdem einen gelungenen Wettereffekt dar. Unterstrichen wird das noch mit einem dazu passenden Soundtrack, welcher außerhalb von Kämpfen ruhig daherkommt. In Auseinandersetzungen wird der Rhythmus jedoch treibender, was zusätzlich die Spannung erhöht.

Hier gibt es also nicht viel auszusetzen und man lässt sich gerne von Grafik und Sound verzaubern. Die Sound- und Grafikeffekte tun ihr Übriges: Wenn Klinge auf Klinge prallt, fühlt sich das Klirren und Funken sprühen wirklich toll und mächtig an. Bei den Animationen schöpft man ebenfalls aus dem Vollen, besonders erwähnenswert sind hier die Todesschläge. Sowohl die japanischen, englischen und deutschen Stimmen bewegen sich auf einem guten Niveau, wobei das Japanische eindeutig am besten zur Atmosphäre passt.

Die Technik macht nicht ganz mit

»Auf einer normalen PlayStation 4 findet man hier sicherlich keine Meisterleistung vor, denn die 30 Frames pro Sekunde können nicht konstant eingehalten werden.«

Leider gibt es auf der technischen Ebene jedoch ein paar Dinge anzusprechen. Auf einer normalen PlayStation 4 findet man hier sicherlich keine Meisterleistung vor, denn die 30 Frames pro Sekunde können nicht konstant eingehalten werden. Mikroruckler gibt es eigentlich ständig, welche bemerkbar sind, aber nicht zum Hindernis im Spiel werden. Trotz allem scheint FromSoftware diese Problem einfach nicht in den Griff zu bekommen, was etwas schade ist.

Bei großen Gegnermassen kann es auch mal arg in Richtung Dia-Show gehen von der Performance her. Das kam zum Glück nur sehr, sehr selten vor, sollte aber dennoch nicht passieren. Kurz gesagt kann man festhalten, dass hier ähnliche Bedingungen herrschen wie in den anderen Spielen des Entwicklers. Der Spielspaß wird insgesamt nicht getrübt, aber ignorieren kann man die Probleme auch nicht.

Ehre, wem Ehre gebührt

»Wer etwas für die Titel von FromSoftware übrig hat, der wird auch seine Freude an Sekiro: Shadows Die Twice haben. Man beschreitet zwar neue Wege, aber der Entwickler setzt im Grunde auf denselben Kern, welcher auf Anhieb unverkennbar ist. Rollenspielelemente hat man dabei auf ein Minimum reduziert, wirklich vermisst habe ich diese jedoch nicht. Das Japan-Setting ist zudem ein echter Augenschmaus.

Knallharte Samurai-Action

Die Rahmenhandlung gibt ein klares Ziel vor, im Mittelpunkt stehen aber nach wie vor die Erkundung und vor allem der Kampf. Neue Mechaniken ermuntern zur Offensive, die taktischen Möglichkeiten sind vielseitig und das Tempo hoch. Ein Highlight sind die abwechslungsreichen Bosskämpfe, welche viele Tode verursachen, bis man sich eine Taktik zurechtgelegt hat. Zudem werden nur wenige Fehler verziehen.

Sekiro: Shadows Die Twice schafft es dabei, den schmalen Grad zwischen Frust und darauffolgender Genugtuung gut zu treffen. Mehrere Wege schon recht früh im Spiel sorgen zudem dafür, dass man nicht an einem Gegner verzweifeln muss, sondern erst andere Dinge erledigen und dann gestärkt einen neuen Anlauf wagen kann. Das ist gelungenes Spieldesign.

Wem der Schwierigkeitsgrad in den bisherigen Spielen von FromSoftware zu hoch war, der sollte sich einen Kauf von Sekiro: Shadows Die Twice zwei Mal überlegen, denn einfacher ist dieser Titel bestimmt nicht, da defensive Abwartetaktiken nicht mehr durchgehend funktionieren. Allerdings will ich niemanden einschüchtern, denn unter dem Strich hat mir Sekiro: Shadows Die Twice großen Spaß gemacht, auch wenn es manchmal etwas Nerven gekostet hat. Doch umso süßer war danach aber der Sieg.«

 

Sekiro muss im Kampf um Ehre, Rache und Tod seine Aufgabe erfüllen und Kuro, den göttlichen Erben, retten. Gelungene Rahmenhandlung.
Rasante Samurai-Action mit vielen offensiven Taktiken, schnellem Tempo und abwechslungsreichen Bosskämpfen. Fordernd und spaßig zugleich.
Das alte Japan wird malerisch zum Leben erweckt. Gelungene Animationen, jedoch mit Performance-Problemen.
Musik passend zur Atmosphäre von ruhig bis treibend. Soundeffekte sorgen dafür, dass sich Kämpfe mächtig anfühlen.
Mehrere Enden und eine New-Game-Plus-Funktion sorgen für Wiederspielwert. Hoher Schwierigkeitsgrad, welcher die richtige Mischung aus Frust und Genugtuung trifft.