Im Test! Jump Force

Wer hat noch nie davon geträumt, all seine liebsten Anime- und Manga-Charaktere in einem Spiel vereint zu sehen? Jump Force im Test!
Titel Jump Force
Japan 14. Februar 2019
Bandai Namco Entertainment
Nordamerika 15. Februar 2019
Bandai Namco Entertainment
Europa 15. Februar 2019
Bandai Namco Entertainment
System PC, PlayStation 4, Xbox One
Getestet für PlayStation 4
Entwickler Spike Chunsoft
Genres Beat ’em up
Texte
Deutschland Nordamerika 
Vertonung Japan

Bildmaterial: Jump Force, Bandai Namco / Spike Chunsoft

Wer hat noch nie davon geträumt, all seine liebsten Anime- und Manga-Charaktere in einem Spiel vereint zu sehen? Egal ob der vielleicht zukünftige König der Piraten Monkey D. Ruffy, der stolze Saiyajin-Krieger Son Goku oder der siebte Hokage Naruto Uzumaki – diese und noch viel mehr Charaktere tummeln sich als spielbare Kämpfer in Jump Force.

Mit imposanten Trailern wurde bereits im Vorfeld die Stimmung ordentlich eingeheizt. Doch was kann man abseits der Kämpfe erwarten? Birgt das Spiel genug Tiefe, um nicht schon nach wenigen Stunden den Controller beiseite zu legen? Wir haben für euch einen Blick in Bandai Namcos neustes Beat ’em up gewagt und verraten euch, auf was ihr euch bei der PlayStation-4-Version von Jump Force freuen könnt – und auf was eher nicht.

Gestalte deinen eigenen Kämpfer

Der Anfang beginnt damit, dass wir sehen, wie Son Goku seinem Erzfeind Freezer die Stirn bietet. Mitten in diesem Kampfgetümmel werden wir von Trunks gerettet und erwachen aus unserem Koma. Doch wer sind wir? Wie heißen wir? Was sind unsere Fähigkeiten? All dies sind Merkmale, die wir unserem Charakter selbst verpassen können.

Denn anders als all die anderen Kämpfer, die in Jump Force spielbar sind, können wir unseren eigenen Avatar komplett selbst gestalten. Die Optionen sind zwar nicht so groß wie in Rollenspielen, aber reichen durchaus, um seinem Avatar einen einzigartigen Look zu verleihen. Wir können beispielsweise nicht die Breite und Länge der Nase individuell bestimmen, aber die Farbpalette für die Haarfarbe ist dafür mehr als ausreichend. Bei den Frisuren ist auffällig, dass es sich hierbei eigentlich nur um die Frisuren der anderen Kämpfer handelt, die in Jump Force vorkommen.

»Bei den Fertigkeiten, die unser Charakter im Kampf einsetzen kann, stehen uns fast alle Fähigkeiten der anderen Anime-Kämpfer zur Verfügung.«

Auch die Klamotten unseres Avatars lassen sich selbst gestalten. Zu Beginn bleibt uns nur eine spärliche Auswahl, doch mit der Zeit können wir uns immer mehr Kleidung kaufen und durch Missionen verdienen. Die Auswahl ist dabei riesig. Natürlich können wir neben Kätzchenohren und Goldohrringen auch imposante Umhänge erwerben, die wir auch von den Vorbildern aus dem Anime kennen, wie beispielsweise der Umhang des Hokage.

Bei den Fertigkeiten, die unser Charakter im Kampf einsetzen kann, stehen uns fast alle Fähigkeiten der anderen Anime-Kämpfer zur Verfügung. So können wir mit einer Tastenkombination beispielsweise Sasukes Onyx-Chidori durch den Gegner jagen, während wir mit einer anderen Tastenkombination Yugi Mutos Ziehen-Fähigkeit nutzen können. Mit bis zu vier Attacken lässt sich unser Charakter so maßschneidern, wobei eine Attacke eine Spezial-Attacke ist, die nur im Erwachen-Modus vorkommt.

Willkommen in der Umbras-Basis

Nachdem unser Charakter Gestalt angenommen hat, können wir uns endlich im Herzstück des Spiels umsehen: der Umbras-Basis! Hier tummeln sich viele NPCs, die der Basis ein bisschen Leben einhauchen, allerdings im weiteren Spielverlauf nicht von Bedeutung sind. Im Online-Modus tummeln sich hier eine Vielzahl anderer Charaktere, die aber das gleiche Problem haben wie man selbst: die Laufanimation.

Jump Force

Meint Son Goku den Gegner? Oder die blendenden Effekte?

Denn die Animation des eigenen Charakters ist mehr schlecht als recht geraten. Fängt man an zu laufen, so wackelt und ruckelt man durch die Gegend, als wenn man einiges an Alkohol intus hätte. Es ist wirklich gruselig, sich selbst dabei zuzuschauen, wie man sich von Punkt A nach Punkt B bewegt. Doch um dem Ganzen Abhilfe zu verschaffen, hier ein kleiner Tipp: Drückt einfach auf dem Steuerkreuz nach unten, schon erscheint ein kleines Gefährt (Piratenschiff, Frosch oder Raumschiff), auf welchem eure schrecklichen Laufanimationen wie weggeblasen sind.

Leider wirkt die Basis abgesehen vom zentralen Platz sehr leer. Es wurde unnötig viel Platz verschenkt, da die einzelnen Bereiche der drei verschiedenen Teams, die in der Basis beheimatet sind, von außen mit Gängen verbunden wurden. Diese erfüllen aber keinen wirklichen Zweck und sind sogar eher ein Umweg, als dass sie den Platz der Basis sinnvoll erweitern. Durch das Umherlaufen durch die unnötigen Gebiete wird nur deutlich, wie grausam die Texturen der Steinwände, die sich um die Basis befinden, wirklich sind.

Auch auf dem Hauptplatz führt eine Treppe in die obere Etage, doch welchen Sinn sie erfüllt, ist bislang unbekannt. Bei mir brachte sie sogar einen Absturz des Spiels hervor – eine verkleinerte Basis wäre hier vielleicht besser gewesen.

Wie aus dem Anime/Manga

Doch wo die Texturen bei den Steinwänden versagen, so punktet die Grafik eindeutig bei der Gestaltung der Anime-Helden. Sie sehen dabei wirklich so aus, als seien sie direkt aus dem jeweiligen Anime oder dem Manga entsprungen. Auch die originalen japanischen Synchronsprecher sind mit an Bord, so macht es wirklich Spaß, wenn storyrelevante Dialoge zwischen den altbekannten Charakteren entstehen. Doch leider sind nicht alle Anime-Charaktere vertont.

Das Matterhorn trifft auf eine Jump-Welt.

Nur denjenigen, die es in die storyrelevanten Zwischensequenzen schaffen, wird eine Stimme verliehen. Aber selbst hier fehlt es an einigen wirklich großartigen Stimmen. Eine Stimme fehlt mir besonders durch ihre markante Lache, ohne groß zu spoilern. Lediglich die Gesichtsanimationen wirken sehr steif und verleihen den Charakteren nicht unbedingt den Ausdruck, den man aus bewegten oder auch unbewegten Bildern der Charaktere sonst kennt.

Was allerdings nicht aus den jeweiligen Animes und Mangas entstammt, ist die Soundkulisse. In der heimatlichen Basis dudelt die immer gleiche Melodie, die auch in jedem beliebigen anderen Spiel vorkommen könnte. Auch auf den einzelnen Kampfschauplätzen vermisst man die Musik aus den jeweiligen Vorlagen. Vielleicht hätte man hier beliebte Openings der Serien einbauen oder neu interpretieren können, um dem Kampfgeschehen etwas mehr Charme zu verleihen.

Triff die schwerste Entscheidung deines Lebens

In der Basis, die von Direktor Glover geleitet wird, sind drei Teams beheimatet – Alpha, Beta und Gamma. Jedes Team wird dabei von einem bekannten Charakter angeführt, Son Goku, Ruffy und Naruto. Nachdem wir die Basis das erste Mal betreten haben, steht uns nun eine viel größere Entscheidung bevor als damals die Wahl des ersten Starter-Pokémon. Denn wie soll man sich zwischen den drei Anime-Ikonen nur entscheiden können?!

Jedes Team erfüllt dabei einen anderen Zweck, sie sollen die bösen Gestalten, auch Venoms genannt, aufhalten. Dies erfolgt entweder durch Muskelkraft, durch das Beschaffen von wertvollen Informationen oder das Zurückerobern von bereits verlorenen Gebieten. Doch egal für welches Team ihr euch entscheidet, einen wirklichen Einfluss auf die Geschichte hat dies nicht. Denn ihr könnt in den Kämpfen trotzdem alle anderen Charaktere als Kämpfer wählen, auch, wenn sich diese nicht in eurem jeweiligen Team befinden.

»Die Venoms bedrohen die menschliche Welt und so ist die Hilfe der Jump-Welten nötig, um die Bedrohung aufzuhalten.«

Auch die Art der Missionen, die ihr bestreiten könnt, ändert sich nicht durch die Wahl eures Teams. Die Geschichte schlendert vor sich hin und das Einzige, auf das ihr wirklich Einfluss habt, sind die Kämpfe, zu denen es nach jeder Zwischensequenz kommt. Natürlich ist die Story nicht das Herzstück eines Beat ’em ups, allerdings braucht das Geschehen, dass alle Jump-Welten mit den beheimateten Charakteren aufeinandertreffen, eine ordentliche Rahmenhandlung.

Diese besteht hierbei, dass die Venoms die menschliche Welt bedrohen und so die Hilfe der Jump-Welten nötig ist, um die Bedrohung aufzuhalten. Venoms sind eigentlich Menschen, die von einem Umbras-Kubus befallen sind und nun auf die böse Seite gewechselt haben. Dabei können auch die Jump-Charaktere von dem sogenannten Umbras-Kubus befallen werden, der einem seinen Willen aufzwingt. So gilt es in vielen Missionen, entweder die Venoms aufzuhalten oder bekannten Anime-Charakteren den Kubus aus dem Allerwertesten zu treten.

Lasset die Kämpfe beginnen

Als Kampfschauplatz stehen verschiedene bekannte Schauplätze aus der realen Welt und den verschiedenen Jump-Welten zur Verfügung. Doch wo die grausame Textur in der Umbras-Basis ansetzte, so wird sie auch in den Schauplätzen fortgeführt. Zwar sind die Plätze so gestaltet, als hätte man die Welten im positiven Sinne in einem Mixer verarbeitet, doch die Grashalme und Steinböden sehen aus wie zu Zeiten, zu denen die Animes erfunden wurden. Zudem können zwar einige Details in den Schauplätzen zerstört werden, allerdings entstehen keine wirklichen Krater und Schäden, die während des gesamten Kampfes erhalten bleiben. Doch es ist wirklich imposant zu sehen, wenn die einzelnen Welten miteinander verschmelzen und auf dem Matterhorn plötzlich Details zu sehen sind, die man nur aus Animes kennt.

»Zwar können einige Details in den Schauplätzen zerstört werden, allerdings entstehen keine wirklichen Schäden, die während des gesamten Kampfes erhalten bleiben.«

Umso mehr trumpfen die visuellen Effekte während der Kämpfe auf. Die einzelnen Attacken warten mit einem Effekt-Feuerwerk nach dem anderen auf, trotzdem bleibt einem die Übersicht über den Kampf die meiste Zeit gewährt. Die Kämpfe laufen zudem in einem moderaten Tempo ab und bleiben im Offline- sowie im Online-Modus sehr stabil. Ein netter Effekt ist zudem, dass die Kleidung der Charaktere zerstört wird, wenn sich die Lebensanzeige dem Ende neigt. So kann Piccolo beispielsweise seinen Umhang verlieren oder Ruffy steht plötzlich oben ohne da.

Die einzelnen Angriffe der Charaktere sind mit Elementen versehen. Offensichtliche Feuerattacken tragen so beispielsweise das Element Feuer. Manche Charaktere haben höhere Resistenzen gegenüber bestimmten Elementen als andere, wundert euch also nicht, wenn der Gegner euch plötzlich einen immensen Schaden verursacht – dies könnte an eurer fehlenden Elementresistenz liegen.

Die richtige Kombination machts

Neben leichten und schweren Angriffen können eure Charaktere blocken und einen Wurfangriff ausführen. Natürlich gibt es auch bereits erwähnte Spezialattacken, die den Kämpfen die Würze verleihen. Zudem habt ihr eine Ausdaueranzeige, mit der ihr zum Gegner sprinten könnt oder aus einer bereits vollführten Angriffskombo entrinnen könnt. Zudem könnt ihr vor dem Kampf bis zu drei Kämpfer wählen, zwischen denen ihr dynamisch im Kampf hin- und herwechseln könnt. Wollt ihr nicht wechseln, könnt ihr den Charakter aber auch nur zu Hilfe rufen, um mit einer kleinen Attacke den Gegner zu verwirren.

Oh du schöne, leere, viel zu große Basis…

Ab halb gefüllter Erwachen-Anzeige ist es den Charakteren möglich, in den Erwachen-Modus zu wechseln. Manche Charaktere können hierbei sogar ihr Aussehen ändern, Son Goku verwandelt sich beispielsweise in seine Super-Saiyajin-Form. In dieser Form erwarten euch einige Vorteile im Kampf und eine verheerende Spezial-Attacke, der der Gegner nicht ausweichen kann.

Insgesamt macht das Kampfsystem einen guten Eindruck und ist so komplex, dass es auch noch Spaß macht, nach vielen Kämpfen weiterzuspielen, aber nicht so kompliziert, als dass Neulinge ihre Schwierigkeiten mit dem Einstieg in dieses Beat ’em up hätten.

Prügeln, prügeln und nochmals prügeln

Im Offline-Modus könnt ihr lokal gegen euren Freund oder einfach nur gegen den Computer antreten. Im Online-Kampf dagegen könnt ihr wählen, wie ihr eure Gegner abfrühstücken wollt. Bei Schnelle Partie könnt ihr lediglich die Kämpfer und den Kampfschauplatz auswählen, danach geht es direkt los. Hierbei hatte ich die kleinste Wartezeit auf einen Gegner.

Beim Freundschaftsmatch hingegen könnt ihr eure Wahl genauer spezifizieren. Ihr könnt die Internetstabilität eures Gegners bestimmen sowie ob der Gegner die gleiche Sprache spricht wie ihr. In der Rangliste könnt ihr euch dann so weit nach oben kämpfen, wie es euer Können vermag. Leider fand ich hier während meines Testes keine Gegner, vielleicht waren sie auch einfach nur eingeschüchtert von meinem Können…

Boa Hancock hat genug Liebe für alle!

Falls ihr keine Lust auf die Geschichte oder Kämpfe gegen andere Spieler habt, gibt es eine Vielzahl an Missionen zu erledigen. Natürlich wird auch hier nur gekämpft. Schließt ihr die Missionen im S-Rang ab, so gibt es zusätzliche Belohnungen, was einen Anreiz schafft, Missionen öfter zu probieren. Leider ist die Varianz hier genauso wie bei den Story-Kämpfen nicht vorhanden.

Lediglich die Kämpferwahl und der Schauplatz wechseln von Zeit zu Zeit. Auch die Missionsanforderungen variieren kaum, von einem Zeitlimit bis hin zu „setze Charakter XY in deinem Team ein“ gibt es nicht wirklich viel. Wirklich nervig ist zudem, dass zwischen dem Start der Mission, dem Ende der Zwischensequenz und dem Ende des Kampfes lange Ladezeiten liegen, die man insgesamt vielleicht kürzen hätte sollen, da diese auf Dauer wirklich die Nerven strapazieren.

Son Goku, Ruffy und Naruto treffen sich in einer Bar…

»…und das Ergebnis ist durchwachsen. Richtig punkten können bei mir die wichtigsten Aspekte, die ein Beat ’em up braucht: das Kampfsystem und die vielen unterschiedlichen Charaktere. Die Kämpfe machen vor allem durch die Änderungen während der Auseinandersetzung unheimlich Spaß, Piccolo verliert plötzlich sein namekianisches lila Blut und Boa Hancocks Kleidung zerfetzt zur Freude aller männlichen Fans. Doch diese Kampf-Details hätte ich mir auch für den Kampfschauplatz gewünscht. Gegen die Gestaltung kann man wirklich nichts Negatives sagen, jedoch fehlt es mir an Zerstörungen während des Kampfes, eine umgetretene Straßenlaterne, die plötzlich verschwindet, bietet mir einfach zu wenig.

Außerhalb der Kämpfe kann Jump Force mit viel Inhalt auftrumpfen, denn die Missionen werden nicht weniger. Doch gerade die Geschichte, der Aufbau der Umbras-Basis und die Varianz der einzelnen Missionen haben noch Optimierungsbedarf. Trotzdem kann ich Jump Force allen Animefans ans Herz legen, die einfach nur drauflosprügeln möchten. Kein anderes Spiel vereint so viele verschiedene Anime- und Manga-Universen unter einem Dach, vor allem unbekanntere Reihen finden hier auch ihren Meister. Und es ist bisher noch lange nicht Schluss, schließlich erwarten uns in Zukunft noch neun weitere Kämpfer, die zusätzlich in den Kampfring steigen möchten.«

 

Böse Umbras-Kuben… Venoms… Bösewichte… nichts, was man nicht schon gesehen hat.
Prügelt euch durch die unterschiedlichsten Jump-Welten, bis kein Auge mehr trocken bleibt.
Innerhalb der Kämpfe ein bombastisches Effekt-Feuerwerk, außerhalb haben die Texturen schon bessere Zeiten gesehen.
Nicht zu penetrant, als dass man seine Ohren schützen muss, aber auch nicht zu klangvoll, dass man rhythmisch in die Tasten haut.
Die liebsten Anime-Helden in einem Spiel vereint… Was will man mehr?