Im Test! Yo-kai Watch 3

Innerhalb von etwa drei Jahren haben es die Hauptableger der Yo-kai-Watch-Reihe geschafft, auf dem aktuellen Stand Japans zu sein. Denn noch bevor...
Titel Yo-kai Watch 3
Japan 16. Juli 2016
Nintendo
Nordamerika 8. Februar 2019
Nintendo
Europa 07. Dezember 2018
Nintendo
System Nintendo 3DS
Getestet für Nintendo 3DS
Entwickler Level-5
Genres Adventure, RPG, Action
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Deutschland Nordamerika Japan

Bildmaterial: Yo-kai Watch 3, Nintendo / Level-5

Innerhalb von etwa drei Jahren haben es die Hauptableger der Yo-kai-Watch-Reihe geschafft, auf dem aktuellen Stand Japans zu sein. Denn noch bevor Yo-kai Watch 4 für Nintendo Switch in Japan veröffentlicht wurde, hat es der bislang aktuelle Teil Yo-kai Watch 3 für Nintendo 3DS in die europäischen Gefilden geschafft.

Hierbei reisen wir nicht nur durch Lenzhausen, um neue Yo-kai zu sammeln, sondern auch durch die amerikanische Stadt St. Peanutsburg. Doch im Gegensatz zu den japanischen Versionen, die aus drei unterschiedlichen Editionen bestehen, kann man in der europäischen Version nach einiger Spielzeit entscheiden, welche Edition man spielen möchte.

Was sich alles mit dem Release der mittlerweile dritten Generation getan hat und ob es bahnbrechende Neuerungen gibt, könnt ihr innerhalb der nächsten Zeilen nachlesen.

Alles auf Neuanfang?

Um die größte Frage vorweg zu beantworten: Nein, es gibt keinen bahnbrechenden Sprung von den ersten beiden Versionen zur dritten. Falls euch das Yo-kai-Watch-Franchise also noch nicht ganz geläufig ist, könnt ihr beruhigt die nächsten Absätze lesen, denn in diesen fasse ich erst einmal das Grundprinzip des Spieles zusammen, bevor es an die Neuerungen zum Ende des Testes hin geht.

In Yo-kai Watch 3 ist es das Hauptziel, sich mit möglichst vielen Yo-kai zu befreunden. Bei diesen handelt es sich um verstorbene Lebewesen, die als Geister wiedergeboren werden und eigenartige Eigenschaften bei Menschen auslösen können. So kann der wilde löwenähnliche Leodrio beispielsweise dem Beseelten so viel Mut zusprechen, dass dieser einen ungeahnten Elan entwickelt.

Um die Yo-kai zu „fangen“, muss man aber nicht wie in anderen Vertretern mit Bällen auf diese werfen, sondern sie bekämpfen und daraufhin sich mit ihnen befreunden. Dies kann auch mithilfe von beliebten Yo-kai im Team oder durch das Lieblingsessen des zu fangenden Yo-kai geschehen.

Im Prinzip bleibt es aber Zufall, ob sich ein Yo-kai mit euch anfreunden will oder nicht. Dies kann auf Dauer frustrierend sein, wenn man ein bestimmtes Yo-kai ins Auge gefasst hat. Die Zahl der sammelbaren Yo-kai steigt in der dritten Generation auf mittlerweile über 600.

»Ein besonderes Merkmal von Yo-kai Watch ist die Liebe zum Detail. Die Stadt ist so fein ausgearbeitet, jedes Dekoobjekt wirkt, als wenn es perfekt platziert wäre.«

Als bisheriger Schauplatz diente die Stadt Lenzhausen, aus der Protagonist Nathan stammt. Ein besonderes Merkmal von Yo-kai Watch ist die Liebe zum Detail. Die Stadt ist so fein ausgearbeitet, jedes Dekoobjekt wirkt, als wenn es perfekt platziert wäre. Zudem schmücken unterschiedliche Läden, Badehäuser, Postämter und viele andere wichtige Gebäude die Stadt.

Aber nicht nur bei der Gestaltung der Stadt, auch bei anderen Dingen merkt man, wie viel Mühe sich die Entwickler gegeben haben. Beim Betreten von japanischen Häusern fällt zum Beispiel auf, dass die Personen automatisch ihre Schuhe ausziehen, da sich dies in japanischen Räumen so gehört.

Beim Überqueren von Zebrastreifen geschieht euch nichts, aber solltet ihr zu oft über eine rote Ampel gehen, dann werdet ihr durch ein unheilvolles Ereignis bestraft. Diese vielen kleinen realistischen Details machen es aus, dass man sich in der Stadt wohl fühlt und direkt ins Spiel abtauchen kann.

Man bringe mir einen Blaubeersmoothie

Während eures Abenteuers müsst ihr in Yo-kai Watch eine Vielzahl an Missionen erledigen. Mithilfe der Minikarte habt ihr einen guten Überblick über die Stadt, zudem zeigt euch ein Pfeil den Ort des nächsten Missionszieles an. Die Missionen reichen dabei von Items, die ihr besorgen müsst, bis hin zu Yo-kai und Menschen, die gerettet werden wollen.

Das Rad erfindet Yo-kai Watch dabei also nicht neu, mit der Zeit wird es aber trotzdem nicht eintönig, die Quests zu erledigen, da man entsprechend gut entlohnt wird. Die Yo-kai im Team erhalten Erfahrungspunkte, zudem bekommt man Geld und Items.

Um neue Yo-kai für sein Team zu gewinnen oder Quests zu absolvieren, ist eure Yo-kai Watch das wohl wichtigste Utensil. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, Yo-kai in der Nähe aufzuspüren. Zu Beginn hat eure Uhr nur den Watch-Rang E – das bedeutet, ihr könnt lediglich Yo-kai vom Rang E aufspüren. Im späteren Verlauf entwickelt sich eure Uhr zum Glück weiter und so erweitert sich auch die Auswahl an fangbaren Yo-kai.

Die Yo-kai an sich sind alle grundverschieden und genau darin liegt der Reiz, alle Yo-kai zu sammeln. Teilt ihr die Freundschaft mit einem Yo-kai, erhaltet ihr seine Medaille und könnt diese im Medaillium bewundern. Der Name der Yo-kai spiegelt zum Teil deren Aussehen und deren Charaktereigenschaft wieder. Bei Jammsel („jammern“ und „Amsel“) handelt es sich beispielsweise um einen traurigen Vogel oder bei Pupsi um ein… Gesäß. Eure gesammelten Yo-kai könnt ihr zudem zu neuen fusionieren oder auch mit Levelaufstieg klassisch weiterentwickeln.

Der Umzug nach St. Peanutsburg

»Mit Yo-kai Watch 3 wird auch der Kampf „dreidimensional“. Denn die Yo-kai stehen nicht wie sonst in einer Reihe, sondern auf einem drei mal drei Felder großen Kampffeld.«

Und hier beginnen wir nun mit den Neuerungen aus Yo-kai Watch 3. Ein wichtiger Aspekt von Yo-kai Watch ist der Kampf mit euren Yo-kai. Bisher war es möglich, sechs Yo-kai im Team zu halten, aber drei Yo-kai gleichzeitig stehen nebeneinander und führen zufallsbasiert und automatisch eigene Attacken aus. Ihr könnt lediglich ab und an Yo-kai von Flüchen reinigen oder deren Spezialattacke ausführen.

Mit Yo-kai Watch 3 wird auch der Kampf „dreidimensional“. Denn die Yo-kai stehen nicht wie sonst in einer Reihe, sondern auf einem drei mal drei Felder großen Kampffeld. Wollt ihr eure Yo-kai zu einem anderen Feld bewegen, weil dort beispielsweise Regenerationen für LP oder die Spezialattacke landen, könnt ihr diese zum entsprechenden Feld bewegen. Es dauert allerdings einige Sekunden, bis die Yo-kai daraufhin wieder bewegt werden können.

Die Spezialattacken sind ab der dritten Generation nun auch feldgebunden, manche richten sich linienförmig nach vorne aus und treffen drei Felder in einer Reihe, während andere flächendeckend die hinteren sechs Felder treffen. So werden den Kämpfen etwas mehr Tiefe und Taktik verliehen, dadurch werden sie aber nicht unbedingt anspruchsvoller. Man sieht bereits im Vorfeld, auf welche Felder der Gegner seine Attacke abfeuern wird. Das Ausweichen geht dann so schnell vonstatten, dass weiteres Handeln gar nicht nötig wird.

Die wohl größte Neuerung der dritten Generation sind die zwei unterschiedlichen Handlungsstränge. Während es Nathan in die amerikanische Stadt St. Peanutsburg verschlägt, können wir parallel die Geschichte von Erika in Lenzhausen erleben. Bei Erika handelt es sich um ein verträumtes Mädchen, welches man gut und gerne als Geek bezeichnen kann. Sie liebt und sammelt alles, was mit dem Weltall oder ihren heißgeliebten Anime-Figuren zu tun hat.

Beide Geschichten sind durch Ereignisse miteinander geknüpft. Zwar steht es uns frei, zu entscheiden, welche Geschichte wir wann spielen möchten, allerdings kommen wir dann an bestimmten Punkten des Spieles nicht weiter. So müssen wir erst Ereignisse in der anderen Geschichte auslösen, um neue Handlungen zu ermöglichen. Trotzdessen teilen die beiden Protagonisten weder ihr Inventar noch ihr Medaillium.

Auch die beiden Städte weisen mehrere Unterschiede auf. Lenzhausen ist im Vergleich zu den ersten beiden Teilen gewachsen und auch St. Peanutsburg steht Lenzhausen größentechnisch in nichts nach. Vor allem das Vergnügungsviertel, das wir direkt zu Beginn des Spiels mit Erika besuchen, ließ mir die Kinnlade runterklappen. Während wir in Lenzhausen auf viele altbekannte Yo-kai treffen, sind die “merikkanischen” Yo-kai gänzlich neu.

Auch einige altbekannte Features wurden in St. Peanutsburg etwas aufgepimpt. Während in Lenzhausen noch der Yo-kaimat wartet, kann in St. Peanutsburg stattdessen ein Glücksrad gedreht werden. Statt der bisherigen Schreckensnacht warten in St. Peanutsburg nun Zombies nachts darauf, euch zu fangen. Insgesamt hat so jede Spielphase mit Erika und mit Nathan etwas Besonderes, auf das man sich freuen kann.

Neu ist nicht unbedingt besser

Neu ist allerdings in beiden Städten, dass ihr Yo-kai nun nicht mit der Lupe zunächst untersuchen müsst, bevor ein Kampf beginnt, sondern sie abschießen müsst. Das bisherige Fokussieren mit der Lupe war super nervig, denn wenn der flinke Yo-kai mal aus der Anzeige entwischte, sank der Balken und ihr musstet von vorne beginnen. Nun bleibt der Schadensbalken erhalten, wenn ihr den Yo-kai bestimmten Schaden zugefügt habt.

Neu ist auch, dass nach manchen Kämpfen keine lustige Szene mehr zu sehen ist, nach der man ein entsprechendes Item als Belohnung erhalten hat. Hier findet ihr wieder das schnöde Glücksrad vor, durch das ihr zufällig Items erhaltet. Die Entwickler hätten ruhig die alten Szenen lassen können, da sie etwas Witz in den yo-kaischen Alltag gebracht haben.

Eine weitere nervige Neuerung sind die verschiedenen Minispiele, die es zwar auch schon in den vorherigen Teilen gab, nun aber für alle möglichen Situationen auftauchen. Sei es mit einem Kran vier Stapel Rohre hochzuheben, eine Rakete mit verschiedenen Tastenkombinationen zusammenzubauen oder einfach nur zu essen: In fast jedem Kapitel müsst ihr eine bestimmte Abfolge an Knöpfen drücken, um durch diese dämlichen Minispiele Vorteile zu erhalten.

Diese fallen in Form von Items oder dem Vorankommen in der Hauptgeschichte an. Was diese allerdings in Yo-kai Watch zu suchen haben, ist fraglich. Denn die Spielzeit ist auch so mit über 40 Spielstunden schon hoch genug angesetzt, sodass man diese nicht auch noch künstlich mit solchen Kleinigkeiten strecken muss.

Nach rund einer Stunde habt ihr bereits die wichtigsten Funktionen des Spiels kennen gelernt, im Verlaufe des Spiels werdet ihr aber mit sogenannten Apps zugeschmissen, die im Spiel eure Menüpunkte darstellen. Für meinen Geschmack tummeln sich am Ende viel zu viele Apps in eurem Gerät herum, hier hätte man manche Punkte zusammenfassen oder einfach weglassen können.

Denn auch abseits der Hauptgeschichte gibt es viel zu tun: Schätze finden, Verbrecher jagen, Mysterien nachgehen, Online-Kämpfe bestreiten und einiges mehr. Nach rund einer Stunde Spielzeit könnt ihr zudem entscheiden, welche Edition ihr spielen wollt, Sushi oder Tempura. Diese Entscheidung hat Auswirkungen auf die fangbaren Yo-kai, doch um alle zu sammeln, könnt ihr auch mit anderen Spielern online eure Yo-kai tauschen.

Überwiegen die innovativen Neuerungen?

»Mit den Yo-kai-Watch-Teilen kann man generell nichts falsch machen. Packt einen der Sammelwahn, kann man gar nicht mehr aufhören, die vielen liebevoll gestalteten und neuen Yo-kai zu entdecken. Für einen soliden Preis bekommt ihr massig Inhalt geboten. Doch die spielerischen Inhalte unterscheiden sich kaum zu denen der Vorgänger. Hier und da wurden einige Verbesserungen vorgenommen, wie beispielsweise am Kampfsystem, aber wer sich bereits an den Vorgängern satt gespielt hat, wird hier keine motivierende Neuerung finden. Schon in Teil 2 fiel auf, dass viele Inhalte wiederverwendet wurden.

Aber wer sich auch im dritten Teil immer noch nicht satt gesammelt hat, der kann in Yo-kai Watch 3 von vorne beginnen und versuchen, das Medaillium zu komplettieren. Zudem könnt ihr so die Zeit überbrücken, bis Yo-kai Watch 4 bei uns in Europa erscheint, wobei wir wohl mit viel mehr Neuerungen als bisher rechnen dürfen.«

 

Begleitet Nathan und Erika im Alltag mit den Yo-kai, die mal freundlich und mal feindlich gesinnt sind.
Sammelt Yo-kai, komplettiert euer Medaillium und kämpft mit euren erbeuteten Yo-kai gegen fiese Gegner.
Bunte Knuddeloptik, besonders die unterschiedlich gestalteten Yo-kai können durchweg überzeugen.
Atmosphärische Musik mit eingängigen Melodien, die dem bunten und fröhlichen Setting wahrhaft gerecht wird.
Viel Inhalt wird geboten, um euch locker auf über 40 Spielstunden zu bringen.