Im Test! Kingdom Hearts 3

In wenigen Tagen findet die Saga ihren Abschluss. Kingdom Hearts 3 erscheint - und wir haben es für euch getestet. Ein fulminantes Ende mit Fragen.
Titel Kingdom Hearts 3
Japan 25. Januar 2019
Square Enix
Nordamerika 29. Januar 2019
Square Enix
Europa 29. Januar 2019
Square Enix
System PS4, Xbox One
Getestet für PS4
Entwickler Square Enix
Genres JRPG
Texte
Deutschland Nordamerika 
Vertonung Nordamerika 

Bildmaterial: Kingdom Hearts 3, Square Enix / Disney

Kingdom Hearts 3 erscheint am 29. Januar 2019* – lange haben Spieler weltweit diesen Tag herbeigesehnt. Viele haben den Tag auch gefürchtet aus Angst vor einem unvollkommenen Abschluss der Saga rund um Sora und seine Freunde. Tetsuya Nomura hat viel versprochen und nicht wenig Druck liegt nun, wo der Release sich nähert, auf seinen Schultern und auf seinem Team.

Doch kommt es zum Ende einer Reise, die vor fast 17 Jahren begann. Damals noch ein einzelner Strang, eine junge Pflanze, die sich emporhob, hat sich der Titel zu einer Reihe entwickelt, die in Fragmenten auf vielen Systemen ihr Zuhause fand. Nicht minder verzweigte sich auch die Reise in viele verschiedene Richtungen.

Viele Fragen kamen mit jedem dieser Titel auf. Mit Kingdom Hearts 3 warten Fans nun gespannt darauf, ob diese Fragen zu deren Zufriedenheit beantwortet werden können. JPGAMES schloss sich Sora auf seiner Reise gegen die Finsternis an. Seid gespannt auf unser Resümee.

Zurück zu einstiger Stärke?

Soras Entwicklung und die Rätsel um Kingdom Hearts sind eine schier endlose Geschichte. Sora ist durch seine letzten Gefechte geschwächt und wird beauftragt seine innere Stärke zurückzuerlangen. Hierfür bereist ihr viele Welten und stärkt das Bündnis der Herzen mit alten Bekannten und neuen Freunden. Square Enix überzeugt dabei durch eine herausragende Inszenierung. Die einzelnen Welten mit ihren vielschichtigen Charakteren aus den verschiedensten Ecken der Disney-Geschichte bringen euch öfters zum Lachen. Tränen könnten aber unter Umständen ebenfalls fließen.

Viele Einflüsse aus den verschiedenen Titeln haben es entweder im Großen oder im Kleinen in die Hauptgeschichte geschafft. Die Wanderschaft startet dabei langsam und lange Zeit fragt man sich, wann denn mal etwas passiert. Wann werden lose Enden verknüpft und wann erhält Sora seine einstige Stärke zurück?

Nach vielen Stunden geht dann wiederum alles sehr schnell. Ohne jetzt groß auf die Inhalte der Geschichte eingehen zu wollen sei gesagt, dass nicht alle Fragen zufriedenstellend beantwortet werden können. Einige Sachen bleiben im Verborgenen oder werden nur angerissen, während andere Geschichtsstränge komplett zum Abschluss gebracht werden.

Vorwissen benötigt!

Kingdom Hearts 3

Verweile doch, du bist so schön.

Es ist dringend anzuraten, die vorherigen Teile zu spielen, bevor man sich an Kingdom Hearts 3 heranwagt. Gerade beim Hauptstrang der Geschichte wird man ohne Vorkenntnisse verloren sein. Es gibt viele Anspielungen, gerade in bekannten Welten. Ohne Vorwissen werden euch trotz der vielen Rückblenden viele Ereignisse und Verbindungen befremdlich erscheinen.

Das, was Tetsuya Nomura erzählt, ist zu weiten Teilen großes Kino, aber man merkt auch, dass über die Jahre vermutlich nicht alles zurück in den Fokus gelangen konnte. Manche Sachen werden allerdings so offensichtlich durch die Story hinweg geteasert, dass Hoffnung besteht, dass bestimmte Fragen durch die noch zu liefernden Inhalte beantwortet werden sollten.

Der Epilog und das geheime Ende werden nämlich erst mit kostenlosen Patches am 30. und 31. Januar zur Verfügung gestellt. Es wäre schade, wenn man sich hier Material für den Beginn der nächsten Saga zurückbehält.

Das Kampfsystem zeigt sich facettenreich

»Die dynamischen Kämpfe mit den vielen Effekten sind eine wahre Augenweide. Den Entwicklern ist das Kampfsystem fulminant geglückt.«

Während ihr der Geschichte von Kingdom Hearts 3 folgt, trefft ihr natürlich auf viele Widersacher. Bekannte Feinde, aber auch neue Schurken wollen euch wie so oft ans Leder.

Um euch eurer Haut zu erwehren, gibt zahlreiche Fähigkeiten, die es zu erlernen gilt. Viele Mechaniken, die ihr aus den verschiedensten Abenteuern von Sora bereits kennt, fließen im Schmelztiegel von Kingdom Hearts 3 zusammen.

Fähigkeiten des Schlüsselschwerts

Unter anderem beherrscht Sora wieder einige Formwechsel. Neben diesen verfügt ihr als Träger des Schlüsselschwertes aber noch über eine Vielzahl anderer verschiedener Fähigkeiten. Angriffsrollen, Flugmechaniken und Zauber sind dabei nur die Standardfacetten eurer Kampfkunst. Aktive Fähigkeiten erlernt ihr dabei durch das Absolvieren bestimmter Ereignisse. Passive Fähigkeiten gibt es zuhauf durch Ausrüstung und Levelaufstieg.

Eure Schlüsselschwerter lassen sich aufwerten, was sie zum einen stärker macht, zum anderen aber auch neue Fähigkeiten freischaltet. Mit der Hochmagie wird eine neue Stufe der Magie eingeführt, die sogenannten Ka-Zauber (Blitzka). Diese kam in dieser Form bisher nur in wenigen Titeln vor.

Eure Freunde stehen euch zur Seite

Während ihr euch in Echtzeit durch die Schwärze der Dunkelheit kämpft, steht ihr nicht alleine da. Neben euren Freunden Donald und Goofy stehen euch wieder zahlreiche Sidekicks zur Seite. Bis zu fünf Mitglieder kann eure Truppe mit temporären Verbündeten umfassen. Mit diesen könnt ihr Teamcombos absolvieren. Kombiniert mit Situationskommandos, Hochmagie und Beschwörungen kommt es zu einer wahren Explosionsorgie auf dem Bildschirm.

Die dynamischen Kämpfe mit den vielen Effekten sind eine wahre Augenweide. Die Entwickler spielen hier ihre Stärken aus und man kann nur sagen, dass ihnen das Kampfsystem fulminant geglückt ist. Selten haben mir die Kämpfe so viel Spaß gemacht wie in Kingdom Hearts 3.

Alte und neue Minispiele

»Welten und Charaktere von Kingdom Hearts sahen nie besser aus.«

Auch abseits der Kämpfe gibt es auf der Gameplay-Seite vieles zu entdecken. Zahlreiche Minispiele – mal große, mal kleine – sind in die Geschichte von Kingdom Hearts 3 verwoben. Prominent, wenn auch nicht bei jedem beliebt, sind die Gummijets.

In einem eigens dafür konzipierten Raum zwischen den Welten jagt ihr Herzlose und sucht nach neuen Welten. Herzlose können herausgefordert und in Form eines Shooterspiels für wertvolle Items und Baupläne bekämpft werden. Das funktioniert weit besser als noch in den älteren Teilen, in denen es dieses Element gab, und die Bosskämpfe sind auch hier eine kleine Herausforderung.

Vielschichtige Level und Gebiete

Freunde von Kingdom Hearts Chi erinnern sich vielleicht an die Promo-Aktion mit den klassischen Schwarz-Weiß-Titeln. Auch diese wurden in weit umfangreicherer Form in Kingdom Hearts 3 integriert. Viele davon sind versteckt und warten darauf, gefunden zu werden. Neben diesen zwei genannten gibt es noch zahlreiche weitere Minispiele in den verschiedenen Welten zu entdecken.

Die Welten in Kingdom Hearts 3 wiederum sind größtenteils weitläufige Gebiete verbunden mit Schlauchsegmenten. Die Level wirken durch ihre verschiedenen Ebenen vielschichtig und animieren zum Suchen nach Schätzen. Laufend, springend, gleitend und teilweise warpend bewegt ihr euch durch die verschiedenen Areale, die schöner nicht sein könnten.

Unterwegs im Gummijet

Ein Fest für die Augen

Auch grafisch spielt Square Enix eine echte Trumpfkarte aus. Die Welten und Charaktere von Kingdom Hearts sahen nie besser aus. Viele Details lassen sich erkennen und das bei einer fast konstant guten Bildrate. In seltensten Fällen spürt man so etwas wie einen kleinen Fall der Bildrate. In 90 Prozent der Fälle bleibt das Ganze aber ein flüssiges Erlebnis.

Der Entwickler bietet hierbei zwei verschiedene Grafikeinstellungen an. Die Beschreibung ist dabei allerdings etwas verwaschen. Der eine Modus soll für flüssigere Bewegungen sorgen, während der andere mehr Stabilität bieten soll. Gerade Letzterer sorgt aber bei der Standard-PlayStation-4 für ein unruhiges Bild, während der Standardmodus ein flüssiges Erlebnis liefert.

Nie sah Kingdom Hearts besser aus

In Anbetracht dessen, dass die kleinen Stotterer in Zusammenhang mit der Kamera in engen Passagen auftraten, besteht hier vielleicht die Möglichkeit auf Nachbesserung. Erstaunlicherweise laufen dahingehend die Kämpfe butterweich, was im Hinblick auf die vielen, teils riesigen Effektexplosionen ein kleines Wunder ist. Hier wird alles aus Sonys PlayStation 4 gekitzelt, was möglich ist. Dennoch wird ein flüssiges Erlebnis geboten.

Auch bei der Qualität der Figuren kann man nicht meckern. Die Figuren stehen deren Ebenbildern aus den Filmen in nichts nach. Gerade die Figuren aus Die Eiskönigin und Rapunzel haben mich hier sehr beeindruckt. Die Figuren wirken fast wie ihre Ebenbilder, nicht nur was ihre äußere Erscheinung angeht, auch in puncto Emotionen ist alles wie aus einem Guss.

Selbiges gilt für die anderen Welten und auch für den gesamten Cast an Kingdom-Hearts-Charakteren. Man merkt, dass die Designer viel Liebe und Schweiß in das Design gesteckt haben. Dass man zur Unreal Engine und nicht auf eine eigene Engine zurückgegriffen hat, zahlt sich nun aus.

Nostalgie für die Ohren

Ähnliche Lobeshymnen kann man eigentlich auch zum Soundtrack anstimmen. Gut, die Intromusik von Skrillex ist nicht jedermanns Fall und dem einen oder anderen wird es schwer fallen, sich daran zu gewöhnen. Dennoch fügt sich der Titel einigermaßen stimmig in das Intro mit ein.

Während ihr euch durch die Welten von Kingdom Hearts bewegt, werdet ihr mit bekannten und neuen orchestralen Stücken konfrontiert. Zwischen Neuinterpretationen und nostalgischen Klängen schwebt man fast schon in höheren Sphären. Die verschiedenen Gesangseinlagen, die man aus den Filmen kennt, sind ebenso eine Wonne wie die einzelnen Songs aus den Vorlagen.

Ausschließlich englische Sprachausgabe

Natürlich kann man auch hier irgendwo wieder meckern. Square Enix bietet mit der englischen Synchronisation nur eine einzige an. Man ist dies natürlich durch die letzten Remaster gewohnt und sicherlich war es auch irgendwo eine Strategie der Vereinheitlichung.

Nach Final Fantasy XV ist es allerdings schade, dass es eben nur eine Sprachausgabe gibt. Diese ist wiederum aber hervorragend umgesetzt. Es ist schön zumindest die englischen Originalstimmen vieler Figuren zu hören. Die deutschen Untertitel sind jedoch gelungen. Ein zusätzliches Plus ist überdies, dass Square Enix wieder einen Theatermodus liefert. Hier könnt ihr euch sämtliche Videosequenzen nochmal anschauen und genießen.

Kingdom Hearts 3

Im Gegensatz zu Donald sind wir begeistert.

Ein fulminantes Ende mit Fragen

»Was bleibt nun noch zu sagen? Ich gestehe, ich bin ein wenig wehmütig nach Ablauf der Credits. Wehmütig, weil alles schon vorbei ist. Wehmütig, weil noch nicht alle meine Fragen aufgelöst wurden. Einige Stellen im Spiel haben offensichtliche Andeutungen gemacht, aber gerade diese Andeutungen, welche wichtige Aspekte hätten klären können, blieben unbeantwortet.

Die Hoffnung besteht allerdings, dass diese mit dem Epilog und dem geheimen Ende aufgelöst werden. Ansonsten wäre das schon ein herber Schnitt seitens der Entwickler oder ein Teaser auf ein weiteres Kingdom Hearts. Abseits davon ist die Geschichte hervorragend, auch wenn das Ende schneller kam als nach dem langsamen Pacing der ersten Hälfte erwartet.

Für die finale Zusammenkunft hätte man sich vielleicht etwas mehr Zeit nehmen können. Dennoch bietet Kingdom Hearts 3 mit einer derzeitigen Länge von circa 40 Stunden gute Unterhaltung. Es bleibt zu erwähnen, dass es durchaus geboten ist, die vorherigen Titel zu spielen, denn sonst sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht und versteht so manchen Zusammenhang nicht.

Viel erlebt, aber noch längst nicht alles gefunden

Während meines Durchgangs habe ich viel erlebt und gesehen, aber längst nicht alles finden können. Bis zum Schluss verblieb ein Menüpunkt mit Fragezeichen betitelt. Selbst nach dem Ende hat sich hier nichts verändert. Meine Suche ist also noch nicht vorbei.

Kingdom Hearts 3 läuft selbst auf der Standard-PlayStation-4 nahezu optimal, was gerade bei den Kämpfen manchmal ein Wunder ist. In puncto Grafik, Sound und Gameplay hat Square Enix für mich einen All-Time-Favorite geschaffen, sollten sich noch bestimmte Storystränge auflösen, gesellt sich auch die Story dazu.

Mit Kingdom Hearts 3 wird eine lange Geschichte zum Ende gebracht und ich kann nur jedem empfehlen, der etwas auf sich hält und japanische Rollenspiele liebt, hier zuzugreifen.

 

Die Geschichte fängt langsam an, entwickelt sich aber in der zweiten Hälfte rasend schnell. Sie bietet dabei ein fulminantes Ende, welches allerdings auch Fragen offen lässt.
Das vermutlich beste Kingdom-Hearts-Kampfsystem gefüllt mit vielen verschiedenen Fähigkeiten. Die Bewegungen sind flüssig und man tanzt quasi durch die Welten.
Ein Fest für die Augen, gerade die Kämpfe sind eine visuelle Explosion. Aber auch die Welten und Figuren sind mit viel Liebe zum Detail erstellt.
Abseits von Skrillex bekommt man viele nostalgische Stücke aus den Kingdom-Hearts-Vorgängern und den Filmen von Pixar zu hören.
Zahlreiche Minispiele gilt es zu bewältigen. Square Enix liefert neben der englischen Synchronisation einen Kinomodus, in welchem man die Sequenzen nochmal anschauen kann.