Im Test! Gal Metal

Rhythmus-Spiele gibt es viele. Seien das Guitar Hero, wo man als Gitarrero das Publikum erobert; Rock Band, bei dem man mit Freunden gemeinsam...
Titel Gal Metal
Japan 08. Februar 2018
DMM Games
Nordamerika 30. Oktober 2018
Marvelous/XSEED
Europa 02. November 2018
Marvelous Europe
System Nintendo Switch
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler DMM Games
Genres Rhythmus-Spiel
Texte
Nordamerika
Vertonung keine

Bildmaterial: Gal Metal, Marvelous/XSEED

Rhythmus-Spiele gibt es viele. Seien das Guitar Hero, wo man als Gitarrero das Publikum erobert; Rock Band, bei dem man mit Freunden gemeinsam die Bühnen der Welt unsicher macht und die vor kurzem in Europa erschienenen Taiko-no-Tatsujin-Spiele, in denen uns ein fröhlicher Wada Don durch zahlreiche japanische Lieder begleitet. Gemeinsamkeit dieser Spiele ist, dass sie keine Story haben und man zum richtigen Zeitpunkt die richtige Taste drücken muss. Ein neuer Kontrahent im Ring der Videospiele, der um eure Aufmerksamkeit buhlt, ist Gal Metal.

Zwei wesentliche Punkte unterscheiden Gal Metal von den eben genannten Spielen: Es gibt eine Story und es fehlt jegliche Anzeige, wann was zu spielen sei. Wie gut diese Komposition ungewöhnlicher Elemente in einem Spiel aufgeht oder ob man den braunen Ton erwischt hat, erfahrt ihr in unserem Test.

Aliens wollen die Erde erobern

Die Story lässt sich leicht zusammenfassen. Vor vielen Jahren wurde mit einer Raumsonde unter anderem auch eine Platte mit Metal-Musik ins Weltall geschossen. Diese wurde von einer außerirdischen Rasse entdeckt. Leider hat der Metal jedoch aus komplett unerfindlichen Gründen die Kultur und die Gesellschaftsordnung der Aliens zerstört. Nun sinnen die Aliens auf Rache und entführen zwei japanische Oberschüler, einen Jungen und ein Mädchen.

Der Geist oder die Seele des Jungen wird in den Körper des Mädchens verpflanzt, wobei das Mädchen immerhin noch ihre Gedanken zum Ausdruck bringen kann, wenn sie schon die Kontrolle über ihren Körper verloren hat. Nachdem die Witze über „Mach die Augen zu beim Duschen“ dann auch mal verflogen sind, stellt sich heraus, dass das Mädchen Drummerin in einer Band ist und die Band die einzige Waffe gegen die Aliens ist, die die Erde zerstören wollen. Denn nur der Metal, den diese Band spielt, wehrt die Aliens ab.

»Die Story bereichert das Spiel in keinster Weise. Sie ist weder intelligent, noch kohärent, noch lustig, noch notwendig.«

Die Zusammenfassung der Story war sehr einfach. Die Beurteilung der Story ist auch sehr einfach: von hinten bis vorne absoluter Müll. Die Story bereichert das Spiel in keinster Weise. Sie ist weder intelligent, noch kohärent, noch lustig, noch notwendig. Wieso ist der Junge im Körper des Mädchens? Das ergibt null Sinn, wird nie erklärt, erfüllt absolut keinen Zweck, außer, dass es vielleicht das schlechte Schlagzeugspielen erklärt. Das Mädchen hätte aber auch einfach eine Amateur-Drummerin sein können. Wieso ist der Junge also im Körper des Mädchens, wieso?!

Die insgesamt dreizehn Kapitel sind eine Ansammlung absurder Situationen, in denen man dann als Band Metal spielen muss. Jetzt kommt ein Spoiler, der aber vollkommen egal ist, da die Story sowieso gegen die Wand gefahren wird: Als im Zuge der Story die Erde zerstört wird, sind unsere Mädels dann in einem anderen Sonnensystem, haben aber dennoch vollen 4G-Empfang am Handy und können einen Messenger nutzen. In einem anderen Sonnensystem. Mit zerstörter Erde. Aber sie haben noch Internet. Eines ist klar: In einem ICE sitzen sie garantiert nicht, da das mobile Internet funktioniert.

Gal Metal

In der Band-Phase kann man spielen, was man will.

Persona-Schulalltag… für Leute, die nie Persona gespielt haben

Zwischen den Storysequenzen chattet ihr immer, wirklich immer, mit euren Freunden per Messenger über absolut belanglose, mit der Story absolut nicht zusammenhängende Dinge. Die Erde wird bald zerstört? Okay, lass uns über automatische Türen im Supermarkt reden. Wir haben gerade die Erde vor Außerirdischen gerettet? Okay, welche Pizza magst du? Und jede einzelne, wirklich jede einzelne, dieser absolut unnötigen Chat-Nachrichten wird mit dem Vibrations-Ton eines Handys, welches z. B. auf einer Tischplatte liegt, untermalt.

Oder sollte ich gefoltert sagen? BRRR. BRRRRR. BRRRR. BRRRR. BRRRR. BRRRRRRRRRRRR. BRRRRRRR. BRRRRR. Wessen Idee war das, dass das auch nur eine Minute lang Spaß macht? Schreibt dann jemand noch mal etwas Längeres, habt ihr Pech gehabt, wenn ihr nicht schnell genug lest, denn das Spiel scrollt dann einfach weiter. BRRRRR. Genauso gibt es vor jedem einzelnen Kapitel ein kurzes Preview, das a) nichts mit dem folgenden Kapitel zu tun hat und b) viel zu schnell weiterscrollt, als dass man es komplett lesen könnte.

Die Musik der Band, vor allem die Gitarren, klingen furchtbar.

Nachdem wir uns nun also alle über die Lieblingsfarbe unserer Idols unterhalten haben, haben wir einige Tage Zeit, bis die Aliens die Erde angreifen wollen und können arbeiten gehen oder unsere Freizeit mit unseren Freunden genießen. Dabei steigert man Statuswerte, die später für die Band-Phase, also in der ihr auf dem Schlagzeug spielt, absolut unnötig sind. Auch kann man so Events freischalten, bei denen ihr eure Freunde besser kennenlernt und ähnlich dem Social-Link-System der Persona-Spiele Boni bekommt.

Nein, sorry, das war ein Scherz. BRRRR. Ihr seht zwar Events, aber diese sind wieder absolut unnötig, handeln über Schmetterlinge, die ihr in einem Wald in Ostfriesland gesehen habt, und bringen euch weder den Charakteren noch dem Spiel näher. Wie gesagt gibt es 13 Kapitel. Nach Kapitel 7 habe ich weder die SMS-Qualen gelesen noch diese Events, da absolut nichts Wichtiges darin vorkommt. Button gedrückt halten und alles automatisch vorspulen, bis endlich die Band-Phase kommt. Aber jetzt kommt der Spaß, denn jetzt geht es an das Schlagzeug, oder? BRRRRRRRRR.

Folter

»Wenn ihr schon immer zu guter Musik kreativ sein wolltet, kauft euch bitte ein anderes Spiel und nicht Gal Metal.«

Wenn ihr schon immer zu guter Musik kreativ sein wolltet, kauft euch bitte ein anderes Spiel und nicht Gal Metal. Was hier als kreativ präsentiert wird, ist ein Rhythmus-Spiel, das gewisse vorgegebene Trommel-Muster hat und wenn ihr die nicht benutzt, habt ihr Pech gehabt. Es wird euch nicht angezeigt, was ihr spielen sollt, denn das dürft ihr frei wählen, solange es im Takt bleibt. Aber bei Gott, erfindet bloß nicht selbst etwas, was eventuell gut klingt!

Besser in der Liste der erlaubten Rhythmen nachsehen, die das Spiel kennt. Dann, um beispielsweise die letzten drei Level zu gewinnen, kann man absolut stupide ohne Gehirn oder Gefühl für Musik rechts schlagen, links schlagen, rechts schlagen, links schlagen, rechts, links – rechts (auf 1, 2, 3 und 4) und links (auf den jeweiligen „und“, wenn ihr den Takt als “1-und-2-und-3-und-4” zählt).

Schon habt ihr mehr als eine Million Punkte, obwohl ihr nur 90.000 braucht. Statuswerte? Für was? Nicht einmal die Musik klingt gut, die die Band spielt. Hat man Metal-Musik, „Metal“-Musik, auf einem iPhone aufgenommen und spielt das jetzt ab, während das iPhone unter Wasser gehalten wird? Die Lieder klingen einfach nur grausam. Absoluter Fahrstuhl-Metal, der so klingt, als würde ein wahnsinniges Eichhörnchen über die Saiten einer E-Gitarre rasen. Als würde man eine Rock-Band eine Wendeltreppe hinunterwerfen.

Kein Wunder, dass die Aliens bei so etwas fliehen. Bei Metallica wären sie geblieben! Die Stücke sollen auf klassischen Liedern basieren, aber das ist nur bei sehr wenigen wirklich hörbar. Wenn ihr klassische Musik in einer Metal-Version hören wollt, sucht lieber auf YouTube nach Paul Gilbert – “Haydn Symphony 88”. Das zeigt deutlich, wie man klassische Musik zu Metal macht.

Der Comic-Stil der Story ist gelungen.

Das Spiel hätte eine Visual Novel werden sollen

Seltsamerweise ist die Musik außerhalb der Band-Einlagen doch eingängig. Das Thema der Aliens ist schön skurril und auch der Rest der Musik außerhalb der Band-Phase klingt angenehm. Die Präsentation der Story im Comicstrip-Stil ist wirklich gelungen und macht Laune auf mehr. Oder auf überhaupt irgendwas, was über die Story, die null Sinn macht, hinausgeht. Das Menü hat auch einen netten Metal-Stil und eure Speicherstände sehen wie Konzert-Tickets aus, was will man mehr? Die Events mit den Freunden werden in einem netten Pappfiguren-Stil dargebracht, der ein wenig an den Danganronpa-2D-Figuren-Stil erinnert und ein wenig mehr an das Guano-Apes-Video zu „Dödel Up“. Wieso konnte diese Liebe nicht in den Rest des Spiels einfließen?

Die Steuerung über Joy-Con funktioniert gut. Mit einem Joy-Con betätigt man die Kick-Drum, mit dem anderen die Snare und betätigt man beide gleichzeitig, schlägt man auf ein Crash-Becken. Nimmt man die Switch dann aus der Docking-Station und benutzt sie im Handheld-Modus, wird auf einmal ein komplettes Drum-Set dargestellt, also noch mit den zusätzlichen Tom-Becken und so weiter. Oh cool, die benutze ich im Lied! Pustekuchen. Da die anderen Becken keine Funktion in den vorgespeicherten Mustern haben, ist deren Verwendung nicht ratsam, wenn man das Lied schaffen will. Genial.

Gal Metal: Fade to black

»Ich kann nur jedem raten, dieses Spiel zu meiden. Die Grundidee ist gut, die Umsetzung eine totale Katastrophe. Absolut belanglose Story. Absolut belangloser Social Mode. Fahrstuhl-Metal. Grausam anzuhörende Lieder. Stupides Wiederholen eines Drum-Musters wird belohnt, Kreativität wird bestraft. Texte scrollen meist zu schnell, das BRRRR-Geräusch des Handys macht einen wahnsinnig. Das Spiel ist auch noch sehr kurz und locker in wenigen Stunden machbar. Gal Metal… please just… fade to black.«

 

Mies, unerklärlich, unnötig.
Kreativität wird bestraft, das Wiederholen von Mustern nicht. Soziale Interaktion mit den Freunden ist quasi sinnlos.
Im Metal-Stil gehalten und durchaus hübsch anzusehen.
Musik in Ordnung – außer die 13 Band-Lieder, die mit schlechter Soundqualität, fehlendem Verständnis für Musik und endlosen Soli aufwarten.
Handy-Geräusch nervt extrem, Dialoge sind absolut banal.