Im Test! Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk

Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk hat nach ein, zwei Jahren endlich seinen Weg zu uns gefunden. In Japan bereits für PlayStation 4 und Vita erschienen...
Titel Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk
Japan 27. September 2018
Nippon Ichi Software
Nordamerika 18. September 2018
NIS America
Europa 21. September 2018
NIS America
System Switch, PS4, PC
Getestet für Switch
Entwickler Nippon Ichi Software
Genres JRPG, Dungeon Crawler
Texte
 Nordamerika Japan
Vertonung  Nordamerika Japan

Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk hat nach ein, zwei Jahren endlich seinen Weg zu uns gefunden. In Japan bereits für PlayStation 4 und Vita erschienen, werden nun im Westen neben PS4 auch Nintendo Switch und PCs bedient. Westliche Freunde von PlayStation Vita müssen leider in die Röhre schauen, da diese Version leider gestrichen wurde.

Coven ist nicht der erste Dungeon Crawler und sicherlich auch nicht der letzte in dieser Generation, aber schafft es Labyrinth of Refrain, sich von der Masse abzuheben und anders zu sein als die anderen? Oder handelt es sich hierbei nur um weiteren Einheitsbrei?

JPGames hat Coven tief in die Augen geblickt und sich nicht verzaubern lassen. Wie sich der Titel von Nippon Ichi Software schlägt, erfahrt ihr hier. Steigen wir also in das dunkle Verlies hinab und ergründen die Geheimnisse, die unter der geheimnisvollen Stadt Refrain verborgen liegen.

Hexenwerk

Die Geschichte spielt sich in der Welt von Tanis ab, einer Welt, deren magischer Ursprung immer noch zu spüren ist. Mitten in dieser Welt liegt die geheimnisumwobene Stadt Refrain. Ein von giftigem Miasma und unreinen Wesen heimgesuchtes Städtchen, das neben diesen Gefahren ein weit heikleres Geheimnis verbirgt. Unterhalb von Refrain erstreckt sich ein Verlies, das so tief und so gefährlich ist, dass es bisher nur einer Person gelang, dieses zu durchstreifen. Der unbekannte Reisende schrieb seine Erfahrungen in einem Almanach nieder.

Lange Zeit war dieses Buch verschollen, doch nun befindet sich das „Tractatus de Monstrum“ und die ihm innewohnenden Mysterien im Besitz von Dronya, der Hexe der Abenddämmerung. Dronya und ihre kleine Frohnatur von einem Lehrling, Luca, folgen einem Gesuch des Bürgermeisters von Refrain und nehmen sich dem Verlies an. Beide verfolgen ihre eigenen Ziele. Viele Sagen und Erzählungen über das Labyrinth wurden von Ohr zu Ohr getragen. Unsterblichkeit, unermessliche Schätze oder der Schlüssel zur Zerstörung der Welt werden vom Wind von einem Schatzjäger zum nächsten getragen, aber welche Geheimnisse liegen hier wirklich verborgen?

Zwischen Komik und Tragik

»Innerhalb der Dungeons spielt Labyrinth of Refrain seine wahren Stärken aus. Die Abschnitte sind teilweise recht groß, in viele Ebenen aufgeteilt und werden von Unmengen an unterschiedlichen Gegnern bewohnt.«

Hinter Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk steckt eine Geschichte, die am Anfang ein noch recht langsames Pacing besitzt. Viele Geheimnisse lüften sich erst recht spät im Spiel und generell entfaltet sich die Geschichte erst im letzten Drittel des Spiels. Bis dahin stochert ihr mehr oder minder im Dunkeln, was die Geheimnisse hinsichtlich des Labyrinths angeht. In beständigen Schritten lernt ihr erst Dronya, Luca und die Personen um sie herum kennen. Nach und nach werden neue Charaktere der Geschichte hinzugefügt. Tragische Episoden gehen mit scherzhaftem Schalk Hand in Hand, garniert wird das Ganze mit recht lüsternem Humor. Man erkennt hierbei deutlich die Einflüsse aus Disgaea und The Witch and the Hundred Knight – trotzdem ergibt sich daraus etwas wundervoll Eigenes.

Die Protagonisten wachsen einem während des Spielens ans Herz und auch einige der Nebencharaktere wird man so schnell nicht vergessen. Wer Disgaea und andere hauseigene Produktionen von NIS kennt, sollte allerdings mit schlüpfrigem Humor umgehen können. Dieser ist öfters Teil der Dialoge und bei manch einem Dialog hat man doch einen eher verhaltenen Aha-Effekt. Mit einer Altersfreigabe von 16 Jahren ist der Titel recht hoch eingestuft, hinsichtlich der Freizügigkeit in Wort und Bild aber durchaus berechtigt.

Vertraut und doch neuartig

Auf den ersten Blick scheint sich Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk nicht sonderlich von anderen Dungeon Crawlern zu unterscheiden. Die Stadt Refrain ist eure Hauptbasis. Von hier aus plant ihr eure weiteren Einsätze. Dronya und Luca sind zwar die Protagonisten der Geschichte, aber treten nicht selbst in Aktion, was das Erkunden des Verlieses unterhalb von Refrain angeht. Es schickt sich einfach nicht für Hexen, sich die Hände schmutzig zu machen!

Zu mir, Maniana!

Labyrinth of Refrain: Coven of DuskZu diesem Zweck schickt ihr eure Helfer in das Verlies. Manianas sind leblose Marionetten, angereichert mit einer Seele. Hier bediente man sich genüsslich aus dem Universum von The Witch and the Hundred Knight und auch an etwaigen anderen Stellen wird man Parallelen erkennen. Derlei Einflüsse stammen nicht von ungefähr, ist doch eine der führenden Personen hinter dem Titel Tatsuya Izumi, seinerseits verantwortlich für die Erschaffung der “The Witch and the Hundred Knight”-Titel.

Habt ihr euren Untergebenen eine Klasse zugewiesen und deren Individualisierungen abgeschlossen, müssen diese in nächster Instanz einer Einheit zugewiesen werden. Eine Einheit bzw. Coven kennzeichnet sich durch einen aktiven und einen passiven Part aus. Mit Ersterem zieht ihr aktiv in die Schlacht, während euch der passive Teil Fähigkeiten verleiht, die im Kampf unterstützend wirken. Je nach Coven und Rang haben diese unterschiedlich viele belegbare Plätze. Eure Helden lernen während ihres Abenteuers ausschließlich passive Fähigkeiten, Angriffsfertigkeiten liefern euch hingegen die verschiedenen Covens.

In gewisser Weise definieren sich die verschiedenen Klassen, die zur Verfügung stehen, also nur durch ihre passiven Fähigkeiten, ihr Aussehen und ihre Statuswerte mit den klassenspezifischen Wachstumsparametern. Wie ihr eure Teams zusammenstellt, überlässt euch das Spiel. Ihr könnt theoretisch mit fünf Tank-Gruppen in das Verlies hinabsteigen, doch derart unüberlegtes Handeln führt aber recht schnell zu den ersten Game-Over-Bildschirmen. Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk hat nämlich so seine Tücken und einen recht schnell anziehenden Schwierigkeitsgrad.

Sag mir, was ich tun soll!

Teilweise liegt das auch an der Form, in welcher euch neue Dinge beigebracht werden. Essentielle Sachen werden euch in bebilderten Tutorials vorgestellt. Das Grundkonzept wird sogar in einem Tutorial vor dem eigentlichen Spiel gezeigt, leider zieht sich das nicht durch das gesamte Spiel hindurch. Viele Erklärungen findet man auch nur als Hinweistext in den Verliesen. Verpasst man einen oder vergisst man etwas, heißt es: Pech gehabt. Innerhalb des Spieles kann man nämlich nichts nachschlagen. Das kann gewisse Mechaniken unnötig verkomplizieren.

Wie eingangs erwähnt, ist eure Basis Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Neben dem Erledigen eurer Personalien könnt ihr von hier aus Shoppen gehen oder die Geschichte vorantreiben, indem ihr zwischen euren Besuchen im Verlies Berichte über euer Vorankommen abgebt. Anfangs ist euer Basismenü nur spärlich befüllt, aber je weiter ihr voranschreitet, umso mehr essentielle Funktionen kommen hinzu.

Ich reiß mir ein Bein für dich aus!

Innerhalb der Dungeons spielt Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk seine wahren Stärken aus. Die Abschnitte sind teilweise recht groß, in viele Ebenen aufgeteilt und werden von Unmengen an bösartigen, witzigen und teilweise sehr schlüpfrig angehauchten Gegnern bewohnt. Die Bosse am Ende eines Abschnitts sind harte Widersacher, monströs in ihrer Größe und schlagen ordentlich zu. Entweder bedient man sich hier sorgfältig geplanter Strategien oder investiert einige Stunden ins Leveln der eigenen Einheiten.

Leider sind eure kleinen Helden nur beseelte Holzpuppen und kein Hundred Knight. Leicht ist es, einer solchen mal einen Arm oder ein Bein auszureißen. Eure Figuren verfügen nämlich über verschiedene Trefferzonen. Entgleitet euch in der Hitze des Gefechtes eines dieser durchaus essentiellen Körperteile, reduzieren sich automatisch die maximalen Trefferpunkte der Figur und diese kassiert meist eine Portion Extraschaden. Hier sprichwörtlich den Kopf zu verlieren führt im gleichen Zug zum sofortigen K.O. der Figur. Einmal abgerissene Gliedmaßen können erst außerhalb des Dungeons wieder angenäht werden.

Kleine Innovationen fördern die Motivation

»Essentielle Sachen werden euch in bebilderten Tutorials vorgestellt. Viele Erklärungen findet man auch nur als Hinweistext in den Verliesen. Verpasst man einen oder vergisst man etwas, heißt es: Pech gehabt.«

Es klingt zuerst nach langen, ermüdenden und repetitiven Durchgängen mit einem gewissen Glücksfaktor, um nicht gleich bei jeder Begegnung enthauptet zu werden. Glücklicherweise gilt das auch für eure Gegner. Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk versteht es aber auch, mit starren Konventionen des Genres ein wenig zu brechen und den Spieler beim Voranschreiten zu motivieren.

So stehen dem Spieler mit der Zeit verschiedene Fähigkeiten zur Verfügung, jene können durch Petitionen im Austausch gegen gesammeltes Mana erlernt werden. So können z. B. störende Wände im Verlies einfach durchbrochen werden. Fehlt einem gerade der Schlüssel für einen Schatzraum, sucht man einfach nach einer Schwachstelle in der Wand und bricht durch. Der Weg zur nächsten Treppe nach dem Wiedereinstieg in die Ebene ist zu lang? Kein Problem, wir benutzen unser Köpfchen und zertrümmern ein paar Wände, um das Ganze abzukürzen. Wir merken, es wird langsam eng und die Truppe ist zu 90% nur noch ein Haufen loser Köpfe, Arme und Beine? Kein Problem! Wir rennen nicht durch die Wand, sondern setzen mit unseren Fähigkeiten einen Ausgang und retten uns in die sichere Basis.

Das Spiel gibt dem Spieler diesbezüglich recht große Freiheiten und lockert dadurch das Spielgeschehen ungemein auf und motiviert dazu, nebenbei versteckte Orte zu entdecken. Das Ganze funktioniert natürlich nicht endlos und unterliegt wie so oft einer Energieleiste (hier “Verstärkung”), die bei jeder Nutzung abnimmt. Zusätzlich wird diese Leiste durch eure Covens eingeschränkt. Jede Einheit verschlingt je nach Rang einen respektablen Wert dieser Leiste. Der Gesamtwert wird bei Eintritt in das Verlies direkt abgezogen und steht nicht mehr zur Verfügung. Dieser Wert kann allerdings durch das Verbessern der Covens mit der Zeit reduziert werden. Die Leiste sollte dennoch bei der Planung mit einbezogen werden.

Ein Wagen voller Schätze

Labyrinth of Refrain: Coven of DuskNeben Fallen, Monstern und sonderbaren Bewohnern des Labyrinths gibt es natürlich auch Schätze. Wertvolle Items, Gold und im Fall von Hexen kann Mana in den einzelnen Abschnitten gefunden werden. Besondere Gegenstände müssen erst identifiziert werden. Gefällt euch eure Ausrüstung und ihr habt nebenbei eine Menge Mist eingesammelt, der schon seit Stunden nicht mehr an eure Ausrüstung heranreicht, könnt ihr diesen mit euren gegenwärtigen Klamotten fusionieren und diese verstärken.

Trotz des recht hohen Schwierigkeitsgrades, ab ungefähr der Mitte des Spiels, motivieren die verschiedenen Spielelemente ungemein, eine gewisse Affinität zum Taktieren oder Grinden sollte man allerdings schon besitzen. Spätere Abschnitte und gerade Bosskämpfe werden euch, wie bereits erwähnt, einiges abverlangen. Das Fehlen einer Funktion zum Speichern von Hinweisen und Tutorials, sobald man sie einmal gelesen hat, lässt einen ebenfalls manchmal ins Straucheln geraten und ratlos zurück. Eine Funktion zum wiederholten Abrufen dieser Lektionen innerhalb der Basis wäre nett gewesen.

Schön anzusehen, aber manchmal doch etwas zu viel

Grafisch sollte man keinen Next-Gen-Dungeon-Crawler erwarten, was nicht heißt, dass nicht mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Die Designs aus der Feder von Takehito Harada (bekannt für Artdesigns der Disgaea-Reihe, Makai Kingdom oder Phantom Brave) schwanken von niedlich über bizarr bis hin zu verrucht und schlüpfrig und drücken dem Spiel seinen Stempel auf. Manche der Designs lassen einen kurz mit großen Augen zurück – manchmal meint man, ein Criminal Girls zu spielen hinsichtlich einiger bestimmter Designs. Auch die Dungeons sind trotz der altbackenen Erscheinung recht detailliert für einen Dungeon Crawler. Für ein Verlies unterhalb einer Stadt erwarten euch doch recht vielfältig entworfene Areale. Finstere Höhlen oder Gnomdörfer sind nur einige der besuchbaren Abschnitte. Das Hauptaugenmerk lag aber eindeutig bei den Designs der verschiedenen Monster und Bosse, die euch das Leben schwer machen und teilweise zwei Bildschirme füllen können. Die Designs wirken frisch und unverbraucht, was man bei der musikalischen Untermalung nicht unbedingt behaupten kann. Hier lautete eher die Devise “altbekannt ist altbewährt”.

Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk – Ist das Disgaea?

Spieler, die bereits mit Titeln von Nippon Ichi Software vertraut sind, werden hinsichtlich der musikalischen Ausstaffierung auf bekannte Rhythmen und Melodien stoßen. Die einzelnen Titel ähneln vom Stil im großen Maße Vertretern wie Disgaea. Den Spieler erwartet eine Zusammenstellungen von poppigen bis hin zu klassischen Stücken, welche melodisch reichlich verziert worden sind.

Die Stücke passen harmonisch zum Spiel, haben aber durch den stilistischen Wiedererkennungswert kaum wirkliche Eigenständigkeit. Man könnte meinen, gerade einen Disgaea-Titel zu spielen. Innerhalb der Verliese erwarten den Spieler eher gemächlich klassische bis orchestrale Stücke. Jedes Verlies erhielt hierbei seine eigene individuelle musikalische Untermalung. Schnellere Melodien werdet ihr eher in den Kämpfen und den Menüs finden als in den Verliesen selbst.

Ende gut, alles gut?

»Was erwartet einen nun mit Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk? Den Spieler erwartet eine Geschichte, die zwischen Komik und Tragik wechselt und dabei teilweise positiv haarsträubende, gar abstruse Verhältnisse annimmt. Die Geschichte nimmt sich viel Zeit und zieht erst ab der Mitte, eigentlich sogar im letzten Drittel erst, so richtig an. Vorher werden einem die charmanten Charaktere vorgestellt und besonders Luca wächst einem ans Herz. Gespickt wird das Ganze durch eine Menge Slapstick-Einlagen, welche ein markantes Zeichen der Entwickler sind.

Je nach Erfahrung und Spielstil erwartet den Spieler ein Dungeon Crawler mit einer moderaten bis anspruchsvollen Schwierigkeitskurve. Intuitive Fähigkeiten lockern das Erkunden innerhalb der Dungeons auf und brechen ein wenig mit dem starren Leveldesign ähnlicher Vertreter. Grafisch erwartet uns ein Titel, der zwar nicht State-of-Art-Grafik bietet, dafür aber durch seinen Stil bezüglich der Charaktere, Monster und dem Leveldesign brilliert. Der Humor fällt teilweise recht zotig aus, manche Monster sind recht obszön ausgefallen. Das muss man mögen, wenn man sich mit dem Titel befasst. Fans von Dungeon Crawlern sollten auf jeden Fall zugreifen. Alle anderen schauen lieber erstmal in die Demo rein.«

 

Eine für NIS typische Geschichte, die im Wechsel zwischen Komik und Tragik schwebt und teilweise mit dem ein oder anderen zweideutigen Dialog angereichert wurde.
Klassischer Dungeon Crawler, welcher aber durch einige innovative Ideen das starre Konzept etwas aufbricht. Das Kampfsystem und die Entwicklung der eigenen Helden bietet Suchtpotenzial, das lange anhält.
Das Gewand wirkt etwas altbacken für einen PS4-Titel, überzeugt aber dennoch mit einem verspielten Charme und einer breiten Palette an hochwertigen Gegner-Designs.
Es wird eher auf klassische, altbewährte Melodien zurückgegriffen, welche man schon zur Genüge in anderen Vertretern derselben Spiele-Schmiede gehört hat. Poppige bis klassische Stücke untermalen die verschiedenen Dungeons und Menüs.
Das Spiel besitzt einen moderaten bis hohen Schwierigkeitsgrad. Wahlweise kann Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk mit englischer oder japanischer Tonspur gespielt werden.