Im Test! Senran Kagura Reflexions

Mit Reflexions findet die Reihe nun auch auf Nintendo Switch eine Heimat und auch dieser Titel reiht sich in die Kategorie “ungewöhnliche Spin-off-Titel” ein...

Senran Kagura ist von einem kleinen 2D-Beat-’em-up zu einem riesigen Franchise herangewachsen. Die Serie von Marvelous umfasst mittlerweile vier Haupttitel im Beat-’em-up-Genre mit starken Musou-Einflüssen und mit der Zeit nun auch in einer 3D-Umgebung. Neben den Titeln der Hauptreihe, wo es grob um den Kampf zwischen zwei Ninja-Schulen geht, hat das Franchise auch einige Genre-ferne Spin-off-Titel hervorgebracht.

Mit Senran Kagura Reflexions findet das Franchise nun auch auf Nintendo Switch eine Heimat und auch dieser Titel reiht sich in die Kategorie “ungewöhnliche Spin-off-Titel” ein. Während man in Bon Appétit mit den Ninja-Mädchen kochen und in Peach Beach Splash sich gegenseitig nass spritzen konnte, dreht sich Senran Kagura Reflexions um das Massieren.

Vielleicht erinnern sich noch einige an einen seltsamen Teaser zum Spiel. Hier zeigte man unter anderem Wackelpudding, der wohl stellvertretend für das Trademark der Reihe, die wackelnden Brüste der Ninja-Schülerinnen, stehen sollte. Für einen Ableger auf Nintendo Switch wollte man einzigartige Eigenschaften der Konsole im Gameplay verarbeiten und so ein exklusives Erlebnis schaffen. Senran Kagura Reflexions ist das Ergebnis dieses Projekts und besonderes Augenmerk in diesem „Dating“-/Massage-Simulator legte man auf die Einbindung des HD-Rumble-Features von Nintendos neuester Konsole.

Fanservice mit Körperkontakt

Fanservice mit Körperkontakt ist die Devise und auch wenn man das sicher schon öfter hatte, erhofft man sich mit HD-Rumble wohl noch mehr Immersion für die Fans der überschwänglich ausgestatteten Schulmädchen. In Senran Kagura Reflexions muss man sich allerdings mit dem Hauptcharakter Asuka zufriedengeben – weitere Mädchen werden als DLC nachgeliefert. Wir halten fest: 17-jähriges Schulmädchen mit großen Brüsten und Massieren. Da schrillen die Alarmglocken! Die USK hat in der Vergangenheit dem ein oder anderen ähnlich gelagerten Titel nicht grundlos die Altersfreigabe verweigert. Doch Senran Kagura Reflexions ist erlaubt, wenn auch erst ab 18 Jahren. Die PEGI hat den Titel übrigens ab 16 freigegeben.

Doch nun ist es Zeit Hand anzulegen und in die Vollen zu gehen. Erwartet uns ein hocherotisches Abenteuer mit erwachsenen Inhalten oder doch eher ein billiges Fanservice-Spiel, was langweiliger und einfallsloser nicht sein könnte? Spoileralarm: Leider stimmt Letzteres!

Ninja Inception

Senran Kagura Reflexions spielt sich komplett in einem leeren Klassenzimmer ab. Eine sichtlich aufgeregte Asuka steht euch gegenüber und hofft nach einem wirren Gespräch, dem Spieler näherzukommen. Sie streckt euch ihre Hände entgegen und nun gilt es, ihre Hände und Finger zu massieren. Je nach Druckpunkt gelangt man dann urplötzlich in eine Traumwelt, die eine Facette von Asukas Persönlichkeit widerspiegelt. Diese Träume zeigen unsere herzallerliebste Kunoichi in verschiedenen Kostümen, ganz dem Klischee „Otakus feuchter Traum“ entsprechend. Von Asuka im engen Sportdress über die sexy Lehrerin bis hin zum Dauerfavorit (der kleinen Schwester) sind hier alle bekannten japanischen „Heißmacher“ vertreten.

Nun geht es ans Eingemachte, denn das Mädchen ist auch in ihren Träumen sehr verspannt und benötigt eine ausgiebige Ganzkörpermassage. Hier gibt es nun zwei Möglichkeiten, die zur Entspannung führen sollen. Zwei Hände tauchen auf dem Bildschirm auf und man kann entweder an gewissen Körperstellen zudrücken oder je nach Körperteil piksen oder einen Klaps verteilen.

Die kleinen Ferkel unter uns greifen natürlich direkt an die Brüste, aber das mag unsere Ninja-Dame nun überhaupt nicht, auch der Hintern oder der Rücken sind Tabuzonen für die ewig verspannte Frau. Unter Massage habe ich mir eigentlich immer etwas anderes vorgestellt, denn die beiden Optionen erinnern eher an betatschen und nerven als an irgendetwas Entspannendes.

Doch auch hier wird man eines Besseren belehrt. Über den Modus, der zur Einstellung für die Kamera dient, bekommt man eine weitere Option, Asuka von ihren Leiden zu entlasten. Mit einem Wasserschlauch kann man die Gute nun von Kopf bis Fuß nass spritzen und auch wenn das nicht unbedingt zum Fortschritt des Spiels beiträgt, kommt das der Definition von Massage wohl am nächsten.

Der „Finishing Move“ der Massagevarianten

»In Senran Kagura Reflexions muss man sich vorerst mit dem Hauptcharakter Asuka zufriedengeben – weitere Mädchen werden als DLC nachgeliefert.«

Nichtsdestotrotz muss man nun verschiedene Körperteile anstupsen, um eine von fünf verschiedenen Stimmungen zu intensivieren. Rot ist meist die beste Stimmung, während man in den Tabubereichen eher die lila und blauen Stimmungen auslöst. Hat man nun genug auf dem Mädchen rumgedrückt, so erscheint eine neue Massagevariante, der “Finishing Move” sozusagen. Von der Traumwelt springt man nun in eine weitere Traumwelt, in der Asuka für den Spieler bereitliegt, um sich entweder die Schenkel durchklöppeln, mit einer Bürste den Arm abrubbeln oder letztendlich mit dem beliebten Massagestab den Bauch massieren zu lassen.

Nach all dem verlässt man die Traum-im-Traum-Sequenz und es geht wieder von vorne los. Nach fünfmaliger Wiederholung erhält man je nach erreichter Stimmung ein Puzzleteil, welches sich nach dem fünften Durchgang zu einem Bild zusammenfügt. Das True Ending wartet auf euch und das war es auch schon.

Im besten Falle hat man nun 25 Mal „massiert“, um das Spiel endlich beiseitelegen zu können. Da das Gameplay sonst nichts weiter zu bieten hat, wirft das einige grundlegende Fragen auf. Warum ist ein junges, agiles Mädchen so unglaublich verspannt? Übt Senran Kagura Reflexions Kritik an der Sexualisierung von großbusigen Frauen, indem es auf üble Verspannungen und Rückenprobleme hinweist, unter denen Frauen mit üppigen Brüsten oft zu leiden haben? Warum hilft man dem Mädchen nicht mit einer richtigen Massage und belästigt sie mit Rumpikserei und Schlägen? Fragen über Fragen, doch nun zurück zum Spiel.

Anziehpuppe und Fotomodell

Neben der „Story“ hat man auch die Option auf einen freien Modus, wo man den Hintergrund und die Kleidung von Asuka frei auswählen kann. Die üblichen „Massage“-Möglichkeiten stehen hier zur Verfügung und auch verschiedene Stimmfarben lassen sich auswählen, sofern man diese freigeschaltet hat.

Im serientypischen Umkleideraum kann man seine Asuka nach Belieben anziehen, frisieren und mit Accessoires behängen. Diese schaltet man alle im Laufe des Spiels frei und können auch in den Storymodus importiert werden. Der Fotomodus erlaubt nun das Ninja-Mädchen in jeder erdenklichen Pose zu platzieren und entsprechend Fotos zu schießen. Hier fällt auf, dass man auch Optionen für mehrere Personen bietet, was aber wohl nur Sinn macht, wenn man die weiteren Mädchen via DLC kauft. Alles in allem gibt es hier doch eine gute Anzahl an Einstellungsmöglichkeiten, die selbst das eigentliche Spiel an Abwechslung übertreffen können. Wenn der Fotomodus interessanter ist als das eigentliche Spiel, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

»Positiv kann man aber die Wobble-Engine hervorheben.«

Grafisch lockt Senran Kagura Reflexions zudem auch keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Zwar ist die Reihe mittlerweile auf PlayStation 4 angekommen, aber von der PS4-Grafik sieht man auf Nintendo Switch leider nur sehr wenig. Mitunter scheint es, dass man auf Modelle der Nintendo-3DS-Spiele zurückgegriffen hat. Bei so wenig Inhalt hätte man zumindest an der Grafik feilen können, zumal man sowieso nur das Fanservice-Klientel ansprechen möchte.

Positiv kann man aber die Wobble-Engine hervorheben. Besonders, wenn man Asukas Oberschenkel massiert, bekommt man eine recht realistische Darstellung von einem wackelnden Schenkel geboten. Auch sonst scheint man besonderes Augenmerk auf richtiges Wackeln gelegt zu haben. Wenigstens etwas, wo man sich Mühe gegeben hat. Danke hierfür.

Jetzt hätten wir doch fast die Einbindung des HD-Rumble-Features vergessen. Schwer zu sagen, ob man dadurch nun mehr Immersion erreicht, denn das ganze Spielprinzip ist so abstrus und unglaubwürdig, dass man selbst durch eine womöglich realistischere Darstellung von Berührungen und dergleichen in keinster Weise tiefer in das Spiel eindringen könnte. Nichtsdestotrotz ist das Feature vorhanden und es ruckelt und vibriert vor sich hin, ohne groß innovativ zu sein. Interessant war lediglich, dass man bei der Berührung der Hand nach einer Zeit den Herzschlag spüren kann, aber das war es dann auch leider schon mit der unglaublichen Immersion. Schade…

Schlechter Geschmack kennt keine Altersfreigabe

»Spiele in Animeoptik haben es derzeit schwer in Europa und besonders bei uns in Deutschland. Gerade japanische Entwickler neigen dazu, minderjährig anmutende Figuren in aufreizenden Posen zu zeigen und so den Durst der Fangemeinde zu stillen. Keine Frage, Kinder und Minderjährige haben das Recht auf Schutz, aber letztendlich muss man sich auch in bestimmten Fällen auf das Ausgangsmaterial beziehen und auch differenzieren können.

Senran Kagura Reflexions ist ein gutes Exemplar an schlechtem Geschmack, aber schädlich ist dies sicherlich nicht. Jegliche eindeutig sexuelle Handlung an der Protagonistin wird von ihr mit Ablehnung beantwortet und wenn überhaupt reiht sich das Spiel maximal in die gleiche Kategorie wie jedes andere Fanservice-Spiel ein. Ob eine Freigabe ab 18 nun gerechtfertigt ist, sei einmal dahingestellt, allerdings fällt das Spiel eher in die Sparte absoluter Müll als irgendetwas, was Menschen schaden könnte.

Wer abseits dessen Spaß daran hat, seiner Lieblingsheldin der Senran-Kagura-Reihe einmal auf infantile Weise näherzukommen und der unlösbaren Aufgabe gewachsen ist, einem fiktiven Animemädchen Entspannung durch eine Massage zu verschaffen, dem sei Senran Kagura Reflexions ans Herz gelegt. Mehr als piesacken und anschauen wird aber letztendlich nicht geboten und ist für rund 10 Euro schon überhaupt nicht mehr mit irgendwelchen Mitteln empfehlenswert.«

 

Mädchen mit chronischer Verspannung wartet auf Erlösung.
Drücken und piksen via Knopfdruck oder auch mit Bewegungssteuerung.
Mitunter sieht das Spiel aus wie ein 3DS-Spiel. Bisschen mehr hätte man schon erwarten können.
Originalstimme von Asuka mit äußerst schlechten Dialogen. Bekannte Senran-Kagura-Lieder lassen sich im Spiel freischalten.
Vieles durch das Spiel freischaltbar, allerdings legt man für jeden weiteren Charakter noch einmal 10 Euro auf den Tisch. Fotomodus bietet mehr Abwechslung als das Spiel selbst.