Im Test! Dead Cells

Dead Cells findet seinen Weg auf Konsolen. Ob das Rougelite-Abenteuer an den Erfolg der PC-Version anknüpfen kann, erfahrt ihr in unserem Test...
Titel Dead Cells
Europa 7. August 2018
Motion Twin
System PlayStation 4, PCs,

Nintendo Switch, Xbox One

Getestet für PlayStation 4
Entwickler Motion Twin
Genres Rougelite
Texte
Deutschland Nordamerika 

Die Liste an von Metroid oder Castlevania inspirierten Spielen ist ellenlang und umfasst zu einem beachtenswerten Teil Roguelikes. Die zufallsgenerierten Level kombiniert mit einem ordentlichen Schwierigkeitsgrad stoßen bei großen Teilen der Videospiele-Community offensichtlich auf Anklang. Dead Cells, ein weiterer Genrevertreter, verließ bereits vergangenen August die Early-Access-Phase und bahnt sich nach einem durchaus erfolgreichen Steam-Streifzug seinen Weg auf PlayStation 4, Nintendo Switch und Xbox One. Ob Dead Cells seit letztem Jahr zurecht Spieler an PC-Monitore bindet und die Konsolenversion ebenso vielversprechend daherkommt, erfahrt ihr in unserem Test!

Im Kerker erwacht, übernimmt der Spieler die Kontrolle über ein fehlgeschlagenes, alchemistisches Experiment. Schnell wird klar, dass die Narrative nicht allzu sehr im Vordergrund steht. Von der Geschichte selbst wird wenig erzählt und die größten Fortschritte hinsichtlich des Mythos um die mysteriöse Region, in der sich der Spieler befindet, erzählen hinterbliebene Dokumente und nicht spielbare Charaktere in den Kerkern. Auch scheint die Insel von einer Art Virus geplagt zu sein, da einige Dokumente Krankheitsbilder beschreiben zu scheinen. Bereits nach dem ersten Spieltod wird weiterhin klar, dass es sich bei eurem Charakter um einen Unsterblichen handelt. Wie dem auch sei, sind es die Körper, die ihr übernehmt, nicht. Fällt der Wirt, landet das missratene Experiment im Eingangsbereich des Kerkers. Trotz des minimalistischen Ansatzes hinsichtlich Geschichte und Erzählung verfügt der spielbare Charakter, der eine Art Flamme als Kopf hat, durchaus über Charakter. Zwar spricht dieser nicht mit anderen NPCs, dafür sprechen einige Reaktionen Bände. So werden bei Ahnungslosigkeit oder Verwirrung regelmäßig die Schultern gezuckt und der Kopf geschüttelt. Bei Verärgerung gibt es auch mal den Stinkefinger zu sehen!

Klassisch: Easy to learn, hard to master!

Hand aufs Herz: Die Story ist, sobald das Spiel so richtig Fahrt aufnimmt, zu vernachlässigen. Der Fokus liegt bei Dead Cells todsicher auf dem Gameplay. Und damit macht man absolut alles richtig. Vergleiche und eine Diskussion zu Dark Souls oder Bloodborne erspare ich euch und mir an dieser Stelle. Dead Cells ist von der ersten Minute an sehr einladend für Neulinge. Bereits nach wenigen Spieltoden entpuppt sich das Kampfsystem als intuitiv und leicht zu erlernen. Leicht zu erlernen, aber verdammt schwer zu meistern!

Dem Spieler stehen über fünfzig Waffen und Zauber zur Verfügung, die Wurfmesser, Schwerter, Äxte, Bögen, Feuer- und Frostzauber, Gifte und viel mehr umfassen. Selbstredend besteht auch die Möglichkeit, mit Hilfe einer Ausweichrolle Angriffen von Widersachern zu entgehen. Die Waffen verfügen über unterschiedliche Fähigkeiten, die im Spielverlauf verändert werden können. So kann beispielsweise einer Granate oder einer Falle die Fähigkeit zugewiesen werden, getroffene Gegner einzufrieren. Für doppelten Profit lohnt es sich in dem Fall, das Schwert oder den Bogen mit zusätzlichem Schaden gegen eingefrorene Widersacher auszurüsten.

Die Modifikationen verleihen dem Waffensystem die nötige, strategische Tiefe und sind gut umgesetzt. Eine weitere Komponente, die nicht zuletzt auch einen großen Bestandteil des Spielfortschritts ausmacht, sind Zellen, die einige Gegner nach ihrem Ableben hinterlassen. Diese können nach jedem Teilabschnitt gegen Aufwertungen eingetauscht werden. Die Aufwertungen durch Zellen sind permanent und schalten beispielsweise Waffen frei, deren Entwürfe ihr zuvor eingesammelt habt. Einzusammeln gibt es neben Gold auch Pergamente, die entweder eure Brutalität (Schaden mit roten Gegenständen), Taktik (Schaden mit lilanen Gegenständen) oder das Überleben (Schaden mit grünen Gegenständen) aufwerten. Diese verändern sich je nach Grad der Aufwertung ebenso. Die taktische Vielfalt kommt keinesfalls zu kurz und prinzipiell ist keine Waffenkombination obsolet und kann, bei entsprechendem Spielstil, zum Erfolg führen.

Als würden Anpassungsmöglichkeiten hinsichtlich der Waffen und eigenen Parametern nicht ausreichen, empfehlen sich gegen unterschiedliche Widersacher auch unterschiedliche Ansätze. Und unterschiedliche Gegner gibt es einige! Jedes Areal überzeugt durch eine ordentliche Auswahl dem Umfeld angepasster Gegner. Klassische Zombie-ähnliche Widersacher, Bogenschützen, mächtige Magier, giftspeiende Skorpione: an Variation mangelt es Dead Cells nicht. Die Areale selbst führen zu mehr als nur einer Destination. So kann beispielsweise aus dem ersten Areal, dem Kerker selbst, entweder der Weg durch die Kanalisation gewählt werden oder weitere Areale über eine Art Vorplatz der Kerker erschlossen werden!

Zusammenfassend müssen sich Spieler, trotz katzenartiger Reflexe und der Achtsamkeit eines Wachhundes, damit abfinden, regelmäßig ins Gras zu beißen. Während das insbesondere in der Anfangsphase absolut unproblematisch ist, steigt der Frust im weiteren Spielverlauf. Es kommt durchaus vor, dass das Erreichen des dritten Areals über 20 Minuten dauert. Läuft man dort in die Arme des Sensenmanns, muss die besagte Zeit erstmal aufgearbeitet werden. Besonders schnelle Spieler erwarten übrigens am Anfang jedes Areals mit einem Zeitschloss versehene Räume, welche neben zahlreichen Zellen auch Goldreserven sowie Waffen und Upgrades bereithalten. Auf der anderen Seite lohnt es sich aber auch, jedes Areal genauestens zu untersuchen, um die größtmögliche Anzahl an Aufwertungen mitzunehmen, sodass das Überleben im Folgeareal leichter fällt. Entscheidungen, Entscheidungen, Entscheidungen!

Präziser Input, großartige Präsentation

Visuell überzeugt Dead Cells mit einem an Retro-Spiele angelehnten Grafikstil. Die Pixel-Grafik ist detailliert und neben akkuraten Animationen weiß auch die Spielwelt selbst zu gefallen. Egal, ob im Kerker oder hoch über den Dächern der mysteriösen Insel: Motion Twin sorgt stets für ein hübsches Ambiente. Die Effekte unterschiedlicher Waffen sind sehr gut umgesetzt und auch die Attacken der Widersacher machen eine hervorragende Figur. Untermalt ist das gesamte Spielerlebnis durch einen atmosphärischen Soundtrack, welcher, ähnlich den Widersachern, an das Ambiente angepasst ist. Vom Zischen der Schwertklinge bis hin zum Wirken des Einfrier-Zaubers: Soundeffekte sind stets eine Punktlandung.

Neben dem Hauptmodus wartet Dead Cells mit täglichen Herausforderungen auf. Täglich erwartet wagemutige Spieler eine frische Karte, in der der Kampf nicht nur den Monstrositäten gilt, sondern auch der Uhr. Läuft der Zähler am Bildschirmrand ab, endet der Versuch! Bei all dem läuft Dead Cells technisch einwandfrei. Die 60 Bilder pro Sekunde werden in der Version für PlayStation 4 durchgehend gehalten. Zu Abstürzen kam es während des Spieletests nicht. Die Steuerung lässt sich im Spielmenü umkonfigurieren.

Lebendiger denn je!

»Während die vernachlässigbare Story zwar interessante Ansätze bietet, kommt beim Spieler einfach zu wenig Handfestes an. Das Gameplay ist ein reines Feuerwerk: Von den zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten des Spielerlebnisses und Kampfstils bis hin zur hervorragenden Umsetzung des blitzschnellen, hochpräzisen Kampfsystems macht Dead Cells alles richtig. Visuell und auditiv überzeugt Dead Cells gleichermaßen und bereichert das Konsolen-Portfolio von Nintendo, Microsoft und Sony gleichermaßen.«

 

Hier gibt es nicht allzu viel zu sagen: auf einer mysteriösen Insel bricht eine Art Killervirus aus?
Massig Variation, präzise Steuerung und die volle Kontrolle: Kompliment an Twin Motion.
An Retro-Spiele angelehnter Pixel-Grafikstil. Animationen sowie Ambiente wissen zu überzeugen.
Auditiv muss sich Dead Cells nicht verstecken. Atmosphärischer Soundtrack und hervorragende Soundeffekte
Dead Cells wird ziemlich schnell ziemlich hart, bleibt dabei aber fair.