Im Test! Mario Tennis Aces

Die Mario-Tennis-Reihe existiert bereits seit über 20 Jahren. Nun erscheint sie mit Mario Tennis Aces auch auf Nintendos neuester Konsole. Kann Aces im Test...
Titel Mario Tennis Aces
Japan 22. Juni 2018
Nintendo
Nordamerika 22. Juni 2018
Nintendo
Europa 22. Juni 2018
Nintendo
System Nintendo Switch
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler Camelot
Genres Sport
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Deutschland Nordamerika Japan

Golf, Baseball, Fußball – unser liebster Videospiel-Klempner Mario macht wohl vor keiner Sportart Halt, denn selbst an den olympischen Spielen nehmen er, seine Freunde, Rivalen und Widersacher teil. Die Mario-Tennis-Reihe existiert bereits seit über 20 Jahren. 1995 erblickte Mario Tennis für Virtual Boy das Licht der Welt, nun erscheint sie mit Mario Tennis Aces auch auf Nintendos neuester Konsole. Der Vorgänger, Mario Tennis: Ultra Smash für Wii U, konnte sich in unserem Test nicht wirklich beweisen, doch haut mich vielleicht Mario Tennis Aces spielerisch mit einem Schmetterball um?

Unruhe auf den Solarius-Inseln

Zuletzt gab es 2005 mit Mario Tennis: Power Tour für Game Boy Advance einen Storymodus in der Mario-Tennis-Reihe. Die Geschichte in Aces führt Mario und seine Freunde auf eine Inselgruppe, welche früher das Gebiet des tennisverliebten Solarius-Königreichs war. Nach einem Turnierfinale zwischen Bowser und Mario möchten Wario und Waluigi, die bereits einen merkwürdigen Eindruck mit ihren leuchtenden Augen machten, dem Sieger einen Preis verleihen. Hierbei handelte es sich um einen legendären Schläger aus dem Solarius-Tempel, welcher eine zwielichtige Entität namens Luzius in sich beherbergte. Nachdem Luigi angetan nach dem Schläger griff, entfesselte er Luzius und wurde zusammen mit Wario und Waluigi besessen. Nun liegt es in Marios Hand, das Schicksal seines Bruders und der gesamten Welt herauszufordern, denn Luzius sucht auf den Insel nach seinen versiegelten Kräften, mit denen er die Welt zerstören könnte.

»Glücklicherweise tischt der Storymodus nicht ein ödes Tennis-Match nach dem anderen auf, sondern mischt das Ganze mit Hindernissen, Rätseln und knackigen Bosskämpfen.«

Die Geschichte selbst ist jetzt nichts Tiefgründiges, jedoch gibt es manche schick gemachten Zwischensequenzen, die ich in einem Mario-Spin-off nicht erwartet hätte. Man bewegt sich zwischen verschiedenen Knotenpunkten auf der Inselgruppe umher und beginnt dann ein Level. Vor und nach jedem Level reden Mario (oder eher Toad, der Mario begleitet) mit anderen Charakteren in kurzen bis mittellangen Dialogen, die mit Humor und Sticheleien gespickt sind.

Der Storymodus hat eine überschaubare Länge, welche ich auf fünf bis sieben Stunden schätze. Glücklicherweise tischt der Storymodus nicht ein ödes Tennis-Match nach dem anderen auf, sondern mischt das ganze mit Hindernissen, Bedingungen, Rätseln und knackigen Bosskämpfen. Ich hätte nie erwartet, dass ein bloßer Schiffsmast als Hindernis in der Mitte eines Tennisfeldes so störend sein kann, denn an manchen Herausforderungen musste ich mich öfter versuchen. Schafft man eine Herausforderung, erhält Mario Erfahrungspunkte (auch für gescheiterte Levels) und manchmal neue Schläger als Belohnung. Je höher Marios Erfahrungsstufe ist, desto schneller kann er sich bewegen und härter zuschlagen. An sich ist das mehrfache Versuchen von Levels nichts Schlimmes, jedoch ist es hier umständlicher, weil eine Option die Stage direkt zu wiederholen fehlt. So muss man die Dialoge vor und nach der Herausforderung wieder und wieder lesen, wenn man sie nicht schafft.

Hättest du einfach die Finger vom Schläger gelassen, Luigi…

Spaß am Schmettern

Das Gameplay in Mario Tennis Aces baut auf den normalen Tennisregeln auf und erweitert das Aktionsrepertoire der Spieler. Man spielt entweder mit einem einzelnen oder zwei Charakteren gegen eine entsprechende Anzahl an Gegnern und versucht natürlich, den Gegner mit geschickter Ballführung auszuspielen. Zu den normalen Schlägen zählen hier ein schneller gerader Schlag, ein Topspin, der den Ball stärker vom Feld abspringen lässt, und ein langsamerer Slice, der eine kurvenförmige Flugbahn aufweist. Zusätzlich hat man noch einen hohen Lob-Schlag und einen kurzen Stoppball zur Verfügung. Die ersten drei Schläge liegen jeweils auf einer eigenen Taste, der Lob und der Stoppball teilen sich einen Knopf, welchen man dann in Kombination mit einer Neigungsrichtung des linken Analogsticks betätigt. Die Anordnung ist hierbei sinnig, man sollte bei den Schlägen nicht durcheinander kommen. Jeder Schlag lässt sich auch aufladen, um den Ball mit etwas mehr Wucht auf das Gegnerfeld zu feuern. Lädt man den Schlag komplett auf, wird er umso fester geschmettert.

»Die Spezialeffekte bei den Ziel- und Spezialschlägen sehen cool und besonders aus. Charaktere sehen gut modelliert aus, die Texturen zeigen zwar nicht die feinsten Details, sind aber auch nicht verwaschen.«

Das Aufladen der Schläge dient nicht nur dazu, diese wuchtiger zu machen. In Mario Tennis Aces gibt es nun eine Energieleiste, die in der oberen linken Ecke angezeigt wird. Wird der Ball günstig auf euer oder das gegnerische Spielfeld geschlagen, leuchtet ein Stern am voraussichtlichen Aufschlagpunkt auf. Ist die Energieleiste zu einem Drittel gefüllt, kann mittels Drücken und Halten der R-Taste ein Zielschuss verwendet werden, bei dem ihr einen starken Schuss per Analog-Stick oder Bewegungssteuerung auf eure gewünschte Stelle feuern könnt.

Komplett gefüllt leuchtet die Energieleiste lodernd auf – mit der L-Taste könnt ihr nun einen verheerenden Spezialschlag entfesseln, den ihr ebenfalls an eine bestimmte Stelle feuert. Dies sind mächtige Mittel, um euch Punkte zu bescheren, jedoch sind sie nicht der einzige Verwendungszweck der Energie. Steht ihr gerade ungünstig und könnt einen Ball schlecht erreichen, kann die R-Taste gedrückt und gehalten werden, um den Superzeitluper zu aktivieren, die Zeit zu verlangsamen und zum Ball hinzurennen. Mit dem Superzeitluper können aber auch Ziel- und Spezialschläge geblockt werden, aber Vorsicht – dafür muss man das Timing drauf haben, sonst nimmt der Tennisschläger Schaden.

Spielt man mit der aktivierten K.O.-Niederlage-Option, kann man sogar verlieren, wenn der Schläger zerstört wird. Pro Match hat man zwei Schläger, die jeweils drei Schüsse mit schlechtem Timing blocken können. Spezialschläge können Schläger jedoch mit einem einzigen Schuss vernichten. Deshalb sollte man darauf achten, dass man Ziel- und Spezialschüsse zur rechten Zeit blockt oder ihnen ausweicht, wenn man dem Gegner noch einen Punkt schenken kann. Diese K.O.-Option und auch die Energieleiste kann man nach Belieben deaktivieren, jedoch sind sie im Abenteuermodus Pflicht.

Dieser einfache Mast hat mich Matches und Nerven gekostet.

Dem Gras beim Wachsen zusehen und -hören

Grafisch kann man sich bei Mario Tennis Aces eigentlich nicht beschweren. Die Spezialeffekte bei den Ziel- und Spezialschlägen sehen cool und besonders aus. Charaktere sehen gut modelliert aus, die Texturen zeigen zwar nicht die feinsten Details, sind aber auch nicht verwaschen. In Mario Tennis: Ultra Smash hatte man zwar eine Masse an Zuschauern im Hintergrund eines Matches, jedoch haben sich diese überaus merkwürdig bewegt und sahen generell eher aus wie bewegliche Pappaufsteller. Mario Tennis Aces bessert hier nach und setzt die jubelnden Fans in 3D um. Das Ambiente auf den Tennisplätzen macht durch eine schöne Gestaltung und beispielsweise angenehmen Texturen im Wald einen sehr guten Eindruck. Zu keiner Zeit beim Spielen kam es bei mir zu Einbrüchen der Framerate oder sonstigen Performance-Problemen. Auch nicht im Mehrspielermodus mit geteiltem Bildschirm.

Die Musik in diesem Spiel ist sehr eingängig, stört nicht, ist aber leider auch nicht wirklich etwas Besonderes. Die Soundeffekte während eines Tennis-Matches sind gut gewählt, jeder Schmetterball hört sich wuchtig an. Das einzig Störende sind die Soundeffekte mancher Charaktere. Charaktere wie Mario oder Luigi haben richtige Voicelines, andere geben nur Geräusche von sich, von denen sich einige schnell doppeln.

Manche Stationen auf eurer Reise können sich sehen lassen!

Umfang geht anders

Startet man das Spiel, hat man ein überschaubares Menü vor Augen. Euch erwartet der Story- bzw. Abenteuermodus, ein Turniermodus, ein Mehrspielermodus und der Realmodus. Im Offline-Turniermodus spielt man, ähnlich wie bei Mario Kart, mehrere Cups, um am Ende eine Trophäe zu erhalten. Jedoch gibt es nur drei Cups und sonderlich schwer sind diese nicht. Die einzige, kleine Herausforderung sah ich hier im Finale des dritten Cups. Im Mehrspielermodus kann man alleine oder zu zweit gegen die KI oder andere Personen spielen, die Spieloptionen lassen sich hierbei nach Belieben einstellen. Der Realmodus erinnert an Wii Sports, denn hier kann man mit Bewegungssteuerung spielen. Die verschiedenen, zuvor erwähnten Schlagarten sind als eigene Bewegungen umgesetzt, jedoch wurden die Bewegungen und das Timing während meines Tests nie wirklich gut erkannt, weshalb dieser Modus leider weniger Spaß macht als ich mir vorstellte.

Das war es leider schon. Zu Beginn bietet das Spiel 16 Charaktere, weitere schaltet man im Verlauf des Storymodus oder im Turniermodus nicht frei. Es ist geplant Charaktere wie Koopa und Blooper (die beide als NPCs im Abenteuermodus vorkommen) nachträglich per Onlineturnier-Teilnahme oder kostenlose Downloads zur Verfügung zu stellen. Jedoch ist es einfach schade, dass man, bis auf Tennisplätze aus dem Abenteuermodus, quasi nichts freischaltet. Kann man sich mit dem schlichten Hafenstadion als einzigen Tennisplatz abfinden, hat man keinerlei Grund, den Abenteuermodus zu spielen.

Apropos online – ich hatte während des Testzeitraums nicht die Gelegenheit, online gegen andere zu spielen, jedoch habe ich Anfang Juni am Online-Test-Turnier teilgenommen und kann kurz davon berichten. Das Matchmaking verlief schnell und vorteilhafterweise wurde vor Zustimmung zu einem Match angezeigt, wie gut die Verbindung zum Gegner war. War die Anzeige im roten Bereich war zu erwarten, dass es zu Rucklern kommt, weshalb ich die meisten Gegner mit rot angezeigter Verbindung ablehnte. Doch leider kam es während mancher Spiele trotzdem zu Einbrüchen in der Verbindung, was das Spiel beinahe unspielbar machte, da Mario Tennis Aces auf schnelle Reaktionen ausgelegt ist. Ich kann nur hoffen, dass sich die Infrastruktur geändert hat, denn der Online-Modus machte wirklich Spaß.

Kein Grund, niedergeschlagen zu sein, Mario! Das Spiel bereitete mir trotzdem Vergnügen!

Ein kurzes, aber spaßiges Match

»Der Kern von Mario Tennis Aces, das Gameplay, macht unglaublich viel Spaß – mit anderen Spielern. Die computergesteuerten Gegner außerhalb des Abenteuermodus stellen sehr selten eine Herausforderung dar, außer man schraubt deren Schwierigkeit wirklich hoch. Die Herausforderungen im Storymodus sind zwar so gut wie optional, jedoch sollte man diesen Modus nicht auslassen. Mir kommt es vor, als ob Nintendo zwar viel Inhalt in das Spiel packte, die meiste Zeit aber in das Gameplay investiert hat. So ist Aces keine komplett runde Sache, aber doch ein Titel, mit dem man Spaß haben kann: speziell mit anderen! Denn darin sehe ich die Stärke von Mario Tennis Aces – die Möglichkeit, sich spannende Matches mit Freunden, Familie oder Online-Spielern zu liefern.«

 

Rettet die Solarius-Inseln vor der Bedrohung von Luzius, einer bösen Entität in einem Tennisschläger. Spielt euch durch Herausforderungen und knackige Bosskämpfe.
Spannendes Tennis-Gameplay mit einem Twist. Ladet genug Energie auf, um den gegnerischen Schläger mit mächtigen Schüssen zu zerstören. CPU-Gegner sind meistens leider enttäuschend.
Charaktere sind gut modelliert, Texturen sehen gut aus. Die Umgebung der Tennisplätze ist überzeugend. Der Storymodus wartet mit coolen Zwischensequenzen auf.
Eingängige Musik, die jedoch nicht allzu besonders ist. Soundeffekte stimmen, nur die Voicelines mancher Charaktere sind manchmal störend.
Umfang kommt etwas gering vor. Die Steuerung im Realmodus lässt zu wünschen übrig. Weitere Charaktere werden in Zukunft kostenlos zur Verfügung gestellt.