Im Test! BlazBlue: Cross Tag Battle

Arc System Works ist am besten bekannt für seine ausgezeichneten Arcade-Prügler Guilty Gear und BlazBlue. Auch im Zusammenhang mit Persona 4 Arena und...
  • Titel
BlazBlue: Cross Tag Battle
Japan 31. Mai 2018
Arc System Works
Nordamerika 05. Juni 2018
Aksys Games
Europa 22. Juni 2018
PQube
System PlayStation 4, Nintendo Switch, PC (Steam)
Getestet für PlayStation 4
Entwickler Arc System Works
Genres 2D-Prügler
Texte
Nordamerika Japan
Vertonung Nordamerika Japan

Arc System Works ist am besten bekannt für seine ausgezeichneten Arcade-Prügler Guilty Gear und BlazBlue. Auch im Zusammenhang mit Persona 4 Arena und den Konsolenablegern von Under Night In-Birth wird man sicherlich schon einmal den Namen gelesen haben. Was haben die genannten Titel, mit Ausnahme von Guilty Gear, seit Neustem gemeinsam? Tipp: Es ist nicht das Genre gemeint.

Richtig! Sie sind allesamt im abgedrehten Crossover-Prügler BlazBlue: Cross Tag Battle enthalten, welches auf PlayStation 4, Nintendo Switch und PCs (über Steam) anzutreffen ist. Charaktere aus dem bekannten Web-Zeichentrick RWBY mischen zudem auch mit. Eine unerwartete und seltsame Mischung, bei der man sich fragt, wie es nun genau zusammenpassen soll. Man setzt hierbei verstärkt auf ein Partner-System und stellt mal eben die Steuerung auf den Kopf. Aber verhilft das den Kämpfern zum erhofften Sieg oder müssen sie eine Niederlage durch Qualitätseinbußen einstecken? Unser Test zur PlayStation-4-Version verrät es euch!

Kämpfer aus verschiedenen Welten

Nachdem ihr BlazBlue: Cross Tag Battle startet, findet ihr euch nicht ganz typisch in einem Menü wieder, sondern werdet in eine Lobby gebracht. Hier bekommt ihr Ragna the Bloodedge, den Protagonisten aus BlazBlue, im Chibi-Stil zu Gesicht, mit dem ihr zu den unterschiedlichen Stationen laufen könnt. Es steht auch ein Charakter bereit, der die ganzen Grundzüge des Spiels erklärt. Wer weniger Lust auf Laufen hat, ruft per Knopfdruck ein Menü auf, welches alle verfügbaren Modi und Funktionen zeigt.

Bevor ihr euch in den Kampf stürzt, besteht die Möglichkeit die Spielmechaniken zu erlernen. Ein allgemeines Tutorial erklärt Neulingen, wie der Prügler funktioniert. Es werden Angriffe und eine Auswahl an Combos von jedem Charakter präsentiert. Die einzelnen Lektionen werden nicht nur beschrieben, sondern sind ebenfalls zum selbst Ausprobieren da. Schön ist es, dass auf dem Bildschirm zu sehen ist, was genau mit den aus Arcade-Prüglern bekannten Knöpfen A, B, C und D gemeint ist. Diese sind nicht nur farblich markiert, sondern man kann sie sofort zuordnen. So muss man nicht groß überlegen, ob man nun wirklich die richtige Kombination eingibt. Für Einsteiger ein echter Segen!

Etwas komplizierter wird es bei Missionen, die ein gewisses Geschick und Können voraussetzen. Eine Möglichkeit zum freien Trainieren darf hier natürlich auch nicht fehlen. Allerhand verschiedene Einstellungen und das Aufnehmen von eigenen Kämpfen, die man noch einmal ansehen kann, stellen sich als sehr hilfreich heraus.

Im Gegensatz zu anderen Vertretern des Genres, gerade was die eigentlichen Spiele zu Under Night In-Birth und Persona 4 Arena angeht, ist BlazBlue: Cross Tag Battle recht einsteigerfreundlich und lässt sich durchgehend gut mit dem Controller spielen. Dies liegt an der Umstrukturierung der Steuerung, die es erleichtert, spezielle Attacken und Combos zu vollführen. Für Veteranen kann dies etwas gewöhnungsbedürftig rüberkommen und führt dazu, dass das System neu erlernt werden muss, weil es eben anders funktioniert. Zwar wäre es natürlich besser gewesen, wie in BlazBlue, zwei verschiedene Belegungen der Steuerung zur Verfügung zu stellen, aber da wäre es fraglich, wie das mit den neuen Funktionen zusammengepasst hätte.

Aufgrund von neuen Mechaniken, die nicht in den ursprünglichen Spielen bestanden, musste auch die Vielfalt der Moves jedes Charakters heruntergeschraubt werden. Das heißt, man wird einige bekannte Angriffe vermissen, doch keine Sorge, es bleiben trotzdem genug Angriffe übrig. Wenn man sich darauf einlässt und bedenkt, dass dieses Crossover ein komplett eigenes Spiel ist, dann lässt sich gut über solche Abzüge und Vereinfachungen hinwegsehen, zumal die Kämpfe an sich eine Menge Spaß bringen.

Nicht ohne meinen Partner

Ein wichtiger Bestandteil von BlazBlue: Cross Tag Battle ist die Partner-Unterstützung. Wählt man einen Kämpfer aus, muss man sich im Anschluss für einen weiteren Charakter entscheiden. Genauso sieht es bei eurem Gegner aus.

Dies bedeutet, dass ihr einen Kampf nicht bereits für euch entscheidet, wenn die Energieleiste des Kontrahenten komplett leer ist. Passiert dies, wird sofort seine Unterstützung eingewechselt. Diese kämpft nun an Stelle ihres gefallenen Kameraden. Natürlich gibt die Teambildung nicht nur ein Extraleben, sondern auch einige interessante Spielereien warten darauf, ausprobiert zu werden.

Neben der üblichen Ansammlung an Leisten, die für Energie und die Nutzung von Spezialattacken dienen, wurde eine Leiste für euren Partner hinzugefügt. Diese füllt sich langsam von selbst auf. Da dies einige Zeit in Anspruch nimmt, sollte mit Bedacht davon Gebrauch gemacht werden.

Was Arc System Works aus dem Partner-System rausgeholt hat, sieht in Aktion fantastisch aus und gibt dem Spieler viele verschiedene Möglichkeiten. Der Partner lässt sich zum Beispiel per Knopfdruck aufs Feld rufen, um einen Angriff zu starten. Es gibt einen Spezialangriff, bei dem beide Charaktere zusammen agieren. Ihr könnt den Partner aber auch im Kampf behalten, somit nebenbei Befehle erteilen und gezielt mit beiden Charakteren eine Combo aufstellen. Dies steht direkt mit der zuvor angesprochenen Leiste im Zusammenhang. Aber Vorsicht! Solange euer Kamerad aktiv mitmischt, kann der Gegner diesem ebenfalls Schaden zufügen.

Geht eure Energie zur Neige, lohnt es sich, den aktiven Charakter in die Reserve zu schicken und mit dem Partner weiterzuspielen. In dieser Zeit regeneriert sich die Energieleiste langsam wieder. Durch vollständigen Verbrauch der Unterstützungsleiste kann man sich auch aus Notlagen befreien. Wie man sieht, lässt sich mit diesem System eine Menge anstellen! Jeder Kämpfer hat so seine Vor- und Nachteile, die durch das Zusammenspiel ausgeglichen werden können – solange man den richtigen Partner an seiner Seite hat.

Habt ihr nur noch einen Charakter übrig, fallen natürlich alle diese Funktionen komplett weg. Dafür kehrt ein zeitbegrenzter Modus an dessen Stelle, der bei Aktivierung nicht nur zu Verstärkungen führt, sondern auch unter bestimmten Voraussetzungen einen ultimativen Spezialangriff möglich macht. Ist die Zeit abgelaufen, verschwinden alle Leisten, daher muss der Zeitpunkt der Verwendung gut überlegt sein, sonst hat man im Anschluss schlechte Karten.

Neben den erwähnten Modi bestehen jedoch noch weitere: ein Versus-Modus, bei dem man gegen den Computer oder einen Freund spielen kann, und ein Survival-Modus, in dem man so viele Kämpfe wie möglich mit nur minimaler Regenerierung der Energieleiste bestreitet. Ein anderer unverzichtbarer Bestandteil des Crossover-Prüglers ist der Online-Modus, in dem man gegen Spieler aus unterschiedlichen Regionen antreten oder seine Freunde herausfordern kann. Je nach Leistung werden Punkte und Ränge verteilt und die eigene Spielerkarte lässt sich individuell gestalten. Titel, Icons, Hintergründe und dergleichen werden in einem dafür vorgesehenen Laden gekauft. Auch der Charakter, den ihr in der Lobby steuert, kann gewechselt werden. Wie gut Kämpfe online laufen, konnte leider nicht getestet werden, da mangels PlayStation Plus der Zugriff darauf fehlte.

Can’t Escape From Crossing Fate

Genau dieser Satz, der den Start eines Gefechts einleitet, passt ähnlich gut zur Beschreibung der Handlung. Da Arc System Works die Episoden, die in BlazBlue, Persona 4, Under Night In-Birth und RWBY unterteilt sind, komplett von der Share-Funktion der PlayStation 4 blockt, wird an dieser Stelle nur oberflächlich darauf eingegangen.

Die Handlung ist, wie erwartet von einem Crossover, eher sinnfrei und lustig. Einen positiven Teil dazu trägt die weitgehend schön gestaltete Lokalisierung bei, die spaßig zu lesen ist. Leider sind die einzelnen Episoden nicht sehr umfangreich, was es erschwert, sich ein gutes Bild von den einzelnen Charakteren zu machen. Zudem werden Andeutungen auf Dinge gemacht, die man nur wissen kann, wenn man sich mit den jeweiligen Spielen auskennt. Dementsprechend wird nicht immer klar, in welchem Zusammenhang bestimmte Charaktere stehen. Dies ist nicht schlimm, aber es wäre schön gewesen, eine Liste mit Profilen und Erklärungen zu haben.

Schade ist auch, dass nur BlazBlue verschiedene Enden hat, die zum Teil durch die anderen Episoden beeinflusst werden. Soll heißen, lediglich diese Geschichte hat einen Wiederspielwert, alle anderen nicht. Das Spiel legt zudem fest, welche Charaktere ihr in den Kämpfen, die mehrfach zwischen den Unterhaltungen auftreten, steuert.

Eher enttäuschend fällt das Artwork aus, welches für Dialoge benutzt wird. Schlecht ist es ganz und gar nicht, jedoch wirkt der Stil bei einigen Figuren eher seltsam und man verwendet nur das Standard-Artwork innerhalb der Handlung. Es wäre natürlich sinnvoller gewesen, nicht jeden durchgehend seine Waffe sichtbar zeigen zu lassen, wenn die Texte was ganz anderes aussagen. Event-Bilder gibt es lediglich ein paar, aber diese sind lohnenswert freizuschalten. Dementsprechend leer schaut die Galerie aus. Wenigstens Gastzeichnungen oder andere Boni hätte man dort mit unterbringen können.

Die verwendeten Sprites innerhalb der Gefechte können sich sehen lassen. Hier wird Qualität gezeigt, die sich auch in Bewegung nicht verschlechtert. Wer mit der japanischen Sprachausgabe spielt, kann sich sogar auf Lippensynchronität freuen. Hintergründe befinden sich grafisch auf einem guten Niveau, wirken nicht verwaschen und man kann viele Details entdecken. Beim Spielen wurden übrigens keinerlei technische Mängel festgestellt. Die Erkennung der Steuerung funktioniert einwandfrei und die Kämpfe laufen flott und flüssig ab.

Unvollständige Kämpferauswahl

Neben der bereits erwähnten japanischen Sprachausgabe wird auch eine zum Großteil hochwertige englische Synchronisation angeboten. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen, die etwas die Qualität herunterziehen, aber damit kann man leben. Der schlechteste Vertreter ist Ruby von RWBY. Bei ihr werden Betonungen komisch gesetzt, ganze Wörter verschluckt oder falsch ausgesprochen. Manchmal scheint die Sprecherin nicht zu wissen, wann ein Satz aufhört. Blakes Sprecherin hat leider auch so ihre Probleme. Ein Lob gilt denjenigen, die den Charakteren aus Under Night In-Birth ihre Stimmen verleihen, weil das wirklich eine perfekte und passende Besetzung ist. Die hätte man gerne auch im eigentlichen Spiel gehabt.

Bestimmte Charakter-Kombinationen führen zu Extra-Dialogen vor und nach einem Kampf. Hier hätte mehr draus gemacht werden können, was Auswahl und Vielfalt angeht, zumal diese ganz lustig mit anzusehen sind.

Zur Musik gibt es nicht viel zu sagen, weil viel von den jeweiligen Titeln übernommen wurde und neben den rockigen, schnellen Tracks gibt gerade Persona 4 einen guten Ton an. Hier fallen auch die RWBY-Lieder positiv auf, die mit Gesang daherkommen.

Ein großer Kritikpunkt: die Anzahl der Charaktere, die hinter kostenpflichtige DLCs gesperrt wurde, hätte in BlazBlue: Cross Tag Battle nicht in diesem Ausmaß auftreten sollen. Der Auswahlbildschirm mit 20 verschiedenen Charakteren wirkt bei allen Serien außer BlazBlue recht leer und eingeschränkt, was wirklich schade ist. Man hätte zumindest alle Figuren mit in die Standardauswahl nehmen können, die innerhalb der Handlung auftauchen. So ist es einfach zu wenig. Zumindest werden Blake und Yang aus RWBY ab Erscheinungstag gänzlich kostenlos angeboten und das Paket mit den ersten drei DLC-Charakteren kann für zwei Wochen kostenfrei heruntergeladen werden.

Fazit

»Es gibt eine Sache, die BlazBlue: Cross Tag Battle auf jeden Fall richtig macht – den Spielspaß! Zwar gibt es einige Änderungen in Sachen Steuerung, mit denen man ein einsteigerfreundliches Erlebnis und durchgehend gute Controllersteuerung erzielt, aber dies stört im Normalfall nicht das Spielgefühl. Wobei es jedoch sein kann, dass Veteranen des Genres sich hier unterfordert und enttäuscht fühlen. Die Vielzahl der Moves wurde für jeden Charakter ein wenig gekürzt, aber dafür bestehen gänzlich neue Funktionen. Allen voran das Partner-System! So wird der Verlust zum Beispiel durch verschiedene Unterstützungsangriffe ausgeglichen.

Ob ihr euch nun im Versus-, Online-, Survival-, Tutorial- oder Mission-Modus versucht, oder doch lieber die etwas sinnfreie, aber dennoch unterhaltsame Handlung spielt – es weiß auf jeden Fall zu gefallen! Dazu gesellt sich eine weitgehend gelungene Lokalisierung und eine ausgezeichnete englische, sowie japanische Sprachausgabe. Ein entscheidender Kritikpunkt ist und bleibt allerdings, dass die Hälfte der zur Auswahl stehenden Kämpfer als kostenpflichtige DLCs angeboten werden. Dies macht sich bereits mit einem Blick auf den Auswahlbildschirm bemerkbar, denn da herrscht bei Persona 4, Under Night In-Birth und RWBY tote Hose.

Aufgrund der aufgeführten negativen Aspekte und den gegebenen Inhalten würde ich normalerweise raten zu warten, bis das Spiel etwas günstiger wird. Da es sich hier allerdings um einen Prügler handelt, der sicherlich Monate später online weniger aktiv sein wird und da der Grundpreis nicht zu hoch angesetzt ist, hängt die Entscheidung des Kaufes vom Interesse ab. Bleibt nur zu hoffen, dass später eine erweiterte Version erscheint, die mehr Inhalt bietet,  gleich alle Kämpfer mit dabei hat und noch weitere Charaktere hinzugefügt.«

 

Eher Mittel zum Zweck und von sinnloser, lustiger Art; Episoden sind kurz; bis auf BlazBlue kein Wiederspielwert.
Schnelle Kämpfe, mit einem gelungenen Partner-System und verschiedenen Modi zur Auswahl.
Klare Sprites und Hintergründe, die Qualität und Liebe zum Detail zeigen; nur das Standard-Artwork wird während der Episoden gezeigt.
Viele der Tracks stammen aus den jeweiligen Vorlagen; positiv herüber kommen vor allem die rockige Musik und die Lieder mit Gesang aus RWBY und Persona.
Geänderte und vereinfachte Steuerung, die auf Neulinge und Controller ausgelegt ist; die Hälfte der Kämpferliste besteht aus kostenpflichtigen DLCs; zu wenig Event-Bilder und Extras.