Im Test! The Witch and the Hundred Knight 2

Pünktlich zu Ostern beschert uns Nippon Ichi Software mit dem zweiten Teil von The Witch and The Hundred Knight. Ein zweiter Teil ohne die herrische, spitzzüngige...
Titel The Witch and the Hundred Knight 2
Japan 23. Februar 2017
Nippon Ichi Software
Nordamerika 27. März 2018
NIS America
Europa 30. März 2018
NIS America
System PS4
Getestet für PS4
Entwickler Nippon Ichi Software
Genres JRPG
Texte
Nordamerika Japan
Vertonung Nordamerika Japan

Pünktlich zu Ostern beschert uns Nippon Ichi Software mit dem zweiten Teil von The Witch and The Hundred Knight. Ein zweiter Teil ohne die herrische, spitzzüngige Metallia als Protagonistin, funktioniert das? Wir haben Hunny Knight für euch erneut aus der Finsternis heraufbeschworen und uns durch sein neues Abenteuer durchgeboxt. Ob es sich hierbei um eine nette Osterüberraschung handelt oder ob es dieses Mal nur ein faules Ei ist, könnt ihr in unserem Test nachlesen.

Hexenwahn die zweite

Die Geschichte von The Witch an The Hundred Knight 2 spielt in einer von Furcht gebeutelten Welt. Unsere beiden Protagonistinnen Amelie und ihre jüngere Schwester Milm leben in einem Dorf, versteckt hinter hohen Wällen. Ein Schutz, der dazu dienen sollte, die Bewohner vor der Krankheit des Hexenleidens zu schützen, welche ausschließlich Frauen zu befallen scheint. Das Leben ist hart und voller Entbehrungen, aber letztlich haben beide einander. Diese scheinbare Idylle wird eines schönen Tages unterbrochen, als Milm von eben jenem Leiden infiziert wurde. Aus dem Dorf mit Schimpf und Schande gejagt, beginnt eine Reise, welche die Ordnung der Welt zu zerbersten droht.

Nach jenem kurzen Prolog beginnt auch schon die Geschichte, die sich um die beiden Geschwister dreht. Die Heilung der Krankheit und die Beziehung der beiden Geschwister werden dabei in den Vordergrund gelegt. Der Fokus auf den Charakter der Hexe wiegt in diesem Teil weniger, als es noch in der Geschichte von Metallia der Fall war. Die Geschichte hat dabei einen soliden Spannungsaufbau, geizt aber auch wiederum nicht mit dem schon im ersten Teil typischen, derben Humor, der oft hart unter der Gürtellinie einschlägt. Die Sidekicks kommen dabei dieses Mal wesentlich besser rüber als noch im Vorgänger und sind nicht mehr ganz so blass und nervig. Das rundet wiederum das Gesamtbild des Spiels ab. The Witch and the Hundred Knight 2 wartet mit dem ein oder anderen interessanten Twist auf. Durch den etwas anderen Blickwinkel wirkt die Geschichte daher nicht wie ein einfacher Aufguss des ersten Teils und kann sich somit frei entfalten.

Schnetzeln wie im Vorgänger, nur besser

»Die Heilung der Krankheit und die Beziehung der beiden Geschwister werden dabei in den Vordergrund gelegt.«

So lässt sich das Ganze im Grunde zusammenfassen. Die Elemente des Erstlings wurden nahezu komplett übernommen. Veteranen werden sich deswegen in The Witch the Hundred Knight 2 direkt zuhause fühlen, während Anfänger mit Tutorials und Tipps in die Welt eingeführt und anfangs an die Hand genommen werden. Jene, die bereits das erste Abenteuer absolviert haben, werden viele kleine Verbesserungen und Anpassungen der verschiedenen Systeme entdecken. So ist zum Beispiel das nervige Sammeln von Inventarplätzen aus Schatztruhen Geschichte, stattdessen spielt man diese durch einen simplen Levelaufstieg frei.

Müll-Items werden beim Verspeisen von Monstern nicht mehr mit in den Magen aufgenommen. Auch teilen sich Heil-Items und Summons nicht mehr das Touchpad und ständiges Verdrücken ist somit Geschichte. Letztere, die sogenannten Tochkas, wandern wiederum in ein neues Skill-Menü. Hier werden Skills bestimmt, welche dann durch Shortcuts im Kampf ausgelöst werden. Diese kleinen Verbesserungen haben einen enormen Einfluss auf den Spielfluss, verbessern diesen ungemein und erleichtern das Vorankommen. Dennoch, wo Licht ist, gibt es bekanntlich auch Schatten. So kann man seine Gegner leider nicht anvisieren und gezielt angreifen, was bei bestimmten Gegnertypen des Öfteren zu Schlägen ins Leere führt. Dies kann insbesondere im späteren Verlauf dazu führen, dass ein Fehlschlag direkt ausgenutzt und zum Tod mit Itemverlust führen kann.

Auch beim Fressen der Gegner ist das fehlende Anvisieren ärgerlich, wenn man mit dem Sprint am Gegner vorbeizieht und stattdessen Prügel einstecken muss. Das Kampfsystem wurde, wie eingangs erwähnt, vom Grundprinzip aus dem Vorgänger übernommen. Der Spieler bewegt sich gewohnt in Hack-and-Slay-Manier durch die Areale, verdrischt und verspeist alles, was ihm vor der Nase herumtanzt, und sammelt fleißig Ausrüstung ein. Nach einem beendeten Raubzug geht es dann zurück in die eigene Basis. Diese ist wie üblich Dreh- und Angelpunkt eures Abenteuers. Hier könnt ihr euch mit Items eindecken, eure Ausrüstung durch Alchemie upgraden und verschiedene Petitionen für kleinere Boni einreichen.

Die Geschichte ist, wie im Vorgänger, in verschiedene Haupt- und Unterkapitel gegliedert. Jedes Kapitel führt euch in teils witzigen, teils ernsten 2D-Gesprächen an die bevorstehenden Ziele heran. Über eine 2D-Oberweltkarte springt ihr dann zu den einzelnen Checkpoints und fegt durch die schlauchartigen Areale zum Ziel. Der Großteil der Areale hat dabei ein festgesetztes Level-Limit, aber auch hier gibt es Ausnahmen, bei welchen die Gegner mit eurem Level mit ansteigen. Um hier einen Vorteil zu erhaschen, ist es nötig, die richtige Ausrüstung mit dem richtigen Job zu kombinieren. Anfangs steht euch hierbei nur der „Wonder-Knight“ mit ausbalancierten Werten zur Verfügung. Mit Voranschreiten der Geschichte schaltet ihr aber mehrere neue Jobs frei. Jeder Job besitzt ein einzigartiges Skillset. Deren Bandbreite reicht von starken Elementarzaubern über besonders effektive Schwertskills bis hin zu Klonen, die für euch kämpfen. Die Variation führt dazu, dass sich jeder Job in seiner minimalistischen Ausprägung einzigartig anfühlt.

Die Ausrüstung unterteilt sich in Waffen, Rüstung und Accessoires mit verschiedenen Seltenheitsgraden. Fünf Waffentypen mit drei verschiedenen Schadensarten und Zuständen laden zum Kombinieren ein. Bis zu fünf Waffen könnt ihr in ein Set einpflegen und bis zu drei Sets aktiv im Kampf benutzen. Die Bosskämpfe sind bis zum Ende hin recht fair gestaltet und müssen teilweise mit Taktik, teilweise aber auch mit stupidem Draufhauen absolviert werden. Hier stimmt noch das Balancing, anders sieht es da schon bei den Standardgegnern aus. Entweder ist man von vornherein zu stark für diese oder wird gnadenlos von ihnen niedergemacht, ungeachtet dessen, ob man seine Rüstung verstärkt hat oder nicht. Letzteres trifft zwar nur auf jene Gegner zu, welche durch eine besondere Aura gekennzeichnet sind, aber gerade im späteren Verlauf, beim Skalieren der Gegner und der erhöhten Präsenz dieser besonderen Monster, ist ein sofortiger Tod recht oft garantiert. Tröstend sind hier das fehlende Game Over und die minimale Strafe an verlorenen Items, die man in Kauf nimmt.

Wiederholung für Auge und Ohr

Wie gewohnt sollte man bei Spielen von Nippon Ichi Software keine State-of-the-Art-Grafik erwarten und dies ist auch wieder bei Witch and the Hundred Knight 2 der Fall. Grafisch gehört der Titel eher zur letzten Generation, glänzt aber im Vergleich zum Remaster des ersten Teils mit einer wesentlich schöneren Kulisse. Viele kleine Details wurden in die Level eingefügt und durch Effekte und Filter ausgekleidet. Leider trügt das Ganze nicht über den sich wiederholenden Levelaufbau hinweg. Teilweise wiederholen sich Umgebungen und Gegnerplatzierungen schon nach mehreren Schritten wieder von vorne. Hier kann die Kulisse noch so schön wirken, wenn ich diese aber alle paar Minuten erneut sehe, ist das dann doch irgendwo eine größere Enttäuschung. Etwas mehr Variation innerhalb der Zonen wäre von Vorteil gewesen.

Der Soundtrack ist wiederum eine bunte Mischung verschiedener Stile. Hier ein fetziges Stück für einen Bosskampf, da eine ruhige Ballade mit orientalischen Einschüben, vermischt mit den typischen Nippon-Ichi-Rhythmen, die man auch schon aus anderen Spielen des Entwicklers kennt. Die Stücke wirken dabei wohl platziert und stören den Spielfluss nicht, heben sich aber auch nicht unbedingt als kommende Klassiker ab. In der Basis gibt es als kleines Schmankerl einen Musikplayer. Klein in der Tat, da dieser leider nur kurze Samples der Songs abspielt. Hier stellt sich die Frage, wieso man nicht die kompletten Tracks hören kann.

Ende gut, alles gut

»Trotz seiner Schwächen ist Witch and The Hundred Knight 2 ein gelungener Nachfolger, dessen Story mich persönlich am Ende mehr mitgenommen hat als noch beim Vorgänger. Das lag vor allem an den Charakteren, welche die Geschichte getragen und mich durchweg unterhalten haben, anstatt zu nerven. Enttäuschend sind eher die technischen Aspekte wie der repetitive Levelaufbau und das etwas unausbalancierte Kräfteverhältnis. Fans des ersten Teils sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren, da die Verbesserungen in diesem Fall überwiegen.«

 

Solide Geschichte mit derbem Humor, netten Charakteren und ein, zwei netten Twists. 50-60h Spielspaß pro Durchgang erwarten den Spieler.
Stark verbesserte Hack-&-Slay-Action mit kleineren Makeln.
Trotz der altbackenen Grafik und dem stark repetitiven Dungeon-Layout lebt das Spiel von vielen kleinen Details und legt zu seinem Vorgänger nochmal eine Schippe drauf.
Bunter Mix. Verschiedene Stile gemixt mit den typischen NIS-Rhythmen
Drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und mehrere Enden laden zum wiederholten Spielen ein.